Pro:
Gelungene Milieustudie auf einer karibischen Insel; der Schreibstil mit Sex, Witz und Ironie; gutes Finale
Kontra:
Zu weit weg von einer reinen Kriminalgeschichte; teils unübersichtlich, da zu viele Personen skizziert werden; nicht so spannend wie die Vorgänger
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 171 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nimmt man mal die beiden vorangegangen Arbeiten des in Pacific Crove, Kalifornien beheimateten Autors Jonathan Nasaw her, so stellt sich ziemlich schnell heraus, dass vorliegende Kriminalstory ein wenig anders ist. Das fängt unzweifelhaft schon am eher an weiße Strände und vom Fernweh geprägten Schauplatz der Geschichte - den Virgin Islands - an, der so ganz und gar nicht ins düstere Bild einer Serienkillerhandlung passen will, die ja in den allermeisten Fällen in überaus düsterer Kulisse sich abzuspielen beginnt. Und selbst die rätselhaft beginnende Episode einer Voodoo- und Seelenwanderungs-Mystik von den karibischen Inseln, die mehr einem waschechten Abenteuerroman entsprungen scheint, lässt sich nicht so ohne weiteres mit der Jagd nach dem einen, ominösen Serienkiller in Einklang bringen, die schon so oft in Literarischer Form vom Stapel gelassen wurde.
Dennoch bleibt der Autor seinem Stil aus seinen Aufsehen erregenden Vorgängern in groben Zügen auch hier wieder treu: Der Leser wird schon sehr früh einiges über den Täter (ohne zu viel zu verraten: in diesem Fall sind es quasi mehrere) und seine Motivation die schrecklichen Verbrechen zu begehen in Erfahrung bringen. Von da ab greift schließlich das Handlungsgeschehen der Ermittlungen in bester "Colombo-Manier", das in sehr kurzen Abschnitten und somit sehr hohem Tempo erzählt wird. Hier ist vor allem das Katz-und-Maus-Spiel hervorzuheben, mit dem der ehemalige FBI-Agent Pender und einer der Hauptverdächtigen sich gegenseitig auszustechen versuchen. Hier gelingt es Nasaw ein weiteres Mal - recht ähnlich wie schon in seinen vorangegangenen Erzählungen - sogar einige Sympathie für den vermeintlichen Bösewicht heraus zu schinden. Eine Figur die eher aus dem Leben gegriffen scheint, und die genau betrachtet den tragischsten, und deshalb vielleicht auch interessantesten Charakter diese Story ausmacht, ohne halt stereotyp einfach nur Böse zu sein.
Weiterhin hört der Leser nicht nur, was dem jetzt sich im Ruhestand befindenden E.L. Pender, der sich eigentlich nur hin und wieder zu Vorlesungen über kriminalistische Methoden zur Verfügung stellt, in der Zwischenzeit so widerfahren ist, und dass es dem alternden Detektiv halt immer noch in den Fingern juckt, wenn er vor einem besonders kniffligen Aufgabe steht; sondern man erfährt auch einiges über die Bevölkerung, der sich aus einem bunten Sammelsurium zusammensetzenden Inselbewohner. Vor allen Dingen letzteres ist ohne Frage nicht uninteressant wiedergegeben. Hier merkt man schon, dass Nassaw weiß wovon er schreibt (der Autor verbrachte selbst einige Zeit auf den Virgin Islands), auch wenn dadurch die eigentliche Kriminalstory zeitweiße ein wenig ins stocken gerät. Dennoch sollte man besser die vorherigen Geschichten des ehemaligen FBI-Agenten schon gelesen haben, da der Autor hier vieles als gegeben voraussetzt, was die eigentliche Person Pender und seine Gewohnheiten (Stichwort Alkoholkonsum usw.) eigentlich ausmacht.
Vom hammerharter Brutalität, mit der noch Nasaws Vorläufer "Angstspiel" -, aber vor allem "Die Geduld der Spinne" nur so strotzten, ist indessen aber leider nicht mehr allzu viel zu spüren. Dafür ist diese Geschichte mit reichlich derbem Witz und einer gehörigen Portion Ironie durchzogen, die aber vor der schwierigen Aufgabe steht so manch auftretendes Spannungsloch überbrücken zu müssen. Erst gegen Ende läuft der Autor zu alter Hochform auf, wenn die Ereignisse auf einen zwar vorhersehbaren, aber immer noch atemlosen Showdown entgegenstreben, den man schon auf Grund eines augenzwinkernden Details ganz am Schluss, alles in allem als gelungen bezeichnen kann.
E. L. Pender ist ja von Anfang des Buches an gewissermaßen schon in Rente. Und nach diesem Abenteuer wünscht man ihm sicherlich, dass er seinen wohlverdienten Ruhestand jetzt auch wirklich antreten kann. Denn auftretende Ermüdungserscheinungen sind nach dieser Lektüre einfach nicht zu übersehen. Autor sowie sein Hauptdarsteller (auch wenn er seine Sache nicht wirklich schlecht macht) entfernten sich zeitweise einfach zu weit von eigentlichen Thema und ließen doch hin und wieder den rechten Biss vermissen, der für eine fesselnde Kriminalstory in meinen Augen einfach unabdingbar ist. Da helfen eingebrachtes Wissen über ermittlungstechnische Spitzfindigkeiten, die immerhin noch sehr schön zu lesen sind, und Praktiken über meist sexuell motivierte Abartigkeiten auch nur teilweiße über die vorherrschend leicht unausgegorene Handlung hinweg.
Jedenfalls wünsche ich dem charismatischen Ermittler mit den XXL- Körpermaßen und der extravaganten Art sich zu kleiden, nicht unbedingt das gleiche Schicksal wie das eines Berufsgenossen - einem gewissen Kommissar Wallander, der seine alten, geschundenen Knochen doch einige Male zu oft zum Schauplatz eines Kapitalverbrechens schleppen musste, und somit die Geduld des einen oder anderen Lesers überstrapazierte. Ein endgültiger Schlussstrich unter Palmen, und eine glutrote Sonne, die in malerischer, karibischer Schönheit untergeht... hier sollte man den Mut aufbringen und es einfach gut sein lassen.
Kann mich nur anschließen, habe Seelenesser jetzt fast durch, aber an Geduld der Spinne kommt es bei weitem nicht ran. Eigentlich mag ich Nasaws Schreibstil sehr gerne, allerdings ist mir dieses Buch dann doch schon fast zu pornografisch, oder kannst du mir erklären warum er ständig auf der imens großen Oberweite von der einen rumreitet(nicht wörtlich gemeint *grins*)?? LG manu
ölkerung auf den Virgin Islands. Allen Opfern fehlt die rechte Hand. Die Polizei versucht, die Fälle zu vertuschen, um den Tourismus auf der Insel nicht zu gefährden. Der...
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09.02.2007 17:56
Ja, manchmal ist es gut und Schluss.
17.08.2005 23:38
Kann mich nur anschließen, habe Seelenesser jetzt fast durch, aber an Geduld der Spinne kommt es bei weitem nicht ran. Eigentlich mag ich Nasaws Schreibstil sehr gerne, allerdings ist mir dieses Buch dann doch schon fast zu pornografisch, oder kannst du mir erklären warum er ständig auf der imens großen Oberweite von der einen rumreitet(nicht wörtlich gemeint *grins*)?? LG manu
13.08.2005 19:51
Hat mich neugierig gemacht. Shine On, Frank