Lustlos, einfallslos, hilflos?
12.05.2009
Pro:
Verkleidungen und Animationen sind gelungen, gelungene deutsche Sprachausgabe
Kontra:
Spielverlauf extrem langweilig, sehr kurze Spieldauer, Steuerung haklig, biedere Grafik, Ruckler
Empfehlenswert:
Nein
 DenJuandeMarco
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Denke ich an die in den letzten Jahren zahlreichen vergurkten Titel, die speziell auf die jungen Videospieler zugeschnitten sind, darf man ruhig zornig sein. Bereits 1986 trieb „Scooby Doo“ auf dem Commodore 64 sein Unwesen, was aber rein gar nichts zu bedeuten hat, wie der leidgeplagte Videospieler mittlerweile weiss... sehr oft finden wir jedenfalls eine lieblos zusammengeschusterte Kinofilmumsetzung als Jump and Run oder Actionadventure vor, die eine echte Frechheit darstellen. Oftmals stimmt es beim Spielverlauf oder der Spieltechnik ganz und gar nicht, bei der Aufmachung wird sich – es lebe die Augenwischerei! – noch am Meisten „verausgabt“. Der X-Box Titel “Scooby Doo, Flucht der Folianten” ist mal wieder genau so ein Ableger, bei dem absolute Skepsis angesagt ist... und leider auch zurecht, wie sich letztlich herausstellt! Fast schon klar war, dass dieses unterdurchschnittliche Spiel leider sowohl auf Playstation 2, als auch Gamecube und X-Box erschien. Abgesehen davon, dass dieses Abenteuer zwischen zwei Kinofilmen einfach so dazwischengeschoben wurde, zumindest ohne direkten Bezug zu einem Leinwandvorbild, somit allein der bekannte Name (wieder einmal) die Kassen ordentlich klingeln lassen sollte, ist ganz objektiv betrachtet, derart viel Mist gebaut worden, dass man reinen Gewissens von einem ziemlichen Flop sprechen darf. Ihr glaubt mir nicht? Okay, okay, dann lege ich mal los... Hundedetektive
Doggen sind hier offensichtlich Trumpf und anscheinend besonders schlau. Gleich zwei Protagonisten, Cartoon-“Ikone” Scooby Doo und Shaggy, geben sich bei diesem neuesten Fall als Hauptfiguren die (zweifelhafte!) Ehre. Insgesamt sind bei 5 Vorkommnissen – so unter anderem im Wildwest-Park oder in den Filmstudios - entsprechende Ermittlungen anzustellen und Beweise ausfindig zu machen, um letztlich einen schrecklichen Missbrauch eines magischen Schicksalsbuches zu vereiteln. Der Rest der Crew (oder von mir aus auch der „Gang“) gibt uns ab und an mehr oder weniger hilfreiche Tipps, gibt uns eine Aufgabe oder muss von uns befreit werden, im Vordergrund stehen auf jeden Fall lediglich die beiden obengenannten
Bilder von Scooby Doo - Fluch der Folianten (Xbox)
Vierbeiner. Womit ich gleich zum ersten seltsamen Aspekt, um es noch wohlwollend zu beschreiben, komme: wieso brauchen wir hier eigentlich zwei Protagonisten? Wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Akteuren sind eigentlich nicht auszumachen, weder bei der Fortbewegung noch was spezielle Talente angeht. Sollte damit vom monotonen Spielverlauf abgelenkt werden? Kann schon sein, gelingt aber definitiv nicht. Oder um es genauer zu sagen: wir brauchen Shaggy nicht, alles ist theoretisch mit Scooby Doo machbar. Dass wir im Spielverlauf ab und an einfach dazu gezwungen werden, Shaggy zu kontrollieren, ist absolut albern und macht weder Sinn noch Freude. Ausgelutscht
Der Spielverlauf ist schnarchig langweilig, das Prinzip an sich simpel ohne Ende: die Level sind linear angelegt, einen spielerischen Freiraum gibt es nicht. Wir recherchieren mit unseren Vierbeinern, machen Indizien ausfindig, die in den Gebieten versteckt sind, absolvieren 08/15-Aufgaben und machen uns auf die Suche nach Geistern, die wir fast schon gelangweilt wieder einfangen. Das Einfangen an sich macht selbst einem Kind kaum Laune: kreuzt ein bekannter Geist unseren Weg oder ist dieser durch unser Radarsystem geortet worden, kommt das Zauberbuch zur Anwendung, die dort erscheinende Tastenkombination wird bis zur Besinnungslosigkeit wiederholt, das Gespenst gibt schliesslich auf und … fertig! Der Foliant verschluckt den Geist und weg ist er. Vergleiche zum Staubsauger im Gamecube-Abenteuer „Luigis Mansion“ finde ich durchaus angebracht, aber das nur am Rande, jedenfalls scheint eine nahe Verwandtschaft zu bestehen, was das Fertigwerden mit den Gespenstern angeht. Ab und zu gilt es, den zarten Attacken der Geister auszuweichen oder einfallslose Minispiele zu absolvieren, ein motivierendes Gameplay sieht definitiv anders aussieht, wohlgemerkt ungeachtet der Tatsache, dass es auf Kinder als Zielgruppe ausgerichtet ist. Seltsam ist hierbei, dass der Schwierigkeitsgrad generell ziemlich niedrig daherkommt, aber das Ausfindigmachen aller Hinweise nicht gerade leicht ist, so dass manche (zumeist aber langweilige) Minispiele oder weitere Boni - die unter anderem freizuschaltenden Zeichnungen sind der Rede aber eigentlich auch nicht wert und unterstreichen die Einfalls- oder besser gesagt Lustlosigkeit, die hier an den Tag gelegt wird - manch einem Kind verschlosen bleiben. Keine Ahnung, was sich die Entwickler dabei gedacht haben, wahrscheinlich gar nichts, macht das gesamte Abenteuer ohnehin einen lieblosen Eindruck, eine Liebe zum Detail kann ich hier nirgends entdecken beziehungsweise konstatieren. Nicht nur, dass der Spielverlauf an sich erschreckend monoton ist, weitere Patzer von elementarer Bedeutung hemmen die Spielfreude erheblich... einziger kleiner Lichtblick: das je nach Level unterschiedliche Outfit der Protagonisten, doch angesichts der ansonsten vorherrschenden Tristesse leider kaum von Bedeutung.
Keinen Bock Es sieht nicht so aus, als habe das Entwicklerteam wirklich Lust gehabt, dieses Spiel zu kreieren. Ansatzweise kommt der humorige Einschlag zwar zur Geltung, doch mit dem Einbau von Lachern hat man sich hier ein klassisches Eigentor geschossen. Ist bereits das Gameplay einfallslos, so wurde auch bei der Steuerung wenig Erbauliches fabriziert. Anders kann es nicht interpretiert werden, betrachtet man sich die ungenaue Steuerung, die dann oftmals auch noch merklich hakt, so verliert man schnell den Spass am Weiterspielen. Die Boni reizen schliesslich auch nicht, eine Karte zwecks Orientierung fehlt und manch ein nerviger Event wie die Hindernisfahrt in einer Lore dient lediglich der Kosmetik und unterstreicht ironischerweise die mangelnde Kompetenz der Entwickler, da jene Trial and Error Sequenzen eindeutig eher nerven als dass sie frischen Wind bringen. Fast schon zynisch kann man sagen, dass die Tatsache, dass das Abenteuer mit seinen gerade einmal 5 Abschnitten sehr kurz ausgefallen ist, ein Positivum darstellt, da die Verwurstung bereits nach cirka drei bis vier Stunden vorbei ist…
Blass ist nicht immer vornehm Die Vorstellung der Grafik ist hier wirklich bescheiden. Detailarm ist der Hintergrund, der Cartoon-Look vielleicht noch Geschmackssache und in diesem Fall wahrscheinlich noch okay, doch seltsam blass wirkt diese X-Box Fassung irgendwie schon. Die Polygonanzahl ist hier eher bescheiden und von einer Vielfalt der Texturen zu sprechen, ist definitiv falsch. Gelungen sind allerdings die Animationen, die zusammen mit den Verkleidungen noch das Beste in optischer Hinsicht darstellen. Ganzu nd gar nicht gelungen sind hingegen die teils derben Ruckler beim Schwenken der Kamera und insbesondere deren erschreckend hohe Anzahl, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel ziehen. Im Hinblick auf die akustische Untermalung dieses Actionadventures schrieb ich vorhin bereits, dass die eingespielten Lacher zwischendurch absolut daneben oder besser gesagt einfach nur peinlich sind, ansonstn geht die Soundkulisse aber in Ordnung: eine zweifellos sehr gelungene deutsche Sprachausgabe (auf Wunsch auch in englisch) und besonders die bei Animationsfilmen bekannten Soundeffekte wirken authentisch, wenigstens hier wurde kein Mist gebaut, ganz im Gegenteil: neben den witzigen Animationen eines der ganz wenigen Highlights.
Urteil Ich kann und will Euch „Scooby Doo, Fluch der Folianten“ nicht empfehlen, diesen Titel muss wirklich niemand in seiner X-Box Sammlung haben. Einfallslosigkeit, Lustlosigkeit oder vielleicht auch Hilflosigkeit (wahrscheinlich eher alles zusammen!) ergeben ein insgesamt wenig attraktives Comic-Abenteuer auf Microsofts Spielkonsole. Biedere Grafik – bis auf die Animationen und Outfits – haklige Steuerung, todlangweiliges Gameplay und sehr kurze Spieldauer schlagen hier sehr negativ zu Buche. Dass Shaggy als zweiter Protagonist gar nicht notwendig ist, ist fast schon egal, untermauert aber den Eindruck, dass hier „gewaltsam“ der Anschein vorhandener Abwechslung quasi erzwungen werden sollte.
Unzweifelhaft ist, dass maximal 10 Jahre alte Kinder angesprochen werden und daher fallen ein paar Negativpunkte vielleicht in diesem speziellen Fall nicht ganz so stark ins Gewicht. Dass die Grafik aber nicht mehr up to date, die Steuerung ungenau, die Spieldauer derart kurz ausgefallen und der Wiederspielwert (auch bei einem sehr jungen Videospieler) voraussichtlich sehr gering ist, kann alles in allem nicht mehr entschuldigt werden. Das ansatzweise aufkommende humorige Flair dieser Cartoon-Umsetzung und die saubere deutsche Sprachausgabe verhindern letztlich, dass diese Scooby Doo Episode als ganz derber Trash bezeichnet werden kann, von einem Kauf dieses zum Grossteil lieblos dahingeklatschten Actionadventures rate ich Euch aber dennoch ganz klar ab. +++PLUS+++ Verkleidungen und Animationen sind gelungen, gelungene deutsche Sprachausgabe
---MINUS--- Spielverlauf extrem langweilig, sehr kurze Spieldauer, Steuerung haklig, biedere Grafik, Ruckler, eingespielte Lacher sind peinlich
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12.05.2009 20:35
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