Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Evtl . Gemeinschaftsgeist |
| Kontra: |
Nun ja . . . siehe Bericht |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Liebe Leser/innen,
wie gern schwelgen wir manchmal in Erinnerungen, aber
nicht immer ist es einfach an Dinge erinnert zu werden, die man ganz tief, in die unterste Schublade seines Unterbewusstseins verdrängt hat. Manchmal ist es ganz gut, sie genau an diesem Ort schlummern zu lassen.
Der wolkenlose, blaue Frühlingshimmel spannt sich über meinen Garten, die Vögel zwitschern in ihren Nestern und die Wärme der Sonne tut saugut, nach dem langen Winter. Überall blühen die Frühlingsblumen in allen Farben und bunte Schmetterlinge tanzen über meine Wiese. Selbst meine tot geglaubten Kiwis sind zu neuem Leben erwacht und da es schon lange nicht mehr geregnet hat, will ich sie schnell gießen. Es ist ein Morgen, wie aus dem Bilderbuch. Ehemann und Kinder sind zur Arbeit und zur Schule, ich habe frei und kann mich um die Dinge kümmern, die mir Spaß machen. Aus dem Wald ruft der erste Kuckuck und ich stelle fast, dass ich in meiner Hosentasche kein Geld habe, denn ich bin noch im Schlafanzug. Nun ja, dann werde ich wohl auch in diesem Jahr nicht reich, aber das ist ja auch nicht unbedingt das erstrebenswerteste Lebensziel.
Während ich die Gießkanne fülle, mich auf den Tag freue und mir überlege, gleich in der Mittagshitze einfach eine Stunde in den See zu springen, klingelt es an meiner Haustür.
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Oh je, wer mag das sein....ich bin ja noch nicht mal angezogen. Mein Blick fällt auf die alte Pendeluhr im Wohnzimmer - 8.15 Uhr.
Egal, bei uns in Schweden kann man die Tür ruhig im Schlafanzug aufmachen. Als ich die Türe öffne, stehen zwei fremde Menschen vor mir - ein Mann und eine Frau.
Sie begrüßen mich freundlich und entschuldigen sich dafür, mich aus dem Bett geholt zu haben. Nein, nein:" Entgegne ich ihnen, ich bin schon seit 6 Uhr auf, aber ich war im Garten und habe das schöne Wetter ein bisschen genossen.
Ah ja, sagt die Frau, dass ist aber schön, wir genießen auch jeden Tag und freuen uns über die Sonne. Die Natur ist doch wunderbar und die vielen schönen Blumen in deinem Garten......
*denk...denk* Die werden doch nicht gekommen sein, um mit mir über das Wetter und meine Blumen zu diskutieren! Haben sie sich hier im Wald verlaufen? Wollen sie vielleicht per Telefon Hilfe rufen, weil sie mit dem Auto liegen geblieben sind? Ich wohne mitten im Wald, habe keine sichtbaren Nachbarn und zur nächsten Stadt ist es schon ein paar Kilometer.
Mein fragender Blick, entlockt ihnen ihr Anliegen.
Wir kommen im Auftrag Gottes, der uns befohlen hat, Jünger aus Menschen aller Nationen zu machen.
Im Auftrag Gottes? War der so nett, schon heute morgen, in aller Frühe eine SMS an die beiden zu schicken, mit der Weisung, fahrt mal in den Wald und erzählt dem Heidenkind Nr. 2988, dass es mich gibt und dass ich dafür zuständig bin, dass die Blumen in ihrem Garten wachsen?
Jünger aus Menschen aller Nationen.....
*boing* Mit einem mal sind sie alle wieder da, die Bilder vom Weltkongress der Zeugen Jehovas in München. Ich, als kleines Mädchen, an der Hand meiner Mutter, mitten in den Menschenmassen. Gähnende Langeweile für Kinder, die nicht verstehen, worum es überhaupt dort geht, still sitzen, artig sein, keinen Laut von sich geben dürfen, beten ohne Ende, komische Menschen um mich herum, böse Blicke, wenn ich mich bewege oder gähne. Täglich 8 Stunden, auf einem harten Stuhl, Rückenschmerzen, nachplappern von Parolen, die der Redner ins Mikro schreit, Liedchen aus einem Büchlein singen:
Jehovas Liebe zeigt, er ist uns zugeneigt.
Zur Erde sandte er sahainen Sohhhon....mir wird schlecht. Mama ich muss mich übergeben.
Jetzt nicht.....Jehova, Jehova, Jehova.... trallala.
Nachdem ich mich und mein Umfeld mit meinem Mageninhalt verschönert hatte, ließ man mich zur Toilette laufen.
Ich glaube nicht, dass mir der Gesang von über 60.000 Mitgliedern der Sekte der Zeugen Jehovas, den Mageninhalt hoch geholt hat, ich glaube viel eher, dass es daran lag, dass ich stundenlang, mit dem Kopf eines Grundschulkindes, versuchte zu errechnen, wie lange ich noch Zeit habe mit meinen geliebten Schulfreundinnen Gummitwist zu spielen, bis sie im Jahre 2000, beim großen Weltgericht (Harmargedon) , sterben müssen, weil sie die Wahrheit nicht kennen.
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Bitte…. was wollt ihr? Ich bin kein Jünger und ich werde auch nie einer werden!
Ich bin kein Freund der christlichen Glaubenslehren, denn sie lehren uns, uns damit zufrieden zu geben, dass wir die Welt nicht verstehen. (Falsche Antwort! Mit solch sanften Worten schreckt man keinen Zeugen Jehovas ab…im Gegenteil!)
Dann kommen wir ja genau richtig, bekomme ich zur Antwort. Lieb lächelnd beginnen die beiden, mir die Welt zu erklären. Jehova, ein Gott der Liebe, hat uns in seinem Bilde erschaffen und dann war da noch der böse Teufel, der die Eva zum Apfelgenuss verführt hat, denn Satan der Teufel ist der Widersacher Jehovas und wir dummen Menschen lassen uns so gern verführen. Wir sind wankelmütig, unstet, schnell beeinflussbar und sündig.
Ach ja? Ich dachte der liebe Gott hat uns nach seinem Ebenbild erschaffen….
Ja ja, aber nein, wir sind unvollkommen. Eva wurde zur Sünderin und wir wurden aus dem göttlichen Paradies verbannt. Seither müssen wir in Schmerz und Sorge leben und sterben.
Aber auf die Menschen, die nach seinem Willen gelebt haben, die Wahrheit kennen und sie beherzigen, wartet das Paradies.
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Wieder wandern meine Gedanken zurück in die Jahre, als ich ans Paradies glauben sollte.
Wir waren zuhause ganz normal evangelisch. Meine Eltern waren nicht sonderlich gläubig - mein Vater noch viel weniger als meine Mutter. Nur schwach erinnere ich mich daran, dass irgendwann mal Zeugen Jehovas vor unserer Haustür standen, die dann auch öfter kamen. Meine Mutter las mit ihnen in irgendwelchen Büchern und veränderte sich mehr und mehr.
Ich war ein Kind, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt, kümmerte mich wenig um den Besuch meiner Mutter und fand ihn eigentlich immer recht doof und störend. Sie waren anders, als der Besuch, den wir sonst bekamen. Wenn sie lachten, dann lachten sie nicht richtig, sondern eher wie die Tonbandstimme meiner Sprechpuppe. Sie schienen aber reges Interesse an mir zu haben, denn sie fragten mich nach meinen Freunden und schenkten mir verrückte Bücher, auf deren Titelseiten kleine Mädchen mit großen Löwen spielten oder sich lächelnde Riesenschlangen an Kinder kuschelten.
Mein Vater hielt sich von den neuen Freunden meiner Mutter fern, sagte ihr, dass er ihr überlasse, woran sie glaubt und mahnte mich zur Wachsamkeit. Auch ich bekam von meinem Vater die Freiheit zu glauben, woran ich wollte. Meine beiden älteren Brüder wollten mit den Zeugen nichts zu tun haben und belächelten die neuen Ideen meiner Mutter.
Vorwiegend kam zu uns ein Ehepaar (Siegfried und Erna), die mit meiner Mutter "studierten".
Sie hatten 2 Töchter, die etwas jünger waren als ich (Kerstin und Ramona).
Ab sofort sollte ich nur noch mit denen spielen, denn plötzlich waren wir kein Teil dieser Welt mehr. Die anderen Kinder waren "Weltliche" und von diesen Menschen sollte ich mich fern halten. Ramona war klasse und mit der spielte ich gern, aber Kerstin war zum Kotzen langweilig - eine Petze, die ich nicht leiden konnte.
Wie alle Kinder, freute ich mich jedes Jahr auf das Weihnachtsfest. In der Schule bastelten wir kleine Gestecke mit bunten Weihnachtsmännern aus Pappe, Tannenzweigen und Kerzen. Mein Gesteck wollte ich meiner Mutter schenken und freut mich darauf, sie ein bisschen überraschen zu können. Meine Lehrerin half beim Einpacken in ganz schönes Papier, mit Schleife und so rannte ich nach Hause, in fröhlicher Erwartung auf die Umarmung meiner Mutter. Daheim angekommen saß eine ganze Gruppe von Zeugen Jehovas in unserem Wohnzimmer. Ach, wie schön, dass wir deine Tochter auch mal kennen lernen, liebe Schwester. (Zeugen Jehovas sind alles Brüder und Schwestern) Du musst sie unbedingt mit in die Versammlung bringen. Das ist gut für Kinder in ihrem Alter, denn sonst wird sie zu weltlich.
Mir war das dumme Gerede egal, denn ich wollte meiner Mutter schnell ihr Geschenk geben, damit sie sich freut. Meine Mutter packte das Weihnachtsgesteck aus, sagte kein Wort und stellte es mitten auf den Tisch. Im Raum entwickelte sich eine ziemlich komische Stimmung, die mir Angst machte. Eine ältere Zeugin nahm mich am Arm und sagte, dass Weihnachten ein heidnisches Fest sei und ganz sicher kein Grund zum Feiern. Vom Teufel erfunden, hörte ich in der Runde und eine Zeugin steckte mein Gesteck in den offenen Kamin.
Meine Mutter blickte eingeschüchtert zu Boden, ohne ein Wort zu sagen.
Ich ging in mein Zimmer und heulte. Kurz darauf verabschiedeten sich die Zeugen im Flur und ich lauschte ihren Abschiedsworten.
Schwester, auf dich wartet eine harte Prüfung, aber bleibt standhaft und lass dich auch nicht von deiner Familie zur Sünde überreden. Gern kannst du, über die Weihnachtstage zu uns kommen, wenn deine Familie unbedingt Weihnachten feiern will. Die Kleine kannst du mitbringen, damit man auch sie retten kann.
Den Sinn dieser Worte verstand ich nicht, aber sie machten mir wieder Angst.
Als das Weihnachtsfest kam, war ich, wie immer freudig aufgeregt. Weihnachten war für uns Kinder immer das schönste Fest im ganzen Jahr. Der strahlende Weihnachtsbaum, die leckeren, selbstgebackenen Plätzchen, das Warten, bis das Glöckchen ertönt, die Überraschungen unterm Weihnachtsbaum, Freude, lieber Besuch von Opa und Oma, Weihnachtslieder singen, der schön geschmückte Tisch, an dem alle aßen und lachten und zum Abschluss noch Einschlafgeschichten von Trollen und Triefgurkern.
An diesem Weihnachtsfest sollte jedoch alles anders sein!
Am Morgen des Heiligen Abends saß mein Vater missmutig über seiner Zeitung. Meine Brüder waren in ihren Zimmern verschwunden und spielten Schach.
Meine Mutter war im Bad beschäftigt und kam frisch frisiert wieder raus. Sie holte für mich gute Sachen aus dem Schrank und sagte, ich solle mich fertig machen. Fertig machen, wozu?
Wir fahren gleich zu Siegfried und Erna. Du bleibst über die Feiertage bei ihnen.
Kommt Papa auch mit? Nein, der bleibt hier.
Und Opa und Oma? Kommen die auch nicht?
Nein, die kommen auch nicht!
Die Antworten meiner Mutter waren wie ein Messer mitten ins Herz. Warum sollte ich Weihnachten ohne meinen Papa verbringen und warum ist Opa nicht da, um mir neue Geschichten zu erzählen und wo sind überhaupt Omas Kekse?
Ich zog mich an und wollte schnell noch meinen Vater fragen, was das alles zu bedeuten hatte, aber bevor ich dazu kam, saß ich im Auto auf dem Weg zu den Zeugen.
Dort gab es keinen Weihnachtsbaum. Niemand sang Weihnachtslieder. Niemand verteilte Geschenke. Ich hatte mir doch so sehr eine Laubsäge gewünscht……
Die Stille am Essenstisch wurde nur durch Gebete unterbrochen. Siegfried und Erna machten einen auf witzig und lustig, um mir zu zeigen, wie schön es doch sein kann, auch ohne Weihnachtsfest, aber mein Blick wanderte immer durch die gläserne Balkontür nach draußen, wo ich in erleuchteten Häusern, die Weihnachtsbäume glitzern sah und mir vorstellte, wie traurig jetzt mein Papa zuhause sein würde.
Später erfuhr ich, dass mein Vater mit meinen Brüdern zu Opa und Oma gefahren war, um dort Weihnachten zu feiern. Wie gern wäre ich bei ihnen gewesen!
Stattdessen hatte ich ein Nicht-Weihnachtsprogramm im Hause der Zeugen Jehovas, die übermütig, bei einem Gläschen Wein schlüpfrige Witzchen erzählten und sich köstlich amüsierten, wenn sie sich über die dumme Welt austauschten und den Rat der 144000 Zeugen Jehovas, die als himmlische Regierung an Gottes Seite, nach Harmargedon diese Erde regieren werden. Ein Paradies wird kommen und Gott wird nur die Zeugen Jehovas darin überleben lassen, weil sie die einzigen sind, die die Wahrheit kennen und danach leben.
Schon als kleines Kind habe ich mir an diesem Weihnachtsfest fest vorgenommen, den lieben Gott zu bitten, mich lieber sterben zu lassen, als ewig mit den Zeugen in ihrem Paradies leben zu müssen.
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Die letzten Worte der beiden Hausierer, die mir gerade überfreundlich den lieben Gott an der Haustür verkaufen wollten, drangen wieder an meine Ohren.
"Unser himmlischer Vater, ein Gott der Liebe, der sich um seine Kinder sorgt! Auch du kannst gerettet werden. Sieh dir die Welt doch mal an. Kriege, Morde, Falschheit und Betrug sind an der Tagesordnung. Ist es da nicht viel schöner, sich einem liebenden Gott zu widmen, in Frieden und Glück zu leben und später in die neue Ordnung aufgenommen zu werden?
Nein, ist es nicht, gab ich schroff zur Antwort!
Ihr kommt hier an meine Tür und versucht mir zu erzählen, dass Gott ein liebender Vater ist?
Ihr Bibelforscher….kennt ihr die Bibel etwas selber nicht?
Euer Gott ist ein frauenfeindlicher, rassistischer, mordender, widerwärtiger, größenwahnsinniger und boshafter Tyrann. In keinem Buch dieser Welt habe ich schlimmere, brutalere, heimtückischere und verabscheuungswürdigere Dinge zu lesen bekommen, als in der Bibel. Osama bin Laden ist gegen euren Gott ein Weisenknabe, was Gewalttaten, Brutalität und Heintücke betrifft.
Welcher Vater fügt seinen Kindern so viel unbeschreibliches Leid zu, wie Gott Hiob? Und das nur, um dem Teufel zu beweisen, dass sein Kind ihm nicht ins Gesicht fluchen wird, wenn der Vater seine ganze Familie ausrottet?
Welcher Vater, der im Kopf ganz gesund ist, betreibt einen hirnlosen Machtkampf auf Kosten seiner geliebten Kinder?
Fluten, die fast alle seine Kinder ausrotteten, weil sie nicht artig waren und nicht nach den Geboten des Vaters lebten. Feuer hat er vom Himmel geschickt, weil die Menschen in seinen Augen so schlecht waren, Kriege angezettelt und eine Frau zur Satzsäule erstarren lassen, weil sie sich umgedreht hat, was der liebende Vater auch verboten hatte. Und das ist nur ein winzig kleiner Teil, seiner Gräueltaten des alten Testamentes!
Ich bin inzwischen selber Mutter zweier Söhne, die ich mehr liebe, als mein Augenlicht. Ich sehe es, als eine meiner wichtigsten Aufgaben, die Kinder zu behüten, sie zu schützen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn sie das möchten, ihnen den Rücken zu stärken und sie loszulassen, wenn sie alt genug sind, um auf eigenen Füßen zu stehen.
Es wäre für mich, und dabei sollte man bedenken, dass ich nur ein kleiner unbedeutender Mensch bin, unmöglich, meine Kinder bewusst ungleich zu behandeln, sie mit derart brutalen Strafen zu belegen, sie zu töten, weil sie ungehorsam waren oder ihnen ein Leid anzutun, um irgendjemandem zu beweisen, dass mein Kinder mich lieben.
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In Gottes Universum hat alles seinen Sinn, bekomme ich zur Antwort.
Gott gab den Menschen die 10 Gebote, als Richtschnur, nach der wir leben sollen und wenn wir die befolgen, wird es uns nicht schlecht im Leben ergehen. Er hat das Recht die Sünder zu bestrafen und Gehorsam von ihnen zu fordern, denn er ist der Schöpfer des Universums und der Menschen.
Mein Gott, wenn du das jetzt hören würdest, vielleicht würde auch bei dir, wie bei mir im Moment, der Magensaft kochen.
Müde und gelangweilt frage ich, wohl wissend, dass meine Worte diese Menschen sowieso nicht erreichen, welche Sünden die vielen hungernden Kinder in der 3. Welt begangen haben sollen und wofür der liebende Vater im Himmel, die vielen kleinen Kinder auf den Krebsstationen bestrafen möchte.
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Dann sehe ich mich wieder an der Hand meiner Mutter, gefolgt von der inzwischen liebsten Freundin meiner Mutter, dieser Erna, durch Wuppertal laufen, um mir die passende Kleidung zu besorgen. Hoch geschlossene Kleidchen, deren Länge bis übers Knie reichen musste.
Die Bilder erscheinen mir, als wäre es erst gestern gewesen. Die große Stadt und der fremde, lustige, kleine Junge neben mir an der roten Ampel, der so eifrig an seinem Lutscher kaute und mit meinem gierigen Blick wohl Mitleid zu haben schien, reichte mir seinen besabberten Lutscher mit den Worten: Hier beiß mal.
Wow, ein tolles Angebot und ich biss kräftig hinein. Wir beide waren so sehr mit dem Lutscher beschäftigt, dass wir die Grünphase der Ampel verpassten. Unsere Mütter waren plötzlich auf der anderen Straßenseite und der Junge rannte hinter seiner Mutter her. Quietschende Autoreifen, ein Riesenknall und plötzlich ganz viel Aufregung unter den Erwachsenen. Ich sah den Rest vom Lutscher in einer Blutlache, neben dem regungslosen Jungen. Meine Mutter kam über die Straße geeilt, nahm mich in die Arme und weinte. Sie war sehr froh, dass ich nicht einfach über die Straße gelaufen war.
Erna kam zu uns und sie war irgendwie völlig ungerührt. Es war eben Gottes Wille, dass das passiert war. Mir hatte der liebe Gott einfach nur einen Schutzengel geschickt, weil ich ja jetzt in der Wahrheit lebte und kein Teil dieser Welt mehr war……
Daheim berichtete ich meinem Vater aufgeregt was passiert war und fragte ihn, ob man denn so einen Unfall überleben kann, wenn doch alles Blut aus einem Menschen raus gelaufen ist.
Mein Vater versuchte mir auf kindliche Art den Schreck zu nehmen und erklärte mir, dass man das Blut wieder auffüllen könnte.
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Was mir die Zeugen Jehovas zu diesem Thema erklärten, war für mich als Kind so erschreckend, dass ich panische Angst bekam, mich irgendwo zu verletzen. Sie würden es nicht zulassen, dass ihr Kind durch eine Transfusion gerettet werden könnte. Sie lassen ihre Kinder lieber sterben, als ihnen die nötige Hilfe zukommen zu lassen, weil sie davon überzeugt sind, eine schwere Sünde zu begehen, wenn sie eine Bluttransfusion bekommen. Blut ist Leben und für sie steckt die Seele im Blut.
Sie belegen diese unsinnige Idee mit Bibelstellen aus ihrer eigenen Bibel, die gewiss nicht an allen Stellen mit den gängigen Bibeln übereinstimmt! Gegen diese Aussage wehren sich die Zeugen Jehovas mit Händen und Füßen, aber jeder normale Mensch fragt sich, warum man denn überhaupt eine eigene Bibel kreieren muss, wenn doch sowieso dasselbe drin steht, als in allen anderen.
Als kleines Mädchen habe ich mir damals so sehr gewünscht, dass die Eltern des kleinen Jungen, der so großzügig seinen Lutscher mit mir teilte, keine Zeugen Jehovas waren und er gerettet werden konnte.
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Im Alter von 12 Jahren hatte ich die Nase voll, mir immer wieder Bibelstellen unter die Nase halten zu lassen, die genau vorschrieben war ich zu tun hatte. Gab es diese Bibelstellen überhaupt?
Für mich stand auch der Konfirmandenunterricht an und irgendwie sollte ich mich entscheiden, auf welche Seite ich gehöre.
4 Jahre hatte ich jeden Sonntag im Königreichssaal der Zeugen zugebracht und Dinge erlebt, die man als Kind nicht erleben sollte. Zeugen, die einen "Fehler" begangen hatten, sich scheiden ließen oder nicht das taten, was die Versammlung von ihnen wünschte, wurden ausgeschlossen, mussten öffentlich bereuen und ein Jahr auf der "Eselsbank" zubringen. Niemand redete mit ihnen oder beachtete sie. Nach einem Jahr "guter Führung" wurden sie gnädig wieder in die Gemeinschaft aufgenommen.
Kindergeburtstage oder Geburtstage allgemein gab es nicht, denn Jesus hatte seinen Geburtstag auch nicht gefeiert.
Es gab aber nette Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas, bei denen man sich gegenseitig ermunterte, belobigte, im "Glauben stärkte" und darüber diskutierte, wie man den Staat dazu bewegen könnte, die Kirchensteuer direkt vom Gehalt der Jünger einzubehalten.
Ich musste also eine Entscheidung bezüglich meiner Glaubenszugehörigkeit treffen. Darauf hin zu arbeiten, mich von den Zeugen Jehovas taufen zu lassen, lehnte ich ab, obwohl alle darauf drängten.
Da ich mir viele Jahre lang den größten Unsinn, bezüglich Gott und seinem angeblichen Willen, angehört hatte, beschloss ich der Sache selber auf den Grund zu gehen und begann die Bibel von vorne bis hinten durchzulesen. Ich wollte Zusammenhänge erfassen, Hintergründe kennen lernen und nicht nur, aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke. Ich wollte verstehen lernen, was es mit diesem Buch auf sich hat. Nach 6 Monaten hatte ich die Bibel durch und war ein ganzes Stück weiter gekommen auf meiner Suche. Ich las sie trotzdem noch ein 2. Mal von vorne bis hinten durch.
Nun ja, die Bibel ist gewiss ein Buch, das für mich wunderbar den Zeitgeist der damaligen Schreiber wieder spiegelt, aber mehr auch nicht! Ein Struwwelpeter für Erwachsene, denn wenn du nicht….dann aber. Sie dient den Zeugen als Richtschnur, in ihrer ganz eigenen Betrachtungs- und Interpretationsweise, wie eben den meisten anderen Glaubensgemeinschaften auch.
Das ist der Grund, weshalb ich keiner Religion angehöre und auch nicht an den Teufel, den Lieben Gott oder ein kommendes Paradies glaube, in dem ich ewig leben soll. Ich würde auch stark anzweifeln wenn mir jemand sagt, dass in meinem Garten weiße Elefanten stehen oder ein Ufo auf meinem Dach gelandet ist.
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Dadurch, dass sich die Zeugen Jehovas sehr stark von den "Weltlichen" ausgrenzen, leben sie in ihrer eigenen Welt, erfassen das wirkliche Geschehen um sich herum nicht und sehen selbst Flutkatastrophen, Erdbeben oder Kriege nur als eine Bestätigung ihrer Weltuntergangstheorie. Die Endzeit ist gekommen. Davon sind sie überzeugt!
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25 Jahre später:
Erna und Siegfried sind inzwischen geschieden. Eine schmutzigere und unfairere Scheidung habe ich nie zuvor erlebt. Zu ihren 3 Töchtern (eine kam noch hinzu) haben sie nur einen sehr seltsamen Kontakt. Kerstin hatte ihrer Mutter, nachdem sie einige Jahre spurlos verschwunden war, aufgelauert und sie auf offener Straße verprügelt. Ramona lebt etwas hipp in 5. unglücklicher Beziehung, mit einem Mann, der sie schlägt und will mit den Eltern nichts mehr zu tun haben. Siegfried wechselt die Frauen, so oft er kann und lässt es sich mit dem Geld der Frauen gut gehen. Erna hat wieder einen Zeugen geheiratet und der haut ihr so oft wie nötig eins auf die Nase.
Meine Mutter lieb bis zu ihrem Tod bei den Zeugen Jehovas - mit den Jahren aber in immer mehr abgespeckter Form. Sie beklagte, dass sie in der Versammlung immer so viel Geld spenden müsste. Als sie starb, waren natürlich alle Brüder und Schwestern sehr betroffen. Sie kümmerten sich um die Beerdigung. Ich durfte zahlen, aber das Ersparte meiner Mutter war verschwunden und tauchte auch nie wieder auf.
Die Verhältnisse, unter denen heranwachsende Zeugen Jehovas oft leben müssen, sind der Öffentlichkeit nur wenig bekannt, weil nach außen immer nur die heile Welt präsentiert wird.
Diese Welt ist aber alles andere als heil!
Menschen, die in schwierigen Situationen stecken, werden zur leichten Beute, denn sie suchen Trost und Hilfe. Wirkliche Hilfe werden sie bei den Zeugen Jehovas nicht finden, aber zumindest eine Gehirnwäsche, die so manches zunächst erleichtert.
Ich habe hier in meinem Bericht und auch im Beispiel Erna und Siegfried, nur einen ganz kleinen Ausschnitt der Lebensumstände und Bedingungen, der Zeugen Jehovas aufgezeigt.
Ich hätte auch hundert andere Beispiele anbringen könne, die mir noch sehr gut in meiner Erinnerung sind.
Fazit:
Finder weg, auch wenn die Kacke im Leben mal so richtig kocht, denn als selbständig denkender Mensch hat man bei den Zeugen Jehovas nicht zu lachen und auch nichts zu suchen!
Ich habe hohen Respekt vor Menschen, die in ihrem Glauben fest verankert sind und ihr Leben aus tiefer Überzeugung einer humanitären Sache widmen. Ich ziehe meinen Hut vor den Menschen, die sich nicht zu schade sind, in der 3. Welt Hilfe zu leisten, und selber in Armut leben, um ihren Menschenbrüdern ein lebenswerteres Leben zu ermöglichen und ich danke all den Menschen, die für ihre Überzeugung einstehen und keine Mühe scheuen, um diese Welt ein bisschen menschenfreundlicher zu gestalten.
Frieden in irgendeinem Glauben zu finden ist keine verurteilungswürdige Sache!
Zeugen Jehovas gehören nicht zu dieser Kategorie! Sie helfen einander, aber mit dem Rest der Welt haben sie nichts zu tun, weil sie ja die Auserwählten sind, die sich von der Welt bzw. von allem weltlichen distanzieren müssen.
Ich danke euch fürs Lesen, Beurteilen und freu mich schon auf die Kommentare!
Liebe Grüße
Gudrun
| weitere Erfahrungsberichte |
Das ist war schon fast Pervers
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grosser1
Pro: Bildet euch selbst eine Meinung
Kontra: Abstand halten von diesen ......
Da waren sie wieder die Gedanken , über das nicht erklärbare , über Dinge die ich als Kind nicht fassen konnte und als Vater nicht verstehen wollte . Auslöser war, das ich dieser Tage einen Bericht von Gudy2 ( Hart an der Grenze ) über ihre Kindheit bei ...
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sehr hilfreich
24.06.2008
(15.02.2010)
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Lasst Euch nicht blenden!
Bewertung für Sekten von
Rheinkieker
Pro: Siehe Bericht
Kontra: Siehe Bericht
Vorgeschichte Ich wage es einmal, über ein Thema zu schreiben, was nicht Jedem gefällt. Für alle lieben Freunde bei Ciao werde ich über Zusammentreffen mit den Zeugen Jehovas berichten, und meine Gefühle hier gedanklich niederschreiben. Meine ers ...
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sehr hilfreich
27.04.2009
(28.04.2009)
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Zeugen Jehovas-Warnung vor einer Sekte
Bewertung für Sekten von
chicoline
Pro: nichts
Kontra: s. Bericht
Hallo, liebe Ciao-Gemeinde,
ich möchte heute einmal etwas über die bekannteste Glaubensgemeinschaft Deutschlands schreiben, die Zeugen Jehovas. Durch eine Arbeitskollegin, die aktive Zeugin Jehovas ist, bin ich mit dieser Gruppe in Berührung gekommen. Ic ...
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sehr hilfreich
14.03.2004
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Die Kinder Gottes "Warnung!"+update
Bewertung für Sekten von
Langenscheidt
Pro: mir fällt nichts ein!
Kontra: Wo soll ich anfangen!
Teil 1(Der Gottesdienst)############################
Hallo Leute,
ich weiß nicht wie die meisten von euch sich einen Bericht über eine Sekte wünschen, aber hier möchte ich euch einen Bericht hinterlassen über eine Sekte in die ich geboren wurde. ...
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sehr hilfreich
08.11.2005
(21.11.2005)
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finger weg......
Bewertung für Sekten von
angelohnx
Pro: nichts
Kontra: alles
hallo, insgesamt gesehen, ist der charismatische glauben , so wie er in der BGG z.b. in stuttgart gelehrt wird, augenwischerei meiner meinungt nach. viel heuchelei, viel zu viel esoterisches nach allen regeln der kunst! Panikmache inklusive. gerne w ...
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sehr hilfreich
17.08.2007
(29.12.2009)
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