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Silberschweine:
Sosia Camillina wird von einigen zwielichtigen Gestalten verfolgt - die Senatorentochter soll aus ihrem Bank-Schließfach einen dubiosen Gegenstand holen, der dort aufbewahrt wurde. Falco und sein Freund Petro, der Hauptmann, finden darin ein "Siberschwein" vor, d.h. ein ... Bericht lesen
Alle Zyniker sind enttäuschte Romantiker - Historienkrimi aus Rom
Erfahrungsbericht von Merrlin über Silberschweine / Lindsey Davis 16.04.2011
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
sehr hoch
Spannung
ziemlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Pro:
zynischer Held, witzige Erzählweise, solider Hintergrund, spannender Fall, herausragende Charakter
Kontra:
leichte Ungenauigkeiten /Vereinfachungen
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Heute möchte ich einen Roman von Lindsey Davis rezensieren, den Auftakt ihrer Falco-Reihe. Das Buch habe ich gerade zum dritten Mal gelesen und es hat mir genauso viel Spaß bereit wie beim ersten Mal. Am Ende ist eine Leseprobe.
Über die Serie:
Die Falco-Serie ist eine historische Roman-Reihe von Lindsey Davis, deren umfangreiche Recherchen man anmerkt. Davis entfaltet eine farbenprächtige Kulisse und schafft sogar hin und wieder, die Geisteshaltung der Zeit aufleben zu lassen. Negativ anzumerken sind Schnitzer in der Übersetzung und einige vereinfacht dargestellte Dinge, habe ich weiter unten unter einem Extrapunkt erläutert.
Die Hauptfigur:
: Marcus Didius Falco arbeitet 70 n. Chr. als Ermittler in Rom - was man sich entweder als (Regierungs-)Spitzel oder Scheidungshelfer vorstellen muss. Da Falco es ablehnt, für den Kaiser zu arbeiten, hält er sich mühsam mit kleineren Scheidungsfällen über Wasser. Doch der harte Hund, als der er gerne erscheint, steht unter der Fuchtel einer resoluten Mutter, die seine Wohnung regelmässig von Spinnen und leichten Mädchen säubert. Diese Dominanz in der Beziehung ist jedoch nur vordergründig; tatsächlich lebt Falco in einer solchen Absteige, weil er alles Geld, das er in die Hände bekommt, seiner Mutter überlässt - und dem Mädchen, das sein Bruder, der gefallene Kriegsheld, vergass zu heiraten. Zu allem Überfluss hat Marina eine Tochter von dem verstorbenen Didius Festus, für die nun der Bruder Falco aufkommen muss. Falco selbst erhält bei seinen Freunden das Image als Weiberheld, wenn er auch nur gelegentliche Bekanntschaften mit Tänzerinnen und anderen Mädchen zweifelhafter Moral macht. Trotz seiner fast 3 Jahrzehnte läuft der Freizeitdichter dann immer mit einem verklärten Gesichtsausdruck herum, so dass seine Freunde, Petro, der Hauptmann, und Lenia, die Wäschereibesitzerin, ihn keinesfalls ernst nehmen, als er die Frau getroffen hat...
Silberschweine:
Sosia Camillina wird von einigen zwielichtigen Gestalten verfolgt - die Senatorentochter soll aus ihrem Bank-Schließfach einen dubiosen Gegenstand holen, der dort aufbewahrt wurde. Falco und sein Freund Petro, der Hauptmann, finden darin ein "Siberschwein" vor, d.h. ein Bleibarren mit Silberanteil, der aus Britannien stammt - und eigentlich kaiserlicher Besitz ist. Die Frage nach dem Grund des Schmuggels stellt sich so kurz nach dem Bürgerkrieg nicht, die Frage ist nur: wer organisiert den Schmuggel, und wer soll nach erfolgreicher Bestechung der Prätorianergarde auf den Thron gesetzt werden? Politik ist natürlich gar nicht seine Kragenweite, und Falco kann erst nach dem tragischen Tod einiger Unschuldiger überredet werden, die Ermittlungen aufzunehmen. In Britannien versucht er, dem Barenschmuggel auf die Spur zu kommen und macht Bekanntschaft mit der reizbaren Senatorentochter Helena Justina. Nachdem die Ereignisse sich überschlagen und Falco unter höchsten persönlichen Opfern zu seinen Ergebnissen kommt, soll er eine Botschaft und Helena Justina zurück nach Rom bringen. Dies ist der Auftakt einer spannungsgeladenen Bekanntschaft, in deren Verlauf der zynische Falco bemerkt, dass er den Hang hat, gerade anziehenden Frauen zu schnell zu vertrauen... und dass die Verschwörung weitere Kreise zieht, als er sich in seinen wildesten Träumen ausmalen konnte....
historische Kritik:
Gelegentlich übertreibt Davis absichtlich, z.B. bei der Schilderung des flavischen Triumphzuges: gestern kannte sie noch keiner - heute eine neue Kaiserdynastie. Vespasian, ein unbekannter Mann? Dies habe ich als Übertreibung des zynischen Falco genommen, bei historisch ungeübten Lesern kann jedoch ein falscher Eindruck entstehen.
vereinzelt erzählt Davis auf eine Weise, die für historisch nicht versierte Leser unverständlich ist, z.B. wird das Backen von Safrankuchen erwähnt (was Hochzeiten symbolisiert)
Davis vermeidet häufig die lateinischen Bezeichnungen und greift auf moderne Übersetzungen oder Entsprechungen zurück. Was mich nicht stört, aber in In einer amazon-Kritik wird ihr u.a. wegen Handball Anachronismus vorgeworfen - also bitte, man kann ja auch päpstlicher als der Papst sein. Dass man eher Handball statt harpastum sagt, ist ja normal - und dass der Leser sich bei der Erwähnung von 2 Spielern kein herkömmliches Handballspiel vorstellt, ist ja auch logisch...
Die Schilderung des Triumphzuges ist nicht ganz korrekt, an einer Stelle verwendet die Autorin das Wort Unsterblichkeit statt Sterblichkeit. Bei ihrer umfangreichen Recherche führe ich das auf einen Übersetzungsfehler zurück (der Sklave erinnert den Triumphator an dessen '''Sterblichkeit''' indem er ihm beständig sagt: "Bedenke, dass Du sterblich bist!")
Lediglich einen groben Schnitzer habe ich gefunden, die Verwendung von Schwefelhölzern denn diese wurden erst im 10. Jh. in China nachgewiesen; man vermutet auch eine Verwendung seit dem 6. Jahrhundert, aber keinesfalls im 1. Jh. und in Rom.
Fazit:
Abgesehen von einigen kleinen Schnitzern ist es ein solide geschilderter historischer Roman mit Sternmomenten ohne jedoch den Leser mit historischen Details zu überfrachten; ein politischer Krimi und die Charakterstudie von zwei unorthodoxen Dickköpfen, das ganze zynisch und ironisch geschildert von dem römischen Äquivalent des Detektivs mit dem weichen Herzen - das Buch ist eigentlich für jeden zu empfehlen.
Leseprobe(n):
Nach dem Betrieb auf dem Forum und dem Drunter und Drüber in den Strassen war es im Falco-Apartment erfreulich still. Unten murmelte sie Stadt und über der ausgedehnten Landschaft der Ziegeldächer zwitscherte gelegentlich ein Vogel. Ich wohnte direkt unter dem Dach. Wir kamen an, wie alle Ankömmlinge hier oben ankommen: völlig außer Atem. Das Mädchen blieb stehen und las mein Firmenschild aus gebranntem Ton. Dieses Firmenschild war eigentlich sinnlos, denn niemand steigt sechs Treppen hoch, wenn er nicht vorher schon weiß, wohin er will. Aber mich hatte eines Tages das Mitleid mit einem fliegenden Händler gepackt, der mich solange beschwatzte, bis auch ich glaubte, Reklame sei gut fürs Geschäft. Für meine Branche stimmt das zwar nicht, aber egal. [...] Unterwegs begegnete ich meiner jüngsten Schwester Maia und mindestens zwei von den zahlreichen kleinen Rabauken, die dem Stammbaum unserer familie entsprossen waren. Manche Privatermittler erwecken den Eindruck, wir wären einsame Männer. Bei mir war das anders, und vielleicht kam ich deshalb auf keinen grünen Zweig. Jedesmal wenn ich irgendeinem ehebreherischen Bürokraten in seiner abgetragenen Tunika nachschlich, begegnete mir einer dieser Bengel, schneuzte sich in den Ärmel und brüllte im nächsten Augenblick meinen Namen über die Straße. Ich lief durch Rom wie ein bunter Hund, und wahrscheinlich war ich mit den meisten Leuten zwischen dem Tiber und dem Ardeatinischen Tor auch noch verwandt. Aber ich halte mir diese Rabauken bei Laune. Manchmal lasse ich mich bei der Jagd auf Ehebrecher von diesen Burschen vertreten und gehe statt dessen zum Rennen. [...] Falco soll sich inkognito in die Bleigruben einschleichen, was ihn fast ums Leben bringt: Im Tagesablauf eines Sklaven war keine Zeit für müßige Besinnung. Uns belebte keine Hoffnung auf die Zukunft und keine Erinnerung an die Vergangenheit. Im Morgengrauen wurden wir geweckt, genauer gesagt: wenn es noich dunkel war. Mit trübem Blick schlangen wir widerwillig den Haferschelim hinunter, den eine schmutzige Frau, die anscheinend niemals schlief, in unsere Schalen schaufelte. Schweigend marscheirten wir durch die ausgestorbene Siedlung, während uns die weißen Fetzen unseres Atems wie Gespenster umwehten. Mit Halsringen ketteten sie uns zusammen. Ein oder zwei Glückpilze hatten Mützen, die sie sich über den schmutzigen Kopf zogen. Ich hatte nie eine Mütze; ich habe ja auch nie Glück. Zu dieser Stunde, wenn das kalte Licht zwischen Verheißung un Unheil zu schwanken scheint, wenn einem der Tau in die Schuhe sickert und jeder Laut in der unbewegten Luft meilenweit zu hören ist, stolperten wir hinüber zu unsere Gruben. Dort nahmen sie uns die Ketten ab. Wir arbeiteten den ganzen Tag, mit einer Pause, in der wir mit leerem Blick herum sassen. Und wenn abends die Dunkelheit hereinbrach, standen wir mit hängenden Köpfen da, wie erschöpfte Tiere, und ließen uns zusamenketten. Wir marschierten zurpck. Wir wurden abgefüttert. Wir sackten in den Schlaf, wurden in der Dunkelheit des nächsten Tages wieder geweckt. Und alles ging von neuem los. Selbst heute wache ich manchmal noch nachts auf und sitze schweißgebadet im Bett. Meine Frau sagt, ich würde nie einen Laut von mir geben. Als Sklave lernt man, seine Gedanken für sich zu behalten.
Pro: ergreifende Story; Liebe im Anmarsch; witzige, gepfefferte Dialoge; man leidet mit Falco mit Kontra: absolut nichts
Hallo Ihr Lieben,
ein paar von Euch werden sicher schon meine Buchberichte über die Falco-Serie vermissen. Ich habe inzwischen die ganze Reihe durchgelesen, bin aber nicht zum Schreiben meiner Berichte gekommen. Also dachte ich, es wäre das Einfachste, ...
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Pro: verzwickter Fall, solide Recherche, toll ausgearbeitete Figuren Kontra: kl. historische Schnitzer; stilisiert Rom als antikes Chicago (für manche evt ein Nachteil)
Eckdaten Titel: Silberschweine (Orig.: The Silver Pigs) Reihe: Band 1 einer Reihe (bisher 18) Autor: Lindsey Davis Seiten: 379 Seiten Verlag: Droemer Knaur Veröffentlichung: 1992 Preis: nur noch antiquarisch oder auf englisch; vorhanden in jeder gut sorti ...
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Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die ...
sehr hilfreich
01.01.2012
Pfiffiger Römerkrimi Bewertung für Silberschweine / Lindsey Davisvon
Clandestina
Pro: Historisches Ambiente, spannend und unterhaltsam Kontra: Man muss sich schon für die Römer interessieren
Lindsey Davis: Silberschweine
Marcus Didius Falco ist Privatdetektiv in Rom, im antiken Rom wohlgemerkt.
Wir schreiben das Jahr 70 nach Christus, Kaiser Vespasian regiert. Falco, der sich meist mit der Beschattung untreuer Ehefrauen über Wasser hält ...
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Pro: interessantes Ambiente Kontra: die Handlung plätschert
...international Bestsellerruhm erschrieben.1995 erhielt sie den Crime Writers' Association Dagger Award.
Krimis von Lindsey Davis
(1989) Silberschweine
The Silver Pigs
(1990) Bronzeschatten
Shadows in Bronze
(1991) Kupfervenus
Venus in Copper
(1992) Eisenhand
The Iron Hand of Mars
(1993) Poseidons Gold
Poseidon´s Gold
(1994) Letzter Akt in Palamyra
Last Act in Palamyra
(1995) Die Gnadenfrist
Time to Depart
(1997) Die Gefährtin des Kaisers
Course of Honor
(1998) Zwielicht in Cordoba
A Dying Light in Corduba
(1999) Drei Hände im Brunnen
Three Hands in the Fountain
(1999) Den Löwen zum Fraß
Two for the Lions
(2000) Eine Jungfrau zuviel
One Virgin too many
(2000) Tod eines Mäzens
Ode To A Banker
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