Einmal massakrierten Samurai, bitte!
06.04.2002
Pro:
gut recherchiert, viele Infos über Japan
Kontra:
ein paar der 1024 Seiten wären durchaus überflüssig
Empfehlenswert:
Ja
 Fenrir
Über sich:
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Europa im frühen 17. Jahrhundert: England und die Niederlande haben sich von der katholischen Kirche losgesagt und stehen besonders auf See in Konkurrenz zu den katholischen Ländern Spanien, Portugal und Frankreich. Wobei Portugal praktisch zu Spanien gehört. Dank der Macht der spanischen Armada und den geheimen "Roteiros" (=Tagebücher der Piloten/Navigatoren) kontrollieren diese Seemächte einen Großteil des Asienhandels, vor allem der Weg nach Japan über die Magellanstraße blieb Engländern und Niederländern bisher verwehrt. Shogun ist die Geschichte eines englischen Piloten unter niederländischer Flagge, der mit einem gestohlenen Roteiro trotz aller Hindernisse den Seeweg nach Japan findet. -STORY- Der Name des englischen Piloten ist Blackthorne, und der Weg durch die Magellanstraße ist weit problematischer als man sich ursprünglich vorgestellt hat. Denn Streitigkeiten mit den anderen Leitern der Expedition, ein Zusammenstoß mit der spanischen Armada, widrige Winde, Skorbut und ein Sturm haben seiner kleinen Flotte ganz schön zugesetzt und nur ein einziges Schiff mit nur wenigen Mann Besatzung bis Japan durchkommen lassen. Dort in einer Bucht gestrandet begrüßt man sie wenig stürmisch und lässt die ganze Mannschaft erstmal einsperren. Denn der einzige Kontakt mit Europäern den man dort bisher hatte war mit katholischen Missionaren, die selbstverständlich Blackthorne und seiner Crew nicht sehr freundlich gegenüberstehen, vorerst aber die einzige Kommunikationsmöglichkeit darstellen (wobei die Verlässlichkeit der Übersetzungen fragwürdig ist).Doch Japan hat größere Probleme als ein paar gestrandete (und stinkende) Barbaren vom anderen Ende der Welt, denn es ist ein Krieg zu befürchten und die Daimyos (Feudalherren) der verschiedenen Provinzen müssen sich entscheiden auf wessen Seite sie stehen. Einerseits bietet sich ihnen die Möglichkeit den bestehenden Regentschaftsrat zu unterstützen, welcher so lange Herrscht bis der Erbe des letzten Herrschers die Volljährigkeit erreicht. Auf der anderen Seite steht der Daimyo Toranaga, welcher mit den anderen Regenten im Zwist liegt und angeblich auch den Erben unterstützt, insgeheim allerdings das Verlangen nach dem Shogunat, der uneingeschränkten Vorherrschaft Japans, hegt. In diesem Macht-Poker spielen vor allem die Katholiken eine entscheidende Rolle, da sie den gesamten Handel mit China kontrollieren und bereits viele Japaner vom traditionellen Buddhismus, Shintoismus oder Taoismus zum Katholizismus übergetreten sind. Daher erkennt Toranaga bald den Wert des nicht-katholischen Blackthorne, der die Katholiken so sehr zu hassen zu scheint und nichts lieber täte als den Chinahandel an sich zu reißen.Daher stellt er ihm die christliche Japanerin Mariko zur Seite, welche für ihn zu dolmetschen vermag, ihn kontrollieren und ihm die japanische Kultur näherbringen und erklären soll. Doch zwischen ihr und Blackthorne bahnt sich mehr als nur ein geschäftliches Verhältnis an, während beide mit den kulturellen Zwängen Japans zu ringen haben und der Krieg immer aussichtsloser zu werden scheint. -DER AUTOR- James Clavell wurde in Australien als Kind englischer Eltern geboren, ist aber mitlerweile Bürger der Vereinigten Staaten. Im zweiten Weltkrieg diente er den britischen Streitkräften und geriet dabei 1942 in japanische Gefangenschaft. Hier ruht auch der Grundstein für seine Schriftstellerkarriere und die von ihm aufgearbeiteten Themen, denn seine Erlebnisse im berüchtigten Singapurer Changi-Gefängnis veranlassten ihn zu seinem ersten Roman namens "Rattenkönig", womit er bereits erste Berühmtheit erlangte.Der wirkliche Welterfolg folgte eigentlich aber erst mit Tai-Pan (siehe Bericht), welches die Gründung Hongkongs und den Chinahandel zum Thema hat und daher auch als "der Roman Hongkongs" bekannt wurde. Tai-Pan wurde natürlich auch verfilmt, Shogun war dann sozusagen der inoffizielle Nachfolgeroman. Es gibt zwar auch noch weitere Werke in dieser Richtung, namentlich "Noble House Hongkong", "Wirbelsturm" und "Gai-Jin", aber Shogun und Tai-Pan sind wohl Clavells bekannteste Romane. Shogun wurde natürlich ebenfalls ein Erfolg und ebenfalls verfilmt. Der Mehrteiler (5 Folgen, glaube ich) mit Richard Chamberlain als Blackthorne wurde auch ein ziemlicher Erfolg, auch wenn’s schon eine Weile her ist. -DER ROMAN- Nachdem ich bereits Tai-Pan gelesen hatte und davon ziemlich begeistert war wollte ich zuerst zu Gai-Jin greifen, habe aber dann am Umschlagstext gemerkt dass ich vielleicht zuerst Shogun lesen sollte, welches ja auch recht bekannt ist (für Japan interessiere ich mich schließlich sowieso). Schon der Anfang war aber irgendwie weniger packend als Tai-Pan und ließ mich bereits schlimmes ahnen. Allzu langweilig wurde das Buch dann zum Glück doch nicht, aber während ich Tai-Pan geradezu verschlungen habe nahm die Lektüre von Shogun dann doch ein wenig mehr Zeit in Anspruch. Vor allem Anfang und Ende sind bei Shogun etwas enttäuschend, die teils etwas umständliche Übersetzung des Textes sowie der zeitweilige Verzicht auf die Erklärung japanischer Textpassagen (wahrscheinlich nimmt Clavell an, daß man sich die Bedeutung der verschiedenen Phrasen etwas genauer merkt als ich das getan habe) erschweren das Lesen noch dazu unnötig.Trotzdem bekommt man Clavell-typisch neben einer interessanten Geschichte Informationen in Hülle und Fülle geboten. Der Kontrast der verschiedenen Religionen und Kulturen ist bei Shogun noch wesentlich krasser als z.B. bei Tai-Pan, da die Samurai Händler und Geld verachten und teils komplett andere Prioritäten setzen als Europäer. Dank der rituellen Seppuku-Selbstentleibung (auch bekannt als Harakiri) sterben die Samurai in diesem Werk haufenweise und übertreffen sogar noch die Zahl der getöteten Brieftauben (davon gehen bei Shogun sehr viele drauf!) bevor es überhaupt zu einer offenen Schlacht kommen kann. So etwas erscheint uns natürlich barbarisch, die feudalen Japaner ekelten sich dafür vor unseren Nahrungsmitteln. Natürlich kommen auch Liebe und Glaubensfragen nicht zu kurz, es wird so viel intrigiert dass man schonmal den Überblick verlieren kann (besonders bei den ganzen japanischen Namen ohne Charakterübersicht), ein paar wenige Actionszenen sind natürlich auch vorhanden. Die Japaner nennen übrigens den Nachnamen normalerweise zuerst, und da man sich nie so sicher sein kann welcher Name jetzt der Vorname ist und ob diese jetzt in europäischer oder asiatischer Reihenfolge genannt wurden kann auch hier schonmal Verwirrung auftauchen.Trotz allem war die Geschichte aber immer noch fesselnd genug um mich durch sämtliche 1024 Seiten meiner gebundenen Ausgabe zu ziehen, schon alleine die Fülle an Informationen über die japanische Kultur und Weltgeschichte rechtfertigen die Lektüre. Wer also jemals wissen wollte wie Yedo (=Tokio) seine Bedeutung erlangte, oder wo der Unterschied zwischen einer Gei-Sha (hoffentlich richtig buchstabiert) und einer Kurtisane liegt und warum es einen geben muß oder wie man denn jetzt korrekt -san, -sama und -chan an die Namen anhängt wird hier bestens bedient. -FAZIT- Obwohl mir Tai-Pan besser gefallen hat ist auch Shogun einen Griff ins Bücherregal wert. Die Charaktere sind glaubwürdig (wenn auch erfunden), die historischen Ereignisse einigermaßen korrekt und der Schreibstil lässt bis auf die paar angesprochenen Mängel wenig zu wünschen übrig. Man erhält im wahrsten Sinne des Wortes anspruchsvolle Unterhaltung, muß also weder vor langweiligen Geschichtstexten noch vor schlechten Recherchen und wenig Tiefgang Angst haben. Bevor ich mich allerdings auch noch an Gai-Jin heranwage brauche ich nach diesem Roman aber erst mal eine Auszeit von derart dicken Wälzern.Mit einer neuartigen ISBN-Nummer kann ich leider nicht dienen, da Shogun genau wie Tai-Pan schon seit Jahrzehnten im Bücherregal meiner Eltern schlummerte und Bücher von 1976 sowas anscheinend nicht unbedingt haben. Das auffinden des Romans in einer Buchhandlung dürfte aber trotzdem kein Problem sein. Also, viel Spaß beim Lesen!
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Taschenbuch, 1152 S., Erschienen: 1986
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11.01.2003 23:53
Kleiner, aber wichtiger Hinweis: Shogun ist keineswegs eine erfundene Geschichte, auch die Hauptpersonen nicht! Clavell muß sehr genau Bescheid gewußt haben: Sämtliche Hauptpersonen, einschließlich Blackthorne, hat es tasächlich gegeben, lediglich die Namen wurden, z.T. nur leicht, abgeändert. Als sehr günstige Taschenbuchausgabe (1200 Seiten) neu im Blanvalet Verlag erschienen.
10.04.2002 11:29
Wie es scheint, sollte ich als ebenfalls Asien-Interessierter auch an dieses Buch herangehen. Daß es teilweise etwas kompliziert ist, kann ich mir gut vorstellen, aber das macht die Sache teilweise nur noch interessanter. Da bleibt nur zu hoffen, daß die Geisha auch wirklich eine solche ist und keine getarnte Kunoichi (weiblicher Ninja)...
06.04.2002 16:38
Ich hab das Buch vor einiger Zeit auf english gelesen. Dort wird es übrigenz als Teil der Asiasag beworben. Danach spielt Shogun um 1600 zur Gründerzei, Tai Pan 1841 zur Blütezeit des Opiumhandels, Gai Jin wenig danch 1862, King Rat beschäftigt sich wie erwähnt mit dem 2. Weltkrieg und Nobelhouse (1963)sowie Whirlewind mit den neuzeitlichen Konflikten. Allerdings gibt es logischerweise keinen richtigen Zusammenhang. Gruß Stephan