Berichte, die ich gerne lese

5  29.01.2006 (06.02.2006)

Pro:
Es gibt mehr Leser zwischen Himmel und Erde, als Eure Ciao - Weisheit sich träumen lässt .  (Shakespear, stark geschüttelt)

Kontra:
Jeder Mensch macht Fehler .  Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut .  (Peter Ustinov, ungerührt)

Empfehlenswert: Ja 

Sasafras

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:26

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 194 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zugegeben, als Autor für Ciao.de bin ich (nach knappen drei Monaten und 12 Berichten) ein "blutiger Anfänger". Doch immerhin nutze ich dieses Portal seit gut vier Jahren geradezu schamlos, um herauszufinden, ob die Produkte, die ich gerade in Onlineshops oder bei Ebay ins Auge gefasst habe, ihr Geld wert sind. Somit fühle ich mich als Leser durchaus "kritikfähig". Irgendwann aber plagte mich mein schlechtes Gewissen und ich hatte das Gefühl: Jetzt muss ich aber auch mal was "zurückgeben", wenigstens ein paar Bewertungen, um mich zu bedanken, besser noch ein paar Berichte, um meine Erfahrungen mit anderen teilen.

Aber wie fängt man an?

Thema - Produkt

Der Gegenstand des Berichts sollte unbedingt etwas sein, mit dem man sich wirklich auskennt! Ich gehe zunächst von mir als Leser aus: Ich will von niemandem hören, er habe dieses oder jenes Ding im Internet gesehen, und auf den ersten Blick hat es ihm ganz gut gefallen. Soweit bin ich, wenn ich bei Ciao.de lande, auch schon! Es muss also etwas sein, mit dem man echte Erfahrungen hat. Also: Augen in der Wohnung schweifen lassen, vielleicht auch die Favoriten im Internetbrowser durchforsten, und überlegen, welcher Gegenstand, welche Webseite, welche Dienstleistung für andere interessant sein könnte.

Zielgruppe - Wer liest den Bericht?

Bitte beachten: Maximal ein Drittel der Leser von Ciao.de sind Mitglieder!!! Die meisten Leser googeln herein und erwarten eine ganz bestimmte Information. Daher sollte man überlegen, was ein Zufallsbesucher über den gewählten Gegenstand sicher schon weiß, was er wahrscheinlich noch nicht weiß, und was ihn wohl am meisten interessiert. Überlegen Sie: Warum haben Sie sich für dieses Produkt, diese Dienstleistung entschieden? Was wussten Sie bereits (z.B. aus der Werbung)? Welche Vorstellungen hatten Sie? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Abhängig vom Thema des Berichts ist das Informationsbedürfnis der (Nicht-Ciao-)Leserschaft sehr unterschiedlich. Schreibt man über ein Computerbauteil, kann man davon ausgehen, dass hauptsächlich Fachleute und Bastler sich das ansehen werden. Technische Daten sind dann Pflicht, Fachausdrücke sind unvermeidbar, sollten aber erklärt und korrekt angewandt werden (bitte nichts ungeprüft kopieren!). Mir gefallen technische Berichte aber dann am besten, wenn auch Zweck und Verwendung des Bauteils in normalen, für Nicht-Techniker verständlichen Worten erklärt werden. Schreibt man aber über ein Haushaltsgerät sind die technischen Daten eher nebensächlich - meines Erachtens sogar überflüssig, denn da ich den Handmixer einfach nur an die vorhandene Steckdose anschließe, ist es wurscht ob er für 220-240 V zugelassen ist und eine 0,8 A Sicherung hat, einzig der Stromverbrauch wäre nennenswert - aber auch nur am Rande.

Wenn zu dem gewählten Thema schon mehrere Berichte vorliegen, hat man oft keine Lust, die Basis-Informationen zum x-ten Mal aufzulisten. Häufig liest man dann: "Den Ausführungen von "Ciao-Autor Sowieso" schließe ich mich an". Das macht keinen guten Eindruck. Ein Leser Ihres Textes will von Ihnen informiert werden, und nicht zu lesen bekommen: Wenn sie sinnvolle Angaben suchen, gucken sie doch mal bei jemand, der etwas davon versteht. OK - ich hab auch schon mal auf die Herstellerwebseite verwiesen (*rot anlauf*), allerdings bei einem Gerät, dessen technische Merkmale mir für meinen Bericht relativ unwichtig erschienen.

Inhalt - Pflichtteile

Produktbeschreibungen sollten unbedingt sein. Ich mag sie am liebsten kurz, möglichst nur mit Angaben, die der Autor begründen kann oder die für sein persönliches Urteil wichtig sind.

Was ist (mir) wichtig?

• Technische Daten?
Nur die, die ein "normaler Verbraucher" benötigt. Datenblätter, aus der Bedienungsanleitung oder aus dem Internet kopiert, empfinde ich als extrem öde und gar nicht hilfreich!
• Maße?
Ja, wenn sie sinnvoll sind. Wie hoch und wie breit eine Shampooflasche ist, ist unerheblich, da zählt die Menge des Inhalts. Bei einem Fernsehgerät, das in ein bestimmtes Regal passen muss sieht das anders aus.
• Aussehen?
Jein - nur wenn kein Bild vorhanden ist, oder das Aussehen in der Realität stark vom Produktbild abweicht.
• Verpackung?
Eher überflüssig. Wie welches Teil verpackt ist, interessiert mich persönlich nur bei offenkundigen Mogelpackungen.
• Allgemeiner Verwendungszweck?
Ja, wenn er nicht offensichtlich ist. Zu schreiben, das man einen Fön zum Haare trocknen benutzt, ist Zeilenschinderei, und als Leser fühl ich mich veräppelt.
• Kaufentscheidung? Grund zur persönlichen Nutzung?
Ja! Am besten, man beschreibt sein persönliches Anliegen oder das "Problem" ziemlich genau. (z.B. "ich habe fettige Haare und schon viele Shampoos probiert...") Dann weiß der Leser, ob er das gleiche Anliegen an das Produkt hat, und kann beurteilen, ob er zum gleichen Ergebnis käme, würde er das Produkt nutzen.
• Dauer der Nutzung?
Unbedingt! Auch wenn man das schon in der Maske angekreuzt hat, sollte man noch mal im Text erwähnen, wie lange man einen Gegenstand oder eine Dienstleistung kennt und benutzt. Viele Leser achten nicht auf die Sternchen und Balken, sie lesen nur den Text.
• Weitere Angaben?
Eventuell der Preis, wenn man ihn kennt. Bei Lebensmitteln und Kosmetik möglichst die Inhaltsstoffe (wichtig für Allergiker). Bei Filmen und Büchern die grobe Handlung des ersten Drittels (bitte nicht den Schluss verraten). Bei DVDs die Menuführung und die Extras (z.B. Offtakes, Kommentare, Spiele etc.). Bei Computerprogrammen und Hardwarekomponenten die Systemvorrausetzungen.
• Und eigene Erfahrungen?
Ja!!! Jede Menge!!! Aber das ist mir jetzt glatt einen neuen Absatz wert.

Die eigene Meinung - persönliche Erfahrungen

Die Betonung liegt dabei auf "persönlich". Ich mag es am liebsten, wenn eine Erfahrung schon in der Art der Formulierung als "persönlich" erkennbar ist. Also nicht: "Das Blubblubb-Shampoo ist ein gutes Produkt, das dauerhaft Probleme mit fettigem Haar beseitigt." - Das steht doch schon in der Werbung! Lieber ist mir: "Meine Haare sind jetzt nicht mehr so fettig." Da weiß ich doch, das das Zeug wenigstens bei einem geholfen hat. Eigene Meinungen, insbesondere Lobhudeleien, bitte in der Ich-Form! Ansonsten erhebt sich der Verdacht, der Autor habe aus dem Werbeprospekt abgeschrieben.

Was aber, wenn es nichts zu loben gibt?
Bitte nicht ausrasten! Nun gibt es ja eine Menge Sachen in der Welt, über die man sich tierisch aufregen kann. Aber gerade bei Dingen, die einem nicht gefallen, sollte man tief durchatmen und möglichst sachliche Argumente finden. Einen Erfahrungsbericht mit "Diese Scheiße ist nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert" zu beginnen, ist denkbar ungünstig. Der Leser ruft nichts ahnend Ihren Bericht auf - und wird angebrüllt. Stellen Sie sich mal diese Situation an Ihrer Haustür vor!

Gerade abwertende Berichte sollten immer eine sachliche Zusammenfassung beinhalten: Kurzbeschreibung des Produkts, warum (und wo) haben Sie es erworben, was haben Sie von dem Produkt erwartet, warum hat es Sie enttäuscht. Eine genaue Beschreibung der Fehler und Probleme ist hier sehr, sehr wichtig! Erwarten Sie niemals, dass der Leser Ihren Kenntnisstand hat. Sie finden z.B. den Kundenservice schlecht - weiß der Leser, welchen speziellen Service Sie beanspruchen wollten? Welche (und wie viele) Servicemitarbeiter sie bemüht haben? Mit welchem Anliegen? Ja, weiß der Leser überhaupt, dass es einen Kundenservice gibt?

Eine Kritik wirkt umso seriöser, wenn Sie auch positive Aspekte berücksichtigen. Man kann sich durchaus über endlose Lieferzeiten bei einem Onlineshop aufregen. Wenn aber die am Ende gelieferte Ware hochwertig war, sollte man das nicht unerwähnt lassen.

Länge des Berichts

Hier scheiden sich die Geister: Einige Ciao-Mitglieder sind der festen Überzeugung, je länger ein Bericht, desto hilfreicher ist er. Andere (zu denen gehöre ich) finden, dass gequälte Längen und überflüssige Informationen zeitraubend und für einen Kaufinteressenten gar nicht hilfreich sind. Eines steht aber fest: Einen guten, sachlichen Erfahrungsbericht, der wenigstens die grundlegenden Informationen enthält (Welches Produkt? Warum erworben? Wie lange genutzt? Wie zufrieden?) kann man nahezu unmöglich mit nur 120 Wörtern schreiben: Entweder fällt die Produktbeschreibung hinten herunter, und niemand kann nachvollziehen, warum man sich gerade für diese Sache interessiert hat, oder die eigene Meinung kommt zu kurz, und das ganze klingt wie ein reiner Marketingbericht.

Mein Tip: Nehmen Sie sie sich den Raum, den Sie brauchen! Sie sind doch jemand! Sie haben eine Meinung! Und diese Meinung ist fundiert! Sie haben die Erfahrung! Teilen Sie also diese Meinung und Erfahrung in seriöser Form dem Leser mit, und zwar so, als würden Sie Ihrem neuen Nachbarn oder dessen Großmutter erklären, warum Sie etwas gut oder schlecht finden: Höflich, erklärend, sachlich, ausführlich - aber doch noch kurz genug, dass niemand im Treppenhaus Krampfadern bekommt.

Lesbarkeit - Orthografie - Absätze

Es sollte selbstverständlich sein, dass ein Text, den hunderte von wildfremden Menschen lesen werden, möglichst frei von Rechtschreibfehlern sein muss. Es geht um Ihre Glaubwürdigkeit! Stellen Sie sich vor, in Ihrer Tageszeitung stünde: "di fuusbalweltmeissterscafft in deudschlant wirt von wegen dem zu kallten weter nach noordaffrica ferlegt". Das könnte hundertmal stimmen, den Mist würden Sie doch nicht glauben - schon allein, weil er so besch…eiden geschrieben ist.

Also: Groß- und Kleinschreibung beachten, eine Korrekturhilfe verwenden (z.B. den Text in Word vorschreiben, automatisch korrigieren lassen, kopieren) und gelegentlich auch mal ein Komma setzen. Wer die Komma-Regeln beherrscht, darf sie anwenden. Alle anderen sollten wenigstens nach Gefühl (oder nach der Sprachmelodie) von Zeit zu Zeit ein Satzzeichen einstreuen.

Lange Texte sollte man in Blöcke, in Absätze unterteilen, damit der Leser den Überblick behält und sich nicht im Buchstabensalat verläuft. Eine Leerzeile Absatz genügt aber vollkommen: Wir wollen den Text doch nicht noch länger aussehen lassen!

Stil

Ein weites Feld! Humor schadet nicht, Sachlichkeit ist aber die bessere Basis. Was nicht bedeutet, dass man nicht den einen oder anderen Jux in einen Bericht einstreuen darf. Aber es ist, wie mit dem Salz in der Suppe: Eine Prise ist lecker - ein Kilo ist ungenießbar! Was die Form angeht, hat sich bei Ciao.de etwas Tabellenartiges etabliert, ein Abhandeln von "Kapiteln", was mir persönlich nicht so liegt - weder als Leser noch als Autor. Aber man macht Community-Punkte mit diesem System!

Jeder Schreiber braucht wahrscheinlich ein paar Anläufe, um seinen eigenen Stil zu entwickeln. Meine ersten Berichte versuchte ich dem "gängigen Stil" anzupassen: Gliederung, Kapitel, unterstrichene Zwischenüberschriften, Trennbalken, etc. Das klappte ganz gut (zumindest bekam ich gute Bewertungen) nur mir selbst gefiel es überhaupt nicht. Als nächstes probierte ich "meinen Stil": erzählerischer, persönlicher, mehr aus dem Bauch heraus. Das gefiel einigen Leuten sogar noch besser, andere beschwerten sich (zu Recht!), die locker im Text verteilten Informationen seien so schwer zu finden. Klar, mancher hat es eilig, da muss man ihn nicht mit persönlichen Geschichten quälen, bevor man mal mit 'ner sachlichen Info rüberkommt!

Mittlerweile hab ich meinen Kompromiss gefunden: Einleitung (gern auch mal mit "Döntjes"), Produktbeschreibung (sachlich formuliert), eigene Erfahrungen immer in der Ich-Form (oder in Wir-Form, falls ich Dinge aus meiner Firma beschreibe), Zusammenfassung in Stichworten, persönliches Fazit. Aber wie gesagt: Jedem das seine!

Formulierungen, die ich persönlich gar nicht gerne lese:

"Heute möchte ich mal einen Bericht über … schreiben". Echt? Warum tut der Autor es nicht einfach?
"Hallöchen, da bin ich mal wieder mit einem neuen Bericht." oder "Da ich heute mal wieder in Schreiblaune bin…" Der Autor geht scheinbar davon aus, dass alle Leute ihn persönlich kennen oder zumindest zur Community gehören. Solche Textanfänge gehören allenfalls ins Café: Ein fremder Leser ist eher irritiert - und bei Berichten über Handelswaren sind die meisten Leser Fremde!
"Liebe Leserinnen und Leser, liebe Community". Eine Begrüßung des Lesers mag einigen höflich erscheinen, ich selbst, die ich meist nach konkreten Informationen suche, empfinde sie als unpassend.
"Ob ich das Produkt empfehlen kann? - Lest dazu weiter in meinem Bericht". Völlig unnötige Unterbrechung des Leseflusses. Ohne dieses platte Kommando würde mir das Lesen viel mehr Spaß machen.


Zusammenfassung:
• Immer an den Leser denken! Und der Leser ist in der Regel ein völlig fremder Mensch.
• Nur Dinge beschreiben, von denen man etwas versteht. Nur Inhalte einfügen, die Sinn machen.
• Persönliche Erfahrungen persönlich formulieren (ich, nicht man!)
• Zu viel Information ist genauso schlecht wie zu wenig. Überlange Texte nerven den wirklich interessierten Leser.
• Keine reinen Schimpftiraden! Keine reinen Lobeshymnen! Beides muss sachlich begründet sein.
• Rechtschreibung, Form und Stil sind die Basis für Glaubwürdigkeit.
• Überflüssigen Füllsätze und allzu herzliche Formulierungen möglichst vermeiden.

Fazit:

Da hab ich mich ja ganz schön weit aus dem Fenster gelegt! Ich sehe schon, wie jetzt meine Berichte durchforstet werden, und man mir all meine Anfängerfehler auf's Brot schmiert. Bei der Gelegenheit: Bitte gleich alle bewerten, ich brauch das Geld! ;-)
Nein, im Ernst: des Geldes wegen schreib ich HIER wirklich nicht. Und eigentlich bin ich auch kein Besserwisser, kein Ratschläger, kein "Oberlehrer". Ein jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Aber ein ganz klein wenig denke ich schon wie Bertolt Brecht:

-------------------------Zitat-----
"Ich benötige keinen Grabstein, aber
wenn ihr einen für mich benötigt
Wünschte ich, es stünde darauf:
Er hat Vorschläge gemacht. Wir
Haben sie angenommen.
Durch eine solche Inschrift wären
Wir alle geehrt."
-------------------------B. Brecht, Berlin 1953

Viel Spaß beim Schreiben!
Marion


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
JackDurden

JackDurden

15.09.2008 19:01

Sehr schön geschrieben und auch sehr hilfreich. Von mir ein "besonders hilfreich". Könnte aber gerne noch etwas länger sein. Liebe Grüße, Jack

danarosa

danarosa

01.08.2008 22:56

meine berichte scheinen den meisten usern als wenig hilfreich also werd ich mal in mich gehen und mir an deinen ein beispiel nehmen!! glg

Zaint

Zaint

29.03.2008 00:25

Einige gute Tips. VLG

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