Schulden - Die ersten 5000 Jahre / David Graeber

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Schulden - Die ersten 5000 Jahre / David Graeber

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Schulden - Die ersten 5000 Jahre / David Graeber

 


Schulden...gestern und heute

5  30.06.2012 (01.07.2012)

Pro:
Informationsgehalt, Thematik, Schreibstil

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

hendi1908

Über sich: Ich danke allen Ciao-Mitgliedern, die mir in meiner Ciao-freien Zeit trotzdem weiterhin die Treue ge...

Mitglied seit:31.08.2011

Erfahrungsberichte:81

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 89 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wenn ich oftmals beruflich unterwegs bin, lese ich sehr gerne Bücher um mir die Zeit zu vertreiben und mich etwas abzulenken. In einem Buchladen am Flughafen bin ich beim Stöbern auf ein sehr interessantes Buch gestoßen, welches ich euch heute gerne vorstellen möchte. Es trägt den Titel "Schulden – Die ersten 5000 Jahre“ und wurde von dem Autor "David Graeber“ geschrieben. Damit ihr euch erst einmal ein besseres Bild von dem Buch machen könnt, möchte ich euch ein paar Details vorstellen.
Produktbeschreibung

  • 536 Seiten
  • Maße: ca. 16,3x23,2 cm
  • Gebunden
  • Deutsche Sprache
  • Klett-Cotta Verlag
  • Preis: 26,95 Euro

Da ich selbst vorher von dem Autor noch nichts gehört bzw. gelesen habe, möchte ich euch David Graeber kurz vorstellen:David Graeber wurde am 12. Februar 1961 in den Vereinigten Staaten geboren. Momentan lehrt dieser am Goldsmith-College in London, da er 2007 von der Yale Universität entlassen wurde, an der er als Anthropologe unterrichtete. Die Entlassung der Yale University ist bis heute noch sehr umstritten. Außerdem ist dieser ein Mitglied der Gewerkschaft "Industrial Workers of the World“.
Klappentext lt. Buch

"Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie.
Ein radikales Buch im doppelten Wortsinn, denn Graeber packt das Problem der Schulden an der Wurzel, indem er bis zu ihren Anfängen in der Geschichte zurückgeht. Das führt ihn mitten hinein in die Krisenherde unserer Zeit: Von der Antike bis in die Gegenwart sind revolutionäre Bewegungen immer in Schuldenkrisen entstanden.

Graeber sprengt die moralischen Fesseln, die uns auf das Prinzip der Schulden verpflichten. Denn diese Moral ist eine Waffe in der Hand der Mächtigen. Die weltweite Schuldenwirtschaft ist eine Bankrotterklärung der Ökonomie. Der Autor enttarnt Geld- und Kredittheorien als Mythen, die die Ökonomisierung aller sozialen Beziehungen vorantreiben.
Im Kern ist dieses Buch ein hohes Lied auf die Freiheit: Das sumerische Wort "amargi", das Synonym für Schuldenfreiheit, ist Graeber zufolge das erste Wort für Freiheit in menschlicher Sprache überhaupt.

David Graeber ist einer der Begründer der Occupy-Bewegung.“

Leseprobe lt. Buch

"Zufällig wusste sie nicht, was der IWF ist, und ich erklärte ihr, dass der Internationale Währungsfonds als der Schuldeneintreiber der Welt fungiert: "Man könnte sagen, er ist in der Hochfinanz das Äquivalent zu den Jungs, die kommen und einem die Beine brechen." Ich ließ mich über den historischen Hintergrund aus, erklärte, wie die OPEC-Staaten während der Ölkrise in den 1970er Jahren so viel von ihren neu erworbenen Reichtümern an westliche Banken überwiesen, dass die Banken gar nicht wussten, wo sie das Geld investieren sollten; wie Citibank und Chase Manhattan Bank deshalb Vertreter in alle Welt aussandten, die Politiker und Diktatoren der Dritten Welt überreden sollten, Kredite aufzunehmen (damals hieß das "Go-Go-Banking"); wie sie mit äußerst niedrigen Zinsen begannen, die aber dank der rigorosen Geldpolitik der Vereinigten Staaten in den 1980er Jahren bald auf 20 Prozent und mehr in die Höhe schossen; wie das in den 1980er und 1990er Jahren zur Schuldenkrise der Dritten Welt führte; wie sich dann der IWF einschaltete und darauf beharrte, zur Refinanzierung müssten die armen Länder gezwungen werden, die Subventionierung von Grundnahrungsmitteln aufzugeben oder sogar die Politik, strategische Lebensmittelreserven anzulegen sowie freie Gesundheitsversorgung und freie Bildung bereitzustellen; wie all dies damit endete, dass die ärmsten und am meisten gefährdeten Völker der Welt die grundlegende Unterstützung verloren hatten. Ich sprach von Armut, von der Ausplünderung öffentlicher Ressourcen, vom Zusammenbruch von Gesellschaften, von endemischer Gewalt, Mangelernährung, Hoffnungslosigkeit und zerstörten Leben.“
Mein persönliches Fazit

Auf den ersten Blick muss ich sagen, hat mich weder das Buch noch das Thema gereizt oder besser gesagt, es ist mir nicht sonderlich zwischen den ganzen Büchern aufgefallen. Der Titel des Buches entspricht nicht meinem Interesse und hört sich ziemlich trocken an. Dachte ich, zumindest im ersten Moment. Trotzdem nahm ich es in die Hand und beschäftigte mich mit dem Buch näher. Ehrlich gesagt bin ich sehr froh darüber, dass ich dies getan habe. Mit meiner Vermutung, dass es ein kompaktes Thema ist, lag ich zwar richtig, aber nachdem ich angefangen hatte es zu lesen bemerkte ich, dass es keinesfalls "trocken“ geschrieben ist. Ganz im Gegenteil.

David Graeber haucht diesem komplexen Thema durch seinen gekonnten Schreibstil auf den 536 Seiten Leben ein. Man merkt, dass der Autor weiß wovon er spricht und das Thema auch von allen Seiten beleuchtet. Interessant, weil das Thema anhand von Beispielen erklärt und dem Leser zugänglich gemacht wird, auch wenn man kein Profi auf diesem Gebiet ist oder sich einfach bisher noch nicht damit beschäftigt hat.

Graeber beschreibt darin sehr gut, dass Schulden eigentlich schon immer unser Leben bestimmen. Ob in der Vergangenheit oder Gegenwart, egal ob im privaten oder öffentlichen Bereich. Er beginnt bei der Menschheit vor Jahrtausenden und führt dies an Beispielen bis in die Gegenwart weiter. Unter anderem versucht er zu veranschaulichen, dass es Menschen gibt, die täglich mit Geld zu tun haben und dennoch kein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Macht und welches Ausmaß Geld überhaupt haben kann, weil es für diese Personen schon "Alltag“ ist, mit Geld umzugehen. Er tastet sich nicht nur wissenschaftlich und wirtschaftlich an das Thema heran, sondern auch gekonnt im literarischen Stil. An einigen Stellen beschäftigt sich der Autor auch mit kritischen bzw. umstrittenen Fragen, wie zum Beispiel ob es überhaupt nötig ist, Schulden zu begleichen. Gerade dies macht den Unterschied zu anderen Büchern aus. Er beschäftigt den Leser und versucht ihn zum Nachdenken zu verleiten, was ihm auch sehr gut gelingt.

Da es wirklich ein sehr umfangreiches Thema ist, kann ich es an dieser Stelle nur anreißen. Am besten man überzeugt sich selbst von diesem Buch und macht sich ein eigenes Bild davon. Gerade in der heutigen Zeit sollte man sich aber grundsätzlich mit Schulden beschäftigen, da dieses Thema momentan für jeden von uns greifbarer als jemals zuvor ist. Das Buch ist sehr interessant und regt den Leser an, sich über Schulden seine Gedanken zu machen.

Deshalb kann ich es nur weiterempfehlen und vergebe diesem beeindruckenden Buch volle 5 Sterne!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Viel-Wolter

Viel-Wolter

16.03.2013 09:01

1A mit Sternchen ! Toller Bericht !!!

vredina

vredina

30.12.2012 18:50

toller Bericht

esposa1969

esposa1969

24.12.2012 22:30

frohes Fest

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