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The world is a fine place and worth fighting for.

5  26.04.2012

Pro:
ein Meilenstein des Thrillergenres :  mitreißend, spannend, bildgewaltig

Kontra:
nada

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Schlucke

Über sich: With forgiveness as our torch and imagination our sword - We'll untie the ropes of hate and slash op...

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What sick ridiculous puppets we are
and what gross little stage we dance on
What fun we have dancing and fucking
Not a care in the world
Not knowing that we are nothing
We are not what was intended.

Es gibt sicher viele Menschen, die für Regisseur David Fincher ein Denkmal fordern würden. Denke ich genauer darüber nach, dann gehöre ich auch zu den Befürwortern einer solchen Ehrerbietung. Schließlich gelingt es wohl nur ganz wenigen Regisseuren, nicht nur mit einem, sondern gleich mit mehreren Filmen neue Maßstäbe zu setzen. David Fincher hat dies geschafft. Schon bevor er 1999 mit dem legendären, unerreichten Meisterwerk Fight Club das Kino, das wir kennen, in seine Einzelteile zerlegte, definierte er bereits Mitte der 90er das Thrillergenre dank seines düsteren und überaus cleveren Films Sieben neu.

Jagd auf einen Mörder


In einer nicht namentlich genannten amerikanischen Großstadt bereitet sich der Detective William Somerset (Morgan Freeman) auf seine Pensionierung vor. Nur noch eine Woche, dann wird er dem Verbrechen, dem er sich Zeit seines (Berufs-)Lebens gewidmet hat, den Rücken zukehren. Sein Nachfolger soll der emotionale und engagierte Detective David Mills (Brad Pitt) werden.
Obwohl sich die beiden zunächst nicht grün sind, sollen sie gemeinsam an Somersets letztem Fall arbeiten: Ein adipöser Mann stirbt in den eigenen vier Wänden. Die Untersuchungen ergeben, dass der Mann zu Tode gefüttert wurde - er musste so viel essen, bis er innerlich buchstäblich geplatzt ist.

Da der Streit zwischen Somerset und Mills zu eskalieren droht, wird Mills recht schnell auf einen anderen Fall angesetzt: Ein aufstrebender, prominenter Anwalt wurde dazu gezwungen, sich selbst zu verstümmeln - schließlich starb der Mann an seinen Verletzungen. Recht schnell fällt den beiden Detectives eine Verbindung zwischen den beiden Morden auf, denn während im Büro des Anwalts das Wort "Greed" (Habgier) auf den Boden geschrieben wurde, entdeckt man in der Wohnung des fetten Mannes das Wort "Gluttony" (Völlerei). Somerset erkennt sofort den Bezug zu den sieben Todsünden; er befürchtet, dass hier ein Mörder am Werk ist, der noch weitere Menschen umbringen wird, bis alle sieben Todsünden erfüllt sind. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt - geführt von zwei völlig unterschiedlichen Detectives, die einen Mörder verfolgen, der ihnen stets mehrere Schritte voraus zu sein scheint...

Clash of Cultures


Wir alle kennen die Buddy-Movies, in denen zwei völlig gegensätzliche Personen aufeinander prallen, sich zunächst nicht ausstehen können, durch (seltsame) Verstrickungen des Schicksals zur Zusammenarbeit gezwungen werden und schließlich als beste Freunde erfolgreich ihre aufgabe erledigen. Zumeist handelt es sich bei diesen Filmen um (Action-)Komödien mit zahlreichen markigen Sprüchen. Nun, Fincher liefert hier den dreckigen Gegenentwurf einer Komödie ab. Dennoch beinhaltet sein Film viele Elemente dieser Buddy-Movies, weil er deren Gepflogenheiten folgt. Mit einer Ausnahme: So ganz warm werden sich Somerset und Mills während der gesamten Laufzeit des Films nicht.

Hier prallen zwei völlig unterschiedliche Lebens- und Arbeitsauffassungen aufeinander. Auf der einen Seite wird Somerset als ein vom Leben und Beruf gezeichneter Mann dargestellt, der mit der modernen Welt nicht klarkommen kann und will. Kaum eine Sekunde vergeht, in der er nicht an seine Arbeit denkt. Polizeiarbeit bedeutet für ihn vor allem Recherche. Viel Zeit wendet er in der Bücherei auf, um durch die Lektüre klassischer Literatur mehr über die Gedankenwelt eines Mörders herauszufinden, der die sieben Todsünden als Grundlage für seine Morde ausgewählt hat. Die Bibliothek stellt für Somerset eine wichtige Insel in der hektischen und zu brutalen modernen Welt dar: Hier ist es ruhig, hier trifft er auf Schach spielende Freunde. Hier kann er denken und handeln. In seiner eigenen, dunklen und engen Wohnung gibt es nichts, was ihn von seinen trübseligen Gedanken abhält.

Auf der anderen Seite haben wir mit Detective Mills einen impulsiven, karriereorientierten Polizisten. Sein Leben verläuft erfolgreich: In der Karriereleiter steigt er immer weiter auf und nach jedem stressigen Arbeitstag empfängt ihn seine schöne Ehefrau Tracy (Gwyneth Paltrow) in ihrer freundlichen (aber etwas lauten ;-)) Wohnung. Er entspricht insgesamt mehr dem modernen Menschen; anstatt der zeitaufwändigen Lektüre von Klassikern der Literatur begnügt er sich mit kurzen Lektürehilfen und Inhaltsangaben. Und den Versuch, sich in die Gedankenwelt des Mörders zu versetzen, unternimmt Mills gar nicht: Für ihn steht schnell fest, dass es sich bei dem Mörder um einen geisteskranken Psychopathen handelt.

Dass diese beiden so unterschiedlichen Menschen aufeinanderprallen, verleiht dem Film eine zusätzliche Spannung. Denn - wie schon erwähnt - hier entwickelt sich keine echte Freundschaft, wie es in den meisten Buddy-Filmen der Fall ist. Somerset und Mills beäugen sich die gesamte Laufzeit des Filmes über kritisch und wahren stets eine gewisse Distanz, auch wenn Somerset bei den Mills zum Abendessen eingeladen wird.

Ladies and gentlemen, we have ourselves a homicide.


Sieben gehört zu jenen hervorragenden Filmen, die es schaffen, mit konventionellen Mitteln die Spannungsschrauben immer weiter anzuziehen. Wer sich auf diesen Film einlässt, wird recht schnell von der Atmosphäre ausgesogen und betrachtet mit einer Mischung aus Faszination und Ekel, was sich da auf dem Bildschirm tut.

Der Horrorfilm SAW warb vor der Kinoveröffentlichung mit folgender Zeile: "Nach Sieben kommt nicht Acht, sondern SAW." Durchaus treffend. Auch wenn Sieben niemals ganz in die gleichen Brutalitätsregionen der SAW-Reihe vordringt, benötigt man bei einigen Szenen und Bildern des Thrillers einen unempfindlichen Magen. Wie in seinen anderen Filmen scheut sich Fincher nicht davor, an gängige Konventionen zu halten: Sein Mörder quält und foltert seine Opfer auf eine sehr brutale Weise und die Ergebnisse darf/muss sich der Zuschauer auch ansehen. Vor allem die Bilder des Opfers, das sich der Trägheit schuldig gemacht hat, wirken noch sehr lange nach.

Dass die Bilder und Morde des Täters so nachhaltig wirken, liegt auch an der Atmosphäre des Films, die durch die Inszenierung erzeugt wird. Hier zeigt sich dann auch, wo der Unterschied zwischen einem "gewöhnlichen" Regisseur und David Fincher liegt: Fincher nutzt zahlreiche Ideen, um seinen Film optisch interessanter zu machen. Beispiel 1: Das Setdesign. Was hier geleistet wurde, verdient Hochachtung. Alle Sets wurden wunderbar designt und daher wirken sie alle glaubwürdig und laden dazu ein, genau hinzuschauen. So zeigen beispielsweise schon die beiden Wohnungen der Detectives, dass sie sich charakterlich kaum ähneln. Und die Räumlichkeiten, in denen die Opfer gefunden werden, spiegeln oftmals perfekt ihre Bewohner wider.
Als heimlicher Star des Films entpuppt sich zudem der Schauplatz. Im Film selbst wird der Name der Stadt nie genannt, sie bleibt also anonym. Wenn man sich jedoch informiert, dann findet man schnell heraus, das in Los Angeles gedreht wurde. Und das überrascht, denn in Sieben wird die Stadt von einer völlig neuen Seite präsentiert. Während man mit LA sonst eher viel Glitzer, Palmen und Sonne assoziierte, ist Finchers anonymes LA ein grauer und wenig lebensfreundlich wirkender Ort. Zudem prasselt fast beständig Regen auf die Stadt und die Protagonisten hernieder. Dadurch wird eine sehr bedrückende Atmosphäre geschaffen, die nur in seltenen Fällen aufgebrochen wird: Zum Einen in der schon erwähnten Bibliothek und in Detective Mills Wohnung. Zwei helle, freundliche Plätze, die wie Fremdkörper in dieser tristen und bedrückenden Umgebung wirken. Gen Ende, wenn der Film endgültig alle Muskeln spielen lässt, brennt die Sonne in der staubigen Wüste vom Himmel. Ein optischer Kontrast, der ebenfalls sehr zum gelungenen Ende beiträgt ... über das ich hier natürlich kein Wort schreiben werde.

Abgesehen von den Bildern und der Atmosphäre beeindruckt der Film auch durch die Kamera und den Score. Die Kamera passt sich stets dem Geschehen an; mal hält sie sich vornehm zurück, mal (bei einer Verfolgungsjagd beispielsweise) wird die Handkamera benutzt, was das Ganze verwackelt und somit direkter macht.
Die Musik verbleibt zumeist recht unauffällig, passt aber stets zum Geschehen.

See this? This is us.


Dass Sieben so hervorragend funktioniert, liegt auch an den Hauptdarstellern. Morgan Freeman sehe ich allgemein sehr gerne auf der Leinwand. Ich mag seine Präsenz und seine zugleich ruhige und besonnene Art sehr gerne. Diese Eigenschaften zeichnen auch seinen Charakter aus. Gleichzeitig stellt er aber auch einen gebrochenen Menschen dar, dem das Schicksal nicht immer gut mitgspielt hat und der heute angesichts der Graumsamkeit in der Welt am liebsten kapitulieren möchte. Auch diese Gebrochenheit stellt Freeman hervorragend dar. Ein toller Auftritt.

Brad Pitt spielt wie in Finchers Fight Club auch hier die laute, emotionale Figur. Sein Charakter möchte Karriere machen, möchte schnellstmöglich den Erfolg und glaubt, durch seine Arbeit die Welt besser zu machen. Mills trägt sowohl einen gewissen Idealismus als auch eine gehörige Portion Arroganz mit sich herum. Diese Extreme werden von Brad Pitt sehr gelungen dargestellt. Man merkt ihm an, dass er mit Herz und Seele bei der Sache ist und meiner Meinung nach passen diese "härteren" Rollen deutlich besser zu ihm als Edelkitsch wie Sieben Jahre in Tibet o.ä.

Gwyneth Paltrow schaffte mit diesem Film ihren Durchbruch. Allzu viel Zeit auf der Leinwand hat sie zwar nicht, dennoch kommt ihr (Achtung, ein kleiner Spoiler) gegen Ende eine tragende Rolle zu. Ansonsten spielt sie eine Durchschnittsfrau, die glücklich sein sollte, dies aber nicht wirklich ist.

Um die Existenz des Mörders wurde schon damals, als der Film Premiere feierte und in den Kinos anlief, ein großes Geheimnis gemacht. Der Darsteller gab im Vorfeld keine Interviews und erschien auch nicht bei offiziellen Veranstaltungen zum Film. Auch tauchte der Name des Darstellers weder auf dem Filmplakat noch im Vorspann des Films auf. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Zuschauer von der Identität des Mörder überrascht werden. Und ich muss sagen, dass diese Überraschung auf jeden Fall gelungen ist. Der Darsteller des Mörders gehört zu den besten seiner Zunft und auch, wenn er letztlich nicht allzu viel Spielzeit bekommt, füllt er jede Sekunde auf der Leinwand mit einer beeindruckenden Präsenz und präsentiert einen Charakter, bei dem Konsequenz, Genialität und Wahnsinn sehr nahe beieinander liegen.

"The world is a fine place and worth fighting for." I agree with the second part.


Sieben gehört zu den wenigen Filmen, die ein Genre von Grund auf neu definieren. Auch, wenn hier im Grunde nur eine Variation des aus zahlreichen Filmen bekannten Katz-und-Maus-Spiels erzählt wird, setzt der Film Standards, was Spannung(saufbau), Atmosphäre und natürlich Story angeht.

Ohne Explosionen, ständige Schießereien, teure Spezialeffekte oder sonstige Tricks schafften es die Macher, hier neue Maßstäbe in Sachen Spannung zu setzen. Puzzleteil für Puzzleteil kommen die Ermittler dem Mörder immer näher, wohlwissend, dass ihnen die Zeit davonläuft. Jeder Fehler, jedes Zögern könnte ein weiteres Opfer mit sich bringen. Der Zuschauer sitzt da, fiebert mit und hofft nur, dass die Detectives den Mörder fassen, weil sie ob dessen Grausamkeiten erschüttert und angewidert sind.
Überraschenderweise schafft es der Film, trotz eines gemächlichen Erzähltempos diese Spannung aufzubauen. Nur sehr spärlich werden Actionszenen eingesetzt, bei näherer Überlegung gibt es genau eine, die diese Bezeichnung verdient - doch seid euch gewiss, dass diese dann auch bleibenden Eindruck hinterlässt.

Als Geniestreich ist dann letztlich das Ende zu werten. Hier wird eine letzte, riesige Überraschung präsentiert, mir der niemand, der diesen Film zum ersten Mal sieht, frühzeitig rechnen kann. Und genau deshalb gehört Sieben zu den Klassikern und Meilensteinen des Thrillergenres: Weil die Geschichte mitreißt und eben in den letzten Minuten den Zuschauer noch einmal so richtig überrascht. Großartig.

Honestly, have you ever seen anything like this?


Nein. Wie schon erwähnt: Sieben ist ein Meilenstein und eine Neudefinition des Thrillergenres. Auch wenn der Streifen mittlerweile 17 Jahre auf dem Buckel hat, gibt es meines Wissens nach keinen Polizei-jagt-Mörder-Thriller, der seitdem diese Intensität und Atmosphäre erreicht hat.

Hier stimmt alles: Großartige Darsteller, eine famose Inszenierung von David Fincher, ein hervorragend aufgebauter und stets gehaltener Spannungsbogen und eine Geschichte, die bis zum überraschenden Ende mitreißt.
Ergo: Ein Film, den man irgendwann einmal gesehen haben sollte. Großes Kino!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Anacrusis

Anacrusis

16.09.2012 16:22

Neben den usual suspects wohl mein Favorit aus diesem Genre.

t.schlumpf

t.schlumpf

12.08.2012 01:18

Ich gab mir Mühe, aber die Schnecke in mir hatte gewonnen ;o)

BlondAngel18

BlondAngel18

02.08.2012 19:50

Hab ihn neulich bei meinem Freund im DVD-Regal stehen sehen und gedacht:"Den muss ich auch mal sehen!" - Nach deinem Bericht umso mehr!;-) Was gleich geschaut wird, bestimme also ich. BH!

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