Schlaflos in Seattle

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Schlaflos in Seattle

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Erfahrungsbericht über "Schlaflos in Seattle"

veröffentlicht 09.07.2003 | Posdole
Mitglied seit : 26.09.2000
Erfahrungsberichte : 1291
Vertrauende : 333
Über sich :
"Wer Rassismus als freie Meinungsäußerung versteht, der hält Diktatur für einen Intelligenztest." (Justus Vogt, (*1958), denkender Lebender und lebender Denker)
Sehr gut
Pro Romantisch; Tom Hanks; Meg Ryan; Ross Malinger
Kontra Keine Ahnung
sehr hilfreich

"Liebe aus der Ferne"


Nora Ephron hat offensichtlich ein Faible für Meg Ryan. Sie schrieb nicht nur das Drehbuch zu Rob Reiners „Harry und Sally“ (1989, mit Ryan und Billy Crystal), sondern inszenierte 1998 wiederum mit Tom Hanks und Ryan die Romanze „E-Mail für Dich“. „Sleepless in Seattle“ ist eine romantische Komödie mit der Betonung auf romantisch. Nicht Candlelight-Dinner, zärtliche Umarmungen und die klassischen Hindernisse vor dem Happyend stehen im Mittelpunkt dieses Films. Die beiden Verliebten treffen sich erst kurz vor Toresschluss – gegen Ende des Films. Love at first sight wandelt sich in „Schlaflos in Seattle“ – zunächst einseitig – zu einem Love at first sound. Annie (Meg Ryan) hört Sam (Tom Hanks) im Radio – der Anfang vom Ende ihres Realismus und ihrer Weigerung, an das (im Genre weit verbreitete) Schicksal zu glauben.


• I N H A L T •

Magie spannt sich wie ein Bogen über die Geschichte. Sam hat seine Frau und der kleine Jonah (Ross Malinger) seine Mutter durch Krebs verloren. Irgendwann entschließt sich Sam, von Chicago, wo ihn alles an seine geliebte Frau erinnert, wegzuziehen, weit weg in das regnerische Seattle. Die Depressionen bleiben, und Jonah, ein Junge, der nicht auf den Kopf gefallen ist, handelt anstelle seines Vaters, der keine andere Frau will und in Tagträumen der verstorbenen Maggie (Carey Lowell) begegnet und lange mit ihr redet. Jonah ruft beim Radio an, schildert der Psychologin einer dieser „Wir helfen Ihnen weiter“-Sendungen das Problem, und hofft darauf, dass die seinen Vater dazu bringt, Ausschau nach einer neuen Mutter und Frau zu halten. Nur widerwillig geht Sam an die Strippe und erzählt, knapp, aber deutlich, wie und warum er Maggie derart geliebt hat, dass er an eine Zukunft mit einer anderen Frau nicht denken will.

Derweil ist Annie mit dem Auto in Baltimore unterwegs und ist von Sams Stimme und dem, was er über seine Beziehung zu Maggie sagt, tief beeindruckt. Annie ist eigentlich in festen Händen. Walter (Bill Pullman) heißt der Glückliche, der nur einen Fehler zu haben scheint: Er ist Allergiker, darf dies und jenes nicht essen. Beide wollen heiraten. Die Radiosendung jedoch bringt Annie durcheinander.

Sie ermittelt die Adresse von Sam und Jonah, schreibt einen Brief, fliegt nach Seattle, beobachtet die beiden heimlich, doch als sie Sam mit einer anderen Frau sieht, fährt sie enttäuscht zurück. Derweil trifft sich Sam mit Victoria (Barbara Garrick), einer sympathischen Frau, die allerdings – so Jonah – wie eine Hyäne lacht. Der Junge mag sie nicht. Und auch bei Sam funkt es nicht so richtig.

Nichts scheint sich zu bewegen. Der Brief, den Annie, wie Hunderte anderer Frauen, aufgrund der Radiosendung Sam geschrieben hat, beeindruckt allerdings Jonah. Und der beschließt – mit Unterstützung seiner kleinen Freundin Jessica (Gaby Hoffmann) – auf den Vorschlag Annies in dem Brief, sich an einem bestimmten Tag auf dem Empire State Building in New York zu treffen, einzugehen. Jonah verschwunden, Sam in heller Aufregung, Flugzeug, New York, Jonah – und Annie?


• I N S Z E N I E R U N G •

Vieles an „Sleepless in Seattle“ (übrigens der „Nickname“, den die Psychologin dem „Fall Sam“ gegeben hat) erinnert in einigen Passagen an das klassische Melodrama „An Affair to Remember“ aus dem Jahr 1957 mit Cary Grant und der für melodramatische Rollen in diesen Jahren prädestinierten Deborah Kerr (Regie: Leo McCarey). Die Idee des Films ist natürlich gewagt. Liebe auf den ersten Ton: Eine Frau hört die Stimme eines Mannes – und ist mehr oder weniger, eigentlich zunehmend mehr – verliebt, irgendwie ... Das klingt für sich genommen nicht unbedingt sehr plausibel. Aber Nora Ephron wäre nicht Nora Ephron, wenn sie durch ein durchweg intelligentes Drehbuch mit der nötigen Portion sanftem Humor nicht in der Lage wäre, im Zusammenspiel mit ihren Hauptdarstellern der Geschichte die nötig Würze und Schlagkraft zu geben.

Vor allem Tom Hanks kann in dieser Hinsicht überzeugen. Er spielt einen Witwer, der nicht mit dem Handbuch des Klischees unter dem Arm herumläuft. Auch zwischen Hanks und Ross Malinger als seinem Sohn besteht die nötige Chemie, um das Vater-Sohn-Verhältnis zu einem Vergnügen zu machen. Jonah fragt in einer Szene Sam: „Wenn du eine Frau kennen lernst, zerkratzt du ihr dann auch den Rücken, wenn ihr Sex habt?.“ „Woher weißt du denn so etwas?“ fragt Sam erstaunt. „Jets Vater ist verkabelt.“ In einer anderen Szene hört Annie Radio; es geht wieder einmal um Sam. Jonah hat beim Sender angerufen, um sich zu beschweren, dass Sam und Victoria sich küssen, die er ja nicht mag. Damit Walter nicht mitbekommt, dass sie Radio hört, versteckt sich Annie mit Radio und Telefon in der Abstellkammer und hat Probleme, Walter, der aufgewacht ist, zu erklären, was sie dort treibt.

Meg Ryan wirkt angesichts ihrer Fähigkeiten etwas unterbeschäftigt, die Szenen mit ihrer Filmfreundin Becky (Rosie O’Donnell) jedoch gehören mit zu den besten des Films.

Klar, dass ein Happyend die Romanze beschließt.


• F A Z I T •

Ein Film für unverbesserliche Romantiker, die an regnerischen und trüben Novembertagen ihre Stimmung aufpolieren wollen. Punktum.

Wertung: 7,5 von 10 Punkten.

P.S. Mein letzter Bericht vor Urlaubsantritt, also nicht wundern, wenn Ihr bis Ende Juli von mir nichts mehr hört ... ähh: lest.

Schlaflos in Seattle
(Sleepless in Seattle)
USA 1993, 105 Minuten
Regie: Nora Ephron

Drehbuch: Nora Ephron, Jeff Arch
Musik: Marc Shaiman, Leroy Anderson, Harold Arlen, Victor Young, Albert von Tilzer
Director of Photography: Sven Nykvist
Schnitt: Robert M. Reitano
Produktionsdesign: Jeffrey Townsend, Clay A. Griffith
Hauptdarsteller: Tom Hanks (Samuel „Sam“ Baldwin), Meg Ryan (Annie Reed), Bill Pullman (Walter), Ross Malinger (Jonah Baldwin), Rosie O'Donnell (Becky), Gaby Hoffmann (Jessica), Victor Garber (Greg), Rita Wilson (Suzy), Barbara Garrick (Victoria), Carey Lowell (Maggie Abbott Baldwin), David Hyde Pierce (Dennis Reed), Dana Ivey (Claire Bennett), Rob Reiner (Jay), Tom Riis Farrell (Rob), Le Clanché du Rand (Barbara Reed)

Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0108160

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (3 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1993/06/864667.html

„Movie Reviews“ (James Berardinelli) (3 von 4 Punkten):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/s/sleepless.html

© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • XXLALF58 veröffentlicht 11.02.2012
    den film hab ich mir ja schon sooooo lang nicht mehr angesehen. schmach-stöhn und-und-und- und bh und ganz liebe grüße
  • Stepnwolf veröffentlicht 27.08.2006
    Der verbale Schlagabtausch zwischen Vater und Sohn ist schon stellenweise recht komisch inszeniert. Da blitzt Tom Hanks' komödiantisches Talent auf. Meg Ryan ist in diesem Film besonders bezaubernd, wenn sie so in sich versunken der Radiostimme lauscht. Einfach nur süß. :-) Gruß Stepnwolf
  • schnucke63 veröffentlicht 24.07.2003
    klasse bericht. ich liebe diesen film...habe ihn schon mehrfach gesehen. sorry, für meine lange ciaofreie pause, ohne bewertungen und meinungen. man liest sich. gruß heike
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