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Auch dieses Wochenende kam ich mal wieder in den Genuß, einen Kinogutschein in der Preview von "Schmalspurganoven" zu verbraten. Ich dachte erst, der Abend wird mich mal wieder mit Langeweile überschütten, da Woody Allen ansonsten überhaupt nicht mein Fall ist. Aber es kam alles ganz anders.
Die Hauptperson in dem Film hört auf den Namen Ray Winkler und wird von Woody Allen höchstpersönlich gespielt. Ray ist ein ziemlicher Volltrottel. Selbst die unterbelichteten Knasties gaben ihm den Spitznamen "The Brain", was natürlich total ironisch gemeint war. Eigentlich ist Ray ein recht liebenswerter Verlierer, der auch durch seine gelegentlichen Gaunereien nicht so recht auf den finanziellen grünen Zweig kommt. Im Grunde ist er ein armes Schwein mit einer Inelligenz an der untersten IQ-Skala. Und gerade diese Tatsache fand ich äußerst positiv. In den Woody Allen Filmen, die ich vorher gesehen hatte, spielte er meist irgendwelche intellektuell total verworrenen, abgehobenen Halbgenies. "Schmalspurganoven" bietet in dieser Hinsicht also mal erfrischende Abwechslung.
Wie das Leben so spielt, haben oft die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln. Dies scheint sich auch Ray zu denken, denn er hat einen "genialen" Plan: Mit einer Schachtel Pralinen in der Hand versucht er seine Angetraute Frenchy (gespielt von Tracey Ullman) davon zu überzeugen, die Ersparnisse für den Kauf eines leerstehenden Geschäftes zu verprassen. Natürlich will Ray in Wirklichkeit keinen Laden aufmachen sondern hat ganz andere Pläne... Natürlich wittert Frenchy sofort die Lunte, und es kommt zu einem handfesten Streit in welchem anhand von total witzigen Sprach- und Meckersalven nochmal sämtliche Fehltritte aus Ray´s Gaunerkariere hervorgekramt werden. Allein schon diese Szene ist ein Knaller in sprachlicher Hinsicht und war schon fast den Eintritt wert. Naja - keine Suppe wird so heiß gegessen, wie sie gekocht wird: Schließlich stimmt Frenchy zu, und der Laden wird gekauft.
Aber nun zu Ray´s Plan. Der Laden hat einen enormen Vorteil gegenüber anderen Geschäften: Gleich nebenan liegt ein Bankgebäude. Was liegt für einen Old-School Ganoventrottel Ray also näher, als die Idee, sich zusammen mit seinem Kumpel Benny vom Keller des Ladens aus, zu den Banknoten durchzubuddeln? Gesagt getan - selbst die gute Frenchy wird in den Plan eingebunden. Sie soll zur Tarnung die unschuldige Bäckersfrau spielen und ihre selbstgemachten Teigwaren oben im Laden an verscherbeln.
Tja, und weil mal wieder alles anders kommt, macht Frenchy plötzlich Rekordumsätze während Ray und sein Kumpel im Erdreich herumackern oder sich mal wieder über die Durchführung ihres Plans streiten...
Schließlich versagen Ray und sein Kumpel mal wieder völlig: Sie landen nach ihrer Graberei in einer Botique. Alles war also mal wieder für die Katz. Aber es gibt ja noch Frenchy. Sie schafft es in einem Jahr ihren Laden zu einem richtigen Imperium der Leckereien aufzublasen. Da sollte man doch denken, Ray hat Glück im Unglück gehabt. Falsch gedacht! Die neue, teure Wohnung in der Park Avenue in New York geht ihm total auf die Nerven. Ray fühlt sich einfach nicht wohl in seinem neuen Edeloutfit. Er hasst nunmal Antiquitäten und das, was an seinen Wohnungswänden moderne Malerei verkörpern soll, macht ihn eher depressiv. Man hat das Gefühl, er will lieber wieder zurück auf die Straße, um die Luft des Kleinganoven zu atmen. Nur Geld und Luxus gibt ihm keine Erfüllung.
Ganz anders dagegen Frenchy: Sie quillt im High-Society Leben auf, wie ein Hefeteig im Backofen. Die Neureiche fängt an, Fremdwörter-Lexika zu wälzen und hält sich sogar den Kunsthändler David (gespielt von Hugh Grant) als Nachhilfelehrer in Sachen Kulter und Benimmregeln. Hierdurch nimmt der Film die total überraschende Wende und mausert sich von einer durchschnittlichen Gaunerkomödie mit viel Klamauk zu einer ausgewachsenen Sozialsatire.
Woody Allen gelingt es meisterhaft, den Snobismus der High-Society so richtig bloßzustellen. Es wird dem Zuschauer sehr pragmatisch dargestellt, was passiert, wenn auf einfache Leute plötzlich der Geldsegen ins Haus fällt. Trotz der ganzen Kohle gibt es nämlich unzählige Hindernisse. Ständig stößt Ehepaar Winkler an die Ettikette der "von Haus aus Reichen" und deren Geschmacksverirrungen. Wären die beiden doch nur einfache Leute geblieben.....
Fazit: Obwohl ich Woody Allen ansonsten überhaupt nicht ausstehen kann, hat mir der Film ganz gut gefallen. Ein Meilenstein der Filmgeschichte ist das Geschichtchen "Vom Bäcker zum Millionär" allerdings trotzdem für mich nicht. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.
Wie kann man Woody nicht lieben? Aber egal: Diese Meinung ist einfach klasse. Habe den Mittelteil nur überflogen, da ich den Film auch noch gucken will. Sehr motivierend, joas
30.11.2000 19:09
Du schreibst auch sehr ordentliche, ausführliche uninteressante Filmkritiken. Deshalb rappzapp, willkommen in meinem Kreis. Kochski =)
30.11.2000 12:47
Super Meinung. Das Lesen ist ein reines Vergnügen (bis auf die Fipptehler). Da geh ich wohl in den Film rein. Man liest sich!
29.11.2000 22:54
Wie kann man Woody nicht lieben? Aber egal: Diese Meinung ist einfach klasse. Habe den Mittelteil nur überflogen, da ich den Film auch noch gucken will. Sehr motivierend, joas