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NEUJAHRSLUST... NEUJAHRSFRUST?!?

3  03.01.2004

Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert: Ja 

Darkhound

Über sich: Erst 7 Wochen Krankenhaus und nun noch wochenlang Reha irgendwo in der Pampa... tolle Wurst! ;-(

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Zugebombte Gehwege, Glasscherben nicht nur auf den Straßen, sondern vermehrt in der Nähe parkender Fahrzeuge. Ein penetranter Gestank liegt in der Luft. Sirenen der Rettungswagen durchbrechen die Stille der Nacht im Minutentakt. Nein, dies ist kein Szenario eines Kriegsfilms, dies ist die Bilanz des Silvesterabends, den wohl ein jeder mehr oder weniger ausgelassen stark gefeiert hat.
Im heutigen Bericht möchte ich meine persönliche Meinung zu Silvester schildern. Bitte nehmt nicht alles für bare Münze oder fühlt euch angegriffen - es ist halt eine von vielen Meinungen, die mit eurer nicht das Geringste zu tun haben muss.

Da ist es nun also wieder...einmal im Jahr dürfen sogar Erwachsene sich wie Kinder aufführen und erbarmungslos Krieg spielen. Das nötige Handwerkszeug liegt genau so sicher ab dem 29.12. in den Kaufhäusern, wie der Sekt im Kühlfach und der Karpfen im Schmortopf. Gut vorbereitet (mitunter führt man ja keinen "Alleinkampf", sondern ein Team aus Freunden und Bekannten an) wartet man am Tage des Anschlags auf das geheime Zeichen aus dem TV:
Der Glockenschlag Punkt Mitternacht! Und wer selbst das nicht richtig mitbekommen hat: Das Losungswort für alle bis dato noch nicht Involvierten lautet stets "Ein frohes, neues Jahr!"

TAGEBUCHEINTRAG 365/2003 - DIE FRONT RUFT!

Nun fallen sich alle Beteiligten des näheren Umfelds theatralisch in die Arme und wünschen dem Gegenüber ein paar "Alles-wird-becher"-Floskeln an den Hals. Wenn man die Kusszeremonien der Pärchen studiert, könnte man annehmen, dass niemand lebend aus diesem Krieg zurückkehren wird.
Dann wird es ernst - der Feind rückt näher. Erste Bomben und Granaten explodieren drohend in einiger Entfernung, Leuchtspurmunition erhellt den trüben Nachthimmel. Schnell wird noch ein Schluck Mut angetrunken, dann stürmt man aufs Schlachtfeld und ist selber mitten im Geschehen. Nun gilt es nur noch, bereit für den Kampf zu sein und die Invasion der Feinde zu stoppen. Der Granatwerfer ist der wohl wichtigste Mann des Trupps - und er weiß um seinen Wert! Grinsend versorgt er sich in bester Rambo-Manier schnell mit einigen Packungen China Böller B und D, schnappt sein immer kampfbereites Zippo und...wäre um ein Haar den Heldentod gestorben, weil er die ganze Packung Dynamit beinahe an der falschen Seite angezündet hätte.
Unterstützt wird der Full Metal Jacket Soldat durch die warnenden Zwischenrufe seiner Frau: "Schatz, pass auf dich auf!", doch dieser winkt nur ab und bittet den Kameraden der Artillerie per Handzeichen um ein aufklärendes Leuchtfeuer am Nachthimmel.
In diesem Krieg haben die Frauen nicht das Recht, sich in die Angelegenheiten der an der Front kämpfenden Männer einzumischen. Stattdessen wird ihnen entweder befohlen, aus Tarnungszwecken die Schnauze zu halten, oder neue Munition, Verpflegung und Zielwasser zu besorgen. Aber auch als Sanitätsschwestern bei kleineren Verbrennungen schlagen sich die Frauen gut und sind auf jeden Fall eine echte Unterstützung an der Front.
Zwei der weiblichen Offiziere liegen sich in einiger Entfernung schluchzend in den Armen. "Ich kann es gar nicht mit ansehen", spricht die eine, während die andere, erfahrenere Soldatin beruhigend auf sie einredet: "Ach was, es wird schon nichts passieren!"
Hier und da entdeckt man durch das Zielfernrohr des Scharfschützengewehrs einige bewaffnete Rekruten, die kaum den Windeln entwachsen sind. Doch es herrscht Krieg - und da braucht man jeden Mann, egal wie jung er noch ist. Oder ob er einfach nur als Kanonenfutter endet.
Links von Private Suffkopf knallt eine Granate und nach einem ausgiebigen Kampfschrei zückt dieser sein Waffenarsenal und bombardiert ziellos die Schwärze der Nacht. Auch wenn er vor Rauchschwaden kaum die Hand vor Augen sehen kann - er wird schon irgendetwas treffen!

Im Hintergrund heult die Sirene eines Rettungswagens auf. Es muss etwas Schlimmes passiert sein, hoffentlich nicht in den eigenen Reihen!
Was jedoch niemand vorher hätte wissen können…es handelt sich um einen Blitzkrieg, der nur eine Stunde nach Ausruf des Notstands auch wieder vorbei ist. Hier und da hört man in einiger Distanz noch immer die Kampfschreie einzelner Soldaten, doch man ahnt, dass sich der Feind schon zurückgezogen hat. Siegessicher und ohne Verluste kehren die Mannen zu ihren Frauen und Kindern heim. "Auf den Sieg", prosten sie sich schweißgebadet und mit rußgeschwärzten Gesichtern im sicheren Schutz ihres Wohncontainers zu...
(c)2004 by Darkhound

Was ist Silvester?
Hier nun ein kleiner Überblick über all das, was ich persönlich mit Silvester verbinde. Natürlich hat jeder von uns eine andere Meinung und ich werde sicher nicht für alle sprechen können. Vielleicht stimmt mir der ein oder andere von euch teilweise zu, es würde mich freuen!

Silvester ist... Knallen!
Ursprünglich sollten mit dem Lärm und Radau der Feuerwerkskörper die bösen Geister vertrieben werden, so dass man sorgenfrei und unbeschwingt in ein neues Jahr gehen konnte.
Laut Kalender ist es jedoch einfach nur der Abschluss des alten bzw. der Beginn eines neuen Jahres. In der Zwischenzeit ist es der Erde gelungen, die Sonne einmal komplett zu umrunden. Was jedoch machen wir Menschen daraus? Es gibt ein Heidenspektakel und einen Megahype um diesen einen Tag, nicht wenige Leute bereiten sich schon Tage oder Wochen vorher auf dieses Ereignis vor. Es werden Millionen Euro für Knallkörper ausgegeben. Einmal knallt oder leuchtet es ganz nett, dann ist wieder ein Teil des hart verdienten Geldes "verpufft". Und die Welt jammert, dass doch niemals genug Geld vorhanden ist...
Schlimm genug auch, dass viele der ohnehin sündhaft teuren Böller aus den Ostblockstaaten kommen und zwar billiger als deutsche Ware sind, aber nicht einmal den hier herrschenden Sicherheitsbestimmungen gerecht werden. Diese Kanonenschläge und Raketen beinhalten unreines Schwarzpulver, mitunter gar gestrecktes und hochexplosives TNT. Nicht auszudenken, welche Gefahren durch solche Knaller verursacht werden. Doch selbst die Bilder von zerfetzten Gliedmaßen, welche jedes Jahr aufs Neue im Fernsehen gezeigt werden, schrecken Jugendliche und Erwachsene kaum ab. Bestimmt hat der Großteil aller Kids ohnehin schon eigene Knaller gebastelt - in der Hoffnung, sie würden lauter als die "normalen" sein.
Wem jedoch schon mal ein Knaller in der Hand explodiert ist, weiß hinterher sicher, dass man den Böllern Respekt zollen sollte.

Silvester ist...Karpfen!
Leider kann ich beim besten Willen nicht sagen, wer, wo,wann oder warum die Tradition des blauen Karpfens eingeführt wurde. Dennoch ist es Tatsache, dass gerade an diesem Tag in tausenden von Familien Fisch auf dem Speiseplan steht. Fast schon in etwa vergleichbar mit der Weihnachtsgans…

Silvester ist...fernsehfrei!
Ganz im Ernst ist Sylvester für mich ein Hasstag im Bezug auf Fernsehen. Das normale TV-Programm muss einer nicht enden wollenden Schar sinnloser Blödel-Serien weichen. Egal wo man auch hinschaltet - es läuft, von den Nachrichten mal abgesehen, definitiv nur Comedy.
Also ist dieser Tag ideal, um einfach ein gutes Buch zu lesen, sich eine DVD anzusehen oder vor dem Computerbildschirm zu kleben. Wem es dennoch in den Fingern juckt: Okay, das Einschalten kurz vor Mitternacht ist noch gestattet, schließlich weiß niemand, ob der heimische Funkwecker auch die richtige Zeit anzeigt. Wer will das neue Jahr schon verspätet beginnen?

Silvester ist...Party!
An diesem Tag gelten die Regeln des guten Anstands eigentlich kaum noch. Am letzten Tag des Jahres MUSS ganz einfach "die Sau herausgelassen werden!": Entweder im teuer bezahlten und gesitteten Kreis eines Rentnertreffs (nennt sich dann Silvesterball oder Gala, meist in einem Restaurant), oder zusammen mit der Clique. Sicher kein verwundertes Erstaunen wenn ich sage, dass gerade letzteres meist in einem totalen Besäufnis und heftigsten Kopfschmerzen am nächsten Morgen endet. Das ist der Moment, an dem die ältere Generation hämisch grinst und anmerkt: "Siehst du, wusste ich doch! Wärst du mal lieber zusammen mit uns auf den Ball gegangen. Das Buffet war wunderschön und die Live-Kapelle einfach nur spitze. Ein Glück, dass wir noch Karten bekommen haben." Gedachte (hoffentlich nicht ausgesprochene!) Antwort des leidenden Teenagers, der mittags noch immer in den Federn liegt: "Erde an Oma, für'n Seniorenball bin ich noch zu jung! Außerdem gab es bei uns mehr Alk..."

Silvester ist...Zerstörung!
Nicht selten habe ich am nächsten Tag ein wahres Chaos auf den Straßen gesehen: Umgeschmissene Flaschen, zugemüllte Gärten und explodierte Briefkästen. Die Stadtreinigung hat mehr als genug zu tun, damit man Ende Januar nicht noch immer auf jedem Quadratzentimeter kiloweise Abfall findet. Die einen haben demnach ihren Spaß, den anderen Extraarbeiten aufzutragen...

Silvester ist...Floskeltag!
Man wohnt mit vielen weiteren Mietparteien in einem riesigen Haus und dennoch kennt niemand den anderen. Eine große, geduldete oder manchmal gar gewollte Anonymität. Niemand regt sich darüber auf, es ist einfach so. Sylvester folgt die große Überraschung, denn pünktlich zu Mitternacht versammeln sich alle in Scharen vor dem Haus, liegen sich unbekannterweise in den Armen, stoßen mit billigem Sekt an und wünschen dem Gegenüber grinsend alles erdenklich Gute für das kommende Jahr.
Auf der Straße wurde man die vergangenen zwölf Monate nicht mal mit dem A..ch angeguckt, heute verhalten sich alle gekünstelt wie beste Freunde. Ich würde nur gerne wissen, warum mir nicht schon vorher mal jemand einen guten Tag gewünscht hat. Okay, die Antwort kann
ich selber liefern:

Hinter den Worten "Ich wünsche ein frohes neues Jahr" verbirgt sich in den meisten Fällen nichts anderes als eine leere Phrase. Ausdrucksloser Smalltalk, der irgendwann mal eingebürgert wurde und nun schlichtweg dazugehört.

Silvester ist...Anti-Haustiertag!
Das ganze Jahr über erfreuen wir uns am Schnurren oder Pfötchengeben unserer heimischen Vierbeiner - und an Silvester denken wir überhaupt nicht an sie. Ganz im Gegenteil erschrecken wir sie durch ohrenbetäubenden Lärm. Der Hund meiner Eltern z.B. ist so verstört, wenn es rund um ihn herum nur so knallt, dass er sich in die hinterletzte Ecke des Hauses verzieht und wimmert.
Ferner macht es auch keinen großen Spaß, wenn man am Neujahrstag mit dem Hund Gassi geht und man dabei aufpassen muss, dass das Tier nicht andauernd in irgendwelche Glassplitter tritt oder unidentifizierbaren Abfall frisst!

Silvester ist...Tag X!
Das ganze Jahr über lebt man so, wie man es für richtig hält. Hier mal wieder zwanzig Kilo mehr auf den Rippen, da mal wieder eine neue Schachtel Zigaretten auf dem Schreibtisch. Irgendwann im Laufe des Jahres vergessen, verdrängen bzw. übersehen die meisten Leute ihre Laster. Doch... "im nächsten Jahr wird alles anders! Da höre ich damit auf. Ganz sicher!"
So sicher wie das Amen in der Kirche wird sich bei 90 % aller Leute mit einem guten Vorsatz auch im nächsten Jahr nichts dauerhaft ändern. Der Mensch sucht nur nach einem Vorwand, so weiter zu leben wie bisher und vertagt gute Entscheidungen gern auf das nächste Jahr. Es ist ja noch so weit weg...
Mein eigener Vorsatz für das kommende Jahr: Einfach keine Vorsätze treffen. Einhalten werde ich sie sicher eh nicht!

Mein Fazit:
Ich persönlich finde den Rummel um Silvester übertrieben. Silvester ist für mich kein anderer Tag als der Rest des Jahres. Daher verstehe ich die Aufregung nicht, die viele Leute an den Tag legen. Wie im Ausnahmezustand werden Vorbereitungen getroffen, um die vermeintlich beste Fressparty des Jahres mit den ganz bestimmt schlimmsten Kopfschmerzen seit Menschengedenken zu erleben:
Chipstüten im Knabberregal? Ausverkauft! Brot? Ausverkauft! Alkoholische Getränke? Ausverkauft! Alkoholfreie Getränke? Wenn ich mich mit Selters zufrieden gebe...
Die Leute kaufen, als würde es kein morgen mehr geben…der Euro sitzt mitunter doch noch sehr locker. Gerade wenn man sieht, dass selbst noch am Silvestermorgen fast jeder zweite Kunde ein sündhaft teures Knallsortiment in seinem Einkaufskorb hat und dieses auch mit Leibeskräften verteidigt.
Aber okay, ich muss dazu sagen, dass ich als Jugendlicher (zumindest in jüngeren Jahren) auch nicht anders war und mein gesamtes Taschengeld für zwei Minuten Lärm ausgegeben habe. Vielleicht muss es ganz einfach so sein und jeder Mensch macht diese Phase mehr oder weniger intensiv durch. Vielleicht kommt man erst ein wenig später dahinter, dass man sich für das "verpulverte" Geld z.B. lieber eine tolle CD hätte kaufen sollen, weil man auf lange Sicht mehr davon hat. Mehr davon hätten z.B. auch die vielen hungerleidenden Kinder und Familien in den Dritte-Welt-Ländern, wenn man das eingesparte Geld auf ein Spendenkonto überweisen würde.

Es liegt mir fern, jemandem vorzuschreiben, was nun "gut" oder "schlecht" ist. Ferner möchte ich auch niemandem seinen Spaß nehmen, daher empfehle ich dieses Spektakel dennoch. In diesem Bericht ging es nur um meine eigene Meinung bzw. meine Erfahrungen, und diese lassen sich mit drei Worten beschreiben: "Laut", "Teuer" und tags drauf "verpufft".

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern und Vertrauten ein frohes neues Jahr,
Euer Sprengstoffexperte Darky. (Ohne Folgeschäden am nächsten Morgen!)
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
PadiZH

PadiZH

30.06.2004 20:15

Na ja, das erste halbe Jahr ist um...bald feiern wir wieder Silvester...grins

Azurcristall

Azurcristall

07.01.2004 10:47

[ACHTUNG: Multipost] Wenn du willst, kannst du mit deinem Bericht an der Autorenaktion auf www.opinion-panel.de teilnehmen. Es gibt ein Ciao Fanpaket (T-Shirt usw.) im Wert von 25€ zu gewinnen!

HowlingNightwolf

HowlingNightwolf

06.01.2004 12:10

Silvester ist für mich lecker schlemmen. An sich ist es wie Weihnachten; nur für Kinder wirklich besonders.

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