Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Buchcover, Buchtitel |
| Kontra: |
Unterhaltungswert nicht sehr hoch, zeitweise langweilig |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Das Cover dieses Buches ist ansprechend und der Titel „Schattenkind“ macht neugierig. So erging es mir, als ich dieses Buch kaufte. Die Beschreibung auf der Rückseite läßt Spannung erahnen, auch wenn das Thema nicht gerade interessant ist (eine Frau entführt kurzentschlossen ein Kind). Man hätte jedoch einiges daraus machen können. Doch was war da in der Vergangenheit, wenn bei der Titelbeschreibung versprochen wird, die Hauptfigur Isabella würde nicht nur das Geheimnis der Vergangenheit eines fremden Kindes enthüllen, sondern sie würde auch ihre eigene Kindheit mit anderen Augen sehen. Nach dem Lesen des Buches halte ich diese Vorankündigung für zu dick aufgetragen, es wird mehr versprochen, als die Geschichte hält.
Valerie Blumenthal
---------------------
Über die Autorin läßt sich so ohne weiteres nicht viel erfahren. Im Buch steht lediglich, daß sie Artikel für die Oxford Times geschrieben hat, Schriftstellergruppen organisiert und Inhaftierte eines Gefängnisses in kreativem Schreiben unterrichtet. Zudem gibt sie Englischunterricht für Nicht-Muttersprachler. Sie hat eine Tochter und lebt in Oxfordshire.
Neben „Schattenkind“ hat sie noch Romane mit Titeln wie „Echo der Erinnerung“ und „Mein Bruder Ben“ geschrieben.
Die Geschichte
-----------------
Isabella ist eine Frau und Ende Dreißig. Sie ist mütterlicherseits Engländerin und väterlicherseits Italienerin. Als Dolmetscherin und Übersetzerin wohnt sie in London. Sie hat einen Liebhaber, der wesentlich jünger ist als sie und führt eine lockere Beziehung, die eigentlich nur die körperliche Liebe einbezieht. Es scheint keine Verbundenheit zwischen ihr und ihrem Schauspieler Peter vorhanden zu sein. Isabella lebt in ihrer Wohnung zusammen mit ihrem Kater Garibaldi.
Isabella führt ein recht zufriedenes Leben, kann sich bei den Übersetzungen ihre Zeit relativ frei einteilen, kauft regelmäßig ihre Zeitung bei einem Kiosk um die Ecke, und zunächst passiert nichts besonderes als eine (routinierte) Liebesnacht mit Peter.
Sie war zwar einmal verheiratet, hat jedoch keine Kinder und auch keine besondere Beziehung zu Kindern. Am Kiosk steht ein Kinderwagen. In diesem Kinderwagen sitzt ein kleines Mädchen, das von niemandem abgeholt wird und mutterlos zu sein scheint. Sie sieht dem Kind Hannah in die Augen und ist hin und weg. Sie schnappt sich kurzerhand den Kinderwagen und bringt das Kind nach Hause statt zur Polizei. Ab jetzt ist sie eine Kindesentführern. Sie findet einen Brief der Mutter vor, stellt fest, daß das Kind am ganzen Körper geschlagen worden ist und flieht mit Hannah in ein kleines Dorf am Meer. Da sie dort ihre Übersetzungen weiter bearbeiten kann, mietet sie dort ein altes Haus und nimmt sich vor, mehrere Monate lang dort zu bleiben. In dem kleinen Ort, in dem jeder über jeden spricht und die Welt ganz anders ist als in der Großstadt, lernt sie etliche Menschen kennen, darunter (natürlich auch) einen Mann, mit dem sie eine Beziehung eingeht, und es geschehen allerhand Dinge. An dieser Stelle möchte ich die Inhaltsbeschreibung beenden.
Mein Eindruck
------------------
Ich habe nicht gegen fiktive Geschichten, wenn sie gut und wirklich spannend geschrieben sind - oder zumindest so, daß das Buch fesselt und den Leser auf irgendeine Art und Weise mitreißt, ob nun mit Spannung oder ohne. All diese Dinge habe ich in „Schattenkind“ vermißt. Als Leser möchte man zwar wissen, was nun aus der Entführungsgeschichte wird, doch ist dies der einzige Grund, warum ich das Buch überhaupt zuende gelesen habe. Ansonsten hätte ich spätestens in der Mitte der Geschichte aufgehört, mich mit „Schattenkind“ zu beschäftigen.
Zunächst ist die Geschichte recht langatmig. Isabella kommt in das Dorf, und dort wurde es für mich erst einmal mehr oder weniger langweilig. Später überhäufen sich einige Vorkommnisse, von denen man zu sehr den Eindruck hat, sie seien völlig aus der Luft gegriffen und sind vollkommen unrealistisch und teilweise auch kitschig. Einfach nur Dinge passieren zu lassen, reichte mir nicht aus. Der Schreibstil war einfach nicht so, daß er mich beeindruckte oder unterhielt. Ich habe den Eindruck, daß Valerie Blumenthal versucht hat, hier und dort Lockerheit aufkommen zu lassen, doch ist es einfach nur Oberflächlichkeit. Wenn man bedenkt, daß Valerie Blumenthal andere Menschen in kreativem Schreiben schult, so kann ich mir fast vorstellen, daß sie lehrt, der Phantasie freien Lauf zu lassen und sich „irgendwas“ einfallen zu lassen. Ob etwas dabei herauskommt, ist jedoch eine andere Sache. Ihr selbst ist dies in „Schattenkind“ nicht sehr gelungen.
Die Beschreibung von erotischen Szenen gibt dem Buch auch keinen Pfiff. Diese Szenen sind nicht angenehm zu lesen, an manchen Stellen schon etwas pervers und einfach nicht besonders schön oder gar anregend. Ich kann Isabellas Einstellung - sowohl gegenüber der körperlichen Liebe als auch ihrer sonstigen Einstellung - nichts abgewinnen. Sie hat zwar an einer Vergangenheit zu knapsen, in der es um ein Ereignis geht, in der sie Opfer ist, doch ein „Aufarbeiten“, wie es angekündigt wurde, findet nicht wirklich statt. Sie denkt einfach nur an diesen schlechte Teil ihres Lebens zurück, doch das war es dann auch. Die „Auflösung“ über Hannahs Vergangenheit ist dermaßen aus den Fingern gesogen und langweilig, daß ich darauf hätte verzichten können.
Das Buch ist in der Gegenwartsform und in dritter Person geschrieben. Was mich gestört hat, ist, daß die Autorin am Ende des Buches den gleichen Satz noch einmal wiederholt, der bereits zu Beginn des Buches vorkam - und das muß nicht sein. (Es ist der Satz gleich zu Beginn der Leseprobe, die ich aus verschiedenen Passagen zusammengestellt habe.) Es galt an diesen beiden Stellen nicht, dadurch etwas zu betonen, sondern es ist einfach nur ein doppelter Satz. Bei der Suche nach einem interessanten Ausschnitt für die Leseprobe habe ich mich ziemlich schwer getan. Wenn man nach dem Lesen noch einmal hier und dort blättert und kleine Passagen zum wiederholten Mal liest, wird einem die Mittelmäßigkeit der Geschichte noch ein wenig deutlicher:
Leseprobe
------------
„Die übliche Routine: Wasserkessel aufsetzen, Kaffeebohnen mahlen, Vorhänge aufziehen - endlich einmal heller Sonnenschein. Draußen auf der Veranda verlieren die Geranien in ihren Terracotta-Übertöpfen den letzten Nachttau. Trocken ihr Mund, trocken die Haut am frühen Morgen. Die heranrückenden mittleren Jahre trocknen sie aus. Gott sei Dank noch nicht überall. Nimmt Garibaldi auf den Arm und knuddelt ihn.
(...) Allerdings fühlt sie sich an diesem Morgen recht erschöpft und ein wenig niedergeschlagen - Gefühle, die sie nicht analysiert, als sie in ihren siebzehn Jahre alten MG GT steigt. In Gedanken ist sie mehr damit beschäftigt, den Motor zum Laufen zu bringen: ‚Komm schon. Wenn du nicht aufpaßt, verkauf ich dich. Hab schon genug Geld in dich gesteckt...’
(...)
’Na du, wo ist denn deine Mami?’
Worauf das Kind sein Spielzeug fallen läßt. Isabella hebt es auf und gibt es ihm zurück.
‚Da, dein Häschen.’
Und dann passiert es. Der éclat: Das Lächeln des Kindes ist ein strahlend heller Blitz. Als die Kleine die Finger um den Hasen krümmt, ist ihr Gesicht mit einem Mal wie in Sonnenlicht getaucht. Wie erstarrt verharrt Isabella in der Hocke, einem der Opfer von Pompeji gleich, versengt von einem überwältigenden Ansturm der Gefühle. Langsam erhebt sie sich, läßt den Ellbogen leicht auf der Lenkstange des Buggys ruhen. Innerhalb dieser wenigen Sekunden ist die Verwandlung vollzogen. Aus Isabella ist eine andere Frau geworden, und tief in sich spürt sie ein unerklärliches, in seiner Intensität fast schmerzhaftes Sehnen. (...) Dann legt sie der Kleinen den Sicherheitsgurt an, vergewissert sich, daß er straff sitzt, und verriegelt die Tür. Prüft zweimal, ob sie auch verschlossen ist.
‚Das reicht, das muß reichen. O Madre!’ “
Dieses ständige “Madre” ging mir nach zigfachen Wiederholungen schnell auf die Nerven. Das Ende des Buches ist nicht sehr erquickend, es läßt einiges offen, doch ist m.E. nicht gut gelungen. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht darüber verraten. Der Unterhaltungswert ist insgesamt nicht gerade hoch, was durch meine Ausführungen wohl auch deutlich geworden ist.
Fazit
------
Ein schemenhaftes, gut gestaltetes Buchcover und ein nicht uninteressanter Titel - jedoch ist die Geschichte „Schattenkind“ zu sehr erdacht und teilweise unrealistisch - vor allem aber wenig unterhaltsam. Am Ende des Buches kommt tatsächlich ein wenig Spannung auf, doch finde ich die Geschichte recht dünn und nicht besonders lesenswert. Da mir auch der Sprachstil nicht gut gefällt, empfehle ich das Buch nicht.
Valerie Blumenthal:
Schattenkind (2000)
RM Buch und Medien Vertrieb GmbH
ISBN: 3-442-35378-5
382 Seiten
7,45 EUR
© kroetenfieber
| weitere Erfahrungsberichte |
Es sind die Unsicherheiten, die ...
Bewertung für Schattenkind / Valerie Blumenthal von
Babbel
Pro: Angenehm zu lesen
Kontra: nicht kritisch genug, stellenweise vorhersehbar
.... uns gestatten weiterzuhoffen." (Besonders Zitat des Buches )
Ich entdeckte "Schattenkind" von Valerie Blumenthal als Schnäppchen-Angebot beim Bertelsmann Club und habe es auch gleich für EUR 5,90 bestellt. Das Buch hatte eine besondere Faszination ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
17.06.2005
|
Ein aufblitzender Schatten?
Bewertung für Schattenkind / Valerie Blumenthal von
Rose2005
Pro: schneller Spannungsaufbau, interessantes Thema
Kontra: zu viele unnötig mit eingeschobene Themen
Heute möchte ich über einen Roman schreiben, den ich rein zufällig beim Stöbern in einem Buchladen fand, und dessen Klappentext mir doch ziemlich gefiel. Es handelt sich um das Buch "Schattenkind" , das im englischen Original "Saturday's Child" heisst. ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
11.04.2005
|
éclat de soleil, Aufblitzen der Sonne
Bewertung für Schattenkind / Valerie Blumenthal von
Gina_012
Pro: sehr gefühlvoll und bewegend
Kontra: keins
Der Roman über den ich einen Bericht schreiben möchte, heißt "Schattenkind" geschrieben von Valerie Blumenthal.
Zur Autorin
Valerie Blumenthal, von der ich leider kein Geburtsdatum weiß, schrieb ursprünglich als Journalistin für die Oxford Times, be ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
20.03.2003
|
Schattenbuch
Bewertung für Schattenkind / Valerie Blumenthal von
Dialya
Pro: siehe oben
Kontra: siehe oben
Der Roman Schattenkind handelt von Isabella und der kleinen Hannah. Das Buch sieht auf den ersten Blick ziemlich vielversprechend aus und auch der Klappentext hört sich gut an. Deshalb nahm ich es auch von der Bibliothek mit nach Hause. Beim Lesen kam ich ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
15.10.2000
|
Ihr Name ist Hannah, suchen Sie nicht nach mir...
Bewertung für Schattenkind / Valerie Blumenthal von
rasjoshua
Pro: emotional und packend
Kontra: ---
Kürzlich habe ich wieder mal ein Buch fertig gelesen und nun wage ich mich mal an meine erste Buchbewertung.
Da man mich unterwegs eigentlich immer mit einem Buch trifft, wird es hoffentlich noch mehr Buchberichte von mir geben
Das heutige ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
24.12.2004
|