Weltkreuzfahrt geplant?
21.05.2012
Pro:
toll für Kreuzfahrtunerfahrene, bevor sie auf ganz große Fahrt gehen, unterhaltsam geschrieben . . .
Kontra:
richtet sich doch eher an Weltumkreuzende, wohl nix Neues für erfahrene Kreuzfahrer
Empfehlenswert:
Ja
 LaberLili
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♥ bundy109s Lilifee ♥ - 2013 gibts wieder mehr von mir... :)
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Andreas Lukoschik, den Einige eventuell noch kennen, weil er von 1987 bis 1991 in der ARD das Gesellschaftsmagazin „Leo`s“ moderiert hat, mag Kreuzfahrten: davon hat er zwischenzeitlich schon zahlreiche unternommen, mal als Passagier, mal als Mitarbeiter. Mal auf dem einen, mal auf dem anderen Schiff. „Schläft das Personal auch an Bord?“ ist gemäß seiner Aussage tatsächlich eine der auf Kreuzfahrtschiffen meistgestellten Fragen – und zudem der Titel seines Buches, welches mit „Ein Kreuzfahrt-ABC“ untertitelt ist. Hier hat er von A bis Z tatsächlich alles aufgeführt, was er in Bezug auf Kreuzfahrten als wissens- und erwähnenswert betrachtet. Dieser „Reiseführer“ ist erst Mitte Februar 2012 erschienen und zwar bei Kiepenheuer & Witsch. Das gebundene Buch enthält 278 Seiten und kostet 16,99€. Als Taschenbuch gibt es den Titel „Schläft das Personal auch an Bord?“ bislang nicht, aber als ebook ist er durchaus existent, sowohl im mobi-Format für den Kindle als auch im epub-Format für den breiten Rest der ebookreader. (Das epub-ebook ist dabei gar, beispielsweise bei Weltbild, DRM-frei zu haben.) Die ebooks kosten jeweils 14,99€.
Das ABC des Kreuzfahrers„Schläft das Personal auch an Bord?“ ist zwar lexikonartig aufgebaut, aber doch absolut flüssig lesbar: hier gibt es keine stichpunktartigen, stakkatoartigen Lexikatexte, sondern durchaus einen Fließtext. Man kann Buchstaben um Buchstaben abhandeln oder sich quer durch das ABC lesen: egal, ob man das ABC von A bis Z durchliest oder sich quer durch die Buchstaben irrt (also erst D, dann K und wieder zurück zu B), der Text lässt sich einfach flüssig lesen. Jede Erläuterung ist in sich abgeschlossen, teilweise findet man (wie in einem richtigen Lexikon eben auch) Hinweise, dass man zu einem bestimmten Thema unter einem anderen Buchstaben noch weitere Erläuterungen findet. Im gebundenen Buch kann man bei genügendem Interesse dann einfach entsprechen vor- oder zurückblättern, beim ebook gestaltet sich dies schon etwas schwieriger. Theoretisch könnte man in ein ebook zwar auch klickbare links einbauen, so dass man mit einem Klick zur entsprechenden Seite switchen könnte, aber praktisch versagte mir mein Kindle nun diese Möglichkeit: ich habe das ebook nun ganz normal, sprich: von vorne nach hinten, gelesen und auch nichts verpasst. Insgesamt ist es also nicht so, dass „Mehr unter diesem oder jenem Begriff“-Hinweise das kaum aufschiebbare Bedürfnis auslösen, dass man nun erst diesem Hinweis nachgehen soll, da man ansonsten nichts mehr verstehen würde. Zu den verschiedenen Buchstaben findet man auch unterschiedliche Anzahlen an Stichwörtern. Unter „I“ ist beispielsweise nur der Begriff „Inseln“ zu finden, unter C lediglich „Captain`s Table“, während unter R gleich vier Begrifflichkeiten („Reiseleiter“, „Reiseversicherung“, „Reling“, „Repeater“) aufgeführt sind. Und da sich ohnehin jeder gleich fragt, was ein solches Lexikon denn wohl unter „X“ bzw. „Y“ bereithält: nichts! Diese beiden Buchstaben werden einfach übergangen; unter „Y“ hätte man eventuell Yacht anführen können, aber vermutlich ist der Autor noch nie auf einer Yacht, sprich: einem intimeren Kreuzfahrtschiff, durch die Weltmeere gekreuzt – oder ihm ist nicht eingefallen, dass er hier doch was zu den kreuzfahrttauglichen Yachten hätte schreiben können. Jedenfalls: X und Y gibt es in diesem Buch nicht.
Für wen ist denn dieses Buch geschrieben worden? Erfahrenere Kreuzfahrer werden hier sicherlich die ein oder andere selbsterlebte Situation wiedererkennen, die sie nach wie vor zum Schmunzeln bringt. Andererseits werden sie hier aber auch sehr viel „Rund um die Kreuzfahrt“-Kram lesen, der ihnen ohnehin bekannt ist: „Schläft das Personal auch an Bord?“ eignet sich meiner Meinung nach eher für Diejenigen, die noch nie eine Kreuzfahrt unternommen haben, aber eine solche eben noch unternehmen wollen bzw. gar schon gebucht haben. Was und wieviel muss in den Koffer, was sollte im Handgepäck sein, warum man unbedingt Gummiband und Wäscheklammern mitnehmen sollte… Wo auf dem Schiff sind die Kabinen am Schönsten, wo am Ruhigsten… und warum sollte man auf seiner allerallerersten Kreuzfahrt niemals durch die Arktis schippern?! „Schläft das Personal auch an Bord?“ ist nicht nur mit subjektiven Erfahrungen gespickt, sondern auch mit objektiven Infos: auf welchem Kreuzfahrtschiff herrscht welche Boardsprache, was ist die „Titelmelodie“ von welchem Schiff, welche Schiffe können bzw. dürfen überhaupt noch durch die Antarktis fahren? Diese Infos sind immer in grafischen Tabellen enthalten, oft im Querformat; den ebookreader muss man also mal kurz drehen: zumindest im Kindle-Display erscheinen diese Grafiken etwas blass, lassen sich aber dennoch durchaus ohne Probleme erkennen. Hier werden von den ganz großen bis zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen auch alle erwähnt (zumindest die, die im deutschsprachigen Raum regelmäßig gebucht werden), aber dennoch lässt sich dies Buch nicht wie andere Kreuzfahrtbücher in die Richtung „Alle fahren mit den AIDA-Schiffen“ drängen, eher ganz im Gegenteil: man merkt dem Autoren zum Einen eine hohe Begeisterung für Kreuzfahrten in exotischeren Gebieten an (z.B. entlang des Amazonas), die teils nur mit kleineren Expeditionsschiffen gemacht werden können und zum Anderen aber auch ein besonderes Faible für die Königinnen der Cunard Line (z.B. „Queen Victoria“), die regelmäßig die Welt umrunden. „Schläft das Personal auch an Bord?“ macht in der Tat wahnsinnige Lust darauf, einmal die ganze Welt zu umschippern (danke, darauf hätte ich auch so schon genug Lust gehabt!): hier geht es also weniger darum, mal eine Woche lang das Mittelmeer zu durchkreuzen. So hat auch der „Schiffskoller“ seinen Eintrag, der viele Weltumkreuzende irgendwann ergreift, wenn ihnen während ihrer halbjährigen Weltreise das Schiff dann doch mal auf den Keks; Verzeihung: den Schiffszwieback; geht: da nennt der Autor dann auch gleich die passenden Gegenmaßnahmen. Die sind natürlich wohl ausschließlich dann interessant, wenn man sich selbst just auf eine weltumrundende Kreuzfahrt vorbereitet. Als Reiseführer eignet sich dieses Buch ebenfalls auch nicht: hier geht es ausschließlich um das Leben an Bord; immerhin wird aber erwähnt, in welchen Häfen die Einfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff besonders beeindruckend ist und wo man als Schiffspassagier so das Meiste geboten bekommt.
Ist der Lukoschik denn auch ein guter Erzähler?Der Buchtitel ist ja schon sehr schräg und hat mich eigentlich überhaupt erst auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Der Inhalt ist nicht ganz so schräg, aber auch sehr frisch und unterhaltsam geschrieben. Es enthält schon sehr viel Humor, der ist aber eher feingestreut und geht nie unter die Gürtellinie, obschon beispielsweise auch „Sex auf dem Balkon der Schiffskabine“ behandelt wird. Aber billig wird es nie und für den typischen Stammtischhumor ist es auch weitaus zu wenig derb. Es werden auch diverse Episoden von Bord eines Schiffes erzählt, die einem ein Schmunzeln entlocken, aber am Witzigsten sind mitunter die sehr trocken vorgebrachten Randbemerkungen. Dabei reiht sich in „Schläft das Personal auch an Bord?“ beileibe nicht ein Kalauer an den Nächsten: die Information des Lesers steht hier klar im Vordergrund, aber das Kreuzfahrt-ABC wird dabei eben sehr unterhaltsam vorgetragen. Wenn überhaupt ist es mehr Kabarett als Comedy. Dem Buch hat es sehr gutgetan, dass der Autor sowohl aus Passagier- als auch aus Crew-Sicht berichten kann: so erwähnt hier nicht nur ein Tourist, was ihm so alles aufgefallen ist, sondern Lukoschik kann eben aus eigener Erfahrung heraus genau sagen, was die meisten Passagiere denn interessiert und was sie überhaupt gerne wissen möchten – zudem kann er auch die besseren Erklärungen liefern, z.B. über den Tätigkeitsbereich eines Lotsen, als ein unbedarfter Laie, der ein einfacher Passagier ist. Der Einblick hinter die Kulissen war hier auch sehr interessant: (wie funktioniert das mit der Kläranlage und den ganzen sonstigen Abfällen?), wer ist wofür zuständig, wie ist die Rangordnung (schläft die Crew denn nun eigentlich auch an Bord?) und auch, wann wem wieviel Trinkgeld gegeben werden sollte. An dieser Stelle zeigte sich für mich auch deutlich, dass mit diesem Buch eher die Kreuzfahrer angesprochen werden sollen, deren Reise naturgemäß auch teurer ausfällt als die typische Sommerurlaubskreuzfahrt. Als ich hochrechnete, wieviel Trinkgeld durchschnittlich für welchen Mitarbeiter pro Tag gegeben wird/werden sollte (die Angaben waren hier nochmal vom Drei-Sterne- bis zum Fünf-Sterne-Schiff gestaffelt), habe ich mich doch kurz erschrocken: Lukoschik relativierte das allerdings gleich, in dem er sagte, man solle sich gar nicht so einen Kopf um die Höhe des Trinkgeldes machen. Bei Weltreisenden ist es zwar wohl gar nicht so unüblich, dass sie, zusätzlich zu den persönlichen Trinkgeldern der Mitarbeiter direkt um sie herum, am Ende der Reise noch einen Umschlag für die gesamte Crew abgeben, in dem sich ein Geldbetrag befindet, der 20% der Kreuzfahrtkosten ausmacht. Das ist in jedem Fall ein vierstelliger Betrag. Allerdings arbeiten auf den großen Luxuslinern auch sehr viele Menschen aus ärmeren Ländern, die mit ihrem Gehalt daheim ihre kompletten Familien versorgen: da sei dann ein für den Passagier nicht ganz so üppiger Betrag zumeist schon ein Wochenverdienst im Heimatland des Crew-Mitglieds. Nichtsdestotrotz sind diese Erläuterungen, welches Trinkgeld wem durchschnittlich gegeben werden sollte, ganz gute Hinweise, wenn man nicht als kompletter Geizhals dastehen will. Insgesamt ist „Schläft das Personal auch an Bord?“ also ein recht vergnügliches Buch für alle, die noch nie eine (größere) Kreuzfahrt unternommen haben, aber unbedingt noch auf solch große Fahrt gehen wollen. Wer den Großteil des Jahres ohnehin auf Kreuzfahrt verbringt, dem wird dieses Buch allerdings nichts Neues oder Aufregendes verraten: wer schonmal eine Weltkreuzfahrt unternommen hat, kann auf dieses Buch sicherlich verzichten. Ich bin mir auch nicht schlüssig, ob dieses Buch noch für wen geeignet ist, der bereits eine kleinere Kreuzfahrt unternommen hat: vielleicht als kleine Anekdotensammlung, um eigene Erinnerungen aufzufrischen oder als Motivation, auch nochmal um die komplette Welt zu kreuzen. Knapp 17€ sind angesichts der Tatsache, dass es sich um ein gebundenes Buch handelt, zwar halbwegs angemessen, aber ich muss dennoch sagen, dass ich diesen Preis und auch die 15€ für das ebook schon etwas überhöht finde: so ein üppiger Schmöker oder eine besonders anspruchsvolle Lektüre ist dies nun auch nicht; ich habe „Schläft die Crew denn auch an Bord“ zumindest ganz lässig gestern Abend in einem Rutsch durchgelesen. Aber der Preis deutet in meinen Augen schon auf die angesprochene Klientel hin: das sind eben vor Allem, wenn auch nicht ausschließlich, die Reicheren. So… ich habe nun zumindest Lust auf eine Kreuzfahrt rund um die Welt bekommen; mein Mann und ich haben uns auch schon unsere Lieblingskreuzfahrt auf einer Wunschroute ausgeschaut: jetzt müssen wir nur noch mal einen sechsstelligen €-Betrag übrighaben. Ich glaub, ich geh dann mal zur Lottoannahmestelle...Ach ja, eine Empfehlung gibt es durchaus und die vor Allem an kreuzfahrtunerfahrene zukünftige Weltumkreuzer gerichtet!
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28.05.2012 13:35
Zja, wo sollen die denn sonst schlafen? Ok, deren Kabinen sind vermutlich weniger komfortabel. Ciao Thorsten
27.05.2012 18:25
Sehr schön. =) Liebe Grüße
27.05.2012 10:55
alles drin