Scottoiler

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Der Jungbrunnen für Ketten!
Erfahrungsbericht von vincege über Scottoiler
07.10.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Reduziert die Kettenpflege auf ein Minimum !  Die Lebensdauer der Kette verdoppelt sich !
Kontra: Preis

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Als ich mir Mitte 2001 die Honda Varadero kaufte, hatte ich noch nicht über den Erwerb eines Scott-Oilers nachgedacht. Da ich aber im Laufe der Zeit feststellen mußte, dass die Kette der Varadero den „Dreck“ regelrecht ansaugt, gab mir ein Freund aus Köln den Tip zum Kauf.


Der Kauf:
°°°°°°°°°°
Polo Motorrad hatte im Januar 2002 den Scottoiler, im Volksmund auch Scotti genannt, für 127,31 Euro im Angebot. Da mußte ich zwar etwas überlegen, habe dann aber glücklicher weise doch zugeschlagen.
Da es den Scottoiler noch als Paket mit einem Zusatztank gab, schaute ich mir diese Konstruktion genau an. Der Aufpreis lag für den „Zusatz“ bei knappen 50,- Euro.
Das war mir, für etwas mehr Schlauch und einer Plastik- Halterung, zu viel!

Diese „Halterung“ verschwindet eigentlich hinter dem Nummernschild. Da mein Nummernschild zum Glück recht klein ausfällt, würden Teile der Halterung überstehen und störten mich schon gedanklich an der Optik. Für einen Motorradfahrer mit „normalen“ Nummernschild und wenig Platz am Krad, könnte es aber eine komfortable Lösung sein. Der „Vorratstank“ in der Halterung kann bequem von der Seite nachgefüllt werden, da er hinter dem Nummernschild gut zu erreichen ist.


Bezugsmöglichkeiten:
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http://www.polo-motorrad.de
http://www.hein-gericke.de
http://www.honda.de/php/dealersearch/index.php?language=de&modelgroup_id=1


Lieferumfang:
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Schwarzer Schlauch (zur Unterdruckverbindung); ca. 50cm Länge
Zwei unterschiedliche T- Stücke (als universelles Maß)
Drei unterschiedliche Nippel (welche als Adapter zur Schlauchfixierung am Scotti dienen)
Durchsichtiger Schlauch (für das Öl vom Scotti zur Kette); ca. 150cm Länge
Schlauchhalterung mit Fuß (wird mit der Schere oder einem Messer aufgeteilt,
um später den Öl-Schlauch auf der Gabel zu fixieren); ca. 5cm Länge
Ein Ersatz- Endstück (falls die Kette das erste Endstück verschlissen hat)
Kleber
Scottoiler
Unterschiedliche Halterungen für den Scotti
Deckel mit Befüllungsschlauch
Belüftungsschlauch
Öl- Flasche mit 0,5 Liter Inhalt
Diverse Aufkleber
Diverse schwarze und weiße Kabelbinder
Einbauanleitung


Der Einbau in die Varadero:
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Die Einbauanleitung ist sehr übersichtlich und informativ gestaltet. Sie kann bei eintretenden Problemen sicherlich eine gute Hilfestellung geben.

Grundsätzlich sollte man darauf achten, den Scotti senkrecht zu fixieren. Ansonsten kann es zu Problemen mit dem mechanischen Ventil kommen und die einwandfreie Funktion des Oilers ist nicht gegeben.
Ebenso sollte man bemüht sein, den Scotti nicht umständlich im Motorrad zu „verbauen“. Es wird sonst zu einer echt nervigen Fummelarbeit, den Ölstand vernünftig abzulesen oder eine einfache Nachfüllung durchzuführen.

Wenn man an der Varadero die Sitzbank ab genommen hat, befindet sich linksseitig der Batterie ein Spritzschutz. Der ideale Platz, weil man dort den Scotti ausgezeichnet und senkrecht plazieren konnte. Gleichzeitig kann man an dieser Position jederzeit den Füllstand des Scotti von außen ablesen.

Dann den Tank lösen um an den Unterdruckschlauch des Luftfilterkastens zu gelangen. Unterdruckschlauch passend durchtrennen und das mitgelieferte T- Stück einsetzen. Den ebenfalls mitgelieferten Verbindungsschlauch auf den Nippel am Kopf des Scotti und der zweite Arbeitsgang ist erledigt.

Nun den Öl- Schlauch locker und mit Bedacht verlegen, da die Schwinge arbeitet!
Die Länge des Schlauchs, von der ersten Fixierung an der Gabel oder dem Kettenschutz zum Fuß des Scottis, muß passen. Sonst treffen zwei Extreme aufeinander. Zum Einen könnte der Schlauch beim Ausfedern abgezogen werden, zum Anderen könnte der Schlauch bei voller Beladung gegen die Kette oder den Reifen schleifen und lebt nicht wirklich lange. Diese Erfahrung haben schon einige Motorradfahrer gemacht!

Die Anbringung des Endstücks so wählen, dass die Kette von innen „bespeist“ wird. Durch die Fliehkraft wird das Öl von selbst nach außen und somit durch die Glieder gedrückt.
Habe auch schon eine Speisung von oben gesehen, halte diese aber nicht für sinnvoll, da meiner Ansicht nach das Öl ohne Wirkung weg geschleudert wird. Dementsprechend sah auch die Kette, die Felge und das Heck des Motorrads aus!

Sollte der Öl- Schlauch bei einer „aufgebockten“ Varadero gut sitzen, muß noch der Test mit Beladung erfolgen. Hierzu habe ich die Varadero mit zwei gut ernährten Personen besetzt und mal „Wippen“ lassen. Hierbei konnte ich feststellen, dass der Öl- Schlauch zu nah an den Krümmer kam und ich eine Korrektur der Verlegung durchführen mußte.

Anschließend wurden die Stellen der Schwinge penibel gereinigt, wo mittels Kleber die zurecht geschnittenen Schlauchhalterungen zu befestigen waren.

Dann den Scotti mit Öl füllen und letztendlich, an der Stelle des Befüllungsschlauchs, den Filter aufstecken.


Zu meinem Eigenbau:
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Eigentlich zähle ich zu der Kategorie „Ganzjahresfahrer“, wodurch ich auch entsprechend viele Kilometer im Jahr absolviere. Leider ist die Sonne ja nicht immer anwesend und auch „Duschbäder“ spülen das Öl aus der Kette. Da also bei größeren Etappen (über 1000 Kilometer) eigentlich eine Ersatzflasche mitgenommen werden sollte, dachte ich an einen Eigenbau.
Da, wie oben schon erwähnt, das Zusatzpaket vom Scotti mir an der Varadero nicht sinnvoll erschien und zu teuer war, habe ich folgende Lösung für alle Bastler, Viel- und Allwetter- Fahrer (hier speziell für Varadero Nutzer).

Unterhalb der Sitzbank befindet sich ein flaches Staufach. Darüber liegt eine Querstrebe, mit welcher die Sitzbank fixiert wird. Ich habe die leere Vorratsflasche genommen und unter diese Strebe geklemmt. Der separate Deckel mit dem Befüllungsschlauch für den Scotti ist ja anbei. Also den Filter vom Scotti nehmen und die Verbindung, regulär wie bei einer Nachfüllung, herstellen.
Damit sich der Gumminippel am Scotti nicht lösen kann, eine Lage Panzerband drum. Beim Klebeband aber darauf achten, dass der Kopf (Mengenstellrad) „frei“ gängig bleibt.

Im Anschluß habe ich, an der höchsten Stelle der eingeklemmten Flasche, ein 6er Loch gebohrt und den Filter dort herein gequetscht. Die Flasche anschließend bis zur Hälfte aufgefüllt und wieder eingesetzt. Das war es schon! Nun habe ich, neben der eigentlichen Füllmenge im Scotti, auch noch etwa 200ml Ketten- Öl in der Flasche. Und das Prinzip funktioniert wie bei der teuren Scott-Oiler Version.


Funktion:
°°°°°°°°°
Kann man eigentlich recht kurz und knapp darlegen.

Wenn der Motor gestartet wird, entsteht im Luftfilterkasten ein Unterdruck. Dieser Unterdruck wird dazu genutzt, das mechanische Ventil im Scotti anzuheben und somit den Ölfluß zu ermöglichen. Anhand der „normalen“ Schwerkraft läuft das Öl durch den Schlauch an das Endstück und tropft auf die Kette. Wird der Motor wieder abgestellt, fehlt der Unterdruck und das Ventil schließt sich automatisch. Das Prinzip ist simpel und effektiv.

Die Menge des Ölfluß wird durch das Stellrad am Kopf bestimmt. Je nach Stellung gibt die Membran mehr oder weniger den Weg frei.

Da auch dieses Öl an heißen Tagen eine bessere Fließeigenschaft (Viskosität) aufweist, sollte man die Stellung „gering“ wählen. Kommt nämlich zu viel Öl auf die Kette, wird die Hinterrad- Felge entsprechend gesprenkelt.
Bei Regen- und Geländefahrten sollte man etwas mehr „auf“ drehen, damit die Kette einen gleichmäßigen Ölfilm aufweisen kann. Gleiches gilt natürlich für den Winter, weil die Fließeigenschaft vermindert wird.

Für mich persönlich haben sich im Laufe der Zeit zwei Einstellungen herauskristallisiert. Diese habe ich mit Nagellack markiert.


Vorteile:
°°°°°°°°
Das Einfetten der Kette war für mich eigentlich nie ein Problem. Aber mit der Varadero wurde alles neu und somit könnte eigentlich auch das Pflegen der Kette ausfallen! Aber siehe unter Nachteile.

Der Verbrauch ist im Durchschnitt mit 50 ml pro 1000 km angegeben. Diesen Wert erreiche ich nicht einmal bei Regen- oder Geländefahrten. Mit einer Flasche konnte ich gute 20.000 km zurücklegen. Demnach benötige ich gerade mal die Hälfte!

Eine Prüfung des Füllstands vom Scotti ist, auch durch den Einbau, sehr einfach. Der Behälter besteht aus durchsichtigem Kunststoff und kann daher leicht „abgelesen“ werden.

Im Gelände kann man sogar eine selbständige Reinigung der Kette beobachten.

Nachdem ich den Scotti etwa 30.000 km gefahren habe, kann ich an der Kette nur einen geringen Verschleiß feststellen. Soll heißen, dass die Skala am Kettenspanner gerade mal kurz hinter neuwertig steht.
Im Hinblick darauf, das der Großteil der Kettensätze bei spätestens 25.000 km in den Mülleimer wandert, habe ich jetzt schon einen Vorteil von über 10.000 km. Da anzunehmen ist, das der Kettensatz mit seinem bisherigen Verschleiß noch mindestens die 45.000 km schafft, ist der Nutzen- / Kosten- Faktor mehr als voll erreicht.

Wer bei einer neuen Kette gleich mit dem Scotti umzugehen weiß, der kann bei einer Laufleistung von 100.000 km, mal eben bei der Varadero über 700,- Euro einsparen.


Nachteile:
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Der Preis, aktuell bei Polo 129,90 Euro, für so ein bißchen Plastik ist verdammt hoch. Aber spätestens das Einsparen eines Kettensatzes hat den Kauf gerechtfertigt.

Und der Preis einer neuen 500 ml Nachfüllflasche ist ebenfalls mit 10,95 Euro nicht von Pappe.

Markenbindung wird angeraten. Logisch. Aber wer gibt einem auch schon die Garantie, dass der Scotti auch funktioniert, wenn man „billiges“ Öl (zum Beispiel 0W- 30) nachfüllt?
Habe mal gehört, dass jemand Öl für Motorsägen als Ersatz nimmt. Dazu möchte ich hier besser nichts schreiben!

Ist die Ölmenge zu gering gewählt und wird die Kette nicht weiter von Hand gepflegt, rostet die Kette schnell von außen. Das ist allerdings nur ein optisches Problem, da die Schmierung in den Gliedern weiterhin erfolgt. Für mich ist es allerdings ein Problem, weil ich es immer „nacharbeiten“ muß. Deswegen ein Nachteil!

Wird die Ölmenge zu positiv eingestellt, kann als Nebeneffekt ein völlig neues Heckdesign entstehen. Da ich einmal nach einer 580 km Dauerregen- und Sturmfahrt den Scotti auf „halb“ stehen hatte und am Folgetag leider vergaß die Stellung wieder zurück zu nehmen, flog das Öl wirklich überall hin. Auch die Gore-Tex Kombis waren danach imprägniert. Leider!

Bis jeder für sich die richtige Einstellung des Scotti gefunden hat, bedarf es etwas Zeit und Übung.


Fazit:
°°°°°
Der Preis zur Anschaffung hemmt und die Nachfüllflaschen sind ebenfalls teuer. Aber wer einen Scotti besitzt, will ihn nicht mehr missen! Die ständige Zeit intensive Kontrolle einer Kette ist nicht mehr erforderlich und die Pflege beläuft sich auf ein Minimum! Der Verbrauch, kann man sicherlich auch als Nebenkosten bezeichnen, ist hervorragend gering und somit absolut akzeptabel.

Ein Kardanantrieb gilt, bis auf wenige Ausnahmen, als unverwüstlich, hat aber so seine Eigenarten. Er ist zu dem leider auch sehr teuer und schwer. Die Kette spart nicht nur Gewicht, sondern bietet auch einfach ein klasse Händling. Mit dem Scotti kann ich auf den Kardan gut verzichten.

Da die Einsparung eines Kettensatzes den Preis nach einiger Zeit relativiert, erhält der Scottoiler von mir die vollen fünf Sterne und ist aus meiner Sicht uneingeschränkt zu empfehlen.


PS: Sollte ich etwas in meinem Bericht übersehen haben, wäre ich für einen Hinweis dankbar!


Ride with pride
Vince

©Vince, 07.10.2003

   

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sehr hilfreich

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17.09.2000

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