Schreckliche Kindheitserinnerungen
09.01.2002
Pro:
s . Text
Kontra:
s . Text
Empfehlenswert:
Ja
 tattabu
Über sich:
Mitglied seit:26.03.2001
Erfahrungsberichte:13
Vertrauende:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dies ist die Geschichte eines Jungen, der mehrere Jahre lang auf grausamste Weise, seelisch und körperlich misshandelt wurde. Anfangs sieht man das Bild einer glücklichen Familie, aber eines Tages verwandelt sich die, bis dahin liebevolle Mutter in ein wahres „Monster“ und quält ihren Sohn so sehr, dass dieser ein paar Mal nur knapp mit dem Leben davonkommt . Immer wieder lässt sie sich „Spielchen“ einfallen, z.B. wird Dave bestraft, wenn er die Hausarbeit nicht in einer bestimmten Zeit schafft. Oft muss er stundenlang in der Garage stehen, ohne sich zu bewegen, im Winter ohne Jacke Rollschuh laufen, mit den anderen Familienmitgliedern darf er nicht reden und diese dürfen ihn auch nicht beachten. Er muss sogar allein in der Garage schlafen und bekommt oft mehrere Tage lang nichts zu essen, so dass er gezwungen ist, seine Mitschüler zu bestehlen. Ständig wird er verprügelt und einmal geht seine Mutter sogar mit dem Messer auf ihn los. Der vorher in der Schule beliebte Junge, wird auch dort zum Außenseiter. Erst durch das Eingreifen seiner Lehrer wird Dave aus den Klauen seiner Mutter befreit. Würde es sich hier um einen Krimi handeln, man käme wohl nicht umhin, zu denken, dass der Autor eine reichlich kranke Phantasie hat. Noch viel erschreckender und weitaus schlimmer aber finde ich die Tatsache, dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt. Das Buch hat mich wirklich sehr bewegt, allein schon der Gedanke, dass solche Sachen einem wehrlosen Kind angetan wurden, macht unendlich traurig. Gleichzeitig war ich aber auch wütend auf all die Leute, die einfach die Augen vor der Wahrheit verschlossen, nur, um sich selbst keinen Ärger einzuhandeln. Vor allem, wenn ich über Daves Vater las, der alles mit ansah und nicht gerade viel unternommen hat, um seinem Sohn zu helfen, dachte ich ständig: “Nun tu doch endlich mal was!“. Hier ein kurzer Auszug, damit Ihr wisst, was ich meine:„Auf der Couch saß mein Held. Ich wusste, dass er sich um Mutter kümmern und mich ins Krankenhaus bringen würde. Ich stand vor Vater und wartete darauf, dass er die Seite umblättern und mich erblicken würde. Als er es Tat, stotterte ich : „Vater...Mu...Mu...Mutter hat mir mit einem Messer in den Bauch gestochen.“ Er zuckte nicht mit der Wimper. „Warum“ fragte er nur. „Sie hat gesagt, dass sie...mich umbringt, wenn ich den Abwasch nicht rechtzeitig fertig habe.“ Die Zeit stand still. Ich hörte, wie Vater hinter der Zeitung nach Luft schnappte. Er räusperte sich, ehe er sagte : Nun...ähm...du solltest besser wieder in die Küche gehen und den Abwasch machen.“ Genauso wenig kann ich natürlich nachvollziehen, was in der Mutter vorgegangen sein muss. Wie kann sich eine liebende Mutter in ein solches Monstrum verwandeln und warum quälte sie nur eines von ihren vier Kindern?Leider erfährt man in dem Buch nicht, was mit dem Rest der Familie passierte, nachdem man Dave von dort weggeholt hatte. Mich hätte auch interessiert, wie der Junge in der neuen Umgebung klarkam und wie seine weitere Jugend verlaufen ist, aber auch dies wird nicht erwähnt. Der Erzählstil des Buches ist teilweise erschreckend emotionslos, was das Ganze aber irgendwie noch schockierender erscheinen lässt. Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals bei einem Buch geweint zu haben, aber hier kamen mir gleich mehrmals die Tränen und nach dem Ende war ich so aufgewühlt, dass ich in der Nacht kaum schlafen konnte.Dave Pelzer selbst ist heute erwachsen und glücklicher Vater eines Jungen. Er hat mehrere Bücher geschrieben, die in englischer Sprache erhältlich sind und seine schrecklichen Kindheitserlebnisse auf bewundernswerte Weise verarbeitet. Nachdem er lange bei der U.S. Air Force tätig war, arbeitet er heute für verschiedene Kinderschutzorganisationen. „Sie nannten mich Es“ ist beim Goldmann Verlag erschienen und hat 159 Seiten (ISBN 3-442-15055-8).
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29.06.2003 13:06
Sehr gut beschrieben, ich habe das Buch auch gelesen, ehrlich... mir wurde einmal sogar richtig übel dabei. Ich finde es einfach fürchterlich. Aber selbst wenn man sich ans Jugendamt wendet und irgendwelche Beobachtungen meldet passiert nicht viel, die können ja nur "angemeldet" kommen. Welch eine Zeit......
21.06.2002 18:31
Habe das Buch im englischen Original gerade gelesen und war auch erschüttert! Vor allem trifft meiner Meinung nach den Vater mindestens genausoviel Schuld am Leiden des Jungen wie die Mutter selbst. Habe nun auch den zweiten Teil des Buches in englischer Originalfassung mitgebracht der Dave's Leben bis zum Erwachsenwerden beschreibt und angeblich noch viele Infos zu den Eltern gibt und Fragen beantwortet die im ersten Buch offen geblieben sind. Übrigens gibt es noch mehr Bücher solcher Art über die ich auch geschrieben habe. Z.B. "Ich weiss nur mein Name ist Steven" handelt von einem kleinen Jungen, der von einem pädophilen Mann entführt wurde und bei ihm 7 Jahre lang als sein Sohn leben musste.
17.01.2002 14:04
solche bücher schaffe ich nicht zu lesen, ich finde es einfach grausam , wenn die geschichten dann auch noch wahr sind. erschreckend, wozu menschen und hier auch noch die eigene mutter fähig sind und mich würde es auch ewig nicht in ruhe schlafen lassen, liebe grüße rettchen