Bleib beim Wesentlichen!
08.09.2011
Pro:
Tipps sind immer gut, um besser schreiben zu lernen …
Kontra:
… am Ende muss man aber ein "Gefühl" für Text entwickeln
Empfehlenswert:
Ja
 Ojinaa
Über sich:
Ein guter Bericht ist mehr als ein Haufen Infos …
Mitglied seit:30.05.2011
Erfahrungsberichte:78
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Lieber Schreiber, ich arbeite als Lektor und haben deshalb natürlich auch dies und das zum Thema "guter Erfahrungsbericht" zu sagen. Das Wichtigste auf der Liste ist: Bleibe beim Wesentlichen! Das heißt, dass du so umfassend wie nötig und dabei so kurz wie möglich schreiben solltest, denn hier geht es um Information, nicht um Kunst.
Im Journalismus (und Produkt-Berichte zählen dazu) gibt es den Grundsatz: Das Wichtigste zuerst! Die Leseaufmerksamkeit lässt mit steigender Textlänge nach, was der Interessent wissen muss, steht also vorn. Wenn diese wichtigste Information am Ende nochmal in einem Fazit (als Schlusswort) auftaucht, dann wird sie vertieft und bleibt noch besser "hängen". Wichtig ist zum Beispiel, aus welcher Position man schreibt. In der Regel wird das der Normal-Verbraucher sein, der mehr oder weniger zufällig an dieses Produkt geraten ist. Alles, was davon abweicht, sollte gleich am Anfang mit erwähnt werden. Beispiel: Wenn du Action-Film-Fan bist, wirft das ein anderes Licht auf deinen Film-Bericht, als wenn du eigentlich lieber Romantic-Comedy schaust. Bei Geräten jeder Art ist es hilfreich zu wissen, wie oft man sie wozu nutzt. Es ist für die Einschätzung einer Kamera ein Unterschied, ob ich Urlaubsknipser bin oder Werbefotograf.
Was bei den Produkteigenschaften wichtig ist, hängt vom Produkt ab. Beim Joghurt ist das meistens der Geschmack, bei einem Film, ob er spannend, berührend oder langweilig ist. Am Anfang reicht eine Generalaussage wie "Der Kuchen war lecker." Was genau das „lecker“ ausmacht, kommt dann in den Details. Auch bei den Details gilt wieder: Das Wichtige zuerst. Wichtig ist dabei das, was dir am lebhaftesten in Erinnerung ist. Das wird z. B. beim Pudding meist der Geschmack sein, es kann aber auch sein, dass dir als erstes auffiel, dass er eine ganz eklige Farbe hat. Wie der Deckel des Puddingbechers bedruckt ist, spielt in der Regel für die Qualität der Speise überhaupt keine Rolle und gehört deshalb zu den ergänzenden Informationen an den Schluss. Es sei denn, du hast dich so darüber geärgert, dass auf dem Deckel etwas Falsches versprochen wurde, dass dies für dich die markanteste Erinnerung an den Pudding ist.
Wenn du etwas beschreibst, dann mache das so konkret wie möglich. "Die Schokolade ist lecker" sagt nicht viel aus. "Die Schokolade schmeckt sehr kräftig nach Kakao" ist eine viel hilfreichere Auskunft. Bei all dem gilt: Keine "Füll-Infos", nur damit möglichst viel dasteht! Was ein Schauspieler schon alles für Rollen gespielt hat, ist nur dann interessant, wenn er in dem besprochenen Film wiedermal das gleiche macht, etwas ganz anderes macht oder wenn bestimmte Facetten durchscheinen. Wie die Inhaltsstoffe einer Haarspülung heißen, ist unerheblich, wichtig ist, ob irgendwas Bedenkliches drin ist und wie sich das auswirkt.
Gehe immer davon aus, was dir wichtig ist! Überlege aber spätestens bei den "weiteren Details" im hinteren Textteil, was für andere wichtig (an dem Produkt, nicht an sonstigen Infos!) sein könnte. Informationen werden immer dann am effektivsten aufgenommen, wenn der Text gut lesbar ist. Also achte unbedingt auf korrekte Rechtschreibung und Grammatik! Nein, "man weiß schon, was gemeint ist" reicht nicht, um "gut lesbar" zu sein. Jeder Fehler lässt den Lesefluss stocken. Auch zu kunstvoll gemachte Sätze sind aus ähnlichem Grund hier fehl am Platz.
Lesefreundlichkeit entsteht auch durch eine klare Struktur z. B. in Form von kompakten, überschaubaren Absätzen. Ob du Zwischenüberschriften wählst, liegt bei dir. Ist der Text von angemessener Kürze/Kompaktheit, sind Zwischentitel jedoch meist nicht nötig. Zeichenspielereien wie Striche, Herzchen, Sternchen & Co. (hier oft als Verzierung bei Über- und Zwischenüberschriften zu sehen), machen den Text nur unruhig und lenken von den Worten – also dem Wesentlichen – ab. Fazit: Schreibe das, was deiner Meinung nach wirklich wesentlich für das Produkt ist, möglichst konkret und ohne zu Schwafeln auf! Gib dem Text Struktur und halte dich an die Regeln von Rechtschreibung und Grammatik! Benutze eine einfache Sprache, ohne zu sehr in Umgangssprache oder gar Slang abzugleiten – das wirkt einfach seriöser und verleiht dem Bericht mehr Gewicht.
Und nun: Viel Spaß beim Schreiben!
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25.11.2012 19:18
Schöner Bericht! LG
28.10.2011 08:06
(…blätter blätter…) Da sind manchmal diesen Balken, aber außer manchmal (!) "Nutzungshäufigkeit" ist mir noch nichts aussagekräftiges über Laie oder Profi oder begegnet …
28.10.2011 08:01
"Und bei den zusätzlichen Infos in der rechten Spalte sieht der Leser sofort um welche Nutzensituation es sich handelt" – ? Von welchem "ciao" redest du? Bei meinem steht nirgends sowas.