RomanErscheinungsjahr: 2002Gewicht: 350 gr / Abmessung: 19 cmVon Ritzel, UlrichFrühjahr 1999: Das Hochwasser in Donau und Bodensee schwemmt nicht nur totes Holz mit sich. Es überflutet auch einen Neubau, in dessen Keller eine Mauer zu viel steht. Die Menschenreste hinter der Mauer: gehören sie zu dem verschwundenen Justizangestellten, der zu feige war, die Vergewaltigung seiner Freundin zu verhindern?Kantig, nachdenklich, leicht melancholisch und literarisch gebildet: Das ist Kommissar Berndorf, mit dem sich Ulrich Ritzel zu den Großen des Krimigenres gesellt hat. Für seinen zweiten Berndorf-Krimi "Schwemmholz" wurde er mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und für den Glauserpreis nominiert. Beim Frühjahrshochwasser wird in Ulm nicht nur "Schwemmholz" angetrieben - in einem überfluteten Neubau taucht eine Leiche auf. Kommissar Berndorf und seine Assistentin Tamara Wegenast auf den Spuren eines groß angelegten Komplotts um Gelder, Großaufträge und Gefälligkeiten, in das mehr als nur ein Würdenträger verwickelt ist und das Berndorf fast das Leben kostet ...
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Erfahrungsbericht von ArnoJakobs über Schwemmholz - Roman / Ulrich Ritzel 09.07.2004
Produktbewertung des Autors:
Unterhaltungswert
sehr hoch
Spannung
sehr spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Pro:
sehr spannend, lokaler und realer Bezug, symphatische und interessante Hauptfiguren
Kontra:
schon etwas anstrengend zu lesen
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Ulrich Ritzel: Schwemmholz
Allgemeine Informationen:
Hardcover/gebundene Ausgabe: 414 Seiten, Libelle Verlag Erscheinungsdatum: September 2000 ISBN: 3909081894 Preis: 19,5 Euro (Amazon)
Broschiert/Taschenbuch: 414 Seiten, Btb Bei Goldmann Erscheinungsdatum: November 2002 ISBN: 3442728010 Preis: 10,0 Euro (Amazon)
Der Autor:
Ulrich Ritzel ist 1940 geboren. Aufgewachsen ist er auf der Schwäbischen Alb. Nach seinem Abitur studierte er Jura in Tübingen, Berlin und Heidelberg. Ihr müsst Euch jetzt keine Sorgen machen, dass seine Bücher vor juristischen Fachbegriffen überquellen. Nach seinem Studium arbeitete Ritzel viele Jahre als Journalist in verschiedenen Städten. In diesem Beruf war er so erfolgreich, dass er u.a. 1981 mit dem „Wächter-Preis“ ausgezeichnet wurde. Eine Stelle als Chefreporter in Ulm, wo er u.a. über Politik aber auch über Gerichtsfälle Artikel verfasste, war seine letzte Station. Dieser Stadt fühlt er sich so verbunden, dass sie den Hauptort des Geschehens seiner Kriminalromane bildet. 1999 erschien mit „Der Schatten des Schwans“ Ritzels erster Roman. Dem lies er bislang sozusagen in der Kommissar Berndorf-Reihe drei weitere folgen. Für seinen zweiten Roman – „Schwemmholz“ – über den ich hier berichte, wurde Ritzel mit dem wichtigsten Kritikerpreis, dem Deutschen Krimipreis, ausgezeichnet.
Weitere Kriminalromane von Ulrich Ritzel:
1999 Der Schatten des Schwans 2000 Schwemmholz 2001 Die schwarzen Ränder der Glut 2003 Der Hund des Proheten
Das Seltsame vorweg:
Jetzt da ich das Buch zu Ende gelesen habe, kann ich immer noch nicht nachvollziehen, was es mit dem Klappentext auf sich hat. Eine Leiche in einem vom Bodensee überfluteten Gebäude habe ich einfach nicht gefunden. Mir ist das wirklich schleierhaft. Vielleicht sollte man sich diesbezüglich direkt an den Autor oder an den Verlag wenden. Deshalb hier mein Tipp: Wenn Ihr das Buch kauft, lest nicht den Klappentext, der trägt nur zur Verwirrung bei.
Die Hauptpersonen:
Hauptkommissar Berndorf: Berndorf, dessen Vornamen man übrigens nicht erfährt (vielleicht im dritten oder vierten Teil?), ist Kriminalhauptkommissar des Dezernats Kapitalverbrechen der Poli zeidirektion Ulm. Er ist ende 50, lebt schon länger in einer festen Beziehung, aber er wohnt nicht mit der Frau zusammen. Er ist kein Draufgänger, wie man ein Tatort-Kommissar, sondern ein nachdenklicher, beharrlicher Zeitgenosse, der einen grauenhaften Musikgeschmack pflegt, in unregelmäßigen Abständen über die Liebe und das Leben räsoniert und gerne liest – Montaigne, Lichtenberg.
Berndorfs Assistentin: Kommissarin Tamar Sie bringt etwas völlig neues in die deutsche Krimilandschaft. Endlich wird mit dem ständigen Klischee aufgeräumt: der tolle Kommissar und seine ihn bewundernde Assistentin. Tamar pflegt ein sehr freundschaftliches und kollegiales Verhältnis zu Berndorf aber privat lebt sie mit einer Frau zusammen, d.h. sie ist lesbisch. Nachdem der Fernsehzuschauer in SK Kölsch entsetzt feststellen musste, dass es doch tatsächlich schwule Kommissare gibt, jetzt endlich die erste lesbische Kommissarin. Dass das wohl nicht immer so war, kann man daran sehen, dass sie eine Tochter hat, die bei ihr lebt. Wer derVater ist, wird nie verraten, sondern es wird nur einmal im ersten Berndorf-Krimi etwas von einer Affäre angedeutet. Im ersten Teil hat sie sich auch in ihre Lebensgefährtin verliebt.
Zum Buch:
Wieder einmal geht im beschaulichen Ulm die Post ab. Das Geschehen in „Schwemmholz“ ist exakt datiert. Die handlung spielt zwischen dem 18. September 1998 und dem 3. Juni 1999. Am Anfang steht ein Brandanschlag auf den Wohncontainer einer Baustelle, für die eine italienische Firma den Zuschlag erhalten hatte. Ein italienischer Arbeiter wird schwer verletzt. Die lokale Presse vermutet die Täter in der rechtsextremistischen Szene. Oder hat doch eventuell die Mafia ihre Finger im Spiel? Zwei verdächtige Rechtsradikale werden verhaftet. Jedoch werden sie aus Mangel an Beweisen vor Gericht wieder freigesprochen. Kommissar Berndorf muss weiter ermitteln. Der erste Gedanke, dass der rechte Abschaum sich jetzt ins Fäustchen lacht, trügt. Ist der Zusammenhalt dieser Szene nicht so groß wie man leichthin denkt? Morgens liegt der freigelassene Skinhead Axel Veihle ermordet vor dem Ulmer Justizgebäude. Berndorf rollt den Fall neu auf. Kommissar Berndorf lässt sich nicht von Oberflächlichkeiten beirren. Er schaut bei seinen Fällen immer sehr genau hin. Zunächst nimmt er den Bauunternehmer Gföllner aufs Korn. Wie ist es um dessen Auftragslage bestellt? Ist er jetzt auf der richtigen Spur? Dann wird auf Berndorf selbst ein Attentat verübt. Hat er in ein Wespennest gestochen oder geht dieser Anschlag ebenfalls auf das Konto der hirnverbrannten rechten Spinner. Am liebsten würde er sich jetzt in Berlin bei seiner Lebensgefährtin einigelen. Auch eine vorzeitige Pensionierung fasst Berndorf mit seinen 58 Jahren ins Auge. So leicht lässt er sich schließlich doch nicht ins Boxhorn jagen. Berndorf vermutet die Schuldigen in der Ulmer Bauszene. Parallel zur Krimihandlung erzählt Ritzel, wie ein junger Architekt namens Welf versucht, das Zuteilungskartell für Bauaufträge der Stadt aufzubrechen. Dieser stört den alteingesessenen Ulmer Klüngel, in dem sich Aufträge gegenseitig zugeschustert werden, obwohl es bessere und billigere Angebote gibt. In dieses Komplott um Großaufträge sind nicht nur die lokalen Architekten und Bauunternehmer sondern auch Ulmer Würdenträger verwickelt. Außerdem gibt es da noch die Baufirma Edim SA aus Mailand, der auch der angezündete Wohncontainer gehört hat. Sie macht sich - dank der Europäischen Union - in der Stadt breit, indem sie die Preise der lokalen Bauunternehmer unterbietet. Jedoch wird mit allen legalen und illegalen Mitteln versucht, sie daran zu hintern, in Ulm Fuß zu fassen. Zu dem toten Skinhead gesellen sich im Laufe der Geschichte weitere Leichen: da stirbt ein Stadtstreicher bei einer vorsätzlich herbeigeführten Gasexplosion in einem Abbruchhaus, das just auf dem Gelände steht, welches der Architekt Welf für neue Luxusbauten ins Auge gefasst hat. Ein unscheinbarer Justizangestellter verschwindet auf merkwürdige Weise und schließlich findet sich hinter einer Kellermauer auch noch die zerstückelte Leiche eines Mannes, der zu Lebzeiten kräftig und sportlich gewesen war. Wer also steckt dahinter: die italienische oder die deutsche Mafia? Wobei Letztere sich zusammensetzt aus Lokalpolitikern, Unternehmern und deutschen Polizisten und selbstverständlich niemals als Mafia bezeichnet werden dürfte. Am Ende, als alle Fäden entwirrt sind, geht es der Ulmer Schickeria an den Kragen. Längst nicht alle Architekten haben eine makellose weiße Weste. Auch wenn das intakte, heile Familienleben in der Presse noch so oft betont wird.
Fazit:
Für jemand, der gerne Krimis mit einem regionalen Bezug liest, kann ich die Bücher von Ulrich Ritzel nur empfehlen. Aber Vorsicht, es ist nicht immer leichte Kost. Hauptschauplatz ist wie immer die Stadt Uln und die nähere Umgebung. Ritzel erzählt sehr abwechslungsreich eine verwirrende Krimigeschichte um Korruption, Männerfreundschaft, Vergewaltigung und langweiligen, deutschen Provinzalltag. Sein Kommissar Berndorf, der immer etwas frustriert, genervt und arbeitsmüde wirkt, kann man eigentlich nur mögen. Wer Mankells Wallander mag wird Berndorf lieben. Zum Glück ist er nicht ganz so melancholisch wie Wallander. Außerdem bringt seine Assistentin Wegenast frischen Wind in die Geschichte. Sie bildet das passende Gegenstück zu Berndorf, indem sie z.B. mal eben „ein paar Mörder jagen“ geht. Bei diesem Paar bleibt nur zu hoffen, dass Berndorf, der schon ende 50 ist, nicht so schnell in Pension geht und sie noch viele Fälle gemeinsam lösen werden. Wie schon angedeutet, ist „Schwemmholz“ kein Krimi, den man mal so nebenher liest. Der Handlungsablauf ist sehr dicht gestrickt und Ritzel arbeitet mit häufigen Szenewechseln. Die speziell am Anfang auftauchenden unzähligen Personen, können schon mal verwirren. Deshalb hier mein besonderer und wichtiger Tipp: Wenn Ihr das Buch lesen wollt, kauft Euch die gebundene Ausgabe vom Libelle-Verlag. In der Version sind alle Namen auf der Innenseite des Buchumschlags aufgelistet. So findet man auch am nächsten Tag schnell wieder den Faden. Eine weitere Besonderheit dieses Krimis ist seine Authensität. Sowohl die im Hintergrund im Fernsehen zu hörenden Nachrichten sind authentisch als auch findet man vor dem Ulmer Gerichtsportal zwei mt roter Farbe verschmierte steinerne Löwen. Ob die immer noch nicht gesäubert wurden kann ich nicht sagen. Bei meinem letzten Ulmbesuch vor circa zwei Jahren waren sie jedoch immer noch rot verunstaltet.
Abschließende Empfehlung:
Fangt mit „Der Schatten des Schwans“ an und arbeitet Euch sukzessive bis „Der Hund des Propheten“ durch. Deutsche Krimis sind wesentlich besser als ihr Ruf. Ulrich Ritzel ist der beste Beweis. Nehmt Euch die Liste der deutschen Krimipreisträger der letzten Jahre. So kann man nichts verkehrt machen und einfach mal ohne Vorkenntnisse einen neuen Autor kennenlernen. Henning Mankell und Donna Leon kennt jeder, wer kennt jedoch Ulrich Ritzel, Jörg Juretzka, Friedrich Ani ... ???
Pro: Geschichte, Sprache, Humor Kontra: Spannungsaufbau, Personen
...den Rücken kehrte. Kuttler, der auch noch während eines Banküberfalls als Geisel genommen und zusammengeschlagen wurde, sucht die junge Frau anschließend und wird in einem kleinen Laden in Paris fündig. Nach einem ersten Gespräch nimmt sich die Frau jedoch das Leben.
SPRACHE UND STIL
Es ist nach "Schwemmholz" und "Die schwarzen Ränder der Glut" der bereits dritte Roman, den ich von Ulrich Ritzel gelesen habe und bin von seinen Geschichten und der Schreibart eigentlich sehr angetan, aber dieses Mal war ich dann doch etwas enttäuscht.
Doch erstmal zum Positiven: "Uferwald" ist wieder eine sehr umfassende und klug konstruierte Geschichte auf einem sprachlich sehr hohen Niveau. Nach den ersten Seiten kann man nicht ahnen, welche Ausmaße der Roman nehmen wird. Der Leser tappt, wie bei einem wirklich guten Krimi, relativ im Dunkeln...
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...rennen Sie denn", ruft es erschreckt hinter ihr. Tamar wirft einen Blick zurück, blass und mit fiebrig erregten Wangen steht Margarethe Zundt in der Küchentür. "Hören Sie nicht - dort wird geschossen", sagt sie, "so kommen Sie doch zu mir, helfen sie mir, sagen sie mir, was hier geschieht, es ist mein Haus, warum geschehen so schreckliche Dinge darin?"
DER AUTOR
Ulrich Ritzel ist in der Krimiszene bekannt geworden durch seinen Roman "Schwemmholz", der den Deutschen Krimipreis 2000 erhielt. Er wurde 1940 geboren, studierte Jura unter anderem in Tübingen und Berlin und arbeitete viele Jahre als Journalist, vor allem als Gerichtsreporter. Mit seinem Erstling "Der Schatten des Schwan" erweckte er die Figuren des Kommissars Berndorf und dessen Kollegin Tamar Wegenast zum Leben. Für seinen vierten Roman "Der Hund des Propheten" wird er...
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