Das es sowas noch gibt!
15.07.2003
Pro:
sehr gefühlvolle Story klasse umgesetzt
Kontra:
keine echte kriminalstory
Empfehlenswert:
Ja
 Prisca
Über sich:
Mitglied seit:02.01.2001
Erfahrungsberichte:1071
Vertrauende:104
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 77 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Heute möchte ich euch mal wieder von einer DVD berichten, die zwar schon etwas älter ist (2000) – mir aber trotzdem sehr am Herzen liegt. SCHNEE DER AUF ZEDERN FÄLLT
Ein Film, der nach dem gleichnamigen preisgekrönten Beststeller von David Guterson gedreht wurde. Und genau aus diesem Grund bin ich lange zeit davon zurückgeschreckt, mir diesen Film anzusehen – ich kenne das Buch und finde es einfach grandios. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man dieses Buch gefühlvoll umsetzen will … Trotzdem, als mir neulich bei Karstadt die DVD für nur 12,99 Euro in die Hände fiel bin ich nicht mehr dran vorbeigekommen und habe sie gekauft. Jetzt möchte ich sie euch ein wenig näher bringen – zunächst ein wenig zum Inhalt – dann einiges zu meinen Gedanken und Gefühlen beim Gucken dieses Films.
Eine kleine gemeinde in Amerika – San Piedro – steht plötzlich im Mittelpunkt allgemeinen Interesses, denn hier findet eine nicht alltägliche Gerichtsverhandlung statt. Der Japaner Miyomoto ist angeklagt, einen befreundeten Fischer ermordet zu haben. Die beweise sprechen gegen ihn – ein Motiv ist vorhanden.
Doch da ist der Lokalreporter Ishmael Chambers, der an diesem Fall ganz persönlichen Anteil nimmt – war er doch einst vor Jahren mit der Frau des Angeklagten liiert und liebt sie noch immer. Er vermag nicht zu glauben, was er da hört und beginnt, die Geschichte zu hinterfragen … Tcha, das war nun wirklich eine sehr kurze Inhaltwiedergabe – einerseits trifft sie den Film, denn viel mehr geschieht wirklich nicht – andererseits lebt dieser Film von Rückblenden und Erinnerungen der Prozessbeteidigten …
Das Schicksal der Japaner wird erzählt – in Amerika haben sie eine neue Heimat gefunden – ihre Kinder werden hier geboren … doch als der zweite Weltkrieg ausbricht, ändert sich alles. Zunächst ziehen die Japaner für die Amerikaner in den Krieg – doch dann kommt Pearl Habour – und die Amerikaner empfinden nur noch Hass – Hass gegen ihre Nachbarn und Freunde. Die Japaner werden unterdrückt, geächtet, in Lager eingesperrt … Es wird aber auch die Geschichte einer ersten Liebe erzählt – die Geschichte von Ishmael und Hatsue – eine Geschichte, wie die von den zwei Königskindern, die niemals zusammen kommen konnten, obwohl sie sich doch so lieb hatten …
Und das Ganze wird einrahmt von der Rahmenhandlung in der Gegenwart: die Gerichtsverhandlung gegen Miyomoto und die Suche nach der Wahrheit durch Ishmael. Es ist ein schöner Film, ein ruhiger Film, der sehr nachdenklich und traurig macht. Obwohl er als Kriminalfall bezeichnet wird (so wird übrigens auch das Buch) habe ich ihn nie so empfunden – denn der Mordfall spielt wirklich nur eine sehr nebensächliche Rolle. Sicher, der Film besitzt eine gewisse Spannung, der Zuschauer möchte schon wissen, ob Miyomoto nun schuldig ist (wofür man sogar ein gewisses Verständnis aufbringt, wenn man die Vorgeschichte erfährt). Interessanter habe ich aber die Darstellung der Schicksale der einzelnen Personen empfunden. Denn so ernst und traurig der Film auch ist - er gleitet niemals wirklich in Kitsch ab, obwohl er mit den einzelnen Schicksal sehr gefühlvoll umgeht.
Der Film arbeitet, wie schon erwähnt, sehr viel mit Rückblenden – dabei können es Rückblenden in die unmittelbare Vergangenheit sein, an den Tag des Mordes … aber auch Rückblenden über Jahre zurück in die Jugend der Hauptpersonen. Der Übergang der einzelnen Szenen ist teilweise sehr krass – die Szenen gehen direkt ineinander über. Für den Zuschauer ist es deswegen nicht immer ganz so einfach, der Handlung zu folgen. Zwischendurch mal schnell in die Küche und was zu trinken zu holen – ich würde davon abraten! Auch von der ganzen Handlung her würde ich diesen Film eher als etwas anspruchsvoller bezeichnen – er bleibt mit Sicherheit nicht an der Oberfläche hängen, sondern bietet viele Ansätze zum Nachdenken – auch, nachdem der Film schon längst zu Ende ist!
Ich möchte noch ein paar Worte über die Schauspieler verlieren, die mich durchweg überzeugt haben. Bekanntere Namen dürften Ethan Hawke (Ishmael Chambers), Max von Sydow (Nels Gudmundsson), oder evtl auch Sam Shepard (Arthur Chambers) sein … gerade die japanischen Namen Youki Kudoh (Hatsue Miyamoto) oder Youki Kudoh (Hatsue Miyamoto) dürften bei uns wohl weitestgehend unbekannt sein. Trotzdem sind alle Rollen sehr gut und überzeugend besetzt – jeder scheint sich mit seiner Rolle identifiziert zu haben und in ihr aufzugehen. Zum Schluss auch noch ein paar Worte über die Extras der DVD: es ist nichts ganz besonderes – aber trotzdem ausreichend, was dem Zuschauer hier geboten wird. Für mich interessant waren mal wieder „Entfallene Szenen“ – ein Extra, das ich mir immer sehr gern antue – und häufig mit bedauern feststelle, das es manche Szene nicht bis in den Film geschafft hat. So auch hier!
Dann gibt es Berichte „Am Drehort“ und „Das Lager Manzanar“ – leider nur in Englisch, aber recht interessant gemacht. Produktionsnotizen und Filmographien der Schauspieler und des Regisseurs – beides nur im englischen Text vorhanden, aber dafür sehr ausführlich und interessant.
Außerdem gibt es noch den US Kinotrailer und einen Filmkommentar des Regisseurs. Sprachen (dolby digital) gibt es nur zwei zum einstellen: deutsch und englisch – Untertitel in englisch, deutsch, holländisch, dänisch, finnisch, schwedisch, norwegisch, griechisch, hebräisch, polnisch und tschechisch. Der Ton im Film kommt sehr gut rüber – besonders weil sich Sprache und Musik hier mal im Einklang befinden. Gerade bei diesem Film halte ich das für sehr wichtig – denn es gibt viele Szenen ohne Sprache – nur unterlegt mit passender Musik. Ich hätte es schrecklich gefunden, wenn ich hier ständig mit der Fernbedienung hätte „spielen“ müssen“ – aber das ist ja zum Glück nicht der Fall.
Auch das Bild ist klar und ohne Aussetzer, wie man es von einer modernen DVD erwarten kann. Noch ein Wort zur FSK: der Film ist freigegeben ab 12 Jahre. Das erscheint mir einerseits grechtfertigt, denn dieser Film kommt wirklich ohne Gewwaltszenen aus - andererseits denke ich aber doch, ein 12Jähriger dürfte sich bei diesem Film einfach nur langweilen, weil er nicht wirklich dahintergucken kann. Deshalb habe ich auch als Altersgruppe ab 16 Jahren angegeben!
Mein Fazit: Ich bin froh, dass ich mich an diesen Film herangewagt habe – denn hier ist die literarische Vorlage wirklich sehr gut umgesetzt. Die 122 Minuten, die dieser Film dauert verfliegen wie in einem Traum weil man als Zuschauer einfach abtauchen kann in diese Geschichte. Man darf nur nicht den Fehler machen und einen echten Kriminalthriller erwarten – denn davon hat dieser Film wirklich NICHTS! @ Prisca - Juli 2003 - ich schreibe bei Ciao, Dooyoo und Yopi
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22.07.2003 11:08
Noch nicht gesehen, aber steht nun auf der Liste.
17.07.2003 17:34
bin in etwa deiner meinung, auch wenn ich das buch nicht kenne fiel mein bericht - soweit ich mich erinnere - in etwa dementsprechend ähnlich aus, jedenfalls war ich positiv überrascht...mfg
17.07.2003 11:39
Mir hat der Streifen auch gefallen, v.a. Max von Sydow. Aber ich glaube, das Buch ist besser zu verstehen. Guter Bericht. VG, mima