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Prämierter Erfahrungsbericht

Ein Tritt in Disneys fetten Hintern

5  07.07.2001

Pro:
gelungene Parodie auf Disneyfilme, Animationen

Kontra:
Kleinigkeiten (s .  Kritik)

Empfehlenswert: Ja 

chainsawyork

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:79

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 258 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da saß der König der animierten Märchen Walt Disney fest in seinem Thron und versorgte die Welt mit Märchenfilmen, weil das Volk zu faul war, die Märchenbücher zu lesen. Doch die Zeit des Königs war gekommen und so sitzt heute sein Nachfolger Disneyboss Michael Eisner auf dem Thron. Die Intellektuellen des Volkes murrten im Hintergrund über tolle Tricktechnik und in den Hintergrund geratene Stories, doch solange das Volk zufrieden war, konnten diese murren, so viel sie wollten.

Unter der Oberfläche sah es anders aus. Vor Jahren startete Prinz Jeffrey Katzenberg und mittlerweile ehemaliger Disney-Vizeboss, dem Volk bekannt durch Filme wie Arielle und oder Der König der Löwen, eine Revolution, bekam 250 Mio. $ Abfindung und wurde aus dem Märchenland verbannt. Mit soviel Geld konnte man sich eigenes Märchenland Dreamworks bauen und so zog man in den Computermärchenkrieg. Pacific Data Images vs. Disneys Pixar. Die Videowaffenhändler und Filmverleiher freuten sich und konnten das Volk mit sehr guten Produkten, wie Antz, Toy Story 1&2 oder Das große Krabbeln versorgen. Der Disneykonzern bekam zwar ein paar Macken ab, aber Katzenberg mußte sich immer angeschlagen zurückziehen.

Bis heute!

Die Geheimwaffe, die Eisner aus seinem Thron pustete und noch locker nebenbei die sogenannten Blockbuster wie The Mummy 2 und Pearl Harbor platt machte, heißt

*Trommelwirbel*

SHREK

Diesem Film widme ich wieder eine ausführliche Filmkritik, seit also vorgewarnt. Faulen Lesern und Leuten, die sich nicht ein paar Überraschungen nehmen lassen wollen, seien Story und Fazit empfohlen.

Story:

Draußen vom Sumpf komm ich her und muß sagen, es stinkt dort sehr. Der Grund ist der ansässige, große, grüne Oger namens Shrek. Er lebt ein Einsiedlerleben, da er alle Eindringlinge entweder mit lautem Gebrüll oder Mundgeruch vertreibt. Seine Zähne putzt er mit ausgedrückter Raupenpasta, seine Haut pflegt er mit Schlamm und Fische werden verspeist, nachdem sie mit einem Furz an die Oberfläche getrieben wurden.

Doch schon bald ist es vorbei mit der Ruhe im Sumpf. Der böse und ziemlich kleine Lord Farquaad hat Prämien auf die Köpfe von Märchengestalten gesetzt und so werden diese alle für Geld abgeliefert und in Shreks Sumpf deportiert. Die 7 Zwerge mit Schneewittchen im Sarg, der Wolf von Rotkäppchen, Pinocchio, die 3 Bären und die 3 blinden Mäuse, Tinkerbell und so weiter. Shrek, der erst vor kurzem einen sprechenden Esel vor den Rittern Farquaads gerettet hat, will seine Ruhe haben und macht sich mit dem Esel im Schlepptau auf zu Farquaads Schloß.

Dort hält der böse Lord ein Ritterturnier ab. Der Sieger soll die Prinzessin Fiona aus den Klauen eines Drachen retten. Mit der Hochzeit der Prinzessin wird der Lord zum König des Landes. Mitten in dieses Turnier platzt Shrek, besiegt die Ritter mit Wrestlingeinlagen und schließt mit Farquaad einen Pakt. Wenn er die Prinzessin rettet, bekommt er seinen Sumpf zurück. So macht sich Ritter Shrek mit seinem edlem Roß, dem geschwätzigen Esel auf, um ein Abenteuer zu erleben und auch wichtige Erfahrungen für sein Leben zu machen.

Animation und Co:

50 Mio. US-$, 5 Jahre Arbeit von 275 Menschen, die tagtäglich vorm Rechner hockten und in der Zeit 31 Sequenzen und 1288 Einstellungen kreiert haben, und über 100 Gestalten aus 31 Märchen und Fabeln (viel Spaß beim Märchenraten ;) stecken in diesem Film. Der Film bietet eine Detailfülle und Farbenpracht, die neue Maßstäbe setzt. Das Figuren Schatten werfen ist normal, aber hier werden auch Kleinigkeiten (Äste, Blätter, Gesichtskonturen) beachtet. Die Haare, vor allem die des Esels, lassen Disneys Dinosaurier vergessen und der Trumpf des Films sind die Gesichter. Was die Gesichter hier an Emotionen und Zügen zeigen, läßt so manchen Unterkiefer runterklappen. Als weiteres Special einige Flüssig- und Feueranimationen, die zu den schwerst zu animierenden Effekten gehören, die es in sich haben. Viele sprechen hier von Photorealismus und die Qualität ist wirklich überzeugend, aber für mich ist dies immer noch der Bereich Zeichentrick. Das Computer bald Schauspieler ersetzen, wird Final Fantasy zeigen, wobei dieser im Bereich Gesichtsanimation und mit Leben erfüllter Zeichentrick laut Kritiken aus Cannes und gesehenen Trailern Shrek nicht das Wasser reichen kann.

Apropos Cannes. Shrek ist doch nicht der erste Zeichentrick auf diesem Filmfest, allerdings der erste, der so sensationell beim Publikum angekommen ist. Das er die goldene Palme nicht gewonnen hat, liegt an der Jury, die den Ruf von Cannes gefährdet sah (Sowas kann doch nicht die Palme gewinnen! *einengroßenSchluckRotweinnehm*)

Der Computerkrieg und der kurze Zug durch die Filmgeschichte der letzten Jahre:

Heisa! Was kriegt Disney am Anfang des Films nicht alles an Seitenhieben verpaßt. Hier die wichtigsten als Hintergrundwissen.

Das Märchenbuchblättern am Anfang des Films ist eine typische Eröffnungssequenz aus einigen Disneyfilmen und was Shrek damit macht... *vbg*. Lord Farquaard sieht Disneyboss Michael Eisner sehr ähnlich. Sein Märchenschloss und die Regeln des Landes könnten direkt aus Disney World stammen (ob Disney da wohl auch was kompensieren wollte fakerschutz chainsawyork ;). Robin Hood ist ein Disney-Charakter und wird voll durch den Kakao gezogen, etc. Auch hier läßt sich wunderbar raten, wer oder was gerade verarscht wird.
Katzenberg bestreitet jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder erfundenen Personen *g*. Kein Wunder, die Märchen unterliegen nicht Disneys Coypright und sind ihm damit frei zugänglich.

Natürlich dürfen die Blockbuster nicht fehlen. Es finden sich hier Szenen und Zitate aus Matrix, 3 Engel für Charlie, Tiger and Dragon, Der Zauberer von Oz, Die Schöne und das Biest uvm. Hier könnte Raterunde 3 beginnen.

Synchronstimmen (dt.):

Sascha Hehn (Traumschiff, Die Schwarzklinik) als Shrek.
Esther Schweins (die Rothaarige aus Samstag Nacht - ehemalige RTL Comedy Show) als Fiona
Randolf Kronberg (Eddie Murphys deutsche Stimme) als Esel und
Rufus Beck (der Bösewicht aus Emil und die Detektive) als Lord Farquaad

Insgesamt von allen eine überzeugende Arbeit. Kronbergs Stimme überzeugt durch die teils humorvolle, teils nervtötende Art des Esels und über den bösen Lord kann man eigentlich nur lachen (wäre auch schlimm wenn hier Kinder verängstigt würden ;).

Musik:

Pop und Rock halten Einzug ins Märchen. Hier finden sich Hits wie I´m on my way-Proclaimers, Bad reputation-Joan Jett oder Best years of our lives-Baha Men. Auf der einen Seite erfrischend anders, erhöhter Fun-Faktor und mal was neues, auf der anderen Seite geht die Intensität flöten, die die jeweiligen Szenen vermitteln wollen.

Kritik:

Zu kritisieren gibt es eigentlich immer was und bei den noch anzuführenden Kritikpunkten kann man sicher ein Auge zudrücken, aber sie zeigen, warum Shrek ein sehr guter Film geworden ist, aber keiner der einen Platz in der Filmgeschichte einnehmen wird.(c)chainsawyork

Wie Abschnitt Der Computerkrieg und der kurze Zug durch die Filmgeschichte gezeigt hat, wird vieles einfach aus anderen Filmen geklaut. Neu ist eigentlich nur die humorvolle Zusammensetzung des Films. Shrek ist für mich eine Art Scream trifft Scary Movie des Zeichentrickfilms. Scream war auch nicht gerade neu, hat seinem Genre aber neue Impulse verschafft, der Furz- und Rülps Humor spricht die jüngeren Zuschauer an und kann sogleich eine Anspielung an Scary Movie sein. Ob Shrek dem Genre einen Schuß Frischblut verschafft, kann nur die Zukunft zeigen.

Die Computertechnik läßt der Kameraführung mehr Freiheiten, es gab einige interessante Einstellungen (z.B. der Kampf mit dem Drachen), aber letzt endlich zu wenig. Verschenktes Potential!
Innerhalb der ersten halben Stunde wird das Pulver verschossen, die Anspielungen, die Witze, alles geht so schnell, daß man teilweise nicht alles mitbekommt. Witze, die ins Leere gehen, sind schnell vergessen, da schon wieder drei neue auf einen einstürmen. Nach dieser halben Stunde wechselt die Parodie zum Märchen ala Die Schöne und das Biest und immer wieder zwischendurch blitzt die eigentliche Parodie oder der Humor auf. Eine bessere Verteilung wäre angebracht gewesen, so ergeben sich teils holprige Tempowechsel und einige Längen, wenn es besonders besinnlich werden soll. Diese Längen und Tempowechsel werden noch durch den Aspekt verstärkt, daß Shrek versucht Actionfilm, spitzfindige Parodie und romantische Komödie zu vereinen, die Übergänge sind nicht immer glücklich gewählt.

Irgendwie wird die Idee der Parodie zum Schluß dem Mainstream-Märchen geopfert. Eigentlich schade, aber im Filmgeschäft kann man Disney nur mit nackten (Einspiel-)Zahlen an dem Eiern packen. Shrek hat jetzt schon das mehrfache eingespielt (5fache in den USA).

Fazit:

Der Film spricht wirklich alle Altersklassen an. Maßstab setzende Animationen, Seitenhiebe auf Disney, verschiedene Humorarten, Eltern und Kinder werden sich in dem Film öfters gegenseitig ansehen, da sie an verschiedenen Stellen lachen werden, gute Story und nette bis süße Charaktere. Shrek ist für mich momentan die Referenz im Bereich Zeichentrick und Familienunterhaltung, an dem sich die anderen Filme erstmal messen müssen (Dies wären Final Fantasy und Disney Gegenschlag mit Pixars - Monsters Inc.). Die Empfehlung ist ein klares Ja, zum -muß man gesehen haben- reicht es nicht ganz. Unter die Top 3 Filme Jahres wird er es mit Konkurrenten wie Tiger&Dragon und Der Herr der Ringe nicht schaffen, aber einen Ehrenplatz hat Shrek bei mir sicher.

Eltern, schnappt euch eure Kinder, Kinder schnappt euch eure Eltern, ich würde mir dem Film auf der großen Leinwand ansehen. Es gibt so viele Sachen, die im TV einfach untergehen werden.

Der Film hat in Deutschland eine FSK 0, wurde in den USA aber aufgrund leicht schmutziger Sprache und schwarzem Humor mit PG (Parental Guided, in Begleitung Erwachsener) gewertet. Die Länge liegt bei 90 Minunten, ist also Quengelkinder tauglich. Aufgrund einiger Abzüge in der B-Note (s. Kritik) gibt es von mir 4,7/5 *.

Viel Spaß bei Shrek und um mich mit Shreks Worten zu verabschieden: *RÜLPS*

P.S: Mit Disneys fetten Hintern meinte ich den bisher eher konkurrenzlosen Hintern der Firma Disney und nicht Walt Disney. Möge er sich in Frieden im Grabe rumdrehen ;).
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
lycer

lycer

02.01.2002 22:09

Wirklich schöner Bericht, habe den Film auch gesehen... Lieben Gruss, ähm *Rülps*, Nicole.

Stuebi

Stuebi

04.12.2001 21:52

Also mir hat jeman erklärt, daß man/frau hier nur Diamanten kriegt, wenn man/frau seriös schreibt ... und dann dies *RÜLPS* ... ich fühle mich definitiv getäuscht ... *gg* ... GRuß Stübi

Maegumi

Maegumi

13.09.2001 12:59

Ganz meine Meinung! Gruß, Maegumi

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