In diesem Bericht geht es um mein Leben vom 9. bis zum 11. Lebensjahr.
Ich werde meine persönlichen Erfahrungen in diesem Bericht preisgeben, Fakten oder Ähnliches werdet ihr also nicht vorfinden.
Es geht um mein Schicksal.
Es war der Vater meiner ehemals besten Freundin.Am besten ich fange ganz von vorne an.
Alles begann in den Sommerferien 1996.
Ich fuhr mit meiner ehemals besten Freundin, deren Vater und deren Schwester mitsamt Verlobten in die Sommerferien.
Ich hatte mich schon lange auf diesen Urlaub gefreut, da es mein erster Urlaub ohne meine Eltern werden würde. Ich ahnte nicht wie dieser Urlaub mein Leben für immer verändern würde.
Es begann alles in der 4. Nacht, wir (meine ehemalige Freundin, ihr Vater und ich) mussten wegen eines Buchungsfehlers zusammen in einem Bett schlafen.
Aus Zufall lag ich in dieser Nacht in der Mitte.
Ich schlief schon fast, als ich etwas großes, festes und fremdes auf meinem Bauch spürte.
Es war seine Hand.
Er strich mir über den Körper, nach oben, nach unten, immer wieder.
Ich war gerade erst 9 Jahre alt und wusste nicht was da vor sich ging. Ich wusste nicht was ich machen sollte und tat so als ob ich schlief.Diese Berührungen häuften sich, sie wurden immer öfter und immer intensiver.
Es sollten nicht die letzten Berührungen bleiben...
Ab dieser Nacht verlangte er, dass ich immer in der Mitte schlafen solle. Er begründete dies damit, dass seine Tochter zu unruhig schlafen würde.Als nach drei Wochen der Urlaub endlich vorbei war, hatte ich die Hoffnung, dass mit dem Urlaub auch diese Berührungen aufhören würden.
Diese Hoffnung erwies sich nicht nur als falsch, sondern als genau das Gegenteil von dem was folgte.
Im Urlaub hat er meinen ganzen Körper ausnahmslos angefasst und meine Hand in seinen Genitalbereich gedrückt.Die nächsten zwei Jahre waren wohl die schlimmsten meines Lebens.
Meine Eltern arbeiteten drei mal die Woche, dadurch war ich an zwei Tagen allein in der Wohnung.
Jede Woche, jeden Monat, zwei Jahre lang immer wieder die gleiche Situation.
Ich saß am Fenster und versuchte sogar den Drang auf Klo zu Gehen zu Unterdrücken. Ich saß ganz still da, bewegte mich nicht weg. Keine Sekunde. Ich versteckte mich hinter der Gardine, damit er mich nicht sah, nicht sah, dass ich Zuhause war.
Er stieg aus, aus aus seinem Auto, der erste Blick ging immer gierig in die Richtung unseres Wohnzimmerfensters ich hatte immer das Gefühl, als würde er merken, dass ich hinter der Gardine kauerte.
Es war immer das gleiche, es begann ein Lauf quer durch die Wohnung, in die hinterste Ecke meines Zimmers. Rauf auf das Hochbett, unter die Decke. Die Ohren fest zugedrückt damit ich das ständige Klingeln der Haustür nicht hörte.
In meinem Hals immer der Schrei, der erstickt wurde von der Angst, dass er merken würde, dass ich Zuhause war.
Dann war alles still, für ein paar Augenblicke, bis das Telefon immer wieder, scheinbar eine Ewigkeit klingelte.
Ich hatte Angst davor, dass er mich wieder anfassen würde. Angst vor der Frage die er mir immer stellte wenn ich mich streubte.
Die Frage: "Magst du mich denn nicht? Das ist ganz normal wenn man sich lieb hat."
Ich werde diese Frage nie vergessen können.
Das Festhalten, die Berührungen überall, die Panik einer 9 jährigen, wenn sie sexuell mißbraucht wird.
Das alles brachte mich dazu zu Essen, essen um dicker zu Werden. Ich war besessen von dem Wunsch dicker zu Werden, denn vielleicht mochte er mich dann ja nicht mehr.Die verzweifelten Versuche Bodys oder zwei Hosen übereinander anzuziehen, um die Berührungen aufzuhalten, auch wenn es sich nur um Sekunden oder Minuten handelte.
Ich hielt diese Mißhandlung zwei Jahre lang aus.
Ich weinte in der Nacht wenn mich niemand hörte und morgens wenn Mama & Papa das Haus verließen.Ich hielt es aus zu schweigen, keinem etwas zu sagen, denn wenn ich was sagte, wären Mama & Papa so enttäuscht von mir, dass sie mich nicht mehr gewollt hätten, sagte er.
In diesen zwei jahren wurde ich vom unbeschwerten und frohem Kind zu einer nachdenklichen Jugendlichen.Seit fast 2 1/2 Jahren kämpfe ich nun gegen meine Magersucht.
Ich wiege im Moment nur 37 kg!
Ich sagte erst etwas, als er am 10.08.1998 von mir verlangte, seinen Penis in den Mund zu nehmen, alles beschrieb er mit den Worten:
" Lutsch ihn einfach wie einen Lutscher, irgedwann kommt dann eine Überraschung raus... Aber beiß nicht rein, dann werd ich böse!"Es sollte der lezte Tag sein an dem er mich berührte.
An diesem Abend ging ich zu meinen Eltern und erzählte ihnen von meinen jahrelangen Qualen.
Meine Eltern gaben beide ihre Jobs auf und wir zogen drei Wochen später nach Hamburg, sie wollten vor dem alten Leben fliehen und ein ganz neues Leben beginnen.
Es war nicht so einfach, wie sich später herausstellte...Er kam vor Gericht und wurde verurteilt.
Meine größte Angst ist wohl, ihn irgendwann wieder zu begegnen, aus Zufall vielleicht, wenn er seine Strafe abgesessen hat.
Ich empfinde nur Abscheu und Hass für diesen Mann.
Die Ehe meiner Eltern ging vor drei Jahren in die Brüche. Meine Mutter machte sich nur noch Selbstvorwürfe und litt an Schlafstörungen und Depressionen. Sie kam mit der Situation nicht klar.
Sie zog zu ihren Eltern zurück nach Frankfurt.
Ich lebe heute mit meinem Vater in einer kleinen Wohnung in Hamburg.Ich habe es bis jetzt teilweise verarbeitet. Ich habe es soweit verarbeitet, dass ich mit einigen,sehr wenigen, Freunden drüber sprechen oder schreiben konnte.
Davon, dass ich hier angemeldet bin und Berichte schreibe, weiß aber niemand.
Manchmal kommen noch immer die Gefühle und Bilder hoch.
Manchmal habe ich Albträume und wache mitten in der Nacht schweißgebadet auf, dann weiß ich wovon ich geträumt habe.Das, was mir der Vater meiner ehemals besten Freundin angetan hat, werde ich ihm weder verzeihen noch verstehen oder vergessen können.
Er wird nie gut machen können was er getan hat. Er wird nie gut machen können, dass er mir meine Jugend und einen großen Teil meines Lebens zerstört hat.
Und nicht nur mein Leben, sondern auch das meiner Familie (besonders das meiner Mutter) und das seiner Töchter.
Mein Vater hat mir Gestern berichtet, dass wir in zwei Monaten nach Kiel ziehen.
Er hofft, dass es mir dadurch besser geht.
Ich kämpfe weiter.
Blurry!PS: Ich weiß nicht wie viele Kinder und Jugendliche diese oder ähnliche Qualen durchleiden mussten, die Dunkelziffer ist viel zu hoch.
Aber ich weiß eins, jedes einzelne Schiksal dieser Art ist eins zu viel.
NACHTRAG:
Nach vielen schlaflosen Nächten und Tagen an denen ich nichts anderes konnte als an mein jetziges Leben zu denken, beschloss ich mich einen sehr großen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, ich habe zwar schon viel erreicht was dieses Thema betrifft aber noch nicht genug, was mir z.B. meine Magersucht beweist.
Ich habe mich zu einer Therapeutin begeben. Ich werde Ende Juni eine Therapie anfangen um das geschehene noch weiter verarbeiten zu können. Ich hoffe und glaube fest daran, dass es mir gelingen wird.
Ein großer und starker halt sind mir immernoch meine Freunde. Danke.
BLURRY
01.06.2003 14:25
Ein sehr offener Bericht, der wieder einmal zeigt, wie oft es sich bei den Tätern um Bekannte handelt...!!! Wohnst du jetzt schon in Kiel?? Ich wohne nämlich in einem Ort in der Nähe von Kiel! Ich wünsche dir, dass du deine Magersucht in den Griff kriegst und das Ganze irgendwann einmal verarbeiten kannst!! LG Chellcy
24.05.2003 18:32
Es tut mir unendlich leid, zu lesen, was Dir widerfahren ist. Alles Liebe, Gaby
20.05.2003 01:09
Das ist ja alles total schrecklich.. :-( Solchen Männern gegenüber empfinde ich auch wirklich nur Hass! Deine Eltern haben aber wirklich toll reagiert...das finde ich echt schön.. Ich wünsche dir alles, alles Gute und hoffe, dass du es schaffen wirst, deine Magersucht zu besiegen.. Sei stark, zeige Lebensmut - auch wenn das schwer fällt! Alles, alles Liebe, Claudia