Vorgeschichte
~~~~~~~~~~~~
So ein Barebone im Wohnzimmer, das ist doch was: kaum hörbar steht er unter dem Fernseher und verrichtet treu und stromsparend seinen Dienst als Multimedia-Zentrale fürs ganze Haus.
Das könnte der Satz gewesen sein, der mich in meiner Entscheidung, einen Barebone zu kaufen, das entscheidende Stück näher gebracht hat. Daß es ein Original sein muss, daran gab es nie Zweifel. Mit dem XPC SN25P hatte ich ja schon einige (größtenteils sehr gute) Erfahrungen gesammelt - und ich hätte mich auch für dieses Modell entschieden, wenn da nicht die bange Frage gewesen wäre: Gibt es in zwei Jahren noch Prozessoren für Sockel 939?
Da ich nicht mehr ganz neu auf dem Gebiet bin, habe ich mir die Frage mit Nein beantwortet und mir das Nachfolgermodell, den SN27P2 näher angeschaut. Offenbar alles genauso, nur noch performanter, noch mehr Anschlüsse und noch schöneres Design.
Gesagt, gekauft.
Dazu die folgenden Komponenten:
Prozessor: AMD Athlon64 3500+
Arbeitsspeicher: 1 GB RAM, MDT, DDR2-800, CL5 (2x512 MB)
Grafikkarte: XFX GeForce 7600 GS
Festplatte: Maxtor 7V250F0 (250 GB, 16 MB Cache)
DVD-Brenner: LG GSA-H10N (Schwarz)
Das Ganze habe ich bei Mindfactory bestellt, der Barebone hat 449,00 Euro gekostet (Stand: 9/2006).
Erster Eindruck
~~~~~~~~~~~~~
Das Gerät kam in einem praktischen quaderförmigen Karton mit robustem Tragegriff. Eingepackt war der SN27P2 in zwei weiche Schaumstoffteile (links und rechts) und eine Schaumstofftüte. Die Vorderfront besteht zum größten Teil aus schwarzem Aluminium (gebürstet), die Seiten sind schwarz lackiertes Blech, Boden und Rückseite sind unlackiert.
Auch ohne eingebaute Kompontenten machte der SN27P2 einen recht schweren Eindruck, massiv, kompakt - wie man das von einem XPC erwartet. Ich war also zunächst höchstgradig begeistert und konnte es kaum erwarten, ihn fertig montiert zum ersten Mal anzuschalten.
Was mir aber gleich auffiel - und wofür ich ihm auch einen Punkt abziehen muss - ist die Tatsache, dass er keinen PS/2-Anschluss, weder für Maus noch für eine Tastatur besitzt. Dafür aber einen CMOS-Clear-Knopf, über dessen Sinn man sich natürlich streiten kann.
Positiv sei hier erwähnt, dass es einen externen SATA-Anschluss gibt. Dies wird (vor allem in Zukunft) das Anschließen von Geräten mit sehr hohen Transferraten wesentlich erleichtern.
Lieferumfang
~~~~~~~~~~~
- SN27P2 Barebone inkl. Mainboard, Kühlkörpern und Lüftern
- Mehrsprachiger Installations-Leitfaden
- XPC Treiber-CDs für Windows (32 / 64 Bit)
- Shuttle-Extras-CD
- RAID Installations-Handbuch mit Treiberdiskette
- Laufwerkskabel für Diskettenlaufwerk, IDE-Laufwerk und Serial-ATA
- Netzkabel
- Schrauben und Wärmeleitpaste
Montage
~~~~~~~~~
Vom SN25P wusste ich ja schon, dass die Montage eines Barebones etwas anders verläuft als die eines normalen PCs. Das Innere des SN27P2 überraschte mich aber etwas: Anstatt des ausgeklügelten SilentX-Luftkanalsystems gab es da nur 3 Gehäuselüfter: zwei kleine an der Rückseite und einen 93mm-Lüfter direkt gegenüber vom Prozessorkühler. Offenbar hat man hier gespart. Auf der Northbridge sitzt ebenfalls ein aktiver kleiner Kühllüfter.
Die Montage des Prozessors und der Grafikkarte verlief problemlos. Allerdings gab es mit der Festplatte und dem DVD-Laufwerk einige Schwierigkeiten. Auch hier muß ich sagen, dass das Konzept des SN27P2 weniger durchdacht ist als es beim Vorgängermodell der Fall war. Das beginnt damit, dass die "Körbe" für die Festplatten umständlich mit je 4 Schrauben befestigt sind, die man natürlich alle lösen muss, wenn man an den 5,25-Zoll-Schacht will. Letzterer ist beweglich und muss ebenfalls mit Schrauben festgemacht werden, ebenso wie das Laufwerk selber.
Das ständige Schrauben ist aber nicht einmal das größte Problem: Viel schlimmer ist die Tatsache, dass man sich offenbar bei der Länge den SATA-Kabeln vertan hat. Diese sind eindeutig zu kurz und müssen, um angeschlossen werden zu können, schmerzhaft gewaltsam verdreht werden. Da dies auch noch in der Kurzanleitung genau so beschrieben ist, gehe ich davon aus, dass es so vorgesehen ist.
Der Gehäusedeckel ist mit 4 Daumenschrauben zu befestigen.
Wen's interessiert: Hier kann man sich ein Bild vom Innenleben des Barebones machen:
http://hardware.thgweb.de/images.html?/2006/07/18/shuttle-xpc-sn27p2-mini-pc-amd-athlon-am2-prozessor/shuttle-am2-offenbig.jpg
Anschlüsse
~~~~~~~~~~~
Der SN27P2 verfügt über eine Reihe von Anschlüssen, die für ein Multimedia-System wichtig sind.
Extern:
8x USB 2.0 (2x vorn, 6x hinten)
2x FireWire (1x Miniport vorn, 1x 6-polig hinten)
1x SATA (hinten)
1x GBit/s-LAN (hinten)
2x Line Out (1x 8-Kanal hinten, 1x Stereo vorn)
1x SPDIF digitaler Audio-Ein-/Ausgang (hinten)
1x Mikrofoneingang (vorn)
Intern:
3x SATA-II
1x ATA-133
1x Floppy
1x PCIe (16x)
1x PCI (32-Bit)
4x DDR2 (für bis zu 8 GB RAM)
Für Enttäuschung sorgte bei mir das Fehlen eines Kartenlesegerätes, das beim SN25P noch als Standard-Ausstattung eingebaut war. Platz genug wäre vorhanden, ich muss jedoch wiederum vermuten, dass man es aus Kostengründen weggelassen hat.
Praktisch hingegen ist der PCI-Steckplatz - mit einem solchen ist allemal mehr anzufangen als mit einem PCIe 1x, für den es nur sehr wenige (und noch dazu teure) Karten gibt.
Erster Start
~~~~~~~~~~~
Wie bei Shuttle üblich, gibt es ganz zu Beginn ein schönes XPC-Werbelogo, das über den ganzen Bildschirm eingeblendet wird. Mit ESC gelangt man ins BIOS-Setup, welches für Normalanwender auch mit ausreichend Einstellmöglichkeiten versehen ist. Für Overclocker ist es, fürchte ich, eher weniger geeignet, da man gewisse Feinjustierungen nicht vornehmen kann. Aber das soll uns hier nicht weiter beschäftigen.
Was mich aber beschäftigte, war die Geräuschkulisse. Vom Vorgängermodell war ich ein starkes Rauschen, das die ersten 3 Sekunden nach dem Einschalten ertönt, ja schon gewöhnt. Auch beim SN27P2 gibt es dieses Rauschen, das dann auch aufhört - allerdings ist das Normalgeräusch lauter (ich meine sogar, wesentlich lauter) als das des Vorgängers. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber es fällt auf.
Windows-Installation
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Gleich zu Anfang ist als Pluspunkt hervorzuheben, dass sogar zwei SATA-Treiberdisketten im Lieferumfang enthalten sind. Nur eine davon ist notwendig.
Mit einer SATA-II-Platte ist die Windows-Installation eine kurze Sache. Alles verlief problemlos, auch der Anschluss an das Netzwerk klappte ohne Zwischenfälle.
Betrieb und Test
~~~~~~~~~~~~~~~
Was hier sicher interessant ist: Temperatur und Stromverbrauch. Ich habe mal ein paar Tests gemacht, hier die Ergebnisse:
CPU-Temperatur Leerlauf: 43° C
CPU-Temperatur Voll-Last*: 52° C
Stromverbrauch** Leerlauf: ~ 85 Watt
Stromverbrauch CPU-Voll-Last*: ~115 Watt
- Messung nach 75 Minuten Prime95 (Torture Test)
- * Ohne Monitor
Die Werte sind durchaus akzeptabel. Auch nach einiger Zeit Voll-Last verändert sich die Lautstärke des Systems nicht, nur der ausgestoßene Luftstrom wird wärmer.
Zweiter sehr interessanter Punkt: Die Leistung.
Aufgrund des DDR2-Speicherbusses hat der SN27P2 natürlich einige Kraftreservern im Vergleich zu seinem Vorgänger. So sind die folgenden Speicher-Messwerte nicht verwunderlich:
Lesedurchsatz: ~ 6900 MB/s ***
Schreibdurchsatz: ~6200 MB/s ***
Latenz: 58,9 ns ***
*** Die Messung erfolgte mit Lavalys Everest Ultimate 3.01, die Messwerte kamen durch Verwendung mit der o.g. Hardware zustande.
Als kleine Orientierung für alle, die damit etwas anfangen können: Der PhotoWorxx-Test erzielt ordentliche 11200 Punkte.
Diverse Tests mit Aquamark und 3DMark 2005 habe ich ebenfalls durchgeführt, da die Ergebnisse aber eher die Grafikkarte betreffen, gehe ich hier nicht weiter darauf ein.
Insgesamt läuft das System unter Windows XP stabil und flüssig. Der NVidia NForce 570-Ultra-Chipsatz leistet einen hervorragenden Durchsatz, so dass man selbst mit einem kleineren Athlon64 (single core) das Gefühl hat, an einem sehr flotten Rechner zu sitzen. Für Multimedia-Anwendungen ist das Gerät auf jeden Fall zu empfehlen.
Fazit
~~~~~
Der XPC SN27P2 ist ein solides, leistungsstarkes Gerät, das zusammen mit den richtigen Komponenten zum wahren Kraftprotz werden kann. Für Multimedia-Fetischisten, Leute, die gerne einen Rechner im Wohnzimmer stehen haben wollen und Freunde platzsparender Technik kann ich hier meine eingeschränkte Empfehlung aussprechen: Zwar verfügt das Gerät über die fortgeschrittenere Technik (im Vergleich zum Vorgängermodell), weißt aber auch einige gewichtige Lücken auf:
- Fehlende PS/2-Anschlüsse
- Fehlendes Kartenlesegerät
- unpraktisches Innenraumkonzept (ohne Schraubenzieher ist man verloren!)
- fast schon unangenehme Geräuschkulisse (was die Wohnzimmertauglichkeit schon fast in Frage stellt)
Wer mit diesen Mängeln leben kann (und wer nicht genug Geld für ein System mit Intel Conroe hat), für den ist der SN27P2 genau das Richtige: Zukunftssicher, Leistungsstark und auf jeden Fall ein Hingucker!
Weitere Informationen
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Für alle, die jetzt gerne noch "ganz wichtige Details" wie Abmessungen und Gewicht wissen wollen: Der Hersteller Shuttle stellt detaillierte technische Informationen und jede Menge hochauflösendes Bildmaterial auf seiner Website bereit:
http://eu.shuttle.com/en/DesktopDefault.aspx/tabid-72/170_read-13021/
Weiterhin verweise ich an dieser Stelle noch auf einen ausführlichen Test des Gerätes bei Tomshardware vom Juli 2006:
http://hardware.thgweb.de/2006/07/18/shuttle-xpc-sn27p2-mini-pc-amd-athlon-am2-prozessor/index.html
07.02.2007 20:04
Hallo, na das ist ja ein super Bericht ;-) Habe das gleiche Gehäuse. Zu dem Cmos Clear Knopf den habe ich schon mal gebraucht und war froh das es den gab. Denn ich habe mit den Timings vom Speicher eyperimentiert, allerdings ist er dann nicht mehr hoch gefahren und ich kam auch nicht ins Bios, da war dieser Knopf dann schon sehr hilfreich. Zwar muß man dann einiges wieder neu einstellen, aber normal braucht man ja eh kaum was zu verstellen passt ja soweit ganz gut. Zum Lüftergeräusch, das ist der vom Netzteil der da etwas rauscht. Man kann zwar sagen das wenn man wie üblich davon entfernt sitzt und man den Ton vom TV hat kaum was davon hört, aber es ist schon etwas viel. Bei den Lüftern kann man aber schon noch was machen das die etwas leiser werden. Z.B. sind diese Gitter vor den Lüftern schon mal viel zu klein in den Durchlässen und der Abstand von den Rotorblättern zu festen Teilen zu niedrig, klar das das rauscht. Leider machen das die meisten Hersteller falsch. Das Gehäuse ansich finde ich aber Top passt alles rein was man braucht der Onboard Sound ist gut. Festplatten habe ich auch 2 drin als Raid und Arbeitsspeicher passt ja genügend rein mit 4 Steckplätzen. Was man noch dazu sagen könnte das intern ja auch noch USB Schnittstellen vorhanden sind z.B. eben für die Erweiterungen Cardreader, Bluetooth und W Lan. Also an Anschlüssen mangelt es sicher nicht ;-) Gut PS2 ist natürlich nicht so toll das der fehlt, aber wenn man noch ne PS2 Maus oder Tastatur hat kann man sich mit nem Adapter auf USB helfen kostet ca. 10€ den habe ich auch gebraucht für meine Altertümliche Funktastur :-D Was mich sehr erfreut hat das genug Platz für ne GeForce 7950 ist, also auch wunderbar zum Zocken geeignet ;-)
12.10.2006 10:11
Ich frage mich, ob du tatsächlich digitale Medien verwalten willst - dein System ist für mich einfach nur ein Desktop-PC. Was brauche ich z.B. in Zeiten der 1.000-USB-Anschlüsse und der BT-Adapter PS/2?
11.10.2006 15:22
super dein Bericht, sehr ausführlich und interessant geschrieben