Saudi-Arabien, Allgemeines

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Saudi-Arabien, Allgemeines

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Erfahrungsbericht über "Saudi-Arabien, Allgemeines"

veröffentlicht 13.09.2007 | Dr-Joe
Mitglied seit : 20.06.2005
Erfahrungsberichte : 11
Vertrauende : 1
Über sich :
Sehr gut
Pro sehr günstig, unentdeckt
Kontra sehr eingeschränkt
sehr hilfreich
Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

"Riyadh, Saudi Arabien. Ein Land voller Gegensätze"

Der Kingdom Tower

Der Kingdom Tower

Meine Reise nach Riyadh, Saudi Arabien

Grundsätzliches
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Saudi Arabien ist ein Land voller Gegensätze, nicht nur darum, weil es wohl das muslimischste aller muslimischen Staaten ist.
Es herrscht absolute Geschlechtertrennung, wobei dem Mann und Vater die Aufgaben Arbeiten und Geld verdienen, Kindeserziehung der Jungs, Vertretung der Familie in der Öffentlichkeit und Autofahren zu teil werden. Er kleidet sich im typisch weißen knöchellangen Gewand mit der rot-weißen Kopfbedeckung und dem schwarzen Ring. Lange Ärmel schützen vor der Sonne.
Die Frau muss in der Öffentlich die Abaya tragen, ein schwarzes Gewandt, auch ausländische Frauen müssen dies tun. Die meisten tragen dazu noch ein Kopftuch und einen Schleier, so dass maximal die Augen sichtbar sind. Frauen dürfen nicht Auto fahren und sich nicht allein in ein Taxi setzen. Sie dürfen nicht allein in ein Shoppingcenter oder Restaurant gehen. In Begleitung eines familiären männlichen Angehörigen, also Ehemann, Bruder, Schwager, Vater dürfen Frauen auch überall hin, im Restaurant jedoch dürfen sie nur im abgetrennten so genannten Family Sections Platz nehmen.

Die Vorbereitung der Reise
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Es gibt Arbeitsvisa, Geschäftsvisa und Touristenvisa, wobei letztere extrem selten ausgegeben werden.
Alle Visas haben gemeinsam, dass eine offizielle Einladung in arabischer Sprache von einer ortsansässigen Firma absolut erforderlich ist. Beim Touristenvisa kann das nur eine offiziell registrierte saudische Reiseagentur sein. Diese Einladung schickt man zusammen mit einem in englischer Sprache gefertigten tabellarischen Lebenslauf zu einem offiziell bestellten Arabisch-Übersetzer. Meist erledigen die Übersetzung auch die entsendenden Firmen. Kostenpunkt (2007) etwa 20,-€ je Seite. Man packt seinen Reisepass, die übersetzten und originalen Dokumente, ein Profil-Passbild und ein Visa-Antrag in Arabisch/Englisch in einen Brief und sendet diesen zur Botschaft des Königreichs Saudi Arabien in Berlin. Normal dauert die Rücksendung dann eine Woche, Kosten für ein Geschäftsvisum 6 Monate, Mehrfacheinreise 500,- RIAL (ca. 100,- € Stand 08/2007). Bei mir übernahm das die Firma, ich kann leider zur Bezahlung sonst nichts sagen, ich nehme aber an, dass der Betrag vorab überwiesen werden muss oder per Kreditkarte oder Lastschrift abgezogen wird.

Die Reise
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Es gibt von Deutschland 3 Mal wöchentlich Direktflüge nach Riyadh von Frankfurt aus mit Lufthansa, es fliegen aber auch Saudi Arabian Airlines, Emirates, Swiss, Gulf Air und andere Linien nach Jeddah, Riyadh und Damam.
Die Einfuhr von Alkohol aller Art, Schweinefleisch oder Produkten daraus, carboniertem Wasser (Sprudel), Waffen aller Art und Betäubungsmitteln ist strengstens verboten. An Bord des Flugzeuges unterschreibt man eine Deklaration, dass der Handel und die Einfuhr von Drogen aller Art mit dem Tode bestraft werden.
Der Flug dauert etwa 5 ½ Stunden. Bei arabischen Airlines sieht man auf dem Bildschirm einen Pfeil, der sich stetig ändert. Dieser zeigt immer in Richtung Mekka. Die Abfertigung ist schnell vorbei, Passkontrolle und Zoll. Bei der Einreise sollte man etwas Zeit mitbringen, da viele Maschinen in den Abendstunden landen. Die Temperaturen sind im Sommer in der Nacht bei über 40°C angesiedelt. Der Airport King Khaled Int. Ist wie alle anderen auch voll klimatisiert, Rauchen ist verboten.
Zur Einreise benötigt man seinen Pass mit gültigem Visum. Unbedingt darauf achten, dass auch ein ENTRY-Stempel eingetragen wird!
Nach dieser Prozedur - bei mir dauerte es kurze 30 Minuten - holt man sein aufgegebenes Gepäck, dieses wird am Ausgang zusammen mit dem Handgepäck nochmals durchleuchtet. Man kann alles mitbringen, was man zum täglichen Bedarf an Kleidung und Hygienemittel benötigt. 600 Zigaretten sind auch erlaubt, aber sinnfrei, da in Saudi Arabien keine Steuern erhoben werden. Vom Flughafen sollte man sich abholen lassen oder einen Mietwagen nehmen, öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Mittlerweile kann man auch Fotoapparate und sogar DVD's, MP3 Player und Videocameras einführen und es wird auch keine Zollgebühr mehr erhoben. Zum Fotografieren mehr weiter unten.

Hotel
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Die Ausstattung im Hotel ist je nach Klasse wie in Deutschland. Das Personal, wie überall meist Inder, Pakistani oder Leute aus Bangladesh, ist freundlich und spricht gut englisch. Die Hinweisschilder sind zweisprachig (arabisch, englisch). Die Zimmer sind groß, alle klimatisiert, haben eine "europäische" Toilette und auch Papier. Minibar, Fernsehen mit SAT-Empfang (40 Sender, 1 deutsches Programm ZDF, englische Sender und viele arabische) Dusche und Badewanne, Internetanschluss über LAN oder WLAN sind heute selbstverständlich. Die meisten Hotels verfügen über Fitnesscenter (klimatisiert) und einen Pool, dessen Wasser jedoch schon ziemlich warm ist. Das Essenangebot ist reichhaltig, meist in Buffetform, wobei im Außenbereich auch verschiedene Speisen extra auf Anfrage zubereitet werden, z.B. Frühstückseier. Es gibt kalte und warme Speisen zu jeder Mahlzeit. Zu jeder Zeit sollte man im Hotel Hosen mit langem Beinkleid tragen. Das Umherlaufen in Badehosen, Shorts oder mit freiem Oberkörper ist nicht erwünscht. Es wird sich seitens des Personals bemüht, kleinere Reklamationen umgehend zu bearbeiten.

Das Bewegen in der Stadt
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Autos sind in Saudi Arabien sehr teuer, deshalb fährt sehr viel Schrott auf Riyadh's Strassen umher. Wie erwähnt fahren nur männliche Personen Auto, Verkehrszeichen und Hinweisschilder werden in arabischer Sprache angezeigt. Lediglich auf den 8 Stadtautobahnen findet man Symbole oder Namen großer Straßen in englischer Sprache. Man sollte hier die Zahlen lernen, diese sind nicht die uns geläufigen arabischen Zahlen, sondern die indischen. Die Polizei ist allgegenwärtig, die Höchstgeschwindigkeit beträgt außerorts 120 km/h, wer das überschreitet, muss einen Tag ins Gefängnis, innerorts variieren die Geschwindigkeiten zwischen 50 und 80 km/h. Bei Rot wird rechts abgebogen, Ampeln geben immer nur eine Fahrtrichtung frei, sodass man normalerweise auch als Linksabbieger nicht auf Gegenverkehr stößt. Achtung, nur 5% aller Autofahrer blinken beim Abbiegen oder Spurwechsel! Es ist auch üblich, von ganz rechts nach links abzubiegen, Hupkonzerte begleiten den Fahrer die ganze Zeit über.Oft wird auch abends vergessen, das Licht einzuschalten. Zu Fuß geht keiner, alles wird gefahren. Taxis bestimmen das Straßenbild, sie hupen jeden am Straßenrand stehenden Passanten an und laden zum Mitfahren ein. Es gibt auch kleine Minnibusse, sie haben keinen Fahrplan und der Fahrpreis wird geschätzt, halt was man geben will. Auch diese Minibusse muss man nur anhalten, um mitzufahren. Unterwegs werden sporadisch Checkpoints eingerichtet, hier kontrolliert die Polizei temporär die Fahrzeuge. Ebenso vor jeder Einfahrt in Parkhäuser werden Koffer- und Motorraum kontrolliert. Parkhäuser sind gebührenfrei. Parken ist nicht möglich vor Hotels, öffentlichen Einrichtungen aller Art und Banken. Diese Objekte sind versehen mit Betonklötzen und bewaffnetem Sicherheitspersonal. Das Auto sollte unbedingt eine Klimaanlage haben, bei jedem Unfall muss die Polizei gerufen werden, auch bei kleinen Blechschäden. Die Polizisten sprechen kein englisch! Unbedingt immer den Reisepass und den internationalen Führerschein am Mann haben, der deutsche Führerschein auch die Scheckkarte zählen hier nicht! Das Chaos auf den Straßen ist beherrschbar, dank der vielen breiten 6-8 spurigen Straßen gibt es wenig Staus, unübersichtlich sind die Beschilderung und die vielen Kreuzungen mit Hochstraßen und Kreisverkehr. Oft gibt es neben den Autobahnen auch in beiden Richtungen Servicestraßen. Kein Stress also, wenn man eine Ausfahrt verpasst hat, an der nächsten raus und wenden. Die Polizei steht gern auf Brücken und misst mit der Laserpistole die Geschwindigkeit. Wenige hundert Meter weiter ist eine Straßensperre eingerichtet, der Sünder wird gefasst und es gibt kein Verhandeln mit der Polizei und auch kein Entkommen! Auf Höflichkeit allerdings hofft man beim täglichen Autofahren umsonst. Es wird gedrängelt, gehupt, neue Spuren aufgemacht, vor die Ampel gefahren, man wird aus Seitenstraßen nicht in den fließenden Verkehr gelassen - dazu muss man einfach drauf los fahren und das Hupen ertragen.

Fotografieren
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Ein kurzes Wort dazu: Die Videokamera kann man ruhig zu Hause lassen, als Fotoapparat möglichst kleine unscheinbare Digicam oder Fotohandy benutzen. Fotografieren ist grundsätzlich verboten, allerdings kann man dies doch tun, wenn man vorher fragt. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, öffentliche Gebäude vor die Linse zu bekommen. Der Apparat wird eingezogen und nicht ersetzt! Tipp: Aus dem Auto als Beifahrer kann man einige schöne Motive einfangen. Ich selbst habe es auch ausprobiert, in der Stadt und im Hotel fotografiert, es war kein Problem, doch Menschen, besonders Frauen sollte man nicht einfach so fotografieren. Vor militärischen Einrichtungen - und da gibt es eine Menge in der Stadt - stehen zum Hinweis noch extra Fotografier-Verbotsschilder.

Geschäfte, Restaurants, Geldwechsel und Öffnungszeiten
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Einkaufen kann man fast alles, was es in der westlichen Welt auch gibt. Alkohol natürlich nicht, es gibt allerdings auch verschiedene Sorten Bier, Coctails, Alcopops etc. allerdings alle mit 0% Alkoholanteil. Ansonsten alle Arten von Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch (außer Schweinefleischprodukte), Fruchtsäfte, Schokoladen, Süßigkeiten, Milch und Milchprodukte neuerdings aus eigener qualitativ sehr hochwertigen Produktion, Kosmetika, Hygieneartikel, Arzneimittel usw. wie wir es in Deutschland auch kennen. Ferner gibt es jede Menge Kleidung, Marken und auch Landestypisches, meist sind die Preise auch für Artikel aus Deutschland in Saudi Arabien günstiger, wegen fehlender Steuern und günstigem Umtauschkurs. Im September 2007 beträgt der Kurs
1 € = 4.75 ... 4.95 RIAL. Die Geschäfte haben in der Regel ab halb 10 Uhr früh auf, bis Mittag 12:00 Uhr, dann ist ,Zuhr' Mittagsgebet. Die meisten Geschäfte schließen dann bis 16:00 Uhr, Restaurants haben bis 15:30 Uhr geöffnet, schließen zum Nachmittagsgebet wieder. Ab 16:00 Uhr hat alles auf, jedoch wird diese Öffnungszeit zweimal unterbrochen: zum Sonnenuntergang und Abend gegen 20:00 Uhr. Diese Gebetszeiten sind je Region unterschiedlich festgelegt und in der Tagespresse abgedruckt. Die Haupteinkaufszeit ist ab 21:00 Uhr bis Mitternacht, dann schließen viele, andere haben rund um die Uhr 7 Tage die Woche geöffnet (wie erwähnt bis auf die Gebets-Schliesszeiten). Geld wechselt man am Besten in den Wechselstuben, Banken bieten diesen Dienst in der Regel nicht an. Gebühren fallen nicht an, natürlich gibt es auch hier einen Ankauf- und Verkaufpreis. EC Karten kann man einsetzen an ganz bestimmten so genannten Samba Automaten, allerdings ist das nicht immer sicher, dass auch Geld raus kommt. Besser ist es mit Bargeld in den Wechselstuben oder per Kreditkarte an jedem Automaten. Im Hotel kann man natürlich auch Geld wechseln, der Kurs ist in jedem Fall schlechter.
Neben den Shopping Malls und Mega- Einkaufszentren gibt es auch so genannte Sukhs. Das sind Märkte, geleitet von Menschen aller Herren Länder, wo billige Waren aller Art feilgeboten werden. Meist gibt es ganze Viertel mit Geschäft an Geschäft, die alle das Gleiche anbieten. Auf diesen Sukhs geht es typisch orientalisch zu, die Händler sitzen vor dem kleinen und nicht klimatisierten Lädchen und warten auf Kundschaft, man wird angesprochen, man kann sich umsehen, auch mal dies oder jenes an- bzw. ausprobieren, auf jeden Fall ist Höflichkeit und Freundlichkeit sehr angebracht, sollte man einen Artikel ansprechend finden, ist geschicktes Handeln angesagt. Faustregel: Fragen nach dem Preis, den genannten halbieren und vorschlagen, dann nähert man sich in 5-10 RIAL-Schritten, sofern der Händler interessiert ist. Es gibt durchaus aber auch Händler, die nicht wirklich interessiert sind, etwas zu verkaufen! Manchmal sollte man auch einfach gehen, da kommt der Händler schon mal hinter her. Vieles ist auf den Sukhs aber von minderwertiger Qualität, beispielsweise Uhren, Technik wie Cameras oder DVD-Player, Schmuck oder Stoffe. Oft wird in kleinen Läden auch alles angeboten, vom nicht allzu frischen Lebensmittel bis zu Rolex-Imitaten.

Ausflugsziele, Freizeitbeschäftigungen.
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Nun, da muss man nicht viel schreiben, denn touristische Ziele gibt es defacto nicht. In Moscheen haben Nichtmuslime keinen Zugang, auch nicht zur Besichtigung und fotografieren darf man dort sowieso nicht, damit erübrigt sich die Frage nach Schnappschüssen einer Moschee oder eines derartigen Gebäudes in der Stadt.
Der ausländische Arbeitnehmer hat einen einfachen Tagesablauf hier: Nach dem Aufstehen und Frühstück Fahrt zur Arbeit, arbeiten bis es dunkel wird, Abendessen und wenn vorhanden etwas fernsehen, schlafen. Hat man umgerechnet etwa 18 € pro Tag, kann man auch seine Emails lesen und etwas surfen mit 512kbit/s - DSL Leitungen.
Vielleicht ist der Besuch eines Fußballstadions etwas, wenn man Karten für Spiele bekommt, es gibt verschiedene sportliche Einrichtungen in den städtischen Sportclubs für Tennis, Squash Tischtennis, Fitness. Disco, Kino oder Theater sucht man vergeblich, ebenso wie öffentliche Badeanstalten. Neuerdings gibt es auch eine Art von Bars, wo man Billard spielen kann. Man kann zwar eine Reihe von Leuten fragen, z.B. nach der alten Stadt Old-Al-Riyadh die im Nordosten liegt, doch wissen wie man da hin kommen kann, tut es kaum einer. Viele wissen nicht einmal, wonach man fragt. Auch bekannte Gebäude, die man unbedingt besichtigen sollte, sind vielen nicht geläufig. Keine Ahnung woran das liegt, ich habe nach dem Kingdomtower gefragt, man hat mich sicher nicht verstanden. Also: Stadtplan im Hotel oder in einem Buchladen kaufen. Der Kingdomtower ist einen Besuch wird, am Besten am Abend, denn bei Sonnenuntergang ist der Aufgang wegen des Gebetes geschlossen. Eintritt 25 Rial (Sept. 07). Der Fahrstuhl fährt in den 77. Stock, dann steigt man um und fährt nach oben in den 99. Dort führt eine Brücke von einem zum anderen Ende des Turmes, man kann das Schachbrett der Stadt sehr schön sehen, viele Lichter, sehr bunt. Der Al Faysaliyya Tower ist auch einen Besuch wert, in seiner Kugel im oberen Bereich ist ein Restaurant, allerdings muss man hier vorbestellen. Der Besuch der Ruinen von Ad Dir'iyah kann auch sehr interessant sein, vor der Stadt laden Kamel- und Reiterhöfe zu einem Ausritt ein, man kann auch eine Tour durch die Wüste mit einem dafür geeignetem Auto unternehmen. Hierzu sollte auf jeden Fall fachmännischer Rat eines arabischen Kollegen eingeholt werden. Riyadh hat auch ein paar kleine Parks und einen Zoo, ich selbst war allerdings nicht dort. Die Stadt liegt halt mitten in der Wüste, ein paar Straßen führen aus der Stadt und enden einfach im Nichts.


Was man sonst wissen sollte.
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Auffallend ist, dass man als Deutscher vor allem von den arabischen Kindern oft angestarrt wird, hier in Riyadh läuft der nach Saudi Arabien entsandte Mitarbeiter normalerweise nicht durch die Shoppingcenter und gleich gar nicht durch die Sukhs.
Angst braucht man nicht zu haben, die Kriminalität ist verhältnismäßig gering, da dank Sharia - die muslimische Rechtssprechung - einem Täter sehr harte Strafen drohen, auf Drogenhandel oder -schmuggel steht die Todesstrafe, auf schweren Diebstahl die Amputation der rechten Hand. An dieser Stelle die Warnung: Alle islamischen Gesetze gelten hier für alle, also auch Deutsche! Die Verpflegung ist gewährleistet, abwechslungsreich und mitunter günstig. Auf Touren in die Stadt mit dem Auto oder Taxi ist es angebracht, neben Dokumenten und Geld immer eine Flasche Wasser dabei zu haben. Sonnenschutzcreme, lange weiße Kleidung und schwarze für Frauen sind obligatorisch. An die Verkehrsregeln sollte man sich halten, zumindest fahren so wie jeder es tut, das ist schnell gelernt. Die typisch saudische Familie schaut interessant aus, man sollte es unbedingt vermeiden, die Frauen anzustarren. Der Saudi ist sehr höflich und zuvorkommend, u.U. wird man auch in einem Restaurant mal schnell zu einer Kostprobe eingeladen, dies sollte man nicht ablehnen! Der Saudi lässt einem Ausländer aus dem Westen immer den Vortritt, kurzes Danke (Thank you) und Nicken gilt als höflicher Dank. Ein Saudi würde aber einen Pakistani oder Inder niemals den Vortritt gewähren. Manchmal grüßt ein Saudi auch, z.B. in einer anstehenden Reihe, in einem Fahrstuhl, er wird zurück gegrüßt mit einem kurzen Nicken, einem Hallo oder Hi, seine Frau wird eines kurzen Blickes gewürdigt, sie wird aber nicht angesprochen und danach auch nicht mehr angeschaut. Handgeld für normale Leistungen ist unüblich! Beispiel: Der Besucher der Ruinen der alten Stadt Riyadh bekommt beim kostenlosen Eintritt einen Lageplan von einem Portier, man kann diesem kein Geld anbieten, er wird es auf jeden Fall ablehnen. Ebenso der Zimmerservice im Hotel oder dem Fahrer, letzterer durfte nicht ein Mal an unserem Tisch der Mitarbeiter essen, eine Einladung zum Essen nahm er nicht an. Dies gilt als unhöflich, da bestimmte Berufe in Saudi Arabien nicht mit denen der ausländischen ,Experten' gleichgesetzt werden dürfen. Lädt man seinen Fahrer zum Essen ein, bedeutet das für ihn, man zeigt ihm, dass er gesellschaftlich viel weiter unter einem steht. Ganz wichtig ist auch der Respekt eines jedem anderen gegenüber, so schwer man manchmal die Gewohnheiten verstehen kann. Auf keinen Fall sollte man sich über Betende belustigen! Dafür kann es bis zu 15 Jahre Haft geben.

Ein paar Sätze zum Ramadan.
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Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen (Mond-)Kalenders. Er wird begangen wie bei uns die Vorweihnachtszeit. Alle schmücken ihre Häuser, Hotels und Einrichtungen, tagsüber kommt das Leben zum Erliegen, Arbeitszeiten verkürzen sich auf ein absolutes Minimum, wie im ganzen Jahr wird Donnerstag und Freitag nicht gearbeitet, das ist wie bei uns das Wochenende Samstag-Sonntag. Im Ramadan sind die Wochenenden aber ganz besonders heilig. In der Öffentlichkeit ist es selbst dem Ausländer verboten, zu essen, zu rauchen oder zu trinken. Alle Restaurants haben nur ab 18:00 Uhr (Sonnenuntergang) bis maximal zum Sonnenaufgang geöffnet und sind natürlich stärker frequentiert. Es werden extra Mannschaften der Religionspolizei eingesetzt, um die Einhaltung der islamischen Gesetze und Grundzüge während des Ramadan zu überwachen. Im Hotel wird ein Zimmer für Nichtmuslime hergerichtet, wo wir frühstücken und zu Mittag essen konnten. Das Leben im Monat Ramadan spielt sich in der Nacht ab. Auch die Geschäftsleute wissen das, so werden besondere Rabatte angeboten, aber auch Preise z.B. für Lebensmittel erhöht.


Interessant ist Saudi Arabien auf jeden Fall, das Leben ist völlig anders als in westlichen Ländern, die Uhren scheinen mancherorts stehen geblieben zu sein, andernorts gehen sie voraus. Es ist nicht so schlimm, wie oft publiziert wird, man kann sich als Ausländer frei bewegen, man braucht auch keine Angst zu haben, wenn man sich ein wenig anpasst. Man ist Gast in dem Land und ordnet sich ein. So schwer ist das nicht, auch nicht, wenn man nicht der islamischen Religion angehört.
Doch irgendwie bin ich froh, wenn meine Arbeit hier beendet ist und ich wieder nach Hause kann.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • monique1002 veröffentlicht 16.09.2007
    Ein Bericht, als ob du auf einem anderen Planeten warst!!!! Man hört ja nicht viel von Saudi-Arabien und ein persönlicher Bericht ist eine tolle Sache! Trotzdem würde ich dort nicht im Leben auch nur 2 Minuten verbringen wollen...wie ist das eigentlich mit westlichen Geschäftsfrauen, die dort beruflich zu tun haben? Oder gibt es die nicht?
  • happycat007 veröffentlicht 14.09.2007
    super bericht!bh!
  • BigDaniel veröffentlicht 14.09.2007
    Super Bericht! Aber ich weis nicht, ob Saudi Arabien für mich ein erstrebenswertes Reiseziel ist. "BH" und Gruß aus Berlin
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