King of Horror ohne Horror?
08.01.2005
Pro:
ansprechende und spannende Story; lobenswerte Figuren . . . King - Style
Kontra:
lahmendes Ende; Horror? . . . King - Style
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 alteSchwedin
Über sich:
Wo geht die Zeit nur hin...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Als armer Student, der süchtig nach Büchern ist, muss man immer sehen, woher man diese billig herbekommt. Ein Bekannter gab mir den Tipp, dass die Bild-Zeitung ab Anfang Oktober 25 Wochen lang alle möglichen Bestseller für je nur 5 € – und das gebunden – anbietet. Diese sollten in allen Buchhandlungen erhältlich sein. In der Woche war gerade „Shining“ von Stephen King aktuell und so ging ich in die nächste Buchhandlung und die hatten es auch tatsächlich da. Bald begann ich mit dem Lesen und jetzt werde ich euch mitteilen, was ich von dem Roman halte! Anfangen werde ich wie immer mit der Handlung des Romans. Jack Torrance ist nicht das, was man als erfolgreich bezeichnen könnte. Seine Kindheit bei einem Vater, der ihn, seine Geschwister und seine Mutter schlug, prägte ihn für sein gesamtes weiteres Leben, auch wenn er es nicht wahrhaben will. Während seines Englisch-Studiums heiratet er Wendy und hat mit ihr einen Sohn namens Danny. Doch Jack wird zum Alkoholiker und verliert deswegen viele Stellen. Auch als er wieder trocken und Lehrer ist, wird er wegen eines Angriffs auf einen Schüler gefeuert. Sein großes Ziel: Das Theaterstück, das er gerade schreibt, fertig zu stellen, rückt in immer weitere Ferne. Da bietet ihm ein guter Freund einen Job an, der sein Leben und das seiner Familie verändern soll. Jack soll in einem Hotel in den Bergen von Colorado den Winter über Hausmeister sein. Er und Wendy glauben, dass ihn das gut tun wird, denn das Overlook Hotel ist weit weg von jeder Ansiedlung und damit auch weit weg vom Alkohol und jeglicher Verführung. Jack will sich dort in seinem Job als Hausmeister bewähren und während der langen Wintermonate, in denen das Overlook eingeschneit und somit von der Außenwelt abgeschnitten ist, sein Stück endlich zu Ende schreiben. Im Spätsommer kommt Jack mit seiner Familie in den Bergen an. Wie sich bald herausstellt, ist der Job als Hausmeister nicht allzu anstrengend. Jack muss nur mehrmals am Tag den Druck des Heizkessels überprüfen und hat ansonsten nur noch ein paar Aufgaben, die er sich selbst einteilen kann. Anfangs läuft noch alles wunderbar, nur Danny scheint sich nicht so recht wohl zu fühlen. Schon bevor er das Overlook Hotel zum ersten Mal sah, hatte Danny Angst davor. Sein Gefühl war absolut unbestimmt, doch Danny wusste mit absoluter Sicherheit, dass es besser wäre, viel besser, wenn sie nicht dorthin gingen. Wie sollte jedoch ein fünfjähriger Junge aufgrund eines Gefühls seinen Vater von einer Entscheidung abbringen können? Nur der leicht hellsichtige Koch des Hotels bemerkt, wie ungeheuer stark Dannys Hellsichtigkeit ist. Man könnte es einseitige Telepathie nennen, denn Danny kennt die Gedanken der ihn umgebenden Menschen, wenn sie stark genug sind. Auch ahnt er Dinge voraus, doch seine Eltern glauben immer an Zufälle, wenn er irgendetwas weiß, über das nie gesprochen wurde. Das Overlook scheint Danny bedrohlich, es will ihre Familie zerstören. Das spürt er ganz deutlich. Sein Vater ist auch plötzlich wieder so aggressiv wie zu den Zeiten, als er Trinker war. Und die Gedanken seines Vaters sind so gänzlich anders als die, die er sonst hatte. Plötzlich bekommen die ganzen Gerüchte, die sich um das Overlook ranken, ein früherer Hausmeister soll seine Frau und sein Kind und anschließend sich selbst getötet haben, außerdem soll es diverse Morde und Selbstmorde gegeben haben, ein ganz anderes Gewicht. Danny hat immer mehr Angst, obwohl ihm der Koch doch versichert hatte, dass die „Geister“ des Overlook ihm nichts tun könnten... Einige von euch werden „Shining“ entweder als Roman – es war ja sehr erfolgreich – oder als Film kennen. Ich kannte keines von beiden, denn von King-Verfilmungen halte ich mich fern, seitdem ich einmal in der Schule (!!) „Kinder des Zorns“ sehen musste. Aber von den zwei Verfilmungen, die es zu „Shining“ gibt, würde mich zumindest die ältere (1980) von Stanley Kubrick mit Jack Nicholson in der Hauptrolle interessieren. Doch ich habe ja jetzt erst mal den Roman gelesen und muss gestehen, dass er mich recht positiv überrascht hat. Ich habe nun schon sehr viele Bücher von Stephen King gelesen und muss gestehen, dass „Shining“ mich durchaus ansprechen konnte, auch wenn ich es mir sicherlich nicht zum normalen Preis gekauft hätte! Die Story kann ich zwar nicht als wirklich außergewöhnlich beschreiben, aber spannend und unterhaltsam ist sie allemal. Am Anfang fängt es ganz beschaulich an. Stephen King stellt uns zunächst die Charaktere grob vor, gibt uns einen Eindruck davon, was und wie sie sind. Wirklich vertieft wird das erst im Verlauf des Romans, so dass man immer noch etwas über die Personen hinzulernen kann. Ich glaubte so nie, schon alles über die Personen zu wissen und so auch immer vorsehen zu können, was sie als nächstes oder in einer bestimmten Situation tun könnten. Am wenigsten berechenbar ist dabei natürlich Jack, dessen Wutausbrüche vor allem am Beginn von „Shining“ nie vorhersehbar sind. Doch am Ende sind es für mich Wendy und Danny, die überraschen. Das Ende an sich vermochte jedoch kaum, was Mutter und Sohn taten. Irgendwie fand ich die Story zum Ende hin ein bisschen dünn. Ich war nicht bis zum Schluss gefesselt und gespannt, konnte mich auch ein paar Seiten vor dem Ende noch losreißen. Gerade bei so einem auf Spannung basierten Roman wie „Shining“ darf das eigentlich nicht passieren. Die Handlung muss unvorhersehbar, absolut überraschend sein, so dass meine Neugier immer lebendig bleibt. Als ich mit dem Lesen von „Shining“ begann, war das noch nicht so, aber schließlich fangen ja die meisten Romane von Stephen King eher gemächlich an. Ich war also nicht abgeneigt, weiterzulesen, aber ließ die Steigerung der Spannung gegen Ende des Buches auf sich warten und fiel dann nicht gerade stark aus. Jedenfalls war das Ende von „Shining“ für mich ein bisschen enttäuschend und trübte den Lesegenuss ein wenig. Unbeeinflusst davon muss ich jedoch die Ausführung und Entwicklung der Personen loben. Stephen King überraschte mich hier mit ungeahnter Authentizität. „Shining“ ist sehr auf die Familie von Jack Torrance beschränkt. Die einzige andere Person, die noch eine größere Rolle spielt, ist Hallorann, der Chefkoch des Overlook. Somit ist die Geschichte fast als Kammerspiel zu bezeichnen und da ist es natürlich sehr wichtig, dass die Handlung über die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander aufgebaut und spannend gemacht wird. Dass Stephen King das so gut kann, war mir neu, denn bis jetzt war er mir nicht als großer Charakterschreiber aufgefallen. In „Shining“ gefielen mir die Protagonisten und ihre Darstellung jedoch besonders gut. Sie wussten, mich zu überzeugen. Das Jack Torrance überzeugt, ist nicht verwunderlich, denn schließlich findet man in ihm einige Parallelen zum Autor Stephen King. Beide warteten auf den Durchbruch, hatten kein Geld, verdienten nur wenig mit ihren Kurzgeschichten, waren Englisch-Lehrer und Alkoholiker. Ich nehme an, Shining diente auch als eine Art Vergangenheitsbewältigung für Stephen King. Er konnte viel von sich einbringen, so dass Jack Torrance sehr echt und lebendig wirkt, obwohl er manchmal ganz und gar nicht sympathisch ist. Auch Danny und seine Mutter sind durchaus bemerkenswert beschrieben und machen das Lesen zusätzlich interessant. Stephen King baut während des Romans auch Stellen ein, an denen er etwas über die Vergangenheit der Familie offenbart. Dabei wird immer wieder deutlich, wie stark diese doch die Familie prägt und wie stark auch das Ehepaar von seinen Eltern geprägt wurde – Jack von seinem Vater und Wendy von ihrer Mutter. Stilistisch ist „Shining“ ein typischer King, möchte ich behaupten. Der Autor benutzt in den meisten seiner Romane eine Art zu schreiben, welche die Massen anspricht. Wie wäre auch ansonsten sein riesiger Erfolg zu begründen? Nicht zu anspruchsvoll, aber auch nicht zu einfach strukturiert er seine Sätze. Er findet eine sehr gute Mischung, die den Leser weder überfordert, noch ihn langweilt. Dabei ist das jedoch bei weitem nichts Außergewöhnliches, doch für das ganz normale Lesevergnügen durchaus hilfreich. Bei den Details beschränkt sich Stephen King auf diese, welche die Stimmung, die er erzeugen will, am besten unterstützen. Das ist überaus angenehm zu lesen und streckt auch die Handlung nicht so sehr, die ja an sich nicht so umfangreich ist. So vergeht das Lesen der gut 400 Seiten recht schnell. Auch konnte ich während des Lesens auch mal mehrere Tage Pause einlegen, ohne das ich zwischendurch alles wieder vergessen hatte.Eigentlich spricht man von Stephen King ja gerne als dem „King of Horror“, und „Shining“ konnte man auch gut in diese Richtung einordnen, aber so richtig gegruselt habe ich mich nicht. Vielleicht bin ich auch schon zu sehr abgehärtet. Allzu erschreckend und grausam finde ich die Handlung nicht, obwohl sehr Zartbesaitete sich bestimmt schön fürchten können. Kindern würde ich das Buch sowieso nicht in die Hand geben! So langsam möchte ich zum Schluss kommen und euch „Shining“ von Stephen King empfehlen. Die Story ist sehr ansprechend und durchaus spannend. Die Protagonisten sind sehr zu loben und auch ihre Ausführung während des Romans überzeugt auf ganzer Linie. Der Stil ist King-typisch und allen, die seine Romane mögen, wird er gefallen. Wer jedoch nichts mit diesem Autor oder einem leicht gruselig angehauchten Roman anfangen kann, sollte lieber die Finger davon lassen. Das einzige, was ich jedoch an „Shining“ zu bemängeln habe, ist das etwas lahme Ende, das mich zwar nicht so richtig langweilte, mich aber auch nicht stark fesseln konnte. Deshalb vergebe ich auch nur 4 Sterne!„Shining“ von Stephen King erschien erstmals 1985 in deutscher Ausgabe im Lübbe Verlag. Mein Hardcover stammt aus dem Weltbild Verlag, trägt die ISBN 3-89897-096-5 und kostete mich in der Reihe der Bild-Zeitung nur 5 €. Die englische Originalausgabe mit dem Titel „The Shining“ erschien erstmalig 1977 bei Doubleday. Die Übersetzung machte Harro Christensen. (Übrigens merkt man an meiner Ausgabe auch teilweise, wie billig sie war. Haufenweise Fehler bei den Anführungszeichen, sind nicht wirklich schön anzuschauen!)
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2012, 464 Seiten, Taschenbuch, Englisch
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Taschenbuch, XIII, 497 S., Erschienen: 2011
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08.09.2007 09:27
wow, sehr schöner Buch-Bericht *smile*
15.05.2006 20:38
klasse geschrieben und sogar verstanden *respekt* stanley kubricks film kann ich ledier nicht empfehlen, mit kings worten, er hat leider das thema verfehlt darum ja auch die neuverfilmung schön die parallelen rausgearbeitet
11.02.2005 08:53
Da kann ich Dir eigentlich nur zustimmen, denn soo gruselig fand ich den Film nämlich auch nicht. Ich dachte wunder, wie schlimm der wäre, aber das war nicht der Fall. Trotzdem fand ich ihn sehr spannend. Klasse Bericht! LG Jacqui