Wenig Gewicht für wenig Geld
21.06.2006
Pro:
Gewicht | Design | Preis, wenn man übers Netz bestellt
Kontra:
Preis laut Liste | inkompatibel
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Häufigkeit der Nutzung
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 Jamba1123
Über sich:
Mitglied seit:16.03.2004
Erfahrungsberichte:921
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 61 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vor einigen Wochen hat sich meine schöne Race Face Kurbel mit einem saftigen Lagerschaden von mir verabschiedet und eine neue musste her. Sicherlich hätte es auch ein neues Lager getan, aber die Race Face Kurbel war mir auch ganz einfach etwas zu schwer also habe ich die Möglichkeit genutzt und bin auf die XTR Kurbel von Shimano umgestiegen. Was das ganze gebracht hat und wie zufrieden ich mit der Kurbel bin könnt ihr im Folgenden lesen.
-|- Einkauf / Hersteller -|-
Laut Liste kostet das edle Teil über 400 Euro, das war einfach zu teuer für mich, aber diese Kurbel sollte es dennoch sein. Wer den Listenpreis bei Shimanoteilen bezahlt ist aber, meiner Meinung nach, auch selber Schuld, denn im Internet liegt der Preis im Schnitt 20-40% unter dem Listenpreis. Und so bekam ich meine Kurbel beim großen E für knappe 260 €. Dazu bekam ich aber noch alles nötige Werkzeug, sodass ich sofort loslegen konnte. OK, der Versand hat die nächste Tour dann etwas verzögert, aber kein Händler vor Ort hatte diese Kurbel vorrätig, also war das nun auch egal. Der Hersteller "Shimano" sollte wohl jedem ein Begriff sein, es ist wohl der Marktführer im Segment der Fahrradschaltungen. Mehr will ich dazu auch nicht sagen, alle nötigen Infos gibt's im Netz unter shimano.com.
-|- Shimano XTR Kurbel -|- Die genaue Bezeichnung dieser Kurbel ist FC-M960. Wobei FC für die Einheit Kurbel (also Front Crankset) steht und M960 die Bezeichnung der aktuellen XTR Gruppe ist. Die aktuelle XTR kam 2003 auf den Markt und wurde seitdem nicht verbessert, da es einfach nichts zu verbessern gibt. Im Jahr 2007 kommt die neue XTR M-970 auf den Markt, diese ist aber noch nicht zu bekommen.
Was sind nun die Besonderheiten dieser Kurbel und was macht sie so leicht? Relativ einfach, zum einen ist es die Tatsache, dass diese Kurbel das Hollowtech II System besitzt und somit die Achse mit der Kurbel "verschmolzen ist. Dadurch wird ein komplexes Innenlager hinfällig und man kommt mit einfachen Lagerschalen aus. Dazu sind die Kurbelarme der XTR Kurbel aus hohlgeschmiedetem Aluminium, was sie ebenfalls leichter macht. Dazu sind ALLE Kettenblätter aus Aluminium gefertigt und nicht, wie bei manchen anderen Kurbeln, das kleinste aus Stahl. Die linke Kurbel hat eine Vielzahnaufnahme und wird von außen verschraubt. Vorteil? Ein besserer Sitz der Kurbelarme auf der Achse, man muss diese nicht mehr mit 40 Nm festknallen, Shimano sagt es reichen 2 Nm aus, und das stimmt auch. Durch die Feinverzahnung wird die Kurbel noch eine Ecke steifer. Die Lagerschalen werden natürlich mitgeliefert und bestehen aus gedichteten Industrielagern für die Langlebigkeit.
Das Gewicht der gesamten Einheit (inkl. Innenlager) beträgt laut Shimano 796 Gramm. 785 Gramm sind es, wenn man nachwiegt. -|- Tuning -|-
Dazu sag ich nur Shimano... Die XTR Kurbel ist so was von inkompatibel, das ist echt nicht zu überbieten. Weder im Bereich der Kettenblattschrauben noch im Bereich der Kettenblätter kann man großartig tunen. Warum? Bei "normalen" Kurbeln wird das kleinste Kettenblatt in ein Gewinde am Kurbelstern geschraubt und die beiden größten Blätter werden zusammen mit Hülse und Bolzen verschraubt. Bei der XTR-Kurbel ist dies anders. Jedes Blatt wird einzeln verschraubt, dadurch kann man weder Schrauben und Hülsen, noch Kettenblätter von Fremdherstellern benutzen, ausser diese sind speziell für die XTR-Einheit gefertigt.
Aber ich will mich nicht zuviel beschweren, denn das gewicht ist ja durchaus in Ordnung :) -|- Montage -|-
Wie gesagt ist das komplette Werkzeug dabei, bis auf einen Imbusschlüssel in der Größe 5mm, den man noch benötigt um die linke Kurbel zu fixieren. Als erstes fängt man an und demontiert die alte Kurbeleinheit inkl. Innenlager. Jetzt reinigt man das Tretlagergehäuse des Rahmens gründlich. Hier kann man nie gründlich genug vorgehen, denn der kleinste Staub kann später ein Knacken verursachen und das nervt einfach. Hat man das Gewinde gut gesäubert wird es reichlich eingefettet. Hier kann man nicht genug fett auf das Gewinde geben, denn wo Fett ist kann schon mal kein Wasser sein und überschüssiges fett kann man später einfach wegwischen. Also wirklich: Nicht geizen!
Jetzt verschraubt man die Lagerschalen. Dazu liegt ein passender Schlüssel bei, die Schalen mit einem Drehmomentschlüssel anzuziehen ist aber durchaus sinnvoll. Jetzt den rechten Kurbelarm mit der Achse durch die Lager schieben. Auf der anderen Seite nun den linken Kurbelarm auf die Achse stecken und mit dem beiliegenden Werkzeug auf die Achse "pressen". Hierbei nur wenig Drehmoment anwenden, 2 Nm reichen aus um die linke Kurbel auf die feine Verzahnung zu bekommen. Das wars auch schon fast, nun nurnoch die Schrauben der Kurbel festziehen und sie damit an der Achse fixieren. Jetzt ist man fertig und muss eigentlich nurnoch die Pedale anschrauben.
-|- Erfahrungen -|- Ich fahre diese Kurbeleinheit nun seit ca. 6 Wochen und das bedeutet knappe 800 Kilometer für mich.
Wo fange ich an? Das frage ich mich immer bei dieser Art von Berichten. Ich werde es diesmal etwas chronologisch halten: Kilometer 0: Bereits bei der Montage fiel mir auf wie leise und leicht die Lager der XTR-Einheit laufen. Das ist einfach unbeschreiblich. Ich dachte die Race Face Lager wären gut, aber die XTR-Lager übertreffen sie noch um ein Vielfaches. Der Lauf ist extrem leicht und, auch wenn man mal mit der Hand an der Kurbel dreht, man merkt einfach keinen unruhigen Lauf. Ausserdem ist das Finish der Kurbel einfach berauschend. Die Oberfläche ist super glatt und sieht sehr edel aus. Die Logos passen klasse ins Design, aber wen stört die Optik?
Kilometer 60: Die erste Ausfahrt hatte ich hinter mir und kam sehr begeistert nach Hause. Diese Kurbel ist extrem steif. Durch die große Lagerabstützung sogar noch ein Stück steifer als die, 200 Gramm schwerere, Race Face Kurbel. Hier verzieht sich einfach nichts. Die Oberfläche sah bis dahin auch noch sehr gut aus, trotz einiger Steinschläge war ihr nichts anzusehen.
Der leichte Lauf der Lager ist natürlich auch hier zu merken, es ist einfach klasse, wie leichtgängig diese Kurbel läuft. Kilometer 300: Nach ungefähr 300 Kilometern und einem Rennen in extremen Matsch war die Begeisterung dann erstmal futsch.
Nicht, weil ich der extreme Matsch die Kurbel an ihre Grenzen gebracht hätte, es war eher wegen der Oberfläche, denn diese war jetzt schön zerkratzt. Ich hatte Überzieher an den Schuhen und diese rieben immer an der Oberfläche des Kurbelarms. Durch den Matsch und Sand an den Überziehern kam es dann dazu, dass die Oberfläche angekratzt wurde. Diese Kratzer sind zwar nur oberflächlich, machen die Kurbel aber wirklich nicht schöner. Bis auf die Oberfläche wuchs meine Begeisterung aber eigentlich erst jetzt richtig. Denn auch der extreme Schlamm in einem Rennen konnte den Leichtlauf der Kurbel nicht schmälern. Bei einem rennen treten wohl die stärksten Belastungen auf und dann auch noch mit Matsch und Nässe. Aber diese Probleme hat die Kurbel klasse gemeistert. Die Lager laufen immer noch so leicht und der Schaltkomfort wurde durch verdreckte Kette und Kettenblätter nicht gemindert. Es kann kein Dreck in den Bereich zwischen Lager und Achse eindringen, alles blieb sauber. Allerdings muss ich dazu sagen, dass man auch hier gut fetten sollte.
Kilometer 800: Bis zum heutigen Tag hat sich nichts verändert. Die Oberfläche hat nur noch wenige Kratzer dazubekommen, die Lager laufen noch genauso wie zuvor, alles wie zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Kurbel kaufte. Ich kann nur sagen, dass ich bisher extrem zufrieden bin. Was mich bis jetzt etwas beunruhigt sind die Kettenblätter. Ich habe schon oft gehört, dass diese schnell verschleißen. Bis jetzt kann man dazu sicher noch nicht sooo viel sagen. Ich habe aber den Eindruck, dass die Zähne schon gut verschlissen sind. Die Race Face Blätter hielten bis zu dem Zeitpunkt deutlich besser.
-|- Fazit -|- Eine klasse Kurbel, wenn man sich die schlechte Oberfläche und die Inkompatibilität wegdenkt. Die Oberfläche ist für mich irrelevant, früher oder später bekommt man eh einen Kratzer rein und es beeinflusst die Funktion ja nicht. Die Inkompatibilität nervt zwar, aber es hat auch ein bisschen seine Gründe. Nur durch den langen Stern kam man auf so ein Gewicht aber ist das ein Grund den Lochkreis des kleinen Blattes um einen (wirklich einen!!!!) Millimeter zu vergrößern?!? Daher ziehe ich einen Stern ab und vergebe nur 4 Sterne.
----------------------------------- Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren, denkt immer dran "Nach feste reintreten kommt feste auf die Fresse fliegen", Mit freundlichen Grüßen Ben, verfasst am 18.06.2006 für Ciao! Veröffentlicht am: 21.06.2006
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26.06.2006 22:56
danke für die vielen info´s , so muß ein bericht sein , lg
26.06.2006 03:22
Sehr schöner Bericht über ein tolles Teil. LG Gerd
25.06.2006 12:19
Super Bericht, sehr informativ. Gruß Olaf