Das Buch "Shanghai Baby" ist der halbbiographische Erstlingsroman der jungen chinesischen Autorin Wei Hui; nachdem es lange Zeit die Bestsellerliste angeführt hatte, wurde es schließlich von der Partei auf den Index gesetzt, woraufhin sogar Bücherverbrennungen stattfanden.
Ich bin auf das Buch durch die Empfehlung eines Freundes aufmerksam geworden und kann nachdem ich es innerhalb von 3 Tagen gelesen habe schon einmal vorweg nehmen, dass es mir äußerst gut gefallen hat.
Die StoryDas Buch handelt von der jungen Schrifstellerin Coco, die während der Arbeiten an ihrem ersten Roman nach dem Abschluss an der Fudan- Universität in einem Café arbeitet. Dort lernt sie den zarten melancholischen Künstler Tiantian kennen, die beiden verlieben sich ineinander und bereits nach kurzer Zeit zieht Coco in Tiantians Wohnung, die von seiner in Spanien lebenden Mutter finanziert wird.
Die beiden verbindet innige Liebe und tiefes Verständnis füreinander, allerdings spielt sich ihre Bindung hauptsächlich auf psychischer Ebene ab, denn Tiantian ist impotent.
Bei einer Freunding lernt Coco dann den attraktiven erfolgreichen Mark kennen, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre beginnt, und somit eine Art Ausgleich zu Tiantia schafft.
Zwischen diesen beiden Männern treibend versucht Coco nun ihren Roman zu schreiben und sich selbst zu finden, was jedoch mit Problemen und Hindernissen verbunden ist..
Some Might Say...Das mag vielleicht nicht sonderlich spannend klingen, aber Wei Hui hat es geschafft mich vollkommen in ihren Bann zu ziehen.
Ich war sehr fasziniert von der jungen Coco, die in einer äußerst schwierigen Zeit veruscht ihren Weg zu machen, im Hinterkopf eigentlich immer wissend, dass sie etwas falsches tut, indem sie ihren Freund betrügt, es jedoch letztendlich fast schon tuen muß, da ihre zwar sehr zärtliche Beziehung zu Tiantina letztendlich unbefriedigend ist.
Wei Hui beschreibt diese Zerissenheit auf eindringliche Weise, die einfach vollkommen ehrlich und aufrichtig wirkt, man merkt, dass ein Teil dieser Dinge wirklich passiert sein muß, um so darüber schreiben zu können.
Besonders die Tatsache dass die "Romanheldin" selbst ein Buch schreibt und zum Teil schon damit rechnet, dass es damit Probleme geben könnte, weil sie offen über ein Leben bestehend aus Musik, Kunst, Sex und teilweise auch Drogen schreibt, finde ich faszinierden, denn letztendlich wurde das "reale" Buch von Wei Hui - welches ebenfalls diese Dinge thematisiert - in China verboten. Die Schriftstellerin muß geahnt haben, was sie mit ihrem Buch in China "anrichtet".
Aus meiner Sicht kann ich nicht wirklich nachvollziehen, warum die Kommunistische Partei so auf das Buch reagierte, aber ich bin letzendlich auch in Deutschland geboren und aufgewachsen und habe somit eine andere Erziehung in einer anderen Kultur genossen. Für mich gibt es in diesem Buch nichts Anrüchiges oder Verbotenes, über Sex wird zwar geschrieben, aber auch nicht ausführlicher oder anzüglicher als in anderen Romanen, die ich las. Auch die Tatsache das freie Sexualität im Sinne von Fremdgehen und Homosexualität eine Rolle spielen ist nichts weltbewegendes.
Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es in China, welches soweit ich das beurteilen kann schon konservativer und traditionsbewußter ist als Deutschland schon für Aufsehen gesorgt hat, wenn so offen über ein Thema wie Sex und Beziehungen in allen Varianten gesprochen wird. Außerdem könnte auch der stark westliche Bezug ein Knackpunkt sein, Coco und andere Figuren scheinen fast ausschließlich Musik aus unserem Kulturkreis zu hören, von Techno und House, Portishead und Iggy Pop ist die Rede.
Die einzelnen Kapitel fangen mit inhaltlich passenden Zitaten bzw. Songtexten auch meist westlicher Größen an, darunter Suede, The Beatles und Marylin Monroe.
Ich habe aus diesem Buch auch definitiv etwas mitgenommen, denn ich habe mehr über eine Kultur erfahren, die ich zugegebenermaßen so nicht eingeschätzt hätte: letztendlich scheinen die Menschen jüngerer Generationen dort auch nicht anders zu sein als wir hier, sie gehen auf Parties, tanzen, trinken, nehmen Drogen, lieben, haben Sex, betrügen, haben Spaß und Probleme - und dies wird dem Leser am Beispiel einer interessanten außergewöhlichen jungen Frau und den Menschen, mit denen sie zu tun hat, denen sie begegnet vor Augen geführt.
Mich hat dieses Buch die ganzen 317 Seiten über wirklich gefesselt, denn ich mußte einfach wissen wie es im Leben von Coco weitergeht.
ÄußerlichkeitenDa ich das Buch nur von einem Freund geliehen habe, kann ich leider keine Angaben zum Kaufpreis machen, es handelt sich allerdings um eine gebundene Ausgabe, die soweit ich weiß zwischen 20-30 Euro kosten.
(Habe gerade gesehen, dass es bei Amazon.de für 8,95 € erhältlich ist - so kann man sich irren..)
Das Cover ist recht dezent, es zeigt etwas mehr als die Hälfte des Gesichtes und Halses einer attraktiven jungen Asiatin, am rechten Rand sind einige chinesische Schriftzeichen untereinander aufgereiht zu sehen, relativ mittig im unteren Berich des Covers prangt in großen weißen Buchstaben der Name des Buches, daneben etwas kleiner der Name der Autorin.
Das Cover ist insgesamt leicht grünstichig, lediglich der geschminkte Mund der Frau strahl rot, und auch die chinesischen zeichen sind rötlich.
EmpfehlungIch würde diese Buch als Mischung aus Selbstfindungs-, Liebes- und Kulturroman bezeichnen, wobei letzteres eher hintergründig eine Rolle spielt, wer sich also dafür interessiert, ist mit "Shanghai Baby" bestens bedient.
P.S.Ich habe mich mit diesem Buch zum ertsen Mal in meinem Leben an eine Art Buchrezension gemacht, daher würd ich mir über Kritik, Verbesserungsvorschläge und eventuelles Lobe sehr freuen, im Übrigen auch über Meinungen anderer, die dieses Buch gelesen haben!
16.08.2003 11:30
Was? Du willst Kritik zu deinem ersten Bücherbericht? Und, was wenn ich dir keine geben will, weil der Bericht klasse ist;)? Ist er nämlich! Wirklich sehr schön! Inhalt, eigene Meinung, Empfehlung, etwas über die Autorin, so gefällt mir das! Und überzeugt hast du mich auch. Hab bald GEburtstag und muss langsam mal Bücher sammeln! Das klingt gar nicht so übel! mary
16.08.2003 10:02
Erstmal fand ich den bericht gar nich schlecht, eigentlich sehr gut auch wenn es bsser gewesen wäre ein bisschen mehr die handlung zu erwähnen, aber manchmal sollte man lieber nciht zuviel verraten. Ich selber liebe solche chinsesichen oder japanischen Bücher, aber das kannte ich leider noch nicht und werde mir es wohl mal gelegentlich beschaffen oder mal in der Bücherei aufsuchen. Darum danke ich dir erstmal das du es hier vorgestellt hast und so den Leuten wie mir dieses Buch nicht vorenthalten blieb. Ich würde mich auf ein Gegenbesuch freuen, hab dich in meine CIS genommen. Viel Spaß weiterhin MFG Sushini
16.08.2003 01:50
Na, für's erste Mal ist das doch schon ein prima Einstieg. Und dass die jungen Chinesen sich gar nicht soooo sehr von den Leuten hier unterscheiden - das muss auch mal langsam rüberkommen. Bei den "schwierigen Zeiten" gehe ich allerdings nur begrenzt konform. Immerhin geht es da drüben steil aufwärts, wenn auch sicherlich der Kampf mit den Traditionen (noch) viel härter ist als hierzulande...