Schleudern, Rutschen, Drehen
18.10.2010
Pro:
Das gelernte kann helfen, Leben zu retten
Kontra:
Nix
Empfehlenswert:
Ja
 squarerigger
Über sich:
Besonders am Herzen liegt mir derzeit meine Meinung zur (Nicht-)Zukunft der Atomkraft. - Besucht me...
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Preisfrage: Wie viele Autofahrer gibt es in Deutschland? Und wie viele Menschen können gut Auto fahren? Ich persönlich glaube ja, dass die Zahl derer, die wirklich gut Auto fahren können, deutlich geringer als die Zahl derer, die dies regelmäßig tun, ist. Anders formuliert: Nicht jeder, der einmal einen Führerschein gemacht hat, kann auch wirklich gut Auto fahren. Einen guten Autofahrer zeichnet unter anderem aus, dass er auch in Extremsituationen, die sich im Verkehrsalltag ergeben können, sein Auto sicher beherrscht. Dinge wie Gefahrenbremsung (früher auch als Notbremsung bekannt), doppeltes Ausweichen um ein Hindernis herum (auch bekannt als Elchtest), Abfangen eines Autos z.B. nach einem geplatzten Hinterreifen oder Bremsen auf nur einseitig rutschigen Straßen lernt man in der Fahrschule nicht. Und auch wenn solche Ereignisse vielleicht nicht gerade alltäglich sind, so können sie alle jederzeit eintreten. Wer in solchen Situationen richtig reagiert, der ist in meinen Augen ein guter Autofahrer.Und dieses richtige Reagieren kann man üben. An verschiedenen Orten in Deutschland finden sich sog. Fahrsicherheitszentren, an denen sog. Fahrsicherheitskurse angeboten werden. Veranstaltet werden diese i.d.R. durch Automobilclubs wie ADAC oder AVD bzw. durch die Deutsche Verkehrswacht. Da ich selbst schon zwei Mal einen solchen Kurs besucht habe, möchte ich heute darüber informieren. Mein erstes Fahrsicherheitstraining ist schon fast zehn Jahre her. Damals fuhr ich einen älteren Toyota Corolla, der noch ohne die heute in modernen Autos üblichen elektronischen Hilfsmittel wie ABS (Antiblockiersystem) oder ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) auskam. Inzwischen fahre ich einen Citroen Berlingo, der sowohl über ABS als auch über ESP verfügt. Gerade deshalb wollte ich schon seit geraumer Zeit einen solchen Kurs machen, denn mich interessierte, wie mich diese elektronischen Fahrassistenten im Extremfall unterstützen können. Das Basis-Fahrsicherheitstraining dauert in der Regeln einen Tag und soll neben grundlegenden Infos zum sicheren Fahren die notwendigen Reaktionen in ausgesuchten Extremsituationen vermitteln. Hinzu kommen bei den meisten Anbietern Aufbau-Trainings, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Da ich ein solchen Aufbau-Training noch nicht besucht habe, wird sich dieser Bericht auf das Basis-Training beschränken. Eines meiner Trainings habe ich beim ADAC, das andere beim ACE absolviert. Die Inhalte waren jedoch größtenteils identisch, so dass mein Bericht Elemente aus beiden Kursen behandelt.Die Preise für solche Kurse können sehr unterschiedlich sein, insofern sollte man vorab vergleichen. Ich hätte bisher beide Male das Glück, dass ich gar nichts dafür bezahlen musste. Mein erster Lehrgang wurde von meinem Arbeitgeber und dessen Berufsgenossenschaft bezahlt, den zweiten bekam ich von meiner Gewerkschaft (ver.di) als Dank dafür, dass ich eine bestimmte Zahl neuer Mitglieder geworben hatte, geschenkt. RICHTIGE SITZPOSITIONLos geht ein solcher Kurs i.d.R. mit der Feststellung der korrekten Sitzposition. In der Fahrschule lernt man ja meistens, wie man sitzen sollte: Hände in „Viertel vor drei“-Stellung am Lenkrad, Rückenlehne möglichst senkrecht, Arme und Beine so, dass sie nicht ganz durchgedrückt sind. Aber in der täglichen Fahrpraxis vergisst man dies häufig und sucht sich eine andere, vermeintlich bequemere Position. Warum diese „klassische“ Position dennoch sinnvoll ist, wird hier nicht nur theoretisch erklärt, vielmehr ergibt sich aus den praktischen Übungen auch, warum dies so ist. So kann beim schnellen Ausweichen eine andere Lenkradhaltung als „Viertel vor drei“ zu Problemen führen, ebenso dürfte die Gefahrenbremsung mit durchgestrecktem Bein schwierig werden.EIN BISSCHEN FAHRPHYSIK Ein bisschen Fahrphysik muss sein. Nur wenn man weiß, wie Front- bzw. Hecktriebler in bestimmten Situationen reagieren, kann man auch lernen, was man dagegen tun kann. Ebenso ist es wichtig, die Funktionsweise und den Einsatzbereich der elektronischen Helferlein wie ABS oder ESP zu kennen, da man nur dann nicht überrascht ist, wenn sie wirklich mal einsetzen.SLALOM ZUM WAHRWERDEN Zum Beginn der praktischen Übungen startet man häufig mit einem kleinen Slalomparcours, den man mit jedem Durchgang mit etwas höherer Geschwindigkeit durchfahren soll. Hier sieht man zum ersten Mal deutlich, dass die richtige Lenkradhaltung wichtig ist, denn nur dann kann man den Parcours ohne Umgreifen (welches kostbare Zeit kosten kann) absolvieren. Zudem merkt man hier in der Regel irgendwann, wie das ESP einsetzt und den Wagen stabilisiert, damit er nicht kippt. Dies erkennt man u.a. daran, dass, obwohl man weiter Gas gibt, der Motor Leistung verliert. Diese Übung hat nicht unbedingt praktischen Wert für den täglichen Verkehr, da dort Slalomparcours eher nicht die Regel sind; sie dient vielmehr dem Kennenlernen des eigenen Wagens.GEFAHRENBREMSUNG Die Not- oder Gefahrenbremsung dagegen ist eine Übung mit sehr ernstem Hintergrund. Nehmen wir nur mal das Beispiel an, dass auf freier Strecke auf einmal am Straßenrand ein Kind auftaucht und auf die Straße springt. Instinktiv tritt hier fast jeder auf die Bremse, aber wohl nicht immer in vollem Umfang. Hier übt man wirklich, wie man sein Fahrzeug auf kürzestmöglicher Strecke zum Stehen bringt, indem man das Bremspedal sehr rasch bis zum Anschlag durchtritt und zugleich die Kupplung ebenfalls tritt. Musste man früher bei Autos ohne ABS noch die sog. „Stotterbremse“ anwenden, bleibt man bei Autos mit ABS einfach voll auf der Bremse, bis man steht. Zugegeben, das kann etwas Überwindung kosten, aber es ist durchaus erstaunlich, wie kurz bei modernen Autos der Bremsweg ist. Die Faustformeln, die man früher mal in der Fahrschule gelernt hat, greifen hier nicht mehr.Zunächst übt man das Bremsen auf normalem Fahrbahnbelag (welcher i.d.R. gewässert wird, um die Reifen zu schonen). Später kommt dann das Bremsen auf rutschigem Untergrund hinzu, wobei man hier sofort merkt, dass die Bremswege länger werden. AUSWEICHEN MIT GEFAHRENBREMSUNGDie Steigerung der regulären Gefahrenbremsung ist das Ausweichen mit gleichzeitiger Gefahrenbremsung. Man merkt, dass man am Hindernis nicht mehr vorbeikommt und macht während des Bremsvorgangs noch eine Ausweichbewegung, um z.B. auf der Standspur oder der Gegenspur zum Stehen zu kommen. Auch dies ist mit ein wenig Übung gar nicht so schwer. DOPPELTES AUSWEICHEN Was aber macht man, wenn die Strecke zum Bremsen nicht mehr reicht und man auch keine ausreichende Fläche zum Stehenbleiben hat, z.B. weil auf der Gegenspur schon wieder Gegenverkehr kommt. Hier setzt diese Übung an, die dadurch bekannt wurde, dass die Mercedes-A-Klasse sie nicht bestand, sondern dabei umkippte. Dass die Übung „Elchtest“ heißt, hängt damit zusammen, dass sie z.B. durch plötzlich auf der Straße auftauchendes Wild bei gleichzeitigem Gegenverkehr entstehen kann. Ist der Gegenverkehr schon so nah, dass man das Ausweichen nicht mehr schaffen kann, sollte man natürlich das Wild „aufs Korn“ nehmen und abschießen, aber wenn man noch ein wenig Platz hat, ist das doppelte Ausweichen sicherer und materialschonender. Hier gilt es, bei höherer Geschwindigkeit so schnell auszuweichen und danach das Auto ebenso rasch wieder abzufangen, damit man auf die eigene Fahrspur zurückkehrt und nicht in den Gegenverkehr hineinrast. ABFANGEN AUSBRECHENDER FAHRZEUGENoch eine Steigerung zur Gefahrenbremsung: Was passiert, wenn die Reifen auf einer Seite gut greifen, auf der anderen wegen Eis, nasser Blätter, etc. aber nicht? Dann bricht der Wagen i.d.R. aus. Hier lernt man das Abfangen in einer solchen Situation. Eine ähnliche Situation kann auch entstehen, wenn ein Hinterrad platzt. Dies wird beim Fahrsicherheitstraining auf der sog. „Schleuderplatte“ erreicht, die ein solches Ereignis simuliert.KURVENFAHREN Kurvenfahren sollte jeder Autofahrer können. Was aber, wenn die Kurve irgendwann enger wird, sie einen rutschigen Belag hat, man sie zu schnell angefahren hat, kurz: wenn man kurz davor ist, den Abflug zu machen? Auch hier kann man bis zu einem gewissen Grad noch reagieren – irgendwann aber nicht mehr, und dann ist man im Sicherheitstraining froh, dass es große Auslaufflächen gibt, die man in der Realität so nicht immer hat.KENNENLERNEN DES EIGENEN AUTOS All diese Übungen dienen nicht nur der Einübung der richtigen Vorgehensweise, sondern helfen auch, dass eigene Auto kennenzulernen. Wie reagiert es im Grenzbereich? Wann bricht es wie aus? Wie helfen ABS und ESP? Hier lernt man wirklich viel, was einem das zukünftige Fahren leichter macht.FAZIT Man lernt hier Verhaltensmuster, die man ohne den Kurs so nicht immer hätte, z.B. weil man Angst vor einer bestimmten Reaktion hatte. Dass moderne Autos mit ESP fast nicht mehr umkippen können, erleichtert z.B. das Ausweichen gewaltig. Dennoch kostet dieses Prozess ebenso wie die knallharte Gefahrenbremsung einfach Überwindung. Im Fahrsicherheitstraining kann man all dies unter Laborbedingungen ausprobieren und merkt, dass es geht.Ich hatte beide Male das Glück, dass die Kurse durch sehr gute Instruktoren gehalten wurden, die die Inhalte spannend und anschaulich verpackten, so dass ich jedes Mal etwas mitnehmen konnte, von dem ich zwar hoffe, es im Alltag nie einsetzen zu müssen, von dem ich aber weiß, dass es mir im Ernstfall sicher weiterhelfen wird. Ich kann ein solches Fahrsicherheitstraining wirklich jedem Autofahrer empfehlen. P.S. Und wieder mal sind die Produktdetails mehr als unsinnig, liebes Ciao-Team!
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14.01.2011 07:09
bh ! greetz from wallcity beartown
22.12.2010 23:51
Sorry, ich hänge mit den Lesungen verfixt weit hinterher - aber sie kommen alle, versprochen ;o)
28.10.2010 11:12
wertvolle Infos, danke und Gruß!