School Days - Stanley Clarke

Bilder der Ciao Community

School Days - Stanley Clarke

1 - CD - Epc - bmg Deutschland - 12. August 1991 - 5099746821920

> Detaillierte Produktbeschreibung

90% positiv

2 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "School Days - Stanley Clarke"

veröffentlicht 04.04.2017 | EndlichVerstehen
Mitglied seit : 17.03.2013
Erfahrungsberichte : 49
Vertrauende : 2
Über sich :
War ein paar Monate im Weltraum (hä?)... Bin mal wieder hier gelandet - nach kleiner Pause. Wie immer geht es um Musik-CDs und Bücher.
Ausgezeichnet
Pro Supersound, superauthentisch
Kontra Unzutreffende Angaben im Booklet
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Hüpfen und weinen an einem Tag - Super-CD"

Hä, wo findet man den authentischen Siebziger-Sound? Logisch, in den Siebzigern selbst. Dies ist ein Beispiel - und ein ewiger Klassiker der Jazz Fusion.

In den Siebzigern fingen freie Geister an, den muffigen Jazz mit neuen, meist funky Spielweisen zu kombinieren, und auch der allgegenwärtige Rock wollte seinen Beitrag leisten. Stanley Clarke, der schwarze Bassist, setzte mit seinem flippig geslappten Bass vor allem auf funky-fließende Läufe und machte so aus einem verstaubten Genre Tanznummern oder tiefschürfende Balladen (fast alles ohne Gesang), ohne den Jazz »zu verraten«.
5 Sterne für diese Superplatte der Jazz Fusion, die stellenweise an Prince erinnert, ohne dessen Gepeitschtheit und Hysterie zu kultivieren, denn dafür war die Zeit erst in den vom thermonuklearen Holocaust bedrohten Achtzigern bereit.
Die Songs

School Days

Ja, diese Schultage müssen es in sich gehabt haben. Ein singender, übermütig hüpfender Elektrobass springt dem Hörer direkt ins Gesicht. Bilder froher Kinder und junger Leute, frei und ungebunden auf dem Schulhof oder witzig in der Klasse — he, es waren die Siebziger! —, tauchen bei diesen Klängen in meiner Vorstellung auf. Der Refrain fängt einen ab dem ersten Takt ein, nach ein paar Minuten geht das Tempo herunter und eine lange, vielleicht zu lange Exkursion mit einem suchenden Bass beginnt. Nach ein paar Minuten kehrt die Melodie wieder - wunderbar.
Prince, der viel zu früh verstorbene Meister aller Klassen, hat dies Sound-Schema, wie ich finde, in dem Song »I Could Never Take The Place Of Your Man« 1987 wieder aufgegriffen und zu einem seiner berühmtesten Songs gemacht.
Quiet Afternoon

Super-Verwandlung! Wer glaubte, von jetzt an nur noch mit dem Fuß wippen zu müssen oder die Hüfte zu funky Fusion kreisen zu lassen, sieht sich enttäuscht. Alle anderen jubeln. Der »ruhige Nachmittag« ist zwar noch immer voll elektrisch, aber doch ruhig, dabei auf tonale Zentren klar fixiert und an keiner einziger Stelle lose geknüpft. Die sehr versierten Musiker rutschen an keiner Stelle in kitschigen Smoothjazz ab, sondern entlocken ihren Instrumenten Töne für eine nach innen gerichtete Soundreise.
Ein überaus guter, ewig hörbarer Song!
The Dancer

Stopp! Ich dachte, als ich die brasilianischen Karnevalspfeifen (»Der Tänzer«) zuerst hörte, ich müsste abschalten, denn ich kann solche Anleihen nicht gut vertragen. Doch die Latinisierung ist nur ein Vorwand für einen überragenden Song, der sich nie, nie, nie in Ehtno-Anbiederei verliert. Superb, die Rhythmus-Gruppe (vor allem natürlich Clarke selbst) bieten einen Sequenzer-artigen Sound, der alles ist, nur keine folkloristische brasilianische Nacht. Etwas anderes, etwas Intellektuelles spielt da mit, ein konzentrierter Sound.
Desert Song

Karg wie die Wüste (»Wüstenlied«) ist die diesmal rein akustische Instrumentierung. Doch das Ergebnis ist volltönend und super. Durch moderne Aufnahmetechnik steht Clarkes teils gestrichener Bass so weit im Vordergrund, dass man seine wimmernde Seele klar vernimmt.
Melancholie, die das Herz anrührt und in Regionen entführt, die von Ernsthaftigkeit und tiefem Empfinden sprechen.
So kann Musik sein.
Hot Fun

Total überhitzter Funk mit großem Tamtam (Bläser)! Ein Song unter drei Minuten mit rasenden Bassläufen. Supercool und supererhitzt. Letztlich ist das nur aufgepumpter Diskofunk, aber das richtig. Ein wirklich »scharfer Spaß«!
Life Is Just A Game

Aha, das Leben sei also bloß ein Spiel! Diese Botschaft trifft in diesem neunminütigen Opus auf eine extrem breite Inszenierung, die sich einer ganzen Bigband bedient, die mit schmerzend hohen Bläsersätzen gegen den coolen Bass Clarkes agiert. Cineastischen Kitsch für einen imaginären Film scheint die Band anzustimmen, gekrönt von Clarkes erstaunlich schmeichelnder Stimme, die hier zu 100 % nach Gapband und Earth, Wind & Fire klingt. Großartig, man muss sich aber erst einmal in die verschachtelte Struktur einhören.

-----
So, hier einmal die Besetzung für die Experten unter uns (aus Wikipedia)

"School Days" – 7:51
Stanley Clarke - electric bass, vocals, hand bells
Raymond Gomez - guitar
David Sancious - keyboards
Gerry Brown - drums, hand bells

"Quiet Afternoon" – 5:09
Stanley Clarke - electric bass, piccolo bass guitar with instant flanger, acoustic piano
David Sancious - Mini-Moog synthesizer
Steve Gadd - drums

"The Dancer" – 5:27
Stanley Clarke - electric bass, humming, acoustic piano
Raymond Gomez - rhythm guitar
David Sancious - organ, Mini-Moog synthesizer
Gerry Brown - drums
Milton Holland - percussion

"Desert Song" – 6:56
Stanley Clarke - acoustic bass
John McLaughlin - acoustic guitar
Milton Holland - congas, triangle

"Hot Fun" – 2:55
Stanley Clarke - electric bass
David Sancious - electric guitar
Raymond Gomez - electric guitar
Steve Gadd - drums

"Life Is Just a Game" – 9:00
Stanley Clarke - electric and acoustic basses, vocals, piccolo bass guitar, gong, chimes
Icarus Johnson - electric and acoustic guitars
George Duke - keyboards
Billy Cobham - drums, Moog 1500 synthesizer
Hardware/CD

Das CD-Heftlein ist leider missglückt. Zwar findet sich dankenswerterweise eine Abbildung der Original-LP, doch sind alle anderen Angaben zu Aufnahmeort und Besetzung offensichtlich fehlerhaft und verkürzt. In diesem Fall lieber im Internet nachsehen (siehe gleich hier oben).
Der Werbetext auf der Rückseite geht in Ordnung, auch die Zeitangaben sind richtig. Der CD-Transfer ist geglückt, der Sound absolut sauber und trennscharf!
Empfehlung

37 Minuten der besten Jazz Fusion ohne allzu großes Rockgitarren-Getue liefert uns dies wunderbare Album von 1976. Die sehr, sehr guten Musiker wissen in jeder Sekunde,was sie tun, es gibt keine Hänger, und wenn, dann nur kleine. Bevor es langweilig oder egoistisch wird, ziehen die Mitmusiker die Reißleine und steuern wieder ihren Teil bei, wenn das Solo einmal zu lang wird.
Mit gewöhnlichem Jazz, der auf irgendeinen Bandleader zugeschnitten ist und endlose egomanische Soli bietet, ist diese heiter-besinnliche CD nicht zu vergleichen.
Auch Jazz-Verächter können sich mit diesen prima Sounds anfreunden, glauben Sie mir!

Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 76 mal gelesen und wie folgt bewertet:
92% :
> Wie bewertet man einen Erfahrungsbericht?
sehr hilfreich

Ihre Bewertung zu diesem Erfahrungsbericht

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Pater_Brown veröffentlicht 05.04.2017
    ...prima rezensiert, wie ich finde - und bestimmt eine starke Musik, die mir als "Manchmal-nach-Stimmung-Jazz-Fan" wohl auch gefallen könnte. BH und LG Günther
  • sahra2704 veröffentlicht 05.04.2017
    LG
  • momo40 veröffentlicht 05.04.2017
    ein SH verdienter Bericht, LG
  • Haben Sie Fragen? Loggen Sie sich auf Ihr Ciao-Konto ein, um dem Autor einen Kommentar zu hinterlassen. Sich anmelden

beliebteste ähnlich Produkte

Produktdaten : School Days - Stanley Clarke

Produktbeschreibung des Herstellers

1 - CD - Epc - bmg Deutschland - 12. August 1991 - 5099746821920

Haupteigenschaften

Titel: School Days

Künstler: Stanley Clarke

Komponist: .

Genre: Jazz

Schlagworte: Traditional Jazz / Swing; Jazz Rock / Fusion; Mainstream Jazz; Modern Jazz; Soul

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 12. August 1991

Label: Epc

Vertrieb: bmg Deutschland

EAN: 5099746821920

Titel auf CD 1

1.: School Days

2.: Quiet Afternoon

3.: The Dancer

4.: Desert Song

5.: Hot Fun

6.: Life is Just a Game

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 21/06/2003