Scott Pilgrim gibt der Welt den Rest
29.04.2012
Pro:
Visuell einfallsreiche Fantasy - Geschichte über das Balzverhalten geschlechtsreifer Großstädter
Kontra:
Einmal ansehen reicht dann wahrscheinlich auch
Empfehlenswert:
Ja
 Spassprediger
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“We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...
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“Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist weder ein Prequel, noch ein Sequel oder ein Remake. Für Freunde des gepflegten Schriftdeutschen: Der Film ist keine Fortsetzung, erzählt nicht die Vorgeschichte zu einer anderen Filmhandlung und ist auch keine Neuverfilmung.Kennern des Kinogeschehens der letzten Jahre dürfte damit klar sein, womit wir’s hier zu tun haben. Richtig: „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist natürlich die Leinwandadaption eines so genannten graphic novels. Die Vorlage kenne ich nicht, aber da ich durchaus auch ein Faible für Comics und graphic novels habe, war ich neugierig genug geworden, um mir den von der FSK ab 12 Jahren freigegebenen Film aus dem Jahre 2010 anzusehen.
Da mit Edgar Wright der gleiche Mensch auf dem Regiestuhl Platz genommen hatte, dem wir die Zombie-Komödie „Shaun oft he Dead“ verdanken, dachte ich mir: So schlimm kann’s eigentlich nicht werden. Ist es dann auch nicht geworden, und wenn mich der Film dann vielleicht doch nicht komplett vom Hocker gerissen hat, darf man das getrost der Tatsache zuschreiben, dann ich die Lebensphase, welche die Helden des Films gerade durchlaufen, nicht erst seit gestern hinter mir liegt. Der Titelheld des Films ist 22 Jahre jung, und die junge Dame, die er sich angelacht hat, geht sogar noch zur Schule. Was unter Scotts Musikerkollegen, mit denen zusammen er die zungenbrecherisch benannte Band „Sex Bob-Omb“ bildet, die Frage laut werden lässt, ob Scott (Michael Cera) mit einem fünf Jahre jüngeren Mädel gehen darf. Besagtes Mädel, bei dem es sich um eine hübsche Chinesin handelt, hört auf den Namen Knives (Ellen Wong) und himmelt Scott ziemlich an. Im Unterschied zum Objekt der Begierde kennt Knives die Liebe bisher allerdings nur vom Hörensagen. Selbst der erste Kuss ist noch Zukunftsmusik, und damit ist Knives im Grunde mehr als nur eine Spur zu unbedarft für Scott, der schon über ein gerüttelt Maß einschlägiger Erfahrungen zu verfügen scheint und sich zumindest im Umgang mit Freundinnen schon mal die Attitüde großer Rockstars zugelegt hat. Sprich: Scott verschenkt sein Herz gern immer wieder mal gern aufs Neue.
Als Scott die coole Romina Flowers (Mary Elizabeth Winstead) über den Weg läuft, ist es mal wieder so weit: Scott entflammt für die Neue in der Nachbarschaft, und obwohl die zunächst nichts von ihm wissen will, lässt sie doch die Hartnäckigkeit, mit der Scott um sie wirbt, nicht ganz kalt. Aus einem ersten Date wird deshalb tatsächlich mehr – allerdings auch mehr, als Scott je geahnt hätte, denn auch Ramona scheint in Liebesdingen ziemlich flatterhaft zu sein und in der Vergangenheit des öfteren Schluss gemacht zu haben. Nicht mit Freunden, sondern mit Lovern, wie Ramona immer wieder betont, wenn das Gespräch mal wieder auf ihre offensichtlich bewegte Vergangenheit kommt. In der gab’s offenbar sieben Lover, die jetzt zum Problem werden, und zwar für Scott: Wenn er Ramona für sich gewinnen will, muss er sich den sieben abservierten Liebhabern stellen und sie im offenen Kampf besiegen …
Klingt das eigentümlich bis hanebüchen? Ist es auch. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist ein Film, der seinen Zuschauern einiges an Bereitschaft in Sachen “suspended reality“ abverlangt. Will sagen: Wenn man sich den Film ansieht, muss man sich auf eine Realität einlassen, in der es eine Veganer-Polizei gibt und in welcher der Titelheld immer mal wieder zum Kampf gegen Figuren antritt, die auf den ersten Blick wie Menschen wirken, dann aber immer wieder sehr außergewöhnliche Fähigkeiten an den Tag legen und sich, wenn sie im Zweikampf unterliegen, mit schöner Regelmäßigkeit in einen Geldregen verwandeln. In einem knapp 50 Minuten langen Making of, das sich auf der Blu-ray Disc mit dem Film findet, trifft jemand eine Aussage, die den Charakter des Films ganz gut auf den Punkt bringt: „Scott Pilgrim“ sei kein Musical, sondern ein Fightsical – kein Film, in dem die Figuren anfangen zu singen, wenn sie von ihren Gefühlen übermannt werden, sondern die dann eben die Fäuste sprechen lassen. Zu den phantastischen Elementen des Films, die immer wieder die Frage aufwerfen, wo die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und dem verlaufen, was vielleicht nur ein Tagtraum des Titelhelden ist, zählen auch die aus Comics bekannten lautmalerischen Ausdrücke – wenn im Film ein Telefon klingelt, wabert immer wieder mal ein „Rrrrrring“ durchs Bild, ein an den Laternenmast geschlagener Kopf macht „Thonk“, und wenn Scott einen Gegner besiegt hat, gibt’s dafür wie im Videospiel Punkte. Gerade die Optik und die Mechanismen solcher Spiele werden oft und gern zitiert und prägen deutlich erkennbar den Stil des Films – bis hin zu Szenen, in denen, wenn der Titelheld kurz die Blase leert, im Bild eine „pee bar“ erscheint, die den Fortschritt des Vorgangs anschaulich macht.
Das alles macht „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ zu einem Film, der auf der Höhe der Zeit spielt und den Erwartungen und Vorlieben einer Generation, die mit PC und Internet großgeworden ist, vollauf entsprechen dürfte. Auch der unverkrampfte Umgang mit Fragen der Liebe in all ihren Spielarten wirkt angenehm zeitgemäß – der Kumpel, mit dem Scott zusammenwohnt, ist z. B. schwul, und das auf eine sehr selbstverständliche Weise. Ich glaube, das liegt wenigstens zum Teil auch daran, dass wir es bei „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ nicht mit einer rein US-amerikanischen Produktion zu tun haben, sondern auch Kanada und Großbritannien beteiligt waren, denen ich einen unbefangeren Umgang mit dem Thema Sex zutraue, als ihn die prüden US zumindest in ihren jugendfreien Filmen pflegen. Mit den grässlichen Szenen konfrontiert zu werden, in denen der Zuschauer die berühmt-berüchtigte “full frontal nudity“ zu gewärtigen hat, muss das Publikum zwar nicht befürchten, aber die Freizügigkeit findet im Umgang der Figuren miteinander auch ihren Niederschlag, ohne dass ständig Hüllen fallen müssen.
R e s ü m e eUnterhaltsame, amüsante graphic novel-Verfilmung für alle Angehörigen der Zielgruppe ab 12, denen die Zoten in „Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht“ zu eklig und der Pennälerjargon zu halbstark war. Die Figuren wirken sympathisch und ihre Lebenswelt realistisch, die Handlung mixt fröhlich Fantasy-Elemente mit dem Coming of Age-Film, und in Mary Elizabeth Winstead als Ramona Flowers verknallt sich sicher auch der eine Scott im Publikum ziemlich flott.
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04.05.2012 06:07
auch wenn man sich auf andere Realitäten einlassen muss, ist es doch Ramona, nicht Romina Flowers*g*...hab´mir soeben den Trailer angesehen und find´s tatsächlich witzig, da sind ja so einige bekannte Gesichter dabei..."Pack´ das L-Wort aus!"...."Lesbe?", also für´n Möchtegern-Frauenversteher ist Scott zwar nicht weit gekommen, aber er tut sein Bestes;-)
02.05.2012 18:03
angenehm zu lesen ;-)
30.04.2012 20:51
da meine Geschlechtsreife (zumindest als sie anfing) schon ein wenig her ist, brauch ich das wohl nicht, aber toll vorgestellt!