Cityqueen ist über die Story erschüttert !
02.12.2008
Pro:
Sehr realistisch und aktuell
Kontra:
Das Preisleistungsverhältnis
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 cityqueen
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:506
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 364 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Liebe Leserinnen und Leser, heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, welches wirklich alles ist, außer lustig und humorvoll. Dieses Buch, über welches ich hier berichten möchte, heißt:
SEELENFICKER von der Autorin "Natascha"-Allgemeine Infos wie Preis und Beschaffung- Erschienen ist dieses Werk im Ubooks-Verlag im Jahr 2007. Der Verlag selbst ist unter der Internetadresse www.ubooks.de erreichbar oder auch unter der folgenden Postanschrift: Ubooks-Verlag Dieselstraße 1 86420 DiedorfDieses Buch hat die ISBN-Nummer 9783866080683 (für all diejenigen unter Euch, welche sich dieses Buch ebenfalls bestellen möchten) und hat mich beim Online-Shop www.buecher.de als Taschenbuchausgabe 9,95 Euro gekostet. Natürlich ist dieser Roman aber auch in jedem Bücherladen und / oder einer Bücherei erhältlich, so dass die Beschaffung an sich kein Problem darstellen dürfte. Insgesamt hat dieses Buch knapp 110 Seiten, so dass ich hier doch direkt am Anfang ein wenig das Preisleistungsverhältnis bemängeln möchte, da es für den Preis von fast 10 Euro doch recht wenig an zu lesenden Seiten hat. Daher werde ich hier einen Punkt von möglichen 5 zu vergebenen Punkten abziehen. Das Buch-Die Aufmachung des Buches- Die Gestaltung dieses Buches ist schon recht aussagekräftig für den Inhalt dieses Werkes. Auf der Vorderseite ist ein Mädchen abgebildet, welches nackt ist. Aufgrund seiner geduckten Sitzposition auf dem Boden stellt es aber keinerlei pornografischen Anblick beim Betrachten dar. Auf einen bebilderten oder bunten Hintergrund hat man hier total verzichtet, so dass wirklich nur das Mädchen zu erkennen ist als auch ein weißer, klinisch kalt wirkender Hintergrund. Der Gesichtsausdruck dieses Mädchens ist zugleich traurig als auch leer, so dass man sofort registriert, dass es nicht glücklich ist. Zudem sind die vielen Kratzer und Schnittwunden an den Armen auffällig. Diese Schnitte rühren vom Ritzen her, wie sich späterhin beim Lesen des Buchtextes herausstellen wird. Alles in allem empfinde ich das Bild auf dem Buch schon sehr deprimierend. Aber wie sich späterhin, beim Einlesen der Geschichte herausstellen wird: sehr passend. -Der Inhalt des Buches- Dieses Buch ist die nüchterne Geschichte von Natascha. Natascha ist 17 Jahre alt und befindet sich in einem Teufelskreis. Sie geht auf dem Babystrich anschaffen um sich Drogen zu kaufen. Gleichzeitig kauft und konsumiert sie die verschiedensten Drogen, um die Arbeit auf dem Babystrich besser verkraften zu können. Der Titel dieses Buches heißt "Seelenficker", da in der Kurzbeschreibung des Klappentextes schon auf den Tenor dieses Buches hingewiesen wird, welchen ich hier wie folgt zitieren darf:"Ich habe mir immer gedacht, wenn ich Drogen nehme, dann können sie ruhig meinen Körper fixxxn, dann sollen sie mit mir machen, was sie wollen. Denn ich hasse meinen Körper, der ist so fett und hässlich und unförmig und sowieso habe ich es nicht besser verdient. Doch in den Momenten, wenn die Drogen aufhören zu wirken, merke ich, dass die Leute auch meine Seele fixxxn. Das tut weh, nein, mehr noch, das zerstört, ohne zu zerstören, man bleibt übrig und weiß, dass man kaputt ist, unheilbar, und dass man damit leben muss…"
Meine Meinung-Realistische Erzählung- Ich selbst empfand dieses Buch als sehr erschütternd zu lesen. Die Geschichte von Natascha erinnerte mich zu anfangs erst ein wenig an das Buch und den gleichnamigen Film "Wir Kinder vom Bahnhof-Zoo". Auch hier wurde eine Geschichte aus dem ähnlichen Milieu geschrieben. Aber dieses Buch unterscheidet sich doch erheblich davon, da die Erzählerin vieles im Detail beschreibt. Besonders traurig empfand ich, dass Natascha dieses Leben eigentlich nicht möchte. Von der Mutter wurde sie nie anerkannt, sondern immer nur geschlagen und beleidigt, der geliebte Vater verließ früh die Familie und die nachfolgenden "Stief- Väter" missbrauchten sie dann, ohne dass die Mutter eingegriffen hat. So fühlt sich Natascha immer unter Wert und zu dick, obwohl sie laut eigenen Größen- und Gewichtsangaben für alle Leserinnen und Leser als Magersüchtig zu erkennen ist.-Gefühlte Hilflosigkeit- Während man dieses Buch liest hat man ständig das Gefühl Natascha helfen zu wollen, da man ihre Ausweglosigkeit erkennt. Die Schreibweise des Buchtextes ist oftmals auch sehr kindlich, so dass man die Hilferufe ihrerseits aus den einzelnen Situationen förmlich hören kann. Sie wird vom Zuhälter, hier Ticker genannt, aus- genutzt, geschlagen und missbraucht. Ebenso gibt es genügend Freier, welche sie über das "normale" Maß hinaus quälen und erniedrigen. Natascha beschreibt dies alles sehr genau, ohne hierbei pornografisch zu wirken. Für sie ist es der ganz normale Alltag im Leben einer Kinderprostituierten. Sie glaubt, dass sie ein anderes Leben nicht verdient hat…(vor allem, weil ihre Mutter, mit welcher sie hin- und wieder Kontakt hat ständig vorhält, dass Natascha keinerlei Werte besitzt, sondern nur Geld kostet und nervt…) Gerade deshalb bewundert man aber auch Natascha, denn obwohl ihr niemand in dieser Situation hilft, geht sie täglich zur Schule! Sie weiß, dass sie einen guten Schulabschluss braucht um späterhin ein einigermaßen gutes Leben führen zu können. Allerdings ist sie auch hier eine Außenseiterin, da die Mitschülerinnen erkennen, dass sie ständig auf Drogen, wie Heroin, Crystal etc. -Warnung vor Drogen aufgrund der negativen, hier vorgestellten Wirkungen- Auch die Wirkungen der verschiedensten Drogen werden hier nicht verharmlost. Die Erzählerin in diesem Buch erklärt ausführlich die verschiedensten Zustände, welche die einzelnen Drogen hervorrufen, ohne diese zu verharmlosen. So ist sich Natascha ständig bewusst, wie schlimm die Drogen sind, weiß sich aber keinen anderen Weg, um aus dieser für sie schlechten Welt zu entfliehen. Besonders erschütternd fand ich den Abschnitt, in welchem Natascha feststellt, dass sie von einem Freier schwanger geworden ist. Sie entscheidet sich für das Kind und einen kalten Entzug, welchen sie über einen Zeitraum von Tagen hinweg ausführlich mit allen aufkommenden Gefühlen und gesundheitlichen Zuständen erzählt. Beim Lesen selbst wird einem fast schlecht und man kann aufgrund der guten Schreibweise auch den körperlichen Schmerz nachempfinden. Aber ebenso empfindet man auch anschließende Lethargie und Depression nach, die Natasche überfällt, als sie während (aufgrund des kalten und harten) Entzugs und der damit verbundenen körperlichen Zusammenbrüche, das Baby anschließend verliert und somit wieder ihrem alten Leben nachgeht. Frei nach dem Motto: Ist ja eh alles egal …..
BesonderheitIn diesem Buch gibt es nicht nur die Geschichte von Natascha in üblicher Buchtext-Form. Sondern es sind überall noch kleine handschriftliche "Kritzeleien" vermerkt. Diese Kritzeleien haben mich an früher erinnert, wenn man in gelangweilten Situationen mal in seinem Heft ein paar Wörter, welche einem gerade so durch den Kopf gehen, aufgeschrieben hat. Kreuz und quer - mal verstärkt, mal fast unleserlich, mal groß, mal klein. Allerdings sollte man sich beim Lesen in diesem Buch bewusst sein, dass Natascha aufgrund ihres Umfeldes und dem täglichen Anschaffen auf dem Babystrich, nicht gerade den feinen Wortumgang pflegt. Sondern sie schreibt gnadenlos, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, auf, was ihr gerade so beim Erzählen der eigenen Geschichte noch so an Wörtern und Halbsätzen im Kopf herumgeistert. Diese Art, mit kleinen handschriftlichen Kritzeleien, einen Text zu "unterstreichen", kannte ich jetzt noch aus keinem anderen Buch. Aber aufgrund der hier gegebenen Geschichte eines 17-jährigen Mädchens, welches sich in solch einer milieuhaltigen Situation befindet, empfinde ich diese Randbemerkungen und schriftlichen Kurzäußerungen doch als absolut angebracht. Zudem unterstreichen diese in meinen Augen auch die hier zu lesenden Empfindungen, so dass ich als Leserin stets das Gefühl hatte, mit Natascha mitempfinden zu können.
HinweisDa ich selbst nicht weiß, ob es für dieses Buch eine Alterseinschränkung gibt, würde ich dieses doch eher für Kinder unter 16 Jahren nicht empfehlen. Natascha schreibt, wie von mir oben berichtet, sehr schonungslos und offen über ihre Erfahrungen auf dem Babystrich. So denke ich an dieser Stelle hier, dass es schon wichtig ist, dass jüngere Kinder dieses (zumindest nicht ohne passende Aufklärung / Erklärung der Eltern) lesen sollten, da sonst das allgemeine Männerbild ein wenig leiden könnte ;-)
FazitAls Leserin fühlte ich mich in jeder Passage und in jeder neuen Situation sehr von der Geschichte betroffen. Wer hier eine lustige und / oder unterhaltsame Geschichte erwartet, sollte sich dieses Buch nicht kaufen. Die Geschichte rund um das Leben von Natascha ist schonungslos ehrlich und direkt geschrieben. So dass man ständig das Gefühl hat, ihr helfen zu möchten und es hier keinerlei Situationen gibt, in welcher man mit der Hauptfigur tauschen möchte. Zudem unterstreichen die Randbemerkungen und "Kritzeleien" in meinen Augen doch sehr die gerade beschriebenen Situationen, in welchen Natascha lebt, so dass man jederzeit das Gefühl hat, diese mitzuerleben. Ich möchte schon behaupten, dass es sich hier um ein besonderes Werk handelt, welches ich nur aufgrund des Preises und der wenigen Seitenzahlen mit 4 Punkten statt mit zu 5 vergebenen Punkten auszeichnen möchte. Dementsprechend möchte ich diesem Buch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, da es sich in meinen Augen um eine sehr realistische und zeitnahe Literatur handelt. Eure Anita alias CITYQUEENP.S.: !!! Die Kategorie / Unterkategorie, in welcher dieses Buch hier zu finden war ist daher absolut unpassend !!!
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07.08.2010 02:15
Ein wunderbarer Bericht. Ich habe mir das Buch auf gut Glück bestellt und es ist erschütternd und macht nachdenklich. Ich bereue den Kauf auf keinen Fall.
13.07.2009 15:12
Guter Bericht. Ich habe das von dir erwähnte Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen. Vielleicht lese ich dieses Buch auch noch.
28.04.2009 14:30
eine tragische Geschichte....und leider musste ich über einen langen Zeitraum mich auch mit dieser schrecklichen Realität des Drogenkonsums auseinander setzten....zum Glück mit einem guten Ausgang und dafür werde ich mein Leben lang dankbar sein. Als Angehöriger eines geliebten Menschen geht man mit durch die Hölle. Besonders hilfreich ist für mich die Art und Weise wie du hier das Buch inhaltlich beschreibst und da passt ja auch die fehlende Leseprobe....bezüglich deiner Überlegungen des Jugendschutzes... wie ich meine sehr sinnvoll.....denn hier schreiben, lesen und bewerten, wie ich bisher wahrgenommen habe doch eine große Anzahl junger Menschen zum Teil sogar noch Kinder. glg