Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
die Atmosphäre, die Spannung, das miträtseln, die Darsteller, einfach alles |
| Kontra: |
zwar nicht wirklich neue Story, aber super rübergebracht |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
So oder so ähnlich könnte der Killer aus diesem Film einen VHS- Kurs für Anfänger anbieten. Der Kurs für Fortgeschrittene muss aber meist wegen Teilnehmermangel entfallen =)
Ok, Spaß beiseite, die Sonja war mal wieder im Kino, denn sie hat sich sagen lassen „saw“ würde genau ihren Film- Geschmack treffen. Also, nichts wie in den Kinosessel, ein Opfer gesucht das mit in den Film rein muss und gespannt auf den Film gewartet...
Die Story von „saw“
Dunkelheit beherrscht alles und als Adam (Leigh Wannell) erwacht weiß er nicht wo er sich befindet. Doch er ist nicht alleine, denn er teilt sich einen alten verranzten Toilettenraum mit einem weiteren Mann- der wie er mit dicken Eisenketten an Rohre gefesselt ist.
In der Mitte des Raumes liegt ein Toter in einer großen Blutlache, in der einen Hand eine Waffe, in der anderen Hand ein Tonbandgerät. Von diesem Tonbandgerät erfahren der Fotograph Adam und der Arzt Lawrence Gordon nähere Informationen von dem Mann, der sie hier unten gefangen hält.
Der Mann hat die Frau und Tochter von Dr. Gordon und beide haben Zeit bis 6 Uhr sich aus dieser ausweglosen Situation zu befreien. Entweder sich das Bein absägen und den anderen töten oder selbst getötet werden. Was würdest du tun?
Meine persönlichen Eindrücke...
Selten wurde ich so gut unterhalten, selten war ich so zwischen Abscheu und Faszination hin- und hergerissen. Ich mag eigentlich Horrorfilme, Psychothriller, Splatter, eben alles was die dunkle Seite des Menschen angeht- und dieser Film bringt wahrhaftig die dunkle Seite des Menschen sehr gut zur Geltung. „Saw“ spaltet auch wieder die Geister, die einen mögen ihn, die anderen wissen nicht recht was damit anzufangen.
Im Prinzip meint man ja rein von der Story her, dass der Film langweilig oder gar manchmal langatmig sein müsste, da sich alles um 2 Männer eingesperrt im Toilettenraum dreht, aber wer mit dieser Vorstellung sich in den Kinosessel fallen lässt, der wird positiv enttäuscht. Dieser Film hat mich die volle Lauflänge unter Spannung gehalten. Stets ist man am Miträtseln, wenn wieder ein neuer Hinweis vom Killer kommt, wie man sich aus der Notlage befreien könnte, man untersucht zusammen mit den Hauptdarstellern den heruntergekommen Toilettenraum nach irgendeiner Möglichkeit hier rauszukommen und letztlich fällt immer wieder der Blick auf die Säge die neben den Protagonisten liegt, nur um angewidert schnell wieder weg zu sehen und weiterzuüberlegen.
Ich glaube ich habe so ziemlich jede auftauchende Figur im Film verdächtigt der Killer zu sein, man wird als Zuschauer immer wieder in die Irre geleitet und immer wieder kommt eine Wendung mit der man nicht gerechnet hat, ein neuer Hinweis, der eine andere Person ins schlechte Licht rückt und unser Misstrauen hervorruft. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten und das ohne große Special Effects, das muss auch mal lobend erwähnt werden. Statt großartig mit digitalen Bildern rumzupfuschen wird hier einfach auf das Minenspiel der Darsteller, den Sound und die beklemmende Atmosphäre der Bilder, Räumlichkeiten und der Situation gesetzt um den Zuschauer zu bannen.
Über den Zuschauer ergießt sich eine Bilderflut, dessen Intensität das arme Hirn erst mal verarbeiten muss. Und vor allem gibt „saw“ nur den Anstoß- und unser Kopfkino spinnt die Gedanken und Bilder unerbittlich weiter. Hier wird ohne große Computertricks gearbeitet, ohne großartige Sets und Promis, aber genau das ist es was die tiefe Substanz des Films ausmacht, das was ihn so glaubwürdig macht- seine Einfachheit, die brutaler und realistischer ist als alles andere- die vor allem wirkt, zumindest bei mir als Zuschauer. Der Toilettenraum ist der letzte Ort an dem ich liegen möchte, schon beim Zuschauen wirkt es bedrückend, beängstigend, dreckig, man glaubt gleich unangenehme Gerüche wahrzunehmen. Untermalt wird das ganze von einem meist passenden nervenaufreibendem, bei Szenen mit schnellen Schnitten treibendem Soundtrack. Obwohl man sagen muss, dass allgemein recht wenig Musik verwendet wurde und auch das macht den Film irgendwie beklemmender. Sonst nimmt man den Soundtrack unterschwellig als Nebenbeigeräusch immer auf, achtet aber nicht so sehr drauf, wenn Musik aber lange gänzlich fehlt, dann fällt das auf.
Lobenswert ist wirklich das Drehbuch des Films, obwohl ich mich leicht gegruselt frage, welches kranke Hirn sich eine so perfide Story ausdenkt und vor allem auf die verschiedenen Todesarten, die die armen Opfer des Jigsaw- Killers erleiden müssen. Lustigerweise entbehren die Todesarten nicht selten einer gewissen Ironie, die auch dem Publikum im Kino nicht entging. „saw“ rief hier bei mir als Zuschauer gleichzeitig ein leichtes Schmunzeln, sowie Ekel, Mitleid und Faszination für die menschlichen Abgründe des Geistes hervor.
Das geht sogar soweit dass man die Philosophie des Mörders bzw. Beweggründe fast nachvollziehen kann und denkt: na eigentlich hat er ja Recht! Und allein dieser Widerspruch der hier in Menschen hervorgerufen wird macht den Film so gut wie er ist und vor allem sehenswert. Er wirft Fragen auf, er schockiert durch die vorherrschende Grausamkeit, was aber weniger an massiver Blutbaderei sondern an der Perversität der Bilder liegt, die einem auf die Psyche schlagen und unterhält zur gleichen Zeit prächtigst, weil man auch einfach nicht wegsehen kann. Wie kommt man nur auf solche sadistischen Quälszenarien, dies dann auch noch gekonnt in Bilder umzusetzen, die einem viel, aber nicht alles zeigen. Den Rest erledigt dann leider unser Hirn. Die ganze Atmosphäre ist so dicht und unheilverheißend das man als Zuschauer quasi fast immer mit angehaltenem Atem im Kino sitzt, denn man weiß es passiert gleich was und dann tritt es doch an einem Moment auf wo man nicht damit gerechnet hat und erschrickt dann doch. Diese wenigen aber gut eingesetzten Schockmomente lassen einen schon echt teilweise im Sessel zusammenzucken. Wie pervers können Menschen sein, wie tief die Abgründe der Psyche, und ist verrückt immer gleich verrückt oder lediglich eine andere Sichtweise der Dinge und wie weit geht unsere Schaulust? (Aber das ist ein anderes Thema...)Was für eine Mischung!
Die Darsteller, fand ich erstklassig, wobei mir Danny Glover in der Rolle eines Cops der besessen den Killer jagt, einwenig zu überzogen vorkam, aber der tauchte ja dann doch nicht so oft im Film auf wie unsere zwei Hauptdarsteller in dem Kellerraum. Die beiden fand ich erstklassig, man hat echt mitgelebt, jedes Stadium der beiden mitdurchgemacht, Wut, Angst, Verzweiflung, Apathie und reine nackte Panik, die einen immer tiefer in den Sessel sinken lassen, angesichts des Schauspiels auf der Leinwand. Überzeugend und mitnehmend, was erwartet man mehr?
Besonders loben möchte ich auch noch mal den Drehbuchautoren Leigh Wannell, der ja zeitgleich einer der Protagonisten ist, zur dichten und logisch nachvollziehbaren Story, die einen immer am Ball hält, nie blickt man wirklich durch, nie weiß man wer wirklich der Killer ist, nie kann man ahnen wie es weitergeht- und das hatte ich in letzter Zeit selten bei Filmen. Die Idee die Geschichte, wie es zu der vorherrschenden Situation kam in Rückblenden der einzelnen Personen zu erzählen ist ja nun nicht wirklich neu, aber auch hier passend und super umgesetzt. So erfährt der Zuschauer Häppchen um Häppchen, was wirklich vorher passiert ist. Genau das macht aber zusammen mit der beklemmenden Atmosphäre die erstklassige Qualität des Low- Budget Films „saw“ aus. Besonders genial war das überraschende Ende, wo man einfach nur dasitzt und denkt...“das kann ja wohl jetzt echt nicht sein!“ Und alles auf einmal in neuem Licht erscheint- superklasse!
Ich habe mal gelesen, dass selten ein Kinofilm so gnadenlos für die Wertschätzung des Lebens geworben hat und selten so um dasselbige gekämpft wurde und ich muss sagen, den Satz kann ich so unterschreiben. Ich saß immer ad und habe mich gefragt wie alles miteinander zusammenhängt, wer jetzt was warum vor wem zu verbergen hat, wer ist der Killer, was sind seine Motive, warum gerade die beiden in dem Kellerraum, was würde ich tun? Würde ich den anderen erschießen, um mein Leben zu retten. Einen Mord begehen, um nicht selbst ermordet zu werden? Mir bei vollem Bewusstsein das Bein absägen? Solche Überlegungen nehmen fast schon ethisches Ausmaß an wenn man sich fragt, darf man Leben nehmen um Leben zu erhalten? Ich kann nur sagen, dass es nach dem Film bedenklich ruhig im Kino war und erst mal keine Aufbruchstimmung aufkam, alles saß noch da, starrt ungläubig auf die Leinwand oder betreten zu Boden, jeder hing irgendwie seinen eigenen Gedanken nach und ich wo ich immer gleich mit meinem Kinopartner alles durchanalysiere wusste irgendwie auch nicht so recht, was ich jetzt von all dem halten soll. Ist soviel Gewaltdarstellung gut? Solche teils abartigen Bilder, die im Kopf mehr hinterlassen, als man gesehen hat empfehlenswert? Die FSK- 18 ist meiner Meinung nach ausnahmsweise mal berechtigt, obwohl hier sicher auch noch vieles zensiert wurde, das amerikanische Original soll da noch etwas offenherziger sein, habe ich mir sagen lassen. Das Schlimme an diesem Film ist nicht unbedingt das was du siehst, sondern wie er 100 Minuten lang mit deiner Psyche spielt und das macht einen guten Film aus, man ist mittendrin, statt bloßer Zuschauer.
Fazit:
Ein wirklich guter Psychofilm seit langem mal wieder im Kino, der auf großer Leinwand und mit Dolby Digital sicher sehr viel besser kommt als auf dem heimischen TV bei Lautstärke 29. Ein Film den ich besten Gewissens an alle Fans dieses Genres empfehlen kann, aber definitiv nicht an schwache Gemüter oder Leute die sich alles ehr zu Herzen nehmen und das mit sich herumschleppen- ebensowenig an Leute die Blutbäder und eben blanken stupiden Splatter erwarten, denn auch das macht „saw“ nicht aus. Man sollte schon einwenig abgehärtet sein, selbst dann kann man noch sich ekeln, fürchten, mitleiden und miträtseln- und vor allem mitdenken! Die 6,50 Euro waren eine sehr gute Investition, habe mich prächtigst von der sehr gut durchdachten Story, den Darstellern und der unglaublichen Atmosphäre unterhalten gefühlt.
Und die Moral von der Geschicht´?
Lerne das Leben zu schätzen, sonst könnte es dich jemand lehren...!
Restdaten:
Genre: Horrorthriller
Darsteller: Leigh Wannell, Cary Elwes, Danny Glover, Monica Potter, Dina Meyer, Shawnee Smith, Ken Leung
Infos unter: www.saw-derfilm.de (Site ist gar nicht mal so schlecht, hat jur leider lange Ladezeiten, aber Reinschauen lohnt sich!)
Bundesstart: 03. Februar. 2005
Regie: James Wan
Kamera: David Armstrong
Schnitt: Kevin Greutert
Produzenten: Oren Koules, Mark Burg, Greg Hoffman
Empfehlenswert ist auch der Soundtrack, der von Charlie Clouser- von Nine Inch Niles zusammengestellt wurde- könnt ja auch mal bei amazon.de reinhören...
Ich bedanke mich für´s Lesen, Bewerten und Kommentieren...alle Rechtschreibfehler gehören mir uns waren natürlich voll beabsichtig! =)
Sollte euch etwas fehlen, dann lasst es mich einfach wissen.
| weitere Erfahrungsberichte |
Der Beginn einer Ära
Bewertung für Saw von
Lady-Alexa
Pro: spannend, blutig und nicht mal total-doof
Kontra: nope
USA, 2004 Regie: James Wan FSK: 18, ca.: 98 Minuten Leigh Whannell .. Adam Cary Elwes .. Dr. Lawrence Gordon Danny Glover .. Detective David Tapp Shawnee Smith .. Amanda Tobin Bell .. John Kramer Die Polizei findet einen Toten inmitten von Stacheldrah ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
18.10.2010
|
Leben oder sterben lassen? - Was würdest du tun?
Bewertung für Saw von
AlaMoana
Pro: Film zum Nachdenken, für Fans des Genres, kranke + geniale Ideen, Low-Budget Film toll umgesetzt, etc
Kontra: nichts für mich
Adam (Leigh Whanell) erwacht in einer Badewanne voll Wasser aus seiner Ohnmacht und schreckt hoch. Alles um ihn herum ist dunkel. Voll Panik schreit er nach Hilfe, woraufhin ihm jemand antwortet. Gleisendes helles Licht durchbricht auf einmal die Dunkelhe ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
14.06.2005
|
Ein Killer spielt Spielchen
Bewertung für Saw von
FutziMcFlipp
Pro: Unfassbar spannend, überraschendes Ende, frische Schauspieler
Kontra: ------
Hey,
schön das ihr wieder mal einen meiner Berichte durchlest =)
Mein letzter Bericht drehte sich ja um den aktuellen Kinofilm THE GRUDE, der auf dem Horrorsektor zur Zeit meiner Meinung nach der beste Streifen ist, den man sich im Kino anschauen kann ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
10.03.2005
|
Rest in pieces
Bewertung für Saw von
23Skeebob
Pro: gnadenlose Story, äußerst spannend, perfekter Psychohorror, gelungene Inszenierung
Kontra: das Ende
Eigentlich mag ich Horror sehr gerne; ich finde es toll, mich gepflegt zu gruseln – allerdings bin ich kein Fan von Splatterfilmen, da die meiner Meinung nach sehr wenig mit echtem Grusel zu tun haben. Als ich dann in der aktuellen Cinema die Review zu ei ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
15.02.2005
|
Du oder ich, wann siegt das Tier im Mensch
Bewertung für Saw von
Jayn
Pro: Spannung, Ekel, er spielt auf die Psyche, Schauspieler, Umsetzung, Story
Kontra: NICHTS!
Liebe Leserinnen und Leser
***Vorwort***
Auf Grund vieler Empfehlungen, unter anderem von hurb hier auf Ciao!, bin ich jetzt endlich dazu gekommen den Film "Saw" zu sehen. Schnell in der Videothek ausgeliehen und ab in den DVD-Player. Ein Vergnügen du ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
07.03.2006
|