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Willis vs. Gere - Ein Blick hinter die Kulissen

3  29.03.2001 (26.11.2001)

Pro:
Bruce Willis als Bösewicht ist es wert

Kontra:
Story zum Teil unlogisch und schleppend

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Action:

Romantik:

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Cephei

Über sich: "Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen üb...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 263 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Dem aufmersamen Fernsehzuschauer wird nicht entgangen sein, daß "Der Schakal" im TV doch recht regelmäßig zu sehen ist. Das betrifft zumindest die Neuverfilmung von Regisseur Michael Caton-Jones aus dem Jahr 1997. Sein Thriller ist dabei nicht direkt eine modernisierte Fassung des großartigen 72er-Klassikers von Fred Zinnemann, sondern eher eine freie Interpretation des Themas.

Der Thriller, der von der Jagd nach einem der gefährlichsten und wandlungsfähigsten Terroristen der Welt handelt, lief zuletzt noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (welches doch sicherlich auch noch seine Anhänger hat... denke ich). Nun wird der Film am kommenden Wochenende mal wieder ausgestrahlt, wenngleich er diesmal bei einem Privatsender zu sehen ist. Grund genug, den von Regisseur Michael Caton-Jones inszenierten Thriller "Der Schakal" noch einmal Revue passieren zu lassen.


Die Story des Films:
****************

Im Zentrum dieser Neuverfilmung des Bestsellers von Frederick Forsyth steht ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit. Der "Schakal" (knallhart: Bruce Willis) ist der gefürchtetste Top-Terrorist der Welt. Er hat einen bestens dotierten Auftrag der russischen Mafia angenommen - ein Kopfgeld von 70 Millionen US-Dollar für die Ermordung einer hochgestellten politischen Persönlichkeit der USA vor laufenden Fernsehkameras.

Das FBI bildet eine Task Force aus Mitgliedern des amerikanischen und russischen Geheimdienstes unter Leitung von Valentina Koslova (Diane Venora, "Heat") und Carter Preston (Sidney Poitier). Doch ihre Chancen sind dürftig. Der "Schakal" ist mit allen Wassern gewaschen: er agiert zu schnell, zu wandlungsfähig und zu kaltblütig. Niemand kennt seine Identität, sein genaues Ziel oder gar seinen Zeitplan - bis zum Schluß bleibt unklar, wen er überhaupt ermorden soll.

So holt das FBI als Spürhund den zu lebenslanger Haft verurteilten IRA-Scharfschützen Declan Mulqueen (Richard Gere) zu Hilfe, um dem Attentäter das Handwerk zu legen. Nur er kann den "Schakal" noch aufhalten, da er das Aussehen des Killers kennt. Und der verwundete einst Mulqueens ehemalige große Liebe, die baskische Freiheitskämpferin Isabella (Mathilda May), so schwer, daß die Schwangere Declans Kind verlor.

Die frühere Untergrundkämpferin gerät erneut zwischen die Fronten, und so wird die Jagd zwischen den beiden Männern persönlich. Der "Schakal" jedoch überwindet in den verschiedenen Verkleidungen unaufhaltsam alle Grenzen und jede Rasterfahndung, und nähert sich seinem Mordziel: Washington, D.C. Die Situation spitzt sich immer weiter zu...


Rund um die Kulissen:
******************

"Der Schakal" bietet Hochglanz-Optik und recht unterhaltsame Spannung, wenn man einmal von der konstruierten Geschichte absieht, die reichlich konventionell und vorhersehbar geraten ist. Es kommt schließlich und endlich zum packenden Duell der beiden Superstars.

Ganz interessant und viel amüsanter sind die Geschichten hinter den Kulissen: Richard Gere und Bruce Willis trafen beim Dreh praktisch überhaupt nicht aufeinander. Die beiden Superstars lieferten sich beim Dreh ein Duell der Eitelkeiten. Als dann das große Finale inszeniert werden sollte, ließ sich das natürlich nicht länger vermeiden, und es kam zu gut dokumentierten Machtkämpfen zwischen den beiden Stars.

Die amerikanische Klatschpresse war damit auch wieder zufriedengestellt und die einschlägigen Blätter hatten viel zu berichten. Vielleicht noch eine andere Sache für ganz Aufmerksame am Rande: Insgesamt wimmelt der Film vor Drehbuch-Fehlern: ein paar Schusswunden verschwinden wie von Geisterhand, Kleidung und Wasserstände ändern sich plötzlich und die Beschriftungen an Hubschraubern variieren.

Daß der Zuschauer spürbar mit dem eiskalten Helden mitfiebert, hat einen simplen Grund: Bruce Willis. In der Rolle des bösen Buben glänzt Bruce Willis als wahrer Verwandlungskünstler - mal als gepflegter Geschäftsmann oder als unscheinbarer Pauschaltourist, dann wieder als naiver Hippie mit falschem blonden Langhaar oder als braver Streifenpolizist. Bruce Willis amüsiert sich prächtig in der Rolle des Bösewichts, seine Wandlungsfähigkeit ist ein echter Lichtblick.


Zum Film:
*********

Kurz ein paar Worte zum Original: Bereits 1972 verfilmte Fred Zinnemann Frederick Forsyths Roman "Der Schakal" über ein geplantes Attentat französischer Terroristen auf Charles de Gaulle. Damals war Edward Fox in der Rolle des nebulösen Killers mit zahllosen Masken zu sehen.

Michael Caton-Jones Neuverfilmung ist dabei eher weniger eine modernisierte Fassung des großartigen Klassikers als vielmehr eine recht freie Interpretation des Themas. Die Qualität der ersten Verfilmung erreicht dieses Werk nicht, dafür hat die Story zu viele Löcher. Das auf die 90er Jahre zurechtgetrimmte Drehbuch wartet zwar mit zwei Top-Stars und einigen modischen Effekten auf, vermag aber seiner Vorlage nicht viel Neues abzugewinnen.

Die Story wurde entsprechend an die Moderne angepaßt. Internetdateien, Computertechnologie und modernste Waffenlogistik verschaffen dem Terroristen einen unaufholbaren Vorsprung. Politisch korrekt arbeiten die Russen und die Amerikaner brav zusammen, das Feindbild liefert - wenig einfallsreich - dann doch wieder die Russenmafia.

Mit seiner rollenbedingten Wandlungsfähigkeit spielt "Stirb Langsam"-Held Bruce Willis (cool wie immer) als eiskalten Profikiller "Pretty Woman"-Verführer Richard Gere glatt an die Wand. Der versucht zwar, der Rolle des irischen Freiheitskämpfers Declan Mulqueen etwas Profil abzugewinnen, was ihm jedoch nur begrenzt gelingt. Es versteht sich von selbst, dass der Film dann nach knapp zwei Stunden westernreif endet. Das furiose Schlußduell der beiden Profis auf den U-Bahngleisen gerät zur persönlichen Abrechnung des irischen Überzeugungstäters Gere mit dem kalten Lohnkiller Willis.

Insgesamt bleiben die Verfolger eher blaß, Sidney Poitier ist in der Rolle des stellvertretenden FBI Direktors Preston nach "Sneakers" (1992) erstmals wieder auf der Leinwand zu sehen. Diane Venora als russische Spezialagentin Koslova gelingt es, ihrer Figur ein wenig menschliche Kontur zu geben, der Rest geht in der bescheidenen Story unter.


Das Fazit:
*********

Regisseur Michael Caton-Jones ("Doc Hollywood") inszenierte ein eher mittelprächtiges Remake, ganz zurechtgeschnitten auf ein packendes Duell der beiden Superstars: hart, schnell und eiskalt.

Eine Bewertung ist natürlich subjektiv, ich schwanke zwischen drei und vier Sternen. Bruce Willis mal etwas anders in der Rolle des skrupellosen Killers sollte man gesehen haben. Wer als Zuschauer über die zumindest zeitweise recht unlogische Story hinwegsehen kann, bekommt für den Kinoabend daheim einen ganz unterhaltsamen Spannungsfilm geboten.


The Jackal, USA 1997 - Regie: Michael Caton-Jones
Darsteller u.a. : Bruce Willis, Richard Gere, Diane Venora, Sidney Poitier, Mathilda May, John Cunningham, J.K. Simmons;


© Cephei Update 23.10.2001

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
little_maryann

little_maryann

09.06.2002 00:20

Ich hab beide Filme kurz hintereinander gesehen und hatte knapp davor das Buch gelesen. Mir hat ehrlich gesagt auch der ältere, der beiden Filme besser gefallen, als die Neuauflage.

dreadlordiceman

dreadlordiceman

21.05.2002 14:56

Guter Bericht!!! Die Fernsehvariante ist übrigens meist stark geschnitten. Es empfiehlt sich daher doch ehr den Videofilm zu bevorzugen!!

Music-King

Music-King

17.05.2002 11:10

Hab bislang den Film noch nicht gesehen, kommt wohl daher daß ich dieses Genre nicht so bevorzuge und Bruce Willis mir für zu übertriebene Baller-Action steht. Gruß vom König:-)

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