Magnetfelder. Aha.
08.04.2010
Pro:
Idee an für sich ganz nett
Kontra:
zu verworren, verfolgt zu viele Ideen die somit allesamt unterentwickelt wirken
Empfehlenswert:
Nein
 Cosmay
Über sich:
"Stecke lieber eine Niederlage in der Gegenwart von Weisen ein, als
dass du einen Sieg über Ig...
Mitglied seit:08.07.2000
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So oder so ähnlich waren meine (für diesen Text zensierten) Gedanken, als ich mir das japanische Machwerk
Silkansah. Hin und wieder finde ich es regelrecht faszinierend, mir eine DVD einzulegen, ohne vorher auch nur den Deut einer Ahnung zu haben, was mich dortig erwartet ~ die Spannung, mit der man somit jenem Film entgegentritt, ist sodann eine ganz andere.
Im Grunde wusste ich lediglich, dass mir hier eine Art „japanischer Grusel- bzw. Geisterfilm“ vorliegen würde; sprich: ein Genre, welches ich mehr und mehr als erstes mit Japan in Verbindung bringe. Die story offenbart sich recht zäh; im Grunde geht es um ein Team von Wissenschaftlern, die den Geist eines verstorbenen Kindes gefangenhält ~ Sinn und Zweck soll wohl der sein, mehr über den Tod an sich herauszufinden, was mir persönlich jedoch von Anfang als als obskur erschien. Egal. De facto hat Professor Hashimoto eine Art Spray erfunden, dank dessen der jeweilige Benutzer Geister sehen kann ~ darüber hinaus trägt er ein lustiges Würfelchen mit sich rum, dessen Wirkungsweise er im Filmverlauf äußerst...ähhhh.... eindringlich erklärt. So eindringlich, dass ich persönlich es bereits wenige Momente nach Sichtung des Filmes wieder vergessen hab.
Viel wichtiger ist ohnehin der Umstand, dass das Team den Polizisten Ye für sich gewinnen will ~ jener kann nicht nur Lippenlesen, sondern verfügt über eine Art fotografisches Gedächtnis. Letzteres interessiert zwar im weiteren Filmverlauf niemanden mehr, doch nett, sich jenes mal anzuhören, war es trotzdem.
Um der Geschichte noch ein wenig Tiefe zu verleihen, wurde Ye's Mutter ins Krankenhaus verbannt ~ Koma, was für Ye eine besondere Belastung darstellt. Die Entscheidung über Leben und Tod seiner Mama trägt er fast den ganzen Film mit sich herum.
Die Umsetzungähm... ja. Wo fang ich an? Am plakativsten ist wohl die Aussage, dass der „Hauptwissenschaftler“ Hashimoto gegen Filmende verlauten lässt, dass der rote Faden, der alles verbindet, der Faden sei. So oder so ähnlich. Hach, was hab ich gelacht. Der rote Faden der story ist also der Faden. Naja, das ist ja mal was anderes, um die Doppeldeutigkeit einer Sprache herauszukitzeln.
Die Idee von wegen „Magnetfelder sorgen dafür, dass der Geist die Welt nicht verlassen kann“ rettet sich mit Ausgang der Gruseldarbietung irgendwie selbst, was zwar den restlichen Geschehnissen widerspricht, aber drollig ist es trotzdem. Über zig Logikfehler in „Silk“ darf man sich eigentlich nicht mehr wundern; genauso wenig wie über die Vorgabe „Fotos bitte ohne Blitzlicht“ und man als Zuschauer sodann selbst durch jenes Blitzlicht fast erblindet. Was das mit den Fotos sollte... keine Ahnung. Ich unterstelle einfach mal, dass es vorrangig darum ging, dem Zuschauer rasch mit der Bedrohlichkeit des knabenhaften Geistes vertraut zu machen. Buhu.
Das jener genauso kalkweiß-puppenhaft daherkommt, wie es in fast jedem Japan-Gruselfilm der Fall ist, hat irgendwo Tradition, weswegen das Ganze meiner Ansicht nach durchaus verzeihbar ist ~ nicht verzeihbar im Gegenzug dazu ist der Umstand, dass das versuchte Kracher-Ende des Ganzen überhaupt gar nicht krachen kann, eben weil der Zuschauer schon 30 Minuten vorher auf den „Aha Effekt“ gestupst wurde. Gestoßen, vielmehr. Es wirkte fast so, als hätte man gefragt, in welchem Bundesland von NRW eigentlich Düren liegt. Weil halt. Darüber hinaus kam ich nicht umhin, mich zu fragen, wie sehr man einen an der Waffel haben muss, um jenes Leben nach dem Tod, welches der Knabe repräsentiert, beneidenswert zu finden. Hashimoto murmelt irgendwann was vor sich hin, wie großartig es doch sein müsste, an nichts mehr teilnehmen zu müssen (können, wohlgemerkt), keine Gespräche mehr führen müsste (können, wie gesagt), weder schlafen noch essen zu müssen (ich spar's mir) und keinerlei Empfindungen mehr zu haben.
Na, klingt das nicht erstrebenswert, in diesem Zustand in der Ewigkeit gefangen zu sein? Es muss doch wirklich toll sein, für immer und immer und immer regungslos in einer Ecke zu hocken, eben weil man nicht weiß, was man sonst tun sollte. Aber man empfindet ja auch keine Langeweile, von daher... ähm...nein. Mitleid oder zumindest Sympathie für den Wissenschaftler zu verspüren, fällt somit definitiv schwer, um nicht zu sagen: völlig flach. Wieso, warum und wann der Knabe gestorben ist, weswegen der Geist immer noch „da ist“ und sich nicht auflöst... das ist in der Tat eine recht interessante und irgendwo auch bewegende Geschichte. Generell sind die meisten Charaktere, die in „Silk“ Beachtung finden, eher traurig, tragen gewisse Wehmut im Herzen, Sehnsüchte, die sich bislang nicht erfüllt haben. Leider jedoch verpufft der Tiefgang viel zu rasch, weil diese Aspekte im Filmverlauf weder eine nähere Rolle spielen, noch irgendwo näher betrachtet werden. Ein „es ist, wie es ist“ scheint ohnehin die Hauptaussage von „Silk“ zu sein.
Somit drängt sich der Verdacht auf, dass sich die Macher nicht wirklich entscheiden konnten; zwar wollten sie wohl einerseits keine zu platte und abgedroschene Geistergeschichte erzählen, finden aber selbst die Verbindung von A nach B nicht wirklich. Aber solang der rote Faden der Geschichte ja der Faden bleibt, ist die Welt ja noch in Ordnung.
Wer nach dem fraglichen Genuss von „Silk“ noch nicht genug hat, der kann sich mit den diversen Extras der DVD auseinandersetzen, als da wären eine handvoll Interviews, ein ca. 30 Minütiges Making Of, ein alternatives Ende sowie ein Blick auf die geschnittene Szenen. Und nein, ich habe mir nichts davon angesehen sondern bin vielmehr just als der Abspann anlief gen heimisches Schlaflabor getrapst. Nachdem ich alles ausgesteckert hab, versteht sich.
Summa summarum hat „Silk“ mich nicht überzeugen können. An für sich ist die Idee sowie sogar die versuchte Umsetzung ganz nett und wohl auch interessant gewesen; doch richtige Spannung kam hingegen nicht auf. Vielmehr plätschern die Ereignisse so vor sich hin, widersprechen sich in der Darbietung vereinzelter Verhaltensweisen und werfen darüber hinaus sogar noch Fragen auf. Einige Szenen hab ich offengestanden nicht kapiert; mir ist beispielsweise nichtmal ansatzweise klar, warum Ye sich irgendwann ständig seine Hände anguckt; und wie er vor allem überhaupt drauf kam, wo die Mutter des toten Knaben zu suchen hatte. Dass die Leiche des Jungen (der sicherlich auch einen Namen hatte, aber nunja... fragt mich nicht) im übrigen „taufrisch“ aussah, setzt dem ganzen gewissermaßen die Krone auf.
Versuchte Schockeffekte gibt es zuhauf, und doch funktionieren nur die wenigsten. Es gibt Filme, bei denen ich aus reiner Vorsichtsmaßnahme heraus davon absehe, meine bis obenhin gefüllt Tasse in meiner Hand zu belassen ~ doch bei „Silk“ hingegen bin ich nur ein einziges mal kurz zusammengezuckt. Vor lachen, wohlgemerkt. Es tut mir ja leid, dass ich einem Horrorszenario nicht viel abgewinnen kann ~ aber wenn der Geist des Jungen auf einmal jemanden Vampyrmäßig in den Hals happst... dann such ich erstmal nach der Fernbedienung um festzustellen, ob ich versehentlich auf einen obskuren Tele5-Film umgeschaltet hab. Hatte ich nicht. Und somit kann ich mich noch eine ganze Weile fragen, was der angebissene Japaner überhaupt neben der Telefonzelle gemacht hat. Pipi? Von der Armbewegung her sah es dann doch leicht anders aus... aber nun gut, sei's drum.
Ergo des Ergos: Filme, die mich überzeugen, sehen in der Tat anders aus. Zwar bereue ich nichtmal, mir „Silk“ bis zum erneut fraglichen Ende angesehen zu haben; aber empfehlen würde ich diesen Streifen niemanden. Von mir gibt’s somit zwei bis drei Sterne für die irgendwo doch ganz nette Idee, die herzerwärmende Lebens- bzw. Leidensgeschichte rund um den jungen Verstorbenen und der immerhin beibehaltenden Logik des Drumherums nebst Ursachen und Wirkung.
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01.07.2011 22:37
Guter Bericht. Ich bin froh, dass ich den Film neulich nicht gekauft habe.
12.04.2010 00:28
Nun, eine wie gewohnt ausführliche Kritik, bei der ich mich aber fragen muss, ob 2 Sterne nicht doch angebrachter gewesen wären.. Zumindest hätte ich von der Rezension alleine auf diese Anzahl getippt. Aber, oh well, gibt weitaus Wichtigeres :-)
10.04.2010 21:37
mhm, das bild kommt mir irgendwie bekannt vor.. aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich den nicht gesehen hab. und ich nehme mir ganz dolle fest vor, es dabei zu belassen *jauchz* :-)