>ES<
09.09.2004
Pro:
- -
Kontra:
- -
Empfehlenswert:
Ja
 nikosternchen
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:517
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 140 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vor einiger Zeit las ich auf dieser Meinungsplattform einen Bericht über ein Buch der mich sehr gerührt hat. Dieser Bericht machte mich zudem sehr neugierig auf ein Buch, welches ich quasi sofort kaufte, aber zunächst mal in mein Bücherregal einsortierte. Ein Buch, bei dem man in der passenden Verfassung sein muss um es zu lesen. Ich bin ja bekanntlich Fan von Serienkillern, verrückten Romanhelden und auch Antihelden. Aber so skurril oder brutal dies auch meist ist, ich weiß: Es ist der Fantasie des Autoren entsprungen. DAVE PELZER ist zwar auch ein Autor, aber seine Geschichte, so unglaublich sie auch klingt ist wahr. Er schreibt zu beginn das er sich bemüht aus seiner damaligen Sicht zu schreiben, was das buch meines Erachtens umso beeindruckender macht. SIE NANNTEN MICH >ES< Beginnt damit das Dave von seiner „Rettung“ erzählt. Von dem Tag als eine Lehrerin dem Grauen ein Ende setzt indem sie Dave endlich dem Jugendamt übergibt. Die Gefühle und die Ängste die Dave bei seiner „Rettung“ empfindet, weil er immer noch nicht glauben kann das es wahr ist, sind unvorstellbar. So weiß der Leser aber im weiteren Verlauf des Buches das es sich doch irgendwann zum Guten wendet. Dave wächst in einer augenscheinlich normalen Familie auf. Er hat noch zwei jüngere Brüder und liebevolle Eltern. Aus, für den Jungen nicht nachvollziehbaren Gründen ändert sich aber die Situation. Seine Mutter verändert sich . Immer wenn der Vater zur Arbeit ist, liegt sie nur noch auf dem Sofa, sieht sich Talkshows an. Sie ist ungepflegt und aggressiv. Aus ebenfalls nicht nachvollziehbaren Gründen kompensiert sie ihre Aggressionen auf Dave. Schläge sind das harmloseste was der 4jährige erleiden muss. „ Du hast mein Leben zur Hölle gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, dass ich d i r das Leben zur Hölle mache.“ Mit diesen Worten zerrt die Mutter ihren fünfjährigen Sohn wie von einem teuflischen Plan besessen zum Herd und hält seinen Arm über die Gasflamme, bi s ihr der Geruch von versengtem Fleisch in die Nase steigt. (Buchrücken) Nicht nur körperlichen Terror, sondern auch seelische Qualen muss der Kleine erleiden. Nicht nur von seiner Familie ausgegrenzt, sondern auch durch das ewige selbe Klamotten tragen wird er in der Schule zum Aussätzigen. Er stinkt natürlich, und dadurch das ihn seine Mutter anfängt ihn Hungern zu lassen beginnt er seine Mitschüler zu bestehlen. Zu Hause wird seine Qual unvorstellbar. So darf er irgendwann nicht mehr in seinem Bett schlafen, sonder muss unter dem Küchentisch mit Zeitungen zugedeckt schlafen. Das hat aber auch bald Ende und sie verbannt ihn in die Garage. Die Mutter rechtfertigt sich vor allen damit das er ein schlechter Junge war, ein böses Kind und mal wieder irgendwas ausgefressen hat. Aber er hatte nichts ausgefressen, außer dass er einfach da war. Die Bestrafungen gingen vom schlichten Spüli trinken müssen bis zum stundenlangen liegen in der Badewanne gefüllt mit eiskaltem Wasser. Oft kam mir der Gedanke beim Lesen das es unglaublich ist was dort geschrieben steht. Aber am Ende des Buches weist Dave Pelzer noch einmal darauf hin das es sich so zugetragen hat und das sich so etwas wahrscheinlich öfter zuträgt als wir vermuten. Leider wird nicht genau klar aus welchen Gründen der Wandel der Mutter vor sich ging, aber auch hier sagt Dave ja zu beginn das er aus seiner damaligen Sicht schreibt und er die wahren Hintergründe wohl einfach nicht mitbekommen hat. Sehr präsent ist, dass es durchaus immer wieder Erwachsene gab die zumindest ansatzweise hätten ahnen können was da vor sich geht. Sollte es Lehrer nicht stutzig machen wenn ein Kind völlig verwahrlost herumläuft, essen stiehlt oder immer wieder neue blaue Flecken hat? Sollte es Eltern von Mitschülern nicht stutzig machen, wenn ein Junge nie mit den anderen Kindern spielen darf, obwohl seine Brüder dies dürfen? Hinterfragt man da nicht irgendwann?? Daves Mutter war sehr kreativ im Erfinden von Lügenmärchen. Auch als sie ihn mal absichtlich den Arm brach, erzählte sie hinterher sehr ausschmückend wie der arme Junge aus dem Bett gefallen ist und sie ihn noch hatte retten wollen. Völliges Unverständnis und mindestens genauso viel Wut empfindet man beim Lesen auf dem Vater, der das alles stillschweigend nur mit ansah. Er bekam es mit, er bekam es mit und ließ es zu. Für Dave war sein Vater ein Held, weil, solange dieser im Haus war seine Mutter nicht ganz so brutal war. Er liebte ihn abgöttisch und dennoch ließ dieser ihn, nicht nur tagtäglich sondern irgendwann ganz im Stich indem er sich von seiner Frau, und den mittlerweile 5 Söhnen trennte. Um ihn unterwürfig zu bekommen ließ sich die Mutter immer mehr grausame Spezialbehandlungen einfallen. Ein ganzes Kapitel wird dem Nahrungsentzug gewidmet. Im Schnitt bekam er alle drei Tage etwas zu essen, und dann auch nur den Rest Milch und den Rest Flakes den seine Brüder übrig gelassen hatten. Einmal bekam Dave 10 Tage lang nicht zu essen. Er wurde sehr kreativ was seine Nahrungsbeschaffung anging. Zunächst stahl er wie erwähnt von seinen Mitschüler, ging betteln bei Nachbarn, stahl im Supermarkt. Er ging soweit dass er Essensreste aus dem Mülleiner stahl. Aber seine Mutter bekam dies natürlich jedes Mal mit und so musste er sich einer Mageninhaltskontrolle unterziehen. Als er nun die stibitzen Stücke Fleisch heraus gebrochen hatte, flippte sie aus und zwang ihn sein Eigenes Erbrochenes wieder aufzuessen....
Es ist schwer für dieses Buch eine Empfehlung auszusprechen. Das kann ich eigentlich nicht. Dieses Buch rüttelt wach, es erschüttert. Es macht die Unvorstellbarsten Dinge zur Realität. Danach ist man wütend und traurig. Dave Pelzer tat genau das richtige: Er schrieb seine Geschichte auf. Er schrieb eine Lebensgeschichte auf die es wert ist aufgeschrieben zu werden, denn er hat was zu sagen und er hat eine Message: geht aufmerksam durchs Leben, und sträubt euch nicht mal zu hinterfragen. SIE NANNTEN MICH >ES< ist im Goldmann- Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch gerade mal 7 €. ISBN: 3442150558, 156 Seiten. Dave Pelzer hat noch zwei weitere Bücher herasugegeben: DER VERLORENE SOHN und EIN MANN NAMENS DAVE Darin geht er auf sein weiteres Leben ein. Dave Pelzer wurde 1960 geboren, hat sich die Bekämpfung von Kindesmisshandlung unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ zur Lebensaufgabe gemacht. Seit Beendigung seines Dienstes bei der U.S. Air Force unterstützt er die Arbeit verschiedener Kinderschutz-Organisationen. Nicht zuletzt durch das Offenlegen der eigenen Erfahrungen leistet er einen wichtigen Beitrag zu Sensibilisierung für dieses Thema in der ganzen Welt. Viele Grüße Nikolina
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22.10.2004 11:57
Ach du Schande, wie können Menschen denn sowas grausames mit einem Kind machen?? Ich bin erschüttert. Das ist einfach unbegreiflich!! Dein Bericht ist sehr gut, das Buch steht auf mein Zettel für den nächsten Buchkauf! LG Nicolé
07.10.2004 19:50
Ich habe dieses Buch auch gelesen. Es ist unfaßbar - und genauso schlimm ist, dass die Umwelt zuschaut und nicht eingreift! Der Bericht ist sehr ausführlich und gibt das Buch gut wieder!
14.09.2004 11:58
Menschen wachrütteln ist immer positiv, daher kannst du das Buch ruhig empfehlen...LG Janett