Sennheiser "Made in Fernost"... (Update)
30.10.2006
Pro:
Guter Klang, gute Schalldämmung, Tragekomfort
Kontra:
Preis, steife und sehr kurze Kabel
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Klang
Verarbeitung
Tragekomfort
mehr
 Almstedt
Über sich:
Juhuuu!!!! Mehr als 150.000 Lesungen meiner Berichte und immerhin 4,2% davon stammen sogar von CIAO-...
Mitglied seit:12.07.2004
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Da habe ich mich aber mal überraschen lassen... Dass Sennheiser nicht mehr alles nur in Deutschland bauen lässt ist mir schon seit der Überraschung meines HD-25 Studio-Kopfhörers bekannt, der zwar in Deutschland entwickelt, aber in Irland gebaut wird. Seit ich vor einer Woche die mir bis dato unbekannten Sennheiser CX-300 InEar Hörer für 49,99€ bei einem SATURN-Markt in Wien erworben habe (in Regensburg verlangt der SATURN Markt aktuell sogar unverschämte 69,99€), war mir allerdings unbekannt, dass Sennheiser inzwischen aber sogar in Fernost entwickelte und gebaute Ohrhörer für seine Produktpalette einfach nur zukauft. Die Verpackung verschweigt beim zweiten Lesen der Daten keineswegs das Herkunftsland China, aber nicht nur die Produktion dieses feinmechanischen Präzisionswerkes erfolgte in China...
Zu meiner Überraschung ist der eigentliche Hörer des CX-300 nämlich baugleich zum bereits vorher von mir getesteten und hier auf CIAO beschriebenen Creative Labs EP 630. Sowohl im Wirkungsgrad als auch im Klangbild ließen sich keine Unterschiede feststellen, auch wenn die angegebenen technischen Daten von Sennheiser einen "überlegenen" Hörer vermuten ließen. In der Praxis ist davon auch nach einer Woche "Einspielzeit" für den Hörer nichts zu bemerken… - von den klaren, einigermaßen druckvollen Bässen, über die leicht verhangen klingenden oberen Mitten bis hin zu den im Vergleich zu den SONY InEar Hörern vergleichsweise gut aufgelösten Höhen ähneln sich beide Hörer wie eineiige Zwillinge… Die Unterschiede liegen lediglich in einem unterschiedlichen Anschlusskabel, das allerdings für den Sennheiser mehr Nachteile als Vorteile bedeutet. Erstens ist das Kabel des EX-300 durch die asymmetrische Kabelführung effektiv gerade einmal einen guten Meter lang (1,05m links, 1,38m rechts) und zweitens ist es deutlich unflexibler und störrischer als das Kabel des Creative EP 630. Der 3,5mm Klinkenstecker ist beim Sennheiser auch nicht wie beim Creative vergoldet, dafür aber zumindest um 90° abgewinkelt gebaut, was die Belastung der Kopfhörerbuchse im Mobileinsatz immerhin deutlich reduziert.
****************************** Erster Eindruck: ****************************** Die relativ kompakte Verpackung lässt sich auch ohne schweres Werkzeug öffnen (einfach den Pappdeckel an der Rückseite der Klarsicht-Kunstoffverpackung abziehen) und auch einfach getrennt in Papier und Kunststoff entsorgen. Die Umweltbelastung hält sich damit in noch erträglichen Grenzen. Enthalten sind nach Öffnen ein kleiner Kunstoffbeutel mit dem Hörer und ein weiterer Kunstoffbeutel mit weiteren Silikon-Ohrstöpseln in den Größen S und L (die mittlere Größe ist bereits vormontiert). Das war's, mehr Schnickschnack wird nicht geboten… Beim Sennheiser CX-300 handelt es sich um einen so genannten "In-Ear"-Hörer oder "Ohrkanalhörer", wie Sennheiser die Bauweise bezeichnet. Wie der Name schon sagt, werden solche Hörer nicht wie die üblichen allseits bekannten EarBuds (Knopfhörer) in die Ohrmuschel "geklemmt" (Aua!), sondern in den Gehörgang eingeführt. Die in drei Größen mitgelieferten weichen Silikon-Stopfen sorgen zum einen für festen Sitz und angenehmen Tragekomfort, zum anderen schirmen sie Außengeräusche (meistens erfreulicherweise) stark ab. Selbst ein heftig röhrender Staubsauger im Nebenzimmer verschwindet schon bei mittleren Musik-Lautstärken im akustischen Nirwana... Wer so einen Kopfhörer im Straßenverkehr trägt, sollte vorher eine gute Lebensversicherung für seine Liebsten abschließen...
Die Vorteile in Sachen Tragekomfort, Schalldämmung und Sporttauglichkeit werden allerdings durch einen physikalischen Nachteil erkauft: auf Grund der winzigen Bauweise ist die Membranfläche des Schallwandlers lächerlich klein - gerade einmal 9mm im Durchmesser! Erhältlich ist dieser Hörer in drei Farbvarianten: silber, schwarz und weiß, wobei letzterer meistens 5€ bis 10€ teurer verkauft wird als die beiden anderen Farbvarianten. Anscheinend hat der Handel wohl die Erfahrung gemacht, dass alles was in "Apple-weiß" angeboten wird überwiegend von Konsumenten gekauft wird, denen Preis und Leistung sowieso nicht so wichtig sind… ;o)) ********************************************** Der Hörtest: ********************************************** Zuhause angekommen, habe ich die Sennheiser CX-300 über meinen bekannten Testparcours mit Creative Labs ZEN Nano plus, Creative Labs MuVo2, Sony MD-701 und Sharp MD-20MT geschickt, sowie kontrollhalber auch über meinen Laptop und per Adapter auch über meinen Yamaha Studio-Verstärker abgehört, wobei letzterer nicht speziell auf niederohmige (16 Ohm) Kopfhörer abgestimmt ist und mit diesen immer ein wenig schärfer klingt als mit hochohmigen (300 Ohm) Studiokopfhörern.
Ebenso wie der Creative EP 630 wirkt der Sennheiser CX-300 vom Lautstärkeempfinden her als sehr potent. Mit einer Empfindlichkeit von angegebenen 112db/1mV ist der Hörer bei gleicher Ausgangsleistung um einiges lauter als zum Beispiel ein SONY MDR-EX71 oder MDR-EX51. Da der EX-300 auf Grund seiner Konstruktion Umgebungsgeräusche stark dämpft und die Schallwandler sehr nah am Trommelfell schwingen, ist die damit erzielbare subjektive Lautstärke noch einmal deutlich höher als bei einem "normalen" Ohr- oder Kopfhörer mit ähnlicher Empfindlichkeit. Man kann somit auch mit "schwachbrüstigen" MP3-Playern leise Jazz- oder Kammermusik hören, ohne das Pianissimo-Passagen permanent in der Stille "absaufen". Die Kehrseite der Medaille ist, dass man mit dem EX-300 auch hört, dass viele schwächere MP3-Player doch recht stark rauschen… Anders als in den technischen Daten von Sennheiser angegeben, handelt es sich übrigens beim EX-300 keineswegs um ein offenes sondern um ein geschlossenes Audio-System. Dadurch ist dieser Hörer durchaus "Bibliothekstauglich". Auch bei lautstarker Rockmusik dringt nicht einmal ein Säuseln zu etwaigen in der Nähe befindlichen Mitmenschen durch!
Im ersten Moment des Hörtests musste ich fast grinsen, klang der Hörer doch genau wie der Creative EP-630 tendenziell ein wenig nach "Plastiktröte" mit einem Peak um die 3kHz herum. Aber auch der Sennheiser klingt nach kurzer Einspielzeit deutlich ausgewogener als im Neuzustand und punktet dann mit einer guten, strahlenden und relativ fein auflösenden Höhenwiedergabe. Schlagzeugbesen werden fein ziseliert und glitzernd wiedergegeben und Triangeln kann man sogar beim Ausschwingen zuhören - undenkbar zum Beispiel bei den Sony InEar Hörern! Der Bass kommt kräftig aber nicht zu fett und deckt damit den unteren Mittenbereich nicht zu, was etwas präziser klingt als bei anderen Ohrhörern ohne wirklich präziser zu sein, nachzuhören mit "Jonas Hellborg - Solo Bass". Bei heftigem Bass-Gewitter (Earth, Wind&Fire), senke ich die tiefsten Frequenzen schon einmal um 1-2dB ab, um dem Treiben im mittleren Frequenzbereich besser folgen zu können. Mittlere Frequenzen (Stimmen, Gitarren, etc.) kommen über den Sennheiser EX-300 auch recht luftig und mit brauchbarer Feindynamik in die Gehörgänge, es stellt sich bei guten Aufnahmen sogar so etwas wie eine räumliche Wiedergabe ein, der Klang klebt nicht so sehr an den Membranen wie bei anderen Hörern. Chöre oder BigBands werden vom EX-300 recht gut durchhörbar dargestellt, auch wenn gerade hier der Abstand zum einem "richtigen" Mobilkopfhörer wie dem Sennheiser PX 200 doch noch recht groß ist. Dies ist offensichtlich ein Tribut an die "moderne" Klangabstimmung mit kräftigen Bässen, die wichtige Rauminformationen überdecken. Hier hat der Sennheiser PX 200 mit seiner eher "schlanken" und linearen Abstimmung dann doch einen großen Vorsprung. Im Vergleich zum Sennheiser MX 500 Ohrhörer punktet der EX 300 mit besserer Dynamik und höherer Lautstärke, klanglich ist auch hier der MX 500 Ohrhörer ein wenig schlanker abgestimmt, ohne das ich jetzt in dieser Disziplin einen eindeutigen Sieger küren würde.
Auch beim Sport ist der Hörer brauchbar, auch wenn die mechanischen Geräusche, die Kabel bei Bewegungen immer generieren, nicht ganz so gut gedämpft werden wie beim Creative EP 630. Allerdings sitzt auch der EX-300 gleichzeitig bequem und bombenfest beim joggen - vorausgesetzt das doch recht kurz geratene Kabel schränkt die Verstaumöglichkeiten nicht zu sehr ein - bis zur Hosentasche reicht das Kabel bei mir nicht, da muss schon die Laufjacke oder -weste entsprechende Taschen bieten. *************************** Technische Daten: ***************************
Bezeichnung: CX 300 black Artikel-Nr.: 500830 Audioübertragungsbereich: 18Hz - 21kHz Kabellänge Asymmetrical, L: 170 mm; R: 510 mm, (850 mm divider to plug) Impedanz: 16 Ohm Schalldruckpegel bei 1kHz: 112 dB (1 kHz, 1 Vrms) Klinkenstecker: 3,5 mm stereo (angled) Ankopplung an das Ohr: intraaural (ear canal fit) Wandlerprinzip: dynamic, open
-Asymmetrisches Kabel - Zwei Jahre Garantie - Lieferumfang 1 CX 300 black Ohrkanalhörer 1 Ohradapter-Set (S/M/L) (Die technischen Daten stammen wie immer von der Homepage des Herstellers, in diesem Falle www.sennheiser.com und sind mitsamt Fehlern übernommen worden.)
************************************ Fazit: ************************************ Der Sennheiser EX 300 zieht klanglich gleich mit meiner bisherigen Ohrhörer-Referenz Creative EP 630 und muss sich erst meinem (etwas teureren und erheblich größeren) Sennheiser PX 200 geschlagen geben. Lediglich auf Grund seines kurzen und störrischen Kabels und weil er im Schnitt deutlich teurer verkauft wird als der Creative EP 630 reduziere ich die Bewertung auf knappe 4 von 5 Sterne und belasse den Creative EP 630 als alleinigen Throninhaber… Immerhin kann ich dem Sennheiser EX 300 in meinem Kopfhörer-Fuhrpark von mittlerweile über 30 Modellen in der Kategorie Ohrhörer/Leichtkopfhörer noch ein befriedigendes bis gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen, auch wenn ich ihn auf Grund seines vergleichsweise überzogenen Preises von ca. 42€ bis 70€ nicht mehr empfehlen möchte. Der meiner Meinung nach etwas komfortablere und gleichgut klingende Creative EP 630 kostet zur Zeit im Internet gerade noch25€ bis 39€ und mein neuer Creative Labs ZEN Aurvana (siehe separater Test) ist für nur wenig mehr (ab 70€) zu haben, spielt klangmäßig aber in einer völlig anderen Liga.
Das war's mal wieder von mir. Vielen Dank für euer Interesse und bis demnächst in diesem Theater... ;o)) (C) 2006 Bernd Almstedt
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09.09.2008 22:59
Absolut perfekter Bericht
28.12.2007 09:01
*seufz* da geht mir doch das Herz auf! Danke für diesen schönen Bericht - der kann nur bh bedeuten! Ich persönlich stufe den CX300 noch ein bissl besser ein, erfreue mich jedoch an deiner bildhaften Beschreibung und teile deine Meinung in den allermeisten Fällen. Interressant finde ich die bei mehreren Usern wiederkehrende Aussage, daß der EP630 Bau- und klanggleich ist - Widerspricht das doch dem Test der Fachzeitschrift Audio 02/2006 (willste PDF?) - der auch von einem Arbeitskollegen bestätigt wurde. Ich selber hatte leider noch nicht das Vergnügen, beide zu vergleichen. PS. Da du offensichtlich Spaß am Hören hast: Schau dir mal meinen Bericht über den Denon AH-C 551 an - den solltest du mal probehören :-) LG Rainer
28.05.2007 21:31
Toller Bericht von Dir. Nun für den guten Klang bist Du sicher schon geschult und kannst am besten einschätzen und beurteilen, was für die Ohren gut ist und was nicht. Nach vielen Recherchen im Netz über geeignete Kopfhörer, bin ich immerwieder bei dem Fabrikanten Sennheiser hängen geblieben. Es scheint, als ob diese das Beste auf dem Markt darstellen, oder? Verblüffend ist das Bild zu diesen Hörern von Dir, sehen sie doch aus wie die von meinem Sony Erricson Walkman-Handy. Diese haben wirklich ein satten Klang, trotz ihrer Größe. In diesem Sinne, viele Grüße Mike.