Das Quilt-Festival 2004 auf der Höri
19.03.2005 (30.03.2005)
Pro:
schöpferische Freizeitbeschäftigung, bildend, für Geschenke geeignet
Kontra:
braucht Zeit und Ideen und eine gute Nähmaschine
Empfehlenswert:
Ja
 hellseidel
Über sich:
Mitglied seit:03.11.2000
Erfahrungsberichte:27
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Also nun mal der Reihe nach! 1.Die Höri ist eine Halbinsel am Bodensee, kurz vor der Schweiz, südlich von Konstanz gelegen. Mit südlichem Klima. Daher ist hier der Obstbau zu Hause und die Kunst überhaupt, wie z.b. Hermann Hesse, der viele Jahre hier gelebt und geschrieben hat. Am Bodensee entlang liegen wie eine Perlenkette viele schöne Badeorte. Und auf der Seeseite kann man mit dem Schiff vorbeifahren und die herrliche Landschaft genießen, mit dem Schiff ab Konstanz, auch von Meersburg und Überlingen aus fahren Linien dorthin, bis Stein am Rhein. Eine wunderbare Fahrt durch uralte Kulturlandschaft, sehr zu empfehlen! Über diese Adressen kann man sich informieren: http://www.hoeri.ch/de/ und http://www.hoeri-forum.de/. Die Anfahrt mit dem PKW geht über Radolfzell, Moos, Iznang, Grundholzen, Horn am Zeller See entlang nach Gaienhofen, dem Hauptort, schon am Untersee gelegen. 2.Und nun ein Quilt: ein Quilt ist eine Näharbeit, mit der Hand oder mit der Maschine. Man fertigt erst ein patchwork, das ist ein neues größeres Stück Stoff, das aus kleineren Teilen zusammengenäht wurde. Man schneidet also aus größeren Stücken kleinere aus, entweder die noch heilen Teile aus Blusen, Hosen oder sonst was (das machen die armen Leute) oder aus verschieden gemusterten oder bunten Stoffen nach Geschmack und Laune oder Zweck. Jeder weiß, dass z.B. Jacken, Taschen oder Röcke aus Leder in patchwork-Technik recht hübsch aussehen können. Die Gestaltung solcher Teile ist also reine Geschmackssache. Und wenn man nun ein solches patchwork-Teil auf ein weiches Fliess näht, gibt es plastische Wölbungen und Konturen und fertig ist ein Quilt. Als Unterschicht näht man einen passenden abdeckenden Stoff auf. Damit kann man Kissenplatten, Bettdecken oder überhaupt Wandbehänge fertigen. Zum Zeittotschlagen, aus Spaß oder weil es neuerdings „Kunst“ ist. Und Mode auch noch. Sie kommt aus den USA und war vor hundert und mehr Jahren die Winterbeschäftigung der Einwandererfrauen, die wirklich aus Not aus abgetragener Kleidung noch brauchbare Flecken herausschnitten und zusammennähten zu neuen brauchbaren Wohnungstextilien, damals natürlich mit der Hand. Und in den USA ist auch heute noch -oder wieder- eine gequiltete Bettdecke groß in Mode. Kein Ausstattungsgeschäft, das nicht viele wunderschöne Modelle an fertigen Bettdecken anbietet. Das ist ein Kult und ein MUSS für eine gute Hausfrau und einen ordentlichen Hausstand. Und diese Welle ist voll nach Deutschland herüber geschwappt. Hierzu könnt ihr in meinem Reisebericht über Boston nachlesen.
3.Und da diese Arbeitsmethode nützlich und schön und unterhaltsam ist, wenn man sie in Gruppen und Zirkeln ausübt, haben sich in Deutschland in den letzten Jahren viele solche Gruppen gebildet und es zu beachtlicher Kunstfertigkeit gebracht. Und eine Initiatorin, die Frau Ginie Curtze (http://www.ginie.de/eve_01.html), hat alle Interessenten zum Erfahrungsaustausch zur Höri vom 28.03. bis zum 02.05.2004 gerufen, mit Ausstellungen natürlich. So entstand eine Riesenschau: in (fast) jedem Saal von Radolfzell bis Stein hatten die Gruppen ausgestellt, u.a. auch in Gaienhofen im Hermann-Hesse-Museum. Nancy Crows Ausstellung war ständig gut besucht. Das Seehotel Höri in Hemmenhofen war Dreh- und Angelpunkt des Festvals: hier fanden die Seminare statt, es gab verschiedene Quiltausstellungen, Kurse von BERNINA - vom Eröffnungsempfang bis zur Ziehung der Preisgewinner war das Festival hier gut zu Hause.
4. Um den neuesten Trend aus den USA zu vermitteln, wurde eigens dazu die USA-Meisterin Nancy Crow eingeflogen, die (sehr teure) Seminare und workshops veranstaltete. Nancy Crow ist ein Pionier, eine Tüftlerin, von Farben fasziniert. Durch ihre große Spontanität ermutigt sie ihre Schülerinnen, ihren eigenen Stil zu finden und zu verwenden. Eine Meisterin des Handquiltens ist auch Marla Hattabaugh, sie begeisterte mit ihrer perfekten Technik. Heide Stoll-Weber zeigte ihre unverwechselbaren Arbeiten im Seehotel Hoeri. Barbara Malanowski-Casty präsentierte eine stimmungsvolle Ausstellung im Torkel zu Hemmenhofen. 5.Und da man heutzutage solche Quilts mit der Maschine näht, da man ja durch dicke mehrlagige Stoffe nähen muß, hat sich die Nähmaschinenfirma Fritz Gegauf AG Nähmaschinenfabrik in 8266 Steckborn in der Schweiz „BERNINA“ als Sponsor (http://factory.BERNINA.com/content.asp?navigationID=48&sprache=D&ID=&back=) dessen angenommen und mit einer Ausstellung und Vorführungen die interessierten Näherinnen informiert und hoffentlich auch die eine oder andere als Kundin geworben. Wir haben uns schon vorher solch eine BERNINA gekauft und wollten zum Festival Anwendungen sehen. Und natürlich viele bekommen. Über diese Nähmaschinen schreibe ich dann noch etwas mehr.
6.Und wer eine ordentliche Kamera mitgenommen hatte, Film- oder Digital-, konnte hunderte von Motiven von Quilts aufnehmen und zu Hause bewundern. Und nacharbeiten, denn dazu fährt man ja hin. Von meinen vielen Aufnahmen kann ich nur wenige hier hinzufügen, leider, denn Quilts sprechen durch ihre Farben und Muster und Variationen. Viele dieser Quilts vermitteln eine richtigen Farbenrausch, in allen Tönen und Formen. 7.Hier nun einige Ausführungen zu den BERNINA-Nähmaschinen, die man zum patchworken und zum quilten braucht:
Es gibt viele Nähmaschinen auf der Welt. Z. Zt. sind (immer noch) aktuell die sog. Automatik-Maschinen, die zwar mechanisch funktionieren, aber die nach ihrer Einstellung die Bewegungen immer wieder gleich wiederholen. Sollten sie! Aber: die Freiarm Super-Automatik Privileg tut es so nicht, die Stiche sind nicht gleichmäßig, weder in der Länge noch nach der Seite (bei Zickzack). In einem Fachgeschäft sagte man uns: das kommt schon vor, manche Maschinen, vor allem die billigen bei den bekannten Billiganbietern, sind mechanisch nicht sehr gut gearbeitet und weichen eben ab, mal so und mal so. Bei den vielen mechanischen Teilen können sich die Toleranzen summieren, mal die positiven, dann sticht die Nadel zu weit, mal die negativen, dann sticht sie zu kurz, das Stichbild ist ungleichmäßig. Das kann man bei Massenware verkraften, nicht aber bei Kleidung und Einzelstücken, auf die man sieht und die gesehen werden wollen! Das trifft hier leider zu. Nach der Wende haben wir uns so ein Billig-Ding „Privileg“ gekauft. Bei feinen Handarbeiten wie Stickerei und Patchwork sieht man dann die Ungleichmäßigkeiten und schiebt es auf die ungeschickte oder liederliche Näherin. Das dürfen wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen (in Wirklichkeit ist es die schlechte Maschine) – einen neue Maschine muss her, die genau arbeitet. Schluss mit den Billiganbietern! Da gibt es nur Pfaff und BERNINA. Und da wir hörten, dass Pfaff nun auch im Ausland billig arbeiten lässt (und damit Qualitätsprobleme bekommen wird), haben wir uns lieber gleich für schweizer Qualität entschieden, vielleicht etwas teurer, aber auf jeden Fall sicherer in der Qualität. Und mit Service in der Nähe zur Beratung, wenn´s mal klemmt. Und mit viel Zubehör, was man sich nach und nach kaufen kann. Aus der Vielzahl der Modelle haben wir die BERNINA virtuosa 153 Quilt Edition
ausgewählt. Das ist ein Nähcomputer mit Bildschirm! Warum gerade die? Weil man damit nicht nur das Übliche Nähen kann, sondern besonders gut patchworken und quilten! Und das leise und schnell. Durch die dicksten Stoffe mit vielen Lagen. Sie hat folgende Merkmale oder Eigenschaften: 1.Hervorragende 3-Seiten-Beleuchtung um das Nähgut herum durch das U-förmige weiße CFL-Nählicht 2.höchste Durchstichkraft aller am Markt befindlichen Maschinen (für Doppelnähte bei Jeans und Lederarbeiten z.B.) 3.längster Freiarm aller Haushaltmaschinen, ideal für Arbeiten an Ärmeln und Hosenbeinen! 4.Anschluss für Netz- und Computerkabel 5.Fußanlasser mit Nadelsteller hoch/tief 6.Hauptschalter 7.Freiarm-Schiebetisch 8.Frei-Hand-System mit einem Nähfusslifter-Hebel, den man mit dem Knie betätigt 9.einen Unterfaden-Spuler 10.Nähfußwechsel mit Klips ( es gibt 9 normale und 12 Spezial-Nähfüße) 11.einen Oberfadeneinfädler 12.einen Unterfaden-Heraufholer 13.Fadenabschneider 14.Stichplatte mit Markierung zum Maße-Ablesen 15.Fadenspannungs-Regulierer 16.einen Bildschirm mit 6-facher Anzeige für - Stichbreite (ob Grundeinstellung oder mehr/weniger) - Stichlänge (ob Grundeinstellung oder mehr/weniger) - Nadelposition (9 Möglichkeiten) - Nadelstopp (ob oben oder unten) - Stichnummer (ob Geradstich oder welche andere). Mit Tastendruck kann man 8 Sticharten sofort wählen! - Nähfußanzeige (zeigt passenden Nähfuß zum gewählten Stich). 17.hat man sich mal total verstellt, kann man mit einer Art „delete“-Taste (wie vom Computer bekannt) wieder in die Grundeinstellung zurück. 18.6 verschiedene Arten von Knopflochnähen 19.halbe Motorengeschwindigkeit für sorgsames Arbeiten 20.Spiegelbildlich nähen 21.einen persönlichen Speicher „Memory“ für 30 Stichmuster, Buchstaben oder Zahlen 22.Schriftarten und Zahlen zum Sticken 23.weitere Nutz- und Dekorstiche können programmiert werden 24.Verstellen der „Balance“, wenn durch dickere Stofflagen mit verschiedenen Stoffen etwas verrutscht und wieder angepasst werden muss 25.Der Druck des Nähfußes kann auch verstellt werden, je nach Stoffart (z.B. Seide oder Jeans) 26.mit dem CPS = Stichauswahl-System können die gespeicherten Stiche ausgetauscht werden. Aus den BERNINA-Fachgeschäften kann man sich weitere Sticharten holen. 27.vergrößerbare Arbeitsfläche durch einen Anstecktisch ohne Montagearbeiten, bei Platzmangel ideal! 28.zur Aufbewahrung im Schrank und für den Transport einen Stülpkoffer aus Plast.
Vom Zubehör ist erwähnenswert: 8.den Patchworkfuss 9.einen Quiltfuss 10.mehrere Stick- und Applikationsfüsse 11.den Oberstoff-Transporteur (für gleichmäßiges Vorwärtsschieben des unteren und oberen Stoffs bei mehreren Lagen und verschiedenen Stoffen) 12.eine Zubehör-Box zum geordneten Aufheben vieler Kleinteile Auf der Vorderseite der Maschine hat man –hier nur eine kurze Übersicht- oben links die Fadenführung, fast wie üblich, darunter den Nähfuss mit Einfädler und Nadelhalter. Rechts daneben den Bildschirm mit den schon genannten 6 Anzeigen, weiter rechts daneben kann man mit Drucktasten sofort verstellen und bekommt das angezeigt: die Stichbreite, die Nadelposition hoch oder tief, die Stichlänge und die Permanent-Rückwärtsnähtaste. Noch weiter rechts sind die Tasten für die halbe Motorengeschwindigkeit, die delete-Taste, die Spiegelbild-Taste, den Nadelstopp die Alphabet- und die Stichwahltaste. Darunter befindet sich das Feld mit den 30 Tasten für das Stichauswahlsystem. Das ist eine Welt für sich und soll hier nicht weiter erläutert werden.
Das Einfädeln, meist die erste „Amtshandlung“ mit einer neuen Maschine, hat man schnell kapiert, wenn man mit einer anderen älteren schon gearbeitet hat. Das Unterfaden-Aufspulen ist auch fast ein Kinderspiel: leicht, schnell, leise. Ein Blick in´s Heft, und die Finger haben´s drauf! Daneben kann einer schlafen, ohne aufzuwecken! Das ist für Mütter mit Kindern wichtig zu wissen!
BERNINA hat natürlich noch andere Modelle von Nähmaschinen anzubieten, die mehr für „Normalnäher“ gedacht sind, z.B. die 145 als „Allrounder“ für alle Anwendungsbereiche in der Familie einschließlich Reparaturen. Oder die Reihe BERNINA activa für perfektes Nähen und Sticken mit vielen Mustern auf CD-ROM und PC-Sticksoftware mit stufenloser Veränderbarkeit der Motive, um sie dem Stoff anzupassen. Oder die Reihe BERNINA artista. Sogar Bügelmaschinen gibt´s bei BERNINA! Man hole sich also einen Prospekt und staune! Aus der bisherigen Praxis können wir eine BERNINA nur bestens empfehlen. Sie ist teuer, aber ein Wunderwerk. Sie macht das Nähen so bequem und sicher wie noch nie! Ihre Lebensdauer wird uns sicherlich überdauern. 8. Wie sehr die Schweizer patriotisch eingestellt sind, zeigte sich kürzlich. Anlässlich der 200-Jahr-Feier des Kantons Thurgau wurde die Bundesfahne als patchwork in der Größe von 15 m x 20 m angefertigt und an der Fassade der Kantonal Bank in Frauenfeld aufgehängt. Die 300 qm Fläche ergaben viele Kilometer Nahtlänge, genäht auf einer volksfestartigen Veranstaltung mit ca. 1500 Besuchern im Freien mit aktiver Beteiligung der Besucher auf einer Nähmaschine artista 200. Selbst ein Herr Bundesrat, vergleichbar mit einem Ministerpräsidenten unserer Länder, nähte ein Stück eigenhändig mit! Das ist die Schweiz!
9. Und nun das Neueste: vom 04.-29. Mai 2005 findet das „Quiltfestival Höri“ 2005 statt. Wen ich mit diesem Bericht interessieren konnte, sollte also hinfahren! Und: Nancy Crow kommt im Juni 2005 wieder. Es finden wieder Kurse statt. Näheres unter: http://www.ginie.de/eve_04.html. Und wer an die Quellen des Quiltens will, kann an der USA - Reise für Quilterinnen und Freunde vom 25. Sept. - 8. Okt. 2005 teilnehmen. Interessenten können sich wenden an: ginie.curtze@t-online.de . 10. Natürlich gibt's es über das Quilten auch schöne Bücher. Einige sollte man als Anregung für das handwerkliche und für die schöne Gestaltung schon haben. Folgender Link zeigt einige vom Weltbild-Verlag: http://www.weltbild.de/suche.php?PUBLICAID=e7e38a59d54d89a385b2cd62a517820a&mode=suchesw&suche=Quilts. Und auch dieser Link ist gut: http://www.quiltshop-online.de/. Und da man dazu auch die passenden Stoffe braucht, geht man zu: http://www.quilt-design.de/ oder auch zu: http://s35131461.einsundeinsshop.de/sess/utn;jsessionid=15423c757dc6770/shopdata/index.shopscript oder auch zu http://www.patchpoint.de/.
So, das reicht nun. Weitersuchen könnt ihr selbst! Da ich bei ciao bisher keinen einzigen Bericht über das Quilten gefunden habe, ist es höchste Zeit, daß dort nun endlich mal was ordentliches zu finden ist. Ich hoffe, die lieben Leser nutzen diese Gelegenheit auch. Ich wünsche allen viel Vergnügen und Erfolg!
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
19.04.2005 18:03
Ich habe mich letztes Jahr bei meiner Tante mit dem Patchwork- und Quiltvirus angesteckt - es ist ein sehr schönes Hobby, zu dem ich leider zu wenig Zeit finde. LG Karen
05.04.2005 21:40
Ein sehr schöner, sehr außergewöhnlicher Bericht(außergewöhnlich, weil ein Thema, über das sicher nicht oft berichtet wurde).
20.03.2005 11:15
Verdienstvolle Pioniertat, dieser Bericht! lg Mundi