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Schwimmen = gesund? Ja, ABER ...

5  04.03.2002

Pro:
Trainingseffekt, Entlastung der Gelenke

Kontra:
Belastung bei falscher Technik, Belastung beim Wettkampfsport

Empfehlenswert: Ja 

easywk

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:315

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 50 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Schwimmen wird von vielen Ärzten als gesunde Sportart empfohlen. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Trainer in diesem Bereich kann ich nur sagen „JA, ABER ...“.

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Die verschiedenen Schwimmlagen
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Zunächst möchte ich etwas näher auf die verschiedenen Schwimmlagen eingehen. Dabei soll dies keine lange Technikbeschreibung werden, sondern nur kurz die wesentlichen Elemente der entsprechenden Lage darstellen.

Rückenschwimmen
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Beim Rückenschwimmen liegt man – wie der Name bereits sagt – auf dem Rücken. Dabei sorgen kurze, schnelle Beinschläge für den nötigen Auftrieb (ungefähr so, als ob man mit dem Fußspitzen kleine Bälle an der Wasseroberfläche nach oben treten will). Die Arme tauchen weit über dem Kopf gestreckt ins Wasser ein und ziehen mit angewinkeltem Ellenbogen nach hinten zur Hüfte. Während die eine Hand an der Hüfte das Wasser verlässt, setzt die andere Hand oben ein. Besonders wichtig dabei ist eine gestreckte Körperhaltung, d.h. die Hüfte wird während der ganzen Zeit in Richtung Wasseroberfläche gedrückt. Eine Variante ist der sogenannte Rücken-Gleichschlag, bei dem beide Hände gleichzeitig geführt werden, d.h. beide Hände setze gleichzeitig hinter dem Kopf ein und kommen gleichzeitig an der Hüfte wieder raus.

Brustschwimmen
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Das Brustschwimmen ist die wohl bekanntest Schwimmlage, es ist die Lage, mit der die Standardschwimmkurse beginnen. Um eine möglichst flache Körperlage zu erhalten, wird beim Brustschwimmen die Rumpfmuskulatur permanent angespannt. Beinschlag und Armzug erfolgen im Wechsel, d.h. sind die Beine gestreckt, gehen die Arme zum Körper. Während der Beinbewegung werden die Fersen zum Po gezogen und anschließend mit angewinkeltem Füssen gegen das Wasser getreten. Während der Gleitphase sind die Füße gestreckt.
Die Arme werden diagonal nach außen gezogen und dann unter dem Brustkorb zusammen geführt. Anschließend werden die Arme unter Wasser nach vorne geschoben und vollständig gestreckt; dabei wird in das Wasser hinein ausgeatmet.

Kraulschwimmen
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Das Kraulschwimmen ist die schnellste Schwimmlage und findet in Bauchlage statt. Die Beinbewegung ist die gleiche wie beim Rückenschwimmen – halt nur in Bauchlage. Dabei kommt dem Beinschlag nur eine geringe Bedeutung bei, er dient in erster Linie der Körperstabilisierung. Der Armzug wird für den eigentlichen Vortrieb benötigt. Dabei wird die Hand möglichst weit vor dem Kopf eingesetzt, beschreibt anschließend unter Wasser eine leicht s-förmige Bahn und wird bis zu Hüfte durchgedrückt. Über Wasser ist der Ellenbogen der höchste Punkt und der Arm wird möglichst nah am Körper nach vorne gebracht. Wie beim Rückenschwimmen laufen die Arme auch hier gegengleich, d.h. während die eine Hand mit dem Zug vorne beginnt, verlässt die andere Hand hinten das Wasser. Der Kopf liegt im Wasser mit leichtem Blick nach vorne (Mitte Stirn = Wasseroberkante). Zur Atmung wird nur der Kopf gedreht und es wird in Richtung Achselhöhle eingeatmet. Die Ausatmung erfolgt unter Wasser. Optimal ist ein sogenannter 3er-Zug, d.h. es wird bei jedem 3. Zug geatmet, wodurch man einmal nach links und einmal nach rechts atmet.

Schmetterlingsschwimmen
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Das Schmetterlingsschwimmen ist die kraftaufwendigste Schwimmlage. Die Arme werden bei gleichzeitig über Wasser nach vorne gebracht – in dieser Phase wird auch eingeatmet. Unter Wasser führen die Arme ein herzförmige Bewegung durch, so dass die Hände unterm Bauch, etwa in Höhe des Bauchnabels zusammen kommen und dann wieder nach außen geführt werden. Den ganzen Körper durchzieht eine Auf- und Abwärtsbewegung wie bei einem Delfin (daher hat diese Schwimmlage auch den geläufigen Namen Delfinschwimmen). Diese Bewegung wird vom Kopf eingeleitet und zieht sich über die Hüfte zu den Füßen. Der Beinschlag folgt dieser Bewegung, d.h. die Beine bewegen sich parallel auf- und abwärts, wobei die Kraft von der Hüfte ausgeht. Auf einen Armzug kommen zwei Beinschläge.

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Schwimmen als Gesundheitssport
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Schwimmen wird gerne als gesunde Sportart bezeichnet und auch in der Rehabilitation eingesetzt. Dies liegt vor allem an den besonderen Eigenschaften des Mediums Wasser. Das spezifische Körpergewicht beträgt durch den Auftrieb des Wasser nur etwas 1/5 im Gegensatz zu den Sportarten an Land. Auch die horizontale Lage trägt zu Entlastung der Wirbelsäule und der Gelenke bei. Die kühlende Wirkung des Mediums Wasser bewirkt eine geringere Belastung des Kreislaufs während der Ausübung. Dabei ist es allerdings ein Trugschluss, dass man beim Schwimmen nicht schwitzt – man merkt es nur nicht, da man ja eh nass ist :-)

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Wie ich es sehe - Positives
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Ich sehe Schwimmen durchaus als gesunde Sportart. Beim Schwimmen werden, wie bereits erwähnt, die Wirbelsäule und die Gelenke geschont. Außerdem werden sehr viele Muskelgruppen des Körpers angesprochen. Besonders gefragt sind die Rücken- und Bauchmuskulatur, die für die korrekte Lage im Wasser zuständig sind und beim Schwimmen besonders gut trainiert werden. Neben den großen Muskelgruppen in den Beinen und Armen wird auch die Schulter- und Brustmuskulatur beansprucht, womit alle wichtigen Muskelgruppen trainiert werden. Die Belastung ist eindeutig im Ausdauerbereich, wodurch es zu positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System kommt. Das Medium Wasser erleichtert die sportliche Tätigkeit und kühlt gleichzeitig, wodurch Belastungen länger aufrecht erhalten werden können als beispielweise beim Joggen. Die Regeneration nach der Belastung erfolgt ebenfalls schneller – vor allem, wenn man nach der Belastung noch etwas im Wasser verbleibt. Dies liegt daran, dass die Muskulatur durch den Auftrieb entspannt wird und der gesamte Kreislauf von außen her eine zusätzliche Kühlung erhält.
Aus gesundheitlicher Sicht ist das Rückenschwimmen zu empfehlen. Der erste Vorteil liegt daran, dass die Atmung nicht beeinträchtigt ist, da das Gesicht permanent über der Wasseroberfläche ist. Auch die Entlastung der Wirbelsäule kommt beim Rückenschwimmen am meisten zum tragen – hierfür ist es aber notwendig, eine gute Körperstreckung zu haben (Hüfte nach oben). Dadurch werden besonders die Bauch- und Rückenmuskeln angesprochen – ein weiterer Pluspunkt.

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Wie ich es sehe – Negatives
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Der erste negative Punkt ist das Medium. Leider handelt es sich üblicherweise nicht um „normales“ Wasser, sondern um gechlortes Wasser in einem Schwimmbad. Dieses Chlor ist zwar notwendig um die verschiedenen Keime im Wasser zu neutralisieren, es belastet aber nicht nur die Haut sondern auch die Atemwege. Eine sogenannte „Chlorallergie“ ist bei Schwimmern, die diesen Sport täglich ausüben, nicht gerade selten.
Der zweite negative Punkt entsteht daraus, dass häufig die Technik falsch ausgeführt wird. Eine fehlende Anspannung des Körpers („möglichst gerade im Wasser liegen“) führt nicht nur dazu, dass die Bewegung unökonomisch wird, sondern belastet die Schulter und die Kniegelenke, da diese dann den gesamten Körper zu tragen haben. Auch beim Brustschwimmen führt eine falsche Beinbewegung zur Verdrehung des Knies und schadet damit eher, als es nutzt. Am meisten schlägt die mangelnde Technik beim Schmetterlingsschwimmen zu. Eine fehlerhafte Technik und eine nicht angepasste Beinbewegung belasten die unteren Wirbel in einem so hohen Masse, dass diese Schwimmart wirklich nur dann ausgeführt werden sollte, wenn die Technik ständig von einem Trainer überwacht und korrigiert wird.

Schwimmen als Wettkampfsport ist sowieso differenziert zu sehen. Wie bei jedem Leistungssport ist es eher schädlich als nützlich. Dies liegt daran, dass die Bewegung zugunsten einer optimaleren Vortriebsbewegung verfeinert werden und die Gelenke bis zum äußersten belastet werden – so wird beispielsweise der Brustbeinschlag dahingehend optimiert, dass die Knie verdreht werden, nur um ca. 0.5 Sekunden länger „Druck auf den Füssen“ zu haben. Ehemalige Leistungsschwimmer haben zu einem hohen Prozentsatz Probleme mit den Knien oder mit der Schulter – je nach ihrer besten Lage.

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Fazit
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Wie bei fast jeder Sportart ist Schwimmen in einem normalen Rahmen gesund – bei richtiger Ausführung der Technik (Körperspannung!) sogar gesundheitsförderlicher als andere Sportarten. Wichtig ist die Körperpflege nach dem Schwimmen (Abwaschen des Chlorwassers, Eincremen der Haut). Werden diese Punkte berücksichtigt, kann ich Schwimmen ohne Probleme empfehlen, daher auch 5 Sterne. Soll Schwimmen als Wettkampfsport ausgeführt werden, so obliegt es dem zuständigen Trainer, darauf zu achten, dass die Gesundheit nicht zugunsten der Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird – leider ist dies nicht immer der Fall.

Vielen Dank fürs Lesen und viel Spass beim Sport
Cu easywk
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Tsantali

Tsantali

02.02.2003 20:19

Ich habe mal ne zeitlang regelmäßig Aquajogging gemacht. Wirst Du ja kennen, oder? Ich fand das klasse... Und durch Deinen Bericht habe ich mich gerade entschieden, mal wieder schwimmen zu gehen. ...ist ja gut für die Schenkel :-) Liebe Grüße sylvia

alteSchwedin

alteSchwedin

11.03.2002 20:28

Ich schwimme seltenst im Winter. Denn des Sommers geh ich immer bei uns in der See. Ohne Chlor, schön klares Wasser, ein paar Fische, viel Platz, außerdem nur einen knappen Kilometer von mir entfernt... Lauter Positives. VG Silvia

IvoryB

IvoryB

04.03.2002 18:38

WOW, eine wahnsinnig interessante Meinung, da ich mind. einmal die Woche mit einer Freundin schwimmen gehe habe ich Deinen Beitrag besonders genau gelesen! Lieben Gruß, Ivory

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