Wir werden keine Freunde mehr
08.03.2006
Pro:
Leichter Lauf, exaktes Fahrverhalten, geringes Gewicht
Kontra:
Pannenschutz, Preis
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Häufigkeit der Nutzung
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 koeter1097
Über sich:
Mitglied seit:11.09.2003
Erfahrungsberichte:62
Vertrauende:35
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 65 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Welchen Reifen brauche ich? Ich fahre zu 95% auf befestigten Wegen, ein nicht unerheblicher Anteil entfällt auf meinen Arbeitsweg durch die Großstadt. Dabei bewege ich mich gerne zügig, bevorzuge also Reifen mit geringem Rollwiderstand, gute Haftung genießt Priorität vor Komfortaspekten.
Ich mag Slicks, habe allerdings schlechte Erfahrungen in Sachen Pannenschutz mit den entsprechenden Schwalbe Marathon gemacht. Nachdem ich meinen Unmut beim Hersteller geäußert hatte, durfte ich mir zwei neue Reifen aus dem Sortiment aussuchen. Da ich von Schwalbe nichts profilloses mehr haben wollte, fiel meine Wahl auf die "Marathon Racer" mit angetäuschtem Alibiprofil im Format 35-622. Was sagt Schwalbe?
Man behauptet, der Racer sei der schnellste Marathon, den es je gab - durchaus glaubwürdig bei einem Gewicht von gerade mal 415 g, geringen Wandstärken und vergleichsweise hohen Drücken. Der Aufbau sei an die Rennradreifen aus gleichem Hause angelehnt, das hört sich ebenfalls mächtig schnell an, ohne dass ich jetzt wüsste, was die Konstruktion im Einzelnen ausmacht. Zu guter Letzt soll ein RaceGuard-Pannenschutz vor den ungeliebten Durchstichen schützen. Also alles in Butter. Weiteres erfährt man auf www.schwalbe .de, zur Not auch die unverbindliche Preisempfehlung von sagenhaften 29,90 Euro. Pro Stück, versteht sich. Erhältlich ist der Reifen offiziell erst für die Saison 2006, zumindest was das Ersatzreifengeschäft angeht. Erstausrüster (und unzufriedene Kunden) wurden aber schon im Spätsommer/Herbst 2005 bedient.
Erster Eindruck Im Vergleich zu einem normalen Tourenreifen (und auch im Vergleich zum Marathon Slick) wirklich nur ein Reifchen. Leicht und filigran mit extrem dünner Laufflächen- wie Seitenwandstärke.
Das laufrichtungsgebundene Profil orientiert sich optisch an der 2006er Marathon-Generation, ist aber nur in Millimeterstärke aufgetragen. Keine Frage, wie man auf die Bezeichnung Racer verfallen ist - wären die Dinger nicht so breit, würde man ihnen die Schlechtwetterbereifung am Rennrad sofort abnehmen.
Montage Mit dem üblichen Werkzeug problemlos. Die Reifen sind schnell aufgezogen und brauchen nur wenig Nacharbeit in Form von Walken, Kneten usw., um sauber zu sitzen und abzurollen. Das laufrichtungsgebundene Profil will natürlich beachtet werden.
Trotz ihrer extrem schlanken Linie (sie wirken eher 30 denn 35 mm breit) lassen sie sich, einmal aufgepumpt, nicht mehr an den Felgenbremsen vorbei fädeln. Schwalbe gestattet übrigens bis zu 6,5 bar Druck, und auch wenn "echte" Rennradreifen hier erst anfangen, bleibt man zumindest auf Tuchfühlung. Fahreigenschaften
Wie üblich nutze ich den maximal zulässigen Druck aus, das daraus resultierende Fahrgefühl kann einfach nur begeistern. Das ohnehin nur rudimentär vorhandene Profil ist auch auf topfebenem Asphalt nicht zu spüren, was ich als uneingeschränkt positiv empfinde. Keine Geräusche, keine Vibrationen und vor allem kein diffuses Fahrverhalten durch arbeitende Profilblöcke.
Auch in Kurven das gleiche Bild, geräusch- und vibrationslos und jederzeit Rückmeldung und Vertrauen vermittelnd. Der annähernd runde Laufflächenquerschnitt erlaubt sicheres Dosieren der Schräglage, ohne plötzliches Abkippen oder unvermitteltes "sich sträuben". Den Rollwiderstand kann ich nicht objektiv ermitteln, die Theorie vom leichten, schmalen und harten Reifen verspricht natürlich extrem leichtes Rollen, und das glaubt man dann auch zu spüren.
Die Haftung auf trockener Straße lässt bei mir keine Wünsche offen, egal ob in schnell gefahrenen Kurven oder bei heftigem Bremsen. Das verschämt aufgetragene Profil macht sich bei etwas Dreck oder Sand auf der Straße dann doch bemerkbar, und zwar positiv - es fährt sich deutlich entspannter als auf Slicks. Bei nassem Asphalt lasse ich generell Vorsicht walten. Bei meinem Gespräch mit der nicht nur freundlichen, sondern auch kompetenten Kundenbetreuering von Schwalbe wurde ich allerdings gleich auf den eingeschränkten Nassgrip der Racer hingewiesen. Wer hier Höchstleistungen erwartet, sollte sich sicherheitshalber woanders umschauen.
Auch komfortsuchende Genussradler sollten einen Bogen um die Reifen machen. Hoher Druck und geringe Profilstärke lassen schon keine großen Erwartungen aufkommen, der Alltag bestätigt die Vermutungen. Federungseigenschaften sind praktisch keine vorhanden, und über die Unbilden des Herbstes in Form von Ästen und sonstigem Gedöns springen diese Marathon nur spröde hinweg. Auch die "Klettereigenschaften" an in spitzem Winkel angefahrenen Bordsteinen sind bestenfalls durchschnittlich, Vorderradlupfen dafür empfehlenswert.
Verschleiß, Pannenschutz Die erste Panne ereilte mich nach 800 km am Vorderrad, ein Glassplitter hatte sich eingearbeitet. Nähere in Augenscheinnahme ergab insgesamt drei gut erkennbare Schnitte im Profil, da hatte die Pannenschutzeinlage wohl zwei Mal schlimmeres verhindert.
Nächster unfreiwilliger Stop nur 50 km später, diesmal hinten. Lauffläche ähnlich lädiert wie vorn, Eindringling konnte unerkannt entkommen. Panne Nummer drei bei km 980. Konnte wieder keinen Verursacher feststellen.
Verschleiß ist ansonsten keiner zu erkennen, die Profilstärke erscheint neuwertig. Mein Eindruck ist allerdings, dass die Racer ihre beste Zeit schon hinter sich haben. 800 störungsfreie Kilometer, und nun kommen die Einschläge einer nach dem anderen - ausgerechnet im Dezember. Und die reifenmordende Splitzeit hat noch nicht mal begonnen. Das Letzte, was ich gebrauchen kann, ist eine Panne bei 2 Grad, Nieselregen und ohne Unterstand auf irgendeiner Duisburger Hafenbrücke. Die Dinger müssen wieder runter.
Der Bericht endet damit bei Kilometerstand 1.100, mein letzter Versuch mit sportlich-leichtem Gummi hat mich zum "Randonneur Pro" von Vittoria geführt. Wenn die auch nicht halten, werde ich erst mal "Proline Antiplatt" versuchen, ehe ich auf Traktorreifen der "ich-wiege-ein-kilo"-Fraktion ausweiche. Kundenservice
Ich habe diesmal darauf verzichtet, den Kundenservice von Schwalbe in Anspruch zu nehmen. Ich habe ihn im Zusammenhang mit den "Marathon Slick" in bester Erinnerung, will an dieser Stelle jedoch nicht alles wiederkäuen. Wer mag, kann im entsprechenden Bericht nachlesen. Fazit
Ein Rennradreifen fürs "normale" Straßenbike. Natürlich ein Kompromiss, aber durchaus gelungen, vereint er doch viele gute Eigenschaften aus zwei Welten. Nur der Pannenschutz leidet bei Schwalbe. Mal wieder. "Nur" drei Punkte für einen eigentlich tollen Reifen, und nein, keine Empfehlung.
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08.09.2009 00:05
Mein Mißtrauen gegenüber dem Marathon Racer sowie die objektive Beratung meines Fachhändlers hat sich in diesen Bericht nur zu deutlich bestätigt. Ich bin oft mit schwerem Gepäck unterwegs. An meinem alten Ersatzrad hatte ich bis vor Kurzem mangels Marktangebots für 27 1 1/4"-Reifen alte Schwalbe Standardreifen Typ HS 159 Weißwand. Diese waren von Anfang an wabbelig und schwammig im Fahrverhalten. Gepäcktauglich sind sie ohnehin nicht. Doch mein Fachhändler konnte mir nun doch noch passende Marathonreifen für die exotischen Felgen liefern. Und siehe da, das alte Rad rennt, schnell, komfortabel wie nie zu vor und zudem auch noch Gepäcktauglich. Aber beim Marathon Racer hat mich aufgrund der schlechten Erfahrungen mit den empfindlichen Schwalbe HS 159 27 1 1/4" schon der Hinweis auf der Homepage: "Skin-Seitenwände sind schnell, aber empfindlich. Skin-Seitenwände sind schnell, aber empfindlich. ..." sehr gestört. Ich brauche wegen dem Gepäck als auch wegen Fahrten auf steinigen Waldwegen stabile und robuste Seitenflanken.
24.09.2006 00:26
Schöner, ausführlicher Bericht, mehr kann man über einen Fahrradreifen nicht berichten, auch wenn mir manches leicht theoretisch vorkommt, ist beim Fahrrad aber auch ungemein schwer festzustellen. Beim Pannenschutz schwöre ich übrigens seit Jahren (und rund 14000 Kilometern) auf Pannenschutzbänder, die eingelegt werden und absolut sicher schützen, wie man bei der Demontage feststellen kann.
05.05.2006 23:40
bei schwalbe wird pannensicherheit und niedriger verschleiß wohl net so groß geschrieben, so zumindest bishe rmeine erfahrungen, dafür überzeugen die reifen aber ganz klar durch das fahrverhalten, gewicht und dne grip... für mich steht da fest für was ich mich entscheide ,)