Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic / J. J. Preyer

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Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic / J. J. Preyer

ISBN: 9783898402910 - Verlag: Blitz

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Erfahrungsbericht über "Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic / J. J. Preyer"

veröffentlicht 13.11.2010 | mima17
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Bitte keine Leserunden. +++ Bericht Nr. 4947 online : "Das Kuckucksei" (Buch). +++ LG
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Pro spannend, anrührend, flott erzählt, neue Theorien, nahezu fehlerfreier Text, gesenkter Preis
Kontra gibt's noch nicht als Taschenbuch, limit. Auflage, 1 Druckfehler, Genreniveau
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Spannung

"Auf der OLYMPIC: Irene Adler und das große Verschwinden"

Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic / Preyer, J.J.

Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic / Preyer, J.J.

Auf der OLYMPIC: Irene Adler und das große Verschwinden
J.J. Preyer: Sherlock Holmes und der Fluch der TITANIC

Sherlock Holmes und Dr. Watson versuchen das Rätsel um den Untergang der „Titanic“ im Jahr 1912 zu lösen. Dabei lernen sie Überlebende des Unglücks kennen, darunter den Kopf einer gefährlichen Verschwörung. Diesem Anführer ist die Frau auf den Fersen, die Holmes schon einmal hinters Licht geführt hat: Irene Adler, DIE Frau im Leben des Meisterdetektivs. Zwischen Holmes und Adler entbrennt erneut ein erbitterter Kampf… (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Autor
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J.J. Preyer wurde 1948 in Steyr, Österreich, geboren. Nach einem Studium der Germanistik und Anglistik übte er eine Lehrtätigkeit in der Jugend- und Erwachsenenbildung aus. Ab 1976 arbeitete er als Lektor in Großbritannien, gründete 20 Jahre später den Oerindur Verlag und gab unter anderem Romane von C.H. Guenter heraus. Seit 2010 schreibt er für die Jerry-Cotton-Reihe des Bastei-Lübbe-Verlags.

Weitere Werke:

- Sherlock Holmes und die Freimaurer (Blitz-Verlag)
- Das Kennedy-Rätsel (mit Cisa Cavka; Blitz-Verlag)
- Sherlock Holmes und die Shakespeare-Verschwörung (Blitz-Verlag)

Handlung
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In der Pall Mall Gazette wird im Frühjahr 1915 eine enthüllende Artikelserie veröffentlicht, die den Untergang der „Titanic“ in neuem Licht erscheinen lässt. Es könnte sich um Versicherungsbetrug gehandelt haben, legen ein amerikanischer Autor und sein englischer Redakteur nahe. Wenig später findet man beide ermordet auf, neben ihren Leichen einen Kirschblütenzweig. Dabei wollte die beiden doch noch mehr aufregende Informationen veröffentlichen. Doch wer könnt e etwas dagegen haben? Gibt es doch einen Fluch, der auf der „Titanic“ liegt und auf jedem, der das Geheimnis ihres Untergang lüften will?

Bruce Ismay, der unglückselige Reeder der White Star Linie, der die „Titanic“ gehörte, bittet Sherlock Holmes, der Mordserie ebenso auf den Grund zu gehen wie auch alle Spekulationen um den Untergang bzw. die Versenkung des Dampfers zu beenden. Da ihn auch sein Bruder Mycroft im Kriegsjahr 1915 darum bittet, jede Befleckung der nationalen Ehre zu verhindern, nimmt Holmes den Auftrag an, und nicht des dicken Schecks wegen. Er schaut auf dem Weg nach London bei seinem alten Freund John Watson und dessen dritter Frau Elsa vorbei und erneuert seine Bekanntschaft mit Mrs. Hudson in Baker Street 221B.

Nachdem er sich mit Ismay getroffen, bittet er den Chefredakteur der Pall Mall Gazette um Auskünfte. John Conolly erweist sich als kooperativ. Als Holmes eine Gedenkfahrt auf der „Olympic“, dem Schwesterschiff der „Titanic“, anregt, ist er sofort Feuer und Flamme. Anfang April legt die „Olympic“ von Southampton ab. An bOrd hat sich auch Dr. Watson eingefunden, ebenso Ismay, Conolly und eine ganze Reihe von Überlebenden des Untergangs der „Titanic“.

Es kommt, wie Holmes es erhofft hat: Es finden sich erste Spuren eines Geheimbundes, der seine Vertreter an Bord geschickt hat. Dieser Geheimbund hinterlässt jeweils Kirschblütenzweige an seinen Opfern. Als ersten trifft es Conolly, denn er droht ja, weitere Enthüllungen zu veröffentlichen. Sein Verschwinden ist allerdings nur ein virtuelles: Holmes hat ihn als Steward verkleidet. Wenig später zeigt sich eine massive Quecksilbervergiftung am Reeder Ismay. Watson kann ihn retten, doch Holmes verkündet sein Ableben. Eine List? Sie kann jedenfalls Mrs. Oldham-Smythe nicht mehr helfen, die Wahrsagerin und Malerin, die eines Morgens spurlos verschwunden ist. Über Bord gefallen – oder geworfen?

Zusammen mit Irene Adler, die er als sechzigjährige Bibliothekarin des Schiffes wiedererkennt, und dem zweifelnden Watson, der Ismay verdächtigt, führt Holmes die Ereignisse einer Zuspitzung zu: Genau zur mitternächtlichen Stunde des Untergangs der „Titanic“ am 14./15. April lässt er während einer bewegenden Gedenkfeier die Teilnehmer ihre Gedanken und Empfindungen ausdrücken. Dabei macht Holmes aufschlussreiche Beobachrtungen: Ein stummes Mädchen kann wieder sprechen, und ein Brautpaar in den Flitterwochen trennt sich.

Wie erwartet, erfolgt wenig später ein weiterer, schwerer Anschlag…

Mein Eindruck
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Von Anfang haben der Autor und sein Held das Geschehen ziemlich gut im Griff. Wir können uns der Geschichte anvertrauen und trotz aller Gefahren sicher sein, dass sie mit zufriedenstellendem Ergebnis abgeschlossen wird. Allerdings redet Watson seinem Freund mehrfach ins Gewissen, und seine Zweifel, ob Holmes berechtigte Risiken eingehe, erscheinen gut begründet. Links und rechts kommt es zu Übergriffen, Menschen verschwinden, werden gemeuchelt – doch wo ist der Mörder?

Holmes erklärt nicht allzu viel, aber eines hat er mit der wiedergefundenen Irene Adler alias Irene Wolfe gemeinsam: Er will nicht bloß den Mörder fassen, sondern gleich die ganze Geheimgesellschaft hochnehmen. Das gelingt denn auch im Finale, allerdings völlig anders, als es sich Holmes, Watson und Mycroft vorgestellt haben – jemand ist ihnen zuvorgekommen…

Der Holmes-Mythos

Der Roman führt in hochverdichteter Form zahlreiche Themen des Holmes-Universums zusammen, darunter Irene Adler. Ist Holmes wirklich solch ein Denkmonster, als das ihn Watson in seinen „Biografien“ hingestellt hat? Holmes will diesem Eindruck entschieden entgegentreten – und schreibt seine Version der Ereignisse diesmal selbst. Nicht dass noch der Eindruck aufkommt, irgendein Schreiberling habe sich die Abenteuer von Holmes und Watson lediglich ausgedacht! An dieser Stelle (Seite 188/89) wird die Erzählung eindeutig selbstironisch.

Holmes, der Gefühlsmensch

Dass Holmes beileibe kein frigides Hirnmonster ist, bewist er ein ums andere Mal, insbesondere in seine Beschäftigung mit den beiden Mädchen in der Obhut von Mrs. Reynolds. Alle drei sind Überlebende der „Titanic“, getreu dem Motto: „Frauen und Kinder zuerst!“ In der Unterhaltung mit Mrs Reynolds, die sogar in einem Titanic-Kurzfilm mitgewirkt hat, wird das schreckliche Geschehen während des langwierigen Untergangs wieder lebendig. Dabei stößt Holmes auf ein Verbrechen, das an dem 13-jährigen Begleiter der beiden Mädchen, Peter Reynolds, begangen wurde: Obwohl eindeutig ein Kind, wurde Peter von einem Mann aus dem Rettungsboot wieder zurück an Deck geschleudert, wo er anschließend ertrank. Holmes geht diese Geschichte eindeutig nahe.

Neue Theorie

Doch wer war dieser Frevler? Hatte er etwas mit den Drahtziehern des Untergangs zu tun? An dieser Stelle nun präsentiert uns der Autor eine weitere Theorie zur Ursache des Untergangs der „Unsinkbaren“. Bekanntlich rammte sie in voller Fahrt (22 Knoten sind an die 50 km/h) einen Eisberg. Doch woher kam dieses Eismonster, das ihr den Kiel aufschlitzte? Kapitän Edward Smith, ein Veteran dieser Transatlantikroute (er befuhr sie bereits 32 Jahre), wusste um die Eisgefahren und hatte schon eine südlichere Route eingeschlagen, um Eisfeldern aus dem Weg zu gehen.

Die zwingende Erklärung ist für Holmes sonnenklar: Eine fähige, militärisch organisierte Gruppe sprengte den Eisberg los und schickte ihn auf Südkurs – direkt in den Weg der „Titanic“. Doch was war der Zweck einer solchen Aktion, fragt sich nun jeder seiner Zuhörer. Schaut man sich jedoch die weltweiten Folgen der Katastrophe an, so erscheint ihm plausibel, dass dieser Geheimbund daran interessiert war, England und sein Imperium zu erschüttern sowie die politische Lage zu destabilisieren. War der Erste Weltkrieg eine indirekte Folge davon?

Irene Adler

Irene Adler, so erfahren wir mit Holmes, hat sich direkt zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Detektivin betätigt und den Anschlag auf den österreichischen Thronfolger aufgeklärt. Als Folge davon erklärte bekanntlich die KUK Monarchie Serbien den Krieg, woraufhin Russland Serbien beisprang und dies wiederum die Deutschen auf den Plan rief, was seinerseits Franzmänner und Briten in den Konflikt hineinzog.

Aber Irene, DIE Frau in Holmes’ Leben, hat ihn schon einmal überlistet und ist davon gekommen. Wird sie ihn auch diesmal schlagen? Der Autor lässt sich dazu einiges einfallen. Und er führt Nero Wolfe ein, der als Irene Adler-Wolfes Sohn später zu bekanntem detektivischem Ruhm gelangen wird. Hier strickt der Autor selbst an literarischen Legenden. Eine Hommage lässt sich auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme verstehen.

Schwächen und Fehler

Der Autor handhabt die Balance zwischen Holmes’ kopflastiger Ermittlung und den emotionalen Szenen an Bord der „Olympic“ durchaus gekonnt. So eignet sich die Geschichte sowohl für kühle Köpfe als auch weibliche Leser, die was fürs Herz lesen wollen. Schließlich hat die „Titanic“-Katastrophe Aspekte, die bis heute alle Menschen ansprechen: Geheimnisse und Schicksale.

Allerdings hätte ich mir eine bessere Ausnutzung der Romanform gewünscht. Der Text ist so dicht wie der einer Kurzgeschichte. Nur, dass diese Story so lang ist wie ein Roman. Die Romanform eröffnet aber im allgemeinen künstlerische Freiheiten wie etwa Beschreibungen von Charakteren, Orten, Landschaften und Stimmungen. Solche Beschreibungen sind hier auf ein absolutes Mindestmaß reduziert, so etwa die Erwähnung stürmischen Wetters. Der Leser muss seine Vorstellungskraft in hohem Maße aktivieren. An den Einsatz von Metaphern wie William Gibsons berühmtem Anfang von „Neuromancer“ – „Der Himmel über Chiba City sah aus wie ein Fernseher, der auf einen toten Kanal eingestellt ist“ – ist erst recht nicht zu denken.

Der Text ist dankenswerterweise fast völlig frei von Fehlern. Hier und da fehlt mal ein Komma, aber das ist vernachlässigbar. Keineswegs eine Lappalie ist hingegen der betrübliche Fehler, der ausgerechnet in dem Gedicht auf Seite 151 passiert ist: Es handelt sich um eine fehlerhafte Zeile aus dem Requiem, das G. Verdi so meisterlich vertonte:

„Tag der Rache, Tag der Sünden,
Wird das Weltalt sich entzünden,
wie XXX und XXX künden.
Welch ein Graus wird sein und Zagen,
Wenn der Richter kommt, mit Fragen
Streng zu prüfen alle Klagen!“

Nur aus der lateinischen Vorlage ist zu erschließen, dass es sich bei den beiden fehlenden Wörtern, die ich als XXX markiert habe, um „David“ (den biblischen König) und „Sibylla“ (das Orakel) handelt. Man wundert’s, warum die Lücken nicht bemerkt wurden.

Die entfallene Erwähnung Davids ist umso bedauerlicher, als sich der mordende Geheimbund nach König David benannt hat. Aber die Erörterung der religiösen Hintergründe würde an dieser Stelle zu weit führen.

Unterm Strich
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Dieses Holmes-Abenteuer liest sich flott und interessant. Die spannenden Szenen halten sich mit den emotionalen, anrührenden die Waage, so dass sowohl kühle Köpfe als auch Leser bedient werden, die lieber Schicksalsdramen bevorzugen. Auf der Gedenkfahrt der „Olympic“ klärt Holmes nicht nur ein altes Verbrechen auf der „Titanic“ auf, sondern präsentiert eine Theorie für die Ursache ihres Untergangs. Ob diese so neu ist, kann ich aus Mangel an Hintergrundwissen nicht beurteilen. Alles, was die „Titanic“ angeht, setzt der Autor zum größten Teil – berechtigterweise – als bekannt voraus. Die Wikipedia liefert diesbezüglich sicherlich Unmengen von Informationen.

Ein besonderes Schmankerl ist der Auftritt von Irene Adler. Den hatte ich mir allerdings aufregender und interessanter vorgestellt. Holmes und Irene fassen einander mit Samthandschuhen an. Alles andere wäre ja unschicklich gewesen – God forbid! Andererseits würde man dem bereits rcht betagten Meisterdetektiv auch keine allzu großen Bocksprünge mehr zutrauen, oder?

Hier kommen sowohl Freunde des Detektivs als auch jene Wahrheitssucher auf ihre Kosten, die der „Titanic“ auch noch ihr letztes Geheimnis entreißen wollen. Mit knapp 16 Euro ist das Buch nicht ganz billig. Kein Wunder, denn es ist ja für Sammler gedacht. Aber die 16 Euro stellen bereits einen reduzierten Preis dar, denn normalerweise kosten Bände dieser Reihe 19,95 Euro.

Fazit: vier von fünf Sternen.

Michael Matzer © 2010ff

Info: Blitz, 2010, Windeck; 222 Seiten; Preis: 15,95 EU; ISBN 978-3-89840-291-0

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Brandung veröffentlicht 09.12.2010
    sehr hilfreich
  • t.schlumpf veröffentlicht 26.11.2010
    Da bin ich wieder ;o)
  • tapio-maunzi veröffentlicht 22.11.2010
    Lasse hier mal ein Wäschestück für dich hier. Gruß Doris
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Produktdaten : Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic / J. J. Preyer

Produktbeschreibung des Herstellers

ISBN: 9783898402910 - Verlag: Blitz

Haupteigenschaften

EAN: 9783898402910

Autor: J. J. Preyer

Autor Nachname: Preyer

Autor Vorname: J. J.

Autor Name invertiert: Preyer, J. J.

Titel: Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic

Verlag: Blitz

Thematik: Krimi

Medium: Hardcover, Softcover

Erscheinungsdatum: 2010

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Auf Ciao gelistet seit: 08/11/2010