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Als meine Freundin 18 Jahre alt war, hatte sie einen Schwangerschaftsabbruch. Darüber möchte sie euch gerne einen Bericht schreiben.
Hallo,
Alles fing mit meinem damaligen Freund an. Wir waren (noch) frisch verliebt, hatten Zukunftspläne, Träume und eine Lehrstelle vor uns. Bis zu dem Tag am 23.08 mein Geburtstag. Da ich mit meiner Periode 3 Wochen überfällig war, habe ich einen Schwangerschaftstest gekauft und ihn voller Erwarten gemacht. In der Apotheke wurde ich nur blöde angeguckt, aber auch gleichzeitig gut beraten worden. Zu Hause war ein Glück noch keiner. Ich hatte also meine Ruhe und konnte den Test machen. Etwa 15 min später (schneller waren die Tests vor Jahren nicht) stand das Ergebnis klar und deutlich auf dem Teststreifen. I
ch wußte nicht was ich zuerst tun sollte. Heulen, lachen oder mich freuen! Ich war schwanger. Ich habe bestimmt stundenlang auf das Ergebnis gestarrt und gehofft es würde sich ändern. Aber das tat es nicht. Als meine Mutter nach Hause kam bin ich gleich abgehauen ich wollte sie nicht sehen. Sie hätte mir vorwürfe gemacht. Also bin ich zu dem Vater des Embrios gegangen. Ich habe ihm alles gesagt und wir haben darüber geredet. Wir haben abgewogen was da auf uns zu kommt, was wir einbüssen werden, was wir mit einem Kind anfangen können. Aber die wichtigste Frage kam zum Schluß. Wollen wir jetzt schon Eltern werden? Um uns darüber klar zu werden bin ich am nächsten Tag zu meiner Frauenärztin gegangen. Ich habe ganze drei Stunden gewartet um zu Erfahren in welcher Woche ich bin. Dann kam ich endlich dran. Mir war heiß und kalt. Ich wüßte wieder nicht was ich tun sollte. Am liebsten hätte ich geheult. Ich habe dann erfahren, dass ich in der 10. Woche schwanger bin. Also heißt es noch knapp zwei Wochen überlegen ob ich Mama werden möchte. Von der Frauenärztin habe ich ein Ultraschallbild erhalten.
Ich habe es die ganze Fahrt nach Hause angeguckt und überlegt. Da wohnt ein kleines Lebewesen in mir wurde mir klar. Ein Baby, dass zu früh in mein Leben trat. Als ich bei meinem Freund angekommen bin hatte ich nur einen Gedanken. Der kleine "Parasit" muß weg! Aber beim Blick auf das Bild kamen schon die bekannten Muttergefühle hoch. Ich dachte an die Zukunft mit einem Kind. Mein Freund und ich haben dann gemeinsam nochmals überlegt. Wir sind zum Entschluß gekommen uns bei ProFamilia beraten zu lassen. Gesagt getan. Am nächsten Tag saßen wir knappe drei Stunden bei einer Frau bei ProFamilia. Sie hat uns mit Argumenten berieselt das Kind zu behalten. Das Kind braucht doch Liebe Zuwendung ein Zuhause und und und. Gebracht hat uns das Gespräch nicht viel. Er überließ sozusagen die Entscheidung mir.
Nach dem Termin fuhr ich alleine zu meiner Frauenarztin um ihr meine Entscheidung zu erklären. Ich wollte noch kein Kind. Ich war zu jung, steckte mitten in der Ausbildung und wollte noch (nicht) keine Verantwortung für ein kleines Kind übernehmen. Ich kam ja kaum mit mir selber klar. Sie schrieb mir eine Erlaubnis aus. Als Grund nannte sie "Epilepsie-Risikoschwangerschaft". Was ja auch so war. Am nächsten Tag (27.08) war ich dan zur Ausschabung in das Krankenhaus unterwegs. An diesem Tag habe ich nicht viel überlegt. Mein Freund begleitete mich nicht. Er wollte mich abholen kommen. Dann war ich dran. Bei der Ausschabung habe ich geweint. Es tat mir leid. Ich wollte das Kind doch behalten. Aber es war zu spät. Als alles vorbei war, fragte mich der Arzt ob ich abgeholt werde. Ja mein Freund kommt mich abholen, sagte ich noch. Aber nachdem ich dort noch sechs Stunden auf ihn gewartet hatte fuhr ich alleine in meiner Verantwortung nach Hause.
Am Abend machte mein Freund dann per SMS mit mir Schluß. Er hatte eine neue. Da wurde mir klar ein Glück habe ich das Kind nicht bekommen. Dann wäre es ohne seinen Vater aufgewachsen. Und das wollte ich auch nicht. Am Tag nach der Abtreibung habe ich mein "Kind" verabschiedet. Ich habe einen Luftballon mit Helium gefüllt, das Ultraschalbild daran befestigt und ihn fliegen gelassen. Es tat weh mein Kind so gehen zu sehen. An diesem Tag war eine Wolke am Himmel sie war wie ein Herz. Dort flog der Luftballon hin. Als ob er gewußt hatte das ich mein Ungeborenes Kind trotzdem lieben werde. Ich habe niemanden davon erzählt. Ich habe noch sehr lange gebraucht um über den zweifachen Verlust hinwegzu kommen.
Fast zu lange! Ich habe dabei nicht gemerkt, dass mein Herz längst jemand anderem gehörte. Meinem jetzigen Freund. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte. Er versteht mich voll und ganz. Jedes Jahr am 27.08. habe ich einen Tag für mich und mein erstes Kind. Dann gehe ich spazieren und denke darüber nach wie das Leben mit dem Kind jetzt wohl wäre. Mittlerweile haben wir zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen. Wir sind glücklich. Mein damaliger freund ist ebenso Vater geworden ein Jahr nach unserer Trennung. Ich denke oft ich habe einen Fehler begangen und erwische mich dabei wie ich versuche alles zu verdrängen. Man sollte aber nichts verdrängen. Mein Kind wäre jetzt 5 Jahre alt. Ich weiß nicht ob es ein Junge oder Mädchen war. Ich wollte es auch gar nicht wissen. Bis heute habe ich keine Wolke mehr in der Form eines Herzens gesehen. Vielleicht hat mein Baby woanders Unterschlupf erhalten. Ich wünsche es ihm. In meinem Herzen ist aber immer ein kleiner Platz für ihn da. Bis heute wissen nur mein Freund und mein damaliger Freund bescheid. Meiner Mutter habe ich es nie erzählt und werde es auch nicht tun.
Beachtlich , wie offen du über das Thema Abtreibung berichtet hast .
Ich verurteile niemanden , der sich entscheidet sein Kind nicht zu bekommen denn es zeigt für mich auch von Verantwortung wenn man selber einschätzen kann , daß man jetzt noch nicht bereit ist Mutter zu werden .
04.04.2012 10:33
EInen Tag nach der Beratung schon zum ausschaben? Ich dachte da muss man 3 Tage warten?
05.11.2008 22:36
sprachlos.. aber ich versteh dich schon etwas.. :-)
13.07.2007 01:35
Beachtlich , wie offen du über das Thema Abtreibung berichtet hast . Ich verurteile niemanden , der sich entscheidet sein Kind nicht zu bekommen denn es zeigt für mich auch von Verantwortung wenn man selber einschätzen kann , daß man jetzt noch nicht bereit ist Mutter zu werden .