Sherlock Holmes auf der "Spur der Erwachten"!
19.01.2007
Pro:
Story, Schauplätze atmosphärisch, teils originelle Rätsel
Kontra:
Bedienung grausam, Tristesse, wo gehts weiter?
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 Cava_2
Über sich:
Mitglied seit:19.09.2006
Erfahrungsberichte:121
Vertrauende:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 38 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Sherlock Holmes: Die Spur der Erwachten Sherlock Holmes: The Awakened PC (2006)
Genre: Adventure Von: Frogwares / Focus Home Interactive Mit gemischten Gefühlen erinnern wir uns zurück an das letzte PC-Abenteuer des weltberühmten Detektivs Sherlock Holmes - "Das Geheimnis des silbernen Ohrrings" versprühte zwar Charme, hatte aber neben unnötig zähen Rätseln auch ein relativ schwaches Charakterdesign. Die Verkaufszahlen waren allerdings enorm, weshalb Frogwares nun erneut versucht hat, im dritten Anlauf dem guten Holmes endlich mal wieder ein richtig gutes Spiel zu gönnen. Und? Nun, guter Vorsatz mager ausgeführt: "Die Spur der Erwachten" klaut frivol beim schaurig-spannenden "Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth" und ist dank Uralt-Technik weder auf der Höhe der Zeit noch sonderlich attraktiv.
Als überall auf der Welt und schließlich auch in London Leute spurlos verschwinden, ist Großbritanniens Geheimwaffe gegen Gangster, sprich: Sherlock Holmes, gefragt. Der begibt sich zusammen mit seinem treuen Freund Dr. Watson auf die Spur der Erwachten, die ihn quer durch die Schweiz, New Orleans und Schottland sowie ein düsteres Asylum führt. Nach und nach finden die beiden mehr über eine Sekte heraus, die dem kultigen Gott Cthulhu huldigt ... - Gameplay -
Zugegebenermaßen ist man ganz entzückt, wenn die Kamera zur Eröffnung durch London fährt und schließlich in der weltberühmten Baker Street landet, aber worauf man zunächst nicht achtet, ist die gähnende Leere, die auf den Straßen der Stadt herrscht. Die lernt man umso schneller kennen, wenn Holmes sich nach seinem selbstmitleidigen Monolog nach draußen begibt. Und dann erfährt man auch ziemlich schnell im kurzen, ersten Kapitel von "Die Spur der Erwachten", warum das Spiel einem vermutlich nur überschaubare Freude bereiten wird. Ganz wie in einem Ego-Shooter läuft man durch unnötig umfangreiche, aber immerhin oft ganz interessante Gegenden, denen jegliche Art von Leben zu fehlen scheint, immer auf der Suche nach dem nächsten winzigen Hotspot, der einen voranbringt oder auch nicht. Viel anfassen kann man in der Welt von "Die Spur der Erwachten" wahrlich nicht, was einen in Verbindung mit der oftmals sehr dunklen Grafik schnell zur Verzweiflung treiben kann. Die Geschichte erzählt sich streng linear durch viele Zwischensequenzen, in denen man dank der fast nie überspringbaren und langsam gesprochenen Dialoge oft zu ermüdendem Zusehen gezwungen ist.
Die Rätsel hingegen sind zum Teil dank der verwendeten Physikengine recht originell, wenn man oft auch gar nicht weiß, was denn zu tun ist, weil einem das Spiel meist in den größten Gebieten am wenigsten Hilfen gibt. Das kann schnell zu viel nerviger Lauferei führen und die Minimap mit anwählbaren Orten ist nur manchmal hilfreich. Die Logik krankt zudem von Zeit zu Zeit, etwa wenn Holmes eine riesige Leiter oder einen Amboss mit sich herumträgt. Außerdem erscheinen Holmes manche Gegenstände erst wichtig, wenn er einen Grund dafür sieht. Welche Gegenstände das sind, erscheint dem Spieler wiederum oft willkürlich. Und am Ende eines Kapitels steht nun kein Fragebogen mehr wie in "Das Geheimnis des silbernen Ohrrings", dafür jeweils eine einzige Frage, deren Antwort man meist aus Holmes' zahlreichen Notizen und anderen Dokumenten erschließen muss - in einem Dialog, der sich nicht einmal zum Hauptmenü abbrechen lässt. Ein großer Makel des Spiels ist sicherlich die scheinbare Uralt-Technik. Allein eine Weile zu rennen ist nahezu unmöglich, weil das Spiel nach jedem Dialog vergisst, dass man eigentlich eben den Toggle zum Rennen gedrückt hatte. Das frustriert schon am Hafen von London extrem, da man immer und immer wieder dazu gezwungen ist, die gleiche Taste zu drücken, sofern man sich angemessen schnell bewegen will. Zur fummeligen Steuerung gesellen sich dann einige leichtfertige Fehler wie teils zu kleine Schriften auf Dokumenten, der unausgegorene Einsatz von Items oder dass man ohne Warnung sterben bzw. scheitern kann und dann wieder beim letzten Speicherstand anfangen muss. Immerhin darf man frei speichern.
Wie man sieht, entpuppt sich "Die Spur der Erwachten" als müde Kopie des um Äonen stimmungsvolleren "Call of Cthulhu". Dort ist zwar die Steuerung auch nicht gerade des Spielers Freund, aber dafür stimmt die Story und Inszenierung absolut. Sogar die nervenzerreißende Verfolgungsjagd aus "Call of Cthulhu" wurde schamlos kopiert; trotzdem erweist sich gerade die Verfolgung eines Diebes über die Dächer von New Orleans als die wohl beste Szene des ganzen Spiels. - Grafik -
Die optische Umsetzung des neuen Sherlock Holmes-Adventures zeigt sich recht zwiespältig. Durch die 3D-Engine wirken die verschiedenen Schauplätze steril und leblos, dafür überzeugen zumindest die Texturen und die im Grunde interessant dargestellte Spielwelt. New Orleans zum Beispiel ist wunderschön eingefangen, selbst wenn kaum irgendwo jemand zu sehen ist - genau wie überall sonst im Spiel. Nicht gut abgestimmt wurde der Gamma-Wert des Spiels: oftmals ist es etwas zu finster. Zudem gibts nur maue Animationen und gelegentliche Clipping-Bugs, die heutzutage eigentlich ausgestorben sein sollten. - Sound -
"Weniger ist mehr" schien hier das Motto der Entwickler zu sein, denn die Musik hält sich zumeist stark zurück. Das geht oft zu Lasten der Atmosphäre, da die Welt an sich auch nicht sonderlich lebhaft wirkt und Effekte ähnlich rar sind. Dennoch schafft das Spiel dank gewisser Momente gelegentlich auch eine starke Stimmung. Die Dialoge wiederum sind nicht herausragend, aber annehmbar und gelungen; besonders Holmes' Dialekt und Ausdrucksweise ist wie immer herrlich. - Langzeitmotivation -
Das Spiel profitiert in Sachen Langzeitmotivation einzig und allein von seinem relativ großen Umfang für heutige Verhältnisse. Zwar verbringt man viel Zeit mit Sucherei und unnötigen Umwegen, aber die Story ist relativ spannend und man will trotz aller spielerischer Ungereimtheiten wissen, wie es weitergeht. Ob man sich "Die Spur der Erwachten" freiwillig ein zweites Mal antut, ist jedoch die große Frage. - Fazit -
"Die Spur der Erwachten" ist eine mittelgroße Enttäuschung, wenn man sich nach dem erfolgreichen Vorgänger eine Besserung herbeigesehnt hatte. Der Wechsel zu 3D-Optik und hakeliger Steuerung will partout nicht einleuchten, dafür gibt sich das düstere Spiel äußerst grafisch in Sachen Blut und abgetrennten Körperteilen. Ein paar anständige Rätsel sind jedoch mit von der Partie, Sherlock Holmes' Charme ist durchaus vorhanden und einige Passagen geraten stimmungsvoller als erwartet. Dennoch ist "Die Spur der Erwachten" eine extrem halbgare Sache, die jeglichen Komfort vermissen und den Spieler auf jegliche Art und Weise oft im Dunkeln tappen lässt. Interessierte sollten sich daher besser gleich das viel stärkere "Call of Cthulhu" ansehen.
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01.02.2007 00:01
hmm .. ich spiele das grad und hänge bei dieser rätselseite.. also ich denke, man muss da zahlen oder was reinschreiben.. das ist so eine uhr oda sowas in der art.. aba ich kann diese nicht anklicken, hast du da einen tipp für mich ?
24.01.2007 12:34
Sehr schön beschrieben. Liebe Grüße Edith und Claus
20.01.2007 14:34
Nicht mein Genre aber ein guter Bericht. LG Dracon