Wird euch übel?
16.09.2002 (17.09.2002)
Pro:
einfache Anwendung, zeigt Wirkung
Kontra:
Wirkung umstritten
Empfehlenswert:
Ja
 DianaN
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
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Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich auf einer "Blauen Reise" sehr seekrank. Tabletten halfen nur noch bedingt und ich war im wahrsten Sinne des Wortes am Abkotzen! Da so eine "Blaue Reise" aber nicht abgebrochen werden kann, es sei denn es besteht Lebensgefahr für einen der Passagiere, musste etwas gegen meine Übelkeit unternommen werden. Doch was tun, wenn es einem wirklich schlecht geht? Das man sich hinlegen sollte ist klar. Der Wellengang wird dann auch nicht mehr so extrem wahrgenommen. Reisetabletten nehmen ist eine weitere Möglichkeit, doch wenn einem eh übel ist, bekommt man die auch nicht mehr herunter.
Auf Geheiß des Kapitäns Hayri bekam ich schwarze Oliven. Von denen wurde mir allerdings nur noch übler. Und er legte mir zwei Armbänder auf den Tisch! Auf die Frage hin, was das ist, zeigte er mir wie ich sie anzulegen hatte. Ich durfte sie während der ganzen Fahrt nicht mehr ablegen und ich gebe gut und gerne zu mit diesen Bändern veränderte sich langsam mein Befinden hin zu einem besseren. Da ich dieses Jahr wieder eine "Blaue Reise" machen wollte, begab ich mich auf die Suche nach jenen Armbändern. Doch was war mir noch in Erinnerung von ihnen? Sie waren grau, elastisch und hatten so etwas wie einen weißen Knopf, der mir permanent in das Armgelenk drückte. Da ich vor Jahren in einer Klinik arbeitete führte ich es auf eine Heilmethode zurück die mit Akupressur arbeitete.
Was ist Akupressur? Eine Physiotherapeutin aus der Klinik erklärte es mir damals so: Bei der Akupunktur gibt es bestimmte Punkte in die Nadeln gesteckt werden. Beschwerden wie z.B. Migräne werden dadurch gelindert. Die Akupressur handhabt dies nun so ähnlich. Die zu behandelnden Punkte sind die gleichen, jedoch wird nicht eine Nadel verwendet, sondern es wird Druck auf diese Stellen ausgeübt. Während Nadeln eine begrenzte Anwendungsdauer haben (wer will schon wie ein Igel herum gehen), ist die Akupressur ständig anwendbar, wie z.B. auf Seereisen. Wie habe ich es bekommen? Nun dem ging eine intensive Suche im Internet voraus. Mit Schlagwörtern wie "seasick", "acupressure" und "band" wurde ich fündig, denn auch andere Menschen leider sehr unter Seekrankheit. Irgendwann tauchte auch der Name "Seaband" auf und ich hatte endlich etwas Konkretes, dass mir weiterhelfen konnte. Ich fand die Internetseite http://www.sea-band.com/ und viele weitere nützliche Hinweise bis hin zur Geschichte des Bandes, wer es entwickelte und medizinischen Studien zur Wirkungsweise.
Bekommen habe ich das "Sea-Band" letztendlich in einer Apotheke. Die können es bequem bestellen. Gekostet hat es 13 EURO und sieht in seiner Packung enttäuschend klein aus. Eine Gebrauchsanweisung liegt bei. Wie wird das Band angewendet? Man legt es um beide Unterarme dreifingerbreit unter dem Handgelenk, so dass die "Knöpfe" auf der Innenseite des Unterarms sind. Ihr könnt den Punkt gerne mal selber suchen (ohne euch die Armbänder anlegen zu wollen). Also dreht eine Handfläche nach oben. Dann nehmt ihr von der anderen Hand den Zeige-, Mittel- und Ringfinger und legt sie unter dem Handteller an. Es ist fast so, als würde man versuchen den Puls zu messen. Der gesuchte Punkt befindet sich diese drei Finger unterhalb des Handtellers in der Mitte des Unterarmes. Drückt mal drauf. Es darf keine Ader eingeklemmt sein und der Punkt ist auch recht weich. Also genau zwischen den beiden Sehen zu den Muskelsträngen. Wer das jetzt nicht ganz nachvollziehen konnte, den darf ich beruhigen. Wie gesagt der Packung liegt eine Zeichnung bei, die die Anwendung gut erklärt.
Wie wirkt es? Ich für meinen Teil kann die Wirkung folgendermaßen beschreiben. Mir wurde nicht schlecht! ABER ich lege nicht vollstes Vertrauen in diese Art der Medizin. Das heißt solange mäßiger Wellengang war, habe ich auf weitere Reisemittel (wie z.B. Reisegold) verzichtet. Wenn es mir zu schaukelig wurde bin ich lieber auf Nr. Sicher gegangen und habe Medizin genommen. Die Wirkung dieses Bandes möchte ich jedoch nicht herunterspielen. Erstens kann es nicht gesund sein sich eine Woche lang mit Medikamenten zu zuschütten von denen man sich benommen fühlt. Zweitens spürte ich zweifellos eine Wirkung. Bei mir Äußerte sich die Wirkung folgendermaßen. Ohne Band (z.B. nach dem Baden oder Duschen) merkte ich, dass ich mich unsicher auf meinen Beinen fühlte. Ich reagierte sehr empfindlich auf jede Bewegung des Bootes und hatte ständig das Gefühl das Gleichgewicht zu verlieren. Legte ich die Bänder wieder an war nach 15-20 min nichts mehr von den Balancestörungen zu spüren und ich fühlte mich sicherer auf meinen Beinen. Da meine Bänder Nigelnagelneu waren hatte ich anfangs etwas Probleme mit der Elastizität. Des nachts und auch tagsüber sind mir die Hände "eingeschlafen" worauf hin ich die Bänder bis zur Besserung der Beschwerden ablegte. Gegen Ende der Reise waren sie so weit gedehnt, dass das tragen sehr angenehm war. Aber wenn ich nachts ohne die Bänder schlief, stellte ich etwas weiteres fest. Aufgrund der Lautstärke, die in den Buchten herrscht, ist es z.T. von Nöten Ohropax zu tragen. Wenn ich die Ohrstöpsel in den Ohren hatte, habe ich zwar das schwanken des Schiffes wieder stärker gespürt, aber es war immer noch soweit "gedämpft", dass mir nicht übel wurde. Da ich für gewöhnlich im liegen schlafe, wird die Schlafposition auch dazu beigetragen haben.
Was gibt es noch zu wissen? Die Wirkung dieses Bandes ist schlicht und ergreifend umstritten. Segler wie Bobby Schenk halten gar nichts davon. Ein Dr. med. A. Backhaus hat das Band an verschiedenen Personen getestet und hat eine erstaunlich gute Wirkung festgestellt. Unter der Internetseite http://www.akupressur-band.de/klinische-tests/klinisch-reise.html erfahrt ihr noch von weiteren Tests. Ob es bei euch oder euren Kindern hilft müsst ihr ganz einfach selber fest stellen. Mir hilft es!
Sollte es auf Einbildung beruhen, ist es für mich auch o.k., denn ich habe meine Reise genossen. Weitere Anwendungsgebiete sind Übelkeit beim Fliegen, Autofahren oder z.B. in der Schwangerschaft gegen die morgendliche Übelkeit. Es wird auch das Beispiel der Übelkeit durch Chemotherapie angeführt, aber zu all den Sachen kann ich nichts sagen, denn ich habe das Sea-Band (zum Glück) in den Lagen noch nicht testen müssen.
Vergessen möchte ich nicht zu erwähnen, dass es dieses Band auch in Kindergrößen gibt. Ich persönlich hätte mich als Kind gefreut, wenn ich so ein Band besessen hätte, denn auch als Kind leidet man darunter wenn einem bei jeder Gelegenheit schlecht wird. Ich denke da an wirklich üble Erlebnisse bei der Auto- bzw. Busfahrt. Seitdem sitze ich beim Bus vorne bzw. singe beim Autofahren ;o)
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12.11.2002 17:00
Sehr interessant... Zum Glück werde ich die Dinger wohl nie brauchen, da mir eigentlich nie schlecht wird.
01.11.2002 22:11
Das ist echt interessant, habe jetzt das erste mal davon gehört. Da ich auch das Problem habe, dass mir bei Busfahrten oder Flugreisen schlecht wird, werd ich die Dinger garantiert auch mal ausprobieren! Viele Grüße! KleineTeufelin
19.09.2002 21:45
"Blaue Reise"? Ich glaube nicht, dass Alkohol eine Lösung ist, Diana!