Altenheim - und das mit 18!

5  27.10.2007

Pro:
wichtige Erfahrung, tolle Kollegen

Kontra:
anstrengend, unbezahlt

Empfehlenswert: Ja 

Bluelites

Über sich:

Mitglied seit:27.10.2007

Erfahrungsberichte:16

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In der 11. Klasse des sozialwissenschaftlichen Gymnasiums in Bayern steht jedem Schüler ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung bevor. Während meine Klassenkameraden in erster Linie in Kinderkrippen oder -gärten arbeiteten, entschloss ich mich für eine Stelle in einem nahegelegen Seniorenheim.

Eigentlich hatte ich vor, mein Praktikum im Hospiz zu absolvieren. Im letzten Schuljahr lernte ich bei einer Führung durch die hiesige Einrichtung den Arbeitsalltag kennen und erfuhr von der Leiterin interessante Dinge über die Arbeit mit schwerstkranken und sterbenden Menschen. Ihre Arbeit faszinierte mich sehr.
Jedoch hatte ich Zweifel ob ich die nötige Stärke aufbringen könnte, die nötig ist, wenn man täglich mit dem Tod konfrontiert wird. Deshalb entschied ich mich schließlich doch für ein Praktikum in einem "normalen" Pflegeheim. Die Angst, dass ein Bewohner während meines Praktikums sterben könnte, begleitete mich jedoch auch hier.

Meine Aufgaben während des dreiwöchigen Praktikums waren sehr vielfältig. Jeden Morgen ab 6:30 duschte/wusch ich Bewohner, brachte sie zum Frühstück oder gab essen ein (nennt das auf keinen Fall FÜTTERN, da sind viele Leute sehr empfindlich weil das so nach "Tier" klingt), von 10 - 11 organisierte ich eine Gruppenstunde für die Senioren (Gedächtnistraining, Geschichten von früher, Ostereier haben wir gefärbt...). Danach Essen eingeben beim Mittagessen, danach Mittagspause, dann Essen eingeben beim Kaffee und irgendwann um 3 durfte ich dann immer nach Hause. Zwischendurch musste dann noch die Schmutzwäsche weggebracht und die neue wieder eingefräumt werden.
Neben Beschäftigungstherapie lernte ich auch viel über medizinische Abläufe.

Während ich mir der ersten 2-3 Tage sehr überflüssig vorkam, weil ich noch nicht wusste, was in welchen Situationen zu tun war, wurde ich danach immer selbstständiger, so dass ich in meiner 3ten und letzten Praktikumswoche einen Bereich alleine leiten musste (was ich im Nachhinein ziemlich krass finde, schließlich bin ich ja keine Fachkraft). Es waren drei sehr streßige Wochen. So streßig, dass ich in der zweiten Woche einen Schwächeanfall hatte und nach Hause geschickt wurde. Aber das wurde dann auch wieder besser.

Am Ende viel es mir sogar schwer zu gehen, denn ich hatte meine Bewohner und vor allem auch das Personal wirklich schätzen gelernt. Auch jetzt bin ich ab und zu noch im Heim und gehe mit 2 älteren Damen spazieren.

Denkt nicht, dass ein Praktikum im Altenheim immer so anstrengend ist. Ich war vielleicht eine kleine Perfektionistin, deswegen haben mir meine Kollegen so viel zugetraut und deshalb musste ich soviel machen.
Es war auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und ich kann diese Art von Praktikumsstelle nur weiterempfehlen!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Miamibeach-Mike

Miamibeach-Mike

28.10.2007 09:14

Du hattest mit 17 (nehm ich mal an) einen Schwächeanfall weil die Arbeit während des Praktikums stressig war????? Puh, da kann man ja nur hoffen, dass Du nie richtig - also grob 49 Wochen pro Jahr - arbeiten musst :-)))

Darkhound

Darkhound

27.10.2007 10:36

Ich finde es klasse, dass Du erstens dieses Praktikum gemacht hast und Dich zweitens noch heute um die beiden älteren Damen kümmerst! Solche Menschen sollte es häufiger auf der Welt geben! LG und ein schönes WE, Marcus

jaros

jaros

27.10.2007 08:40

schon die sehr gelungene Überschrift macht neugierig, Gruß!

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