Es ist ganz nah - ein schönes neues Jahr
28.12.2005
Pro:
die Menschen sind an diesem Tag (fast) alle nett zueinander
Kontra:
die Verletzungen durch Böller, der Kater am nächsten Morgen . . . . .
Empfehlenswert:
Ja
 melody
Über sich:
Tadele nicht den Fluß, wenn du ins Wasser fällst......
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An Silvester in meiner Kindheit kann ich mich nur schwach erinnern. Meine Eltern haben nicht gefeiert, aber immerhin gab es Kaninchenbraten - wie bei uns an allen Feiertagen. Um Mitternacht durfte ich mir sogar draußen ansehen, wie die Nachbarn das neue Jahr mit Böllern und Raketen begrüßten. Diese Knallerei fanden meine Eltern viel zu gefährlich, ich durfte nur Knallerbsen auf den Boden schmeißen und unter Aufsicht bunte Streichhölzer anzünden. Die Kirche feiert den Jahresabschluss mit einem Gottesdienst, in dem man auf die Ereignisse des Jahres zurückblickt, und um Mitternacht wird das neue Jahr mit Glockengeläut eingeleitet. Seinen Namen verdankt der letzte Tag des Jahres Papst Silvester I, der am 31. Dezember 335 in Rom starb. Wir feiern also eigentlich an einem Trauertag. Der männliche Vorname hat lateinischen Ursprung und bedeutet übersetzt "der zum Wald gehörende". Auf Bildern von Papst Silvester sieht man oft einen gefesselten Drachen. Er ist ein Sinnbild für den Sieg des Christentums über das Heidentum.Dieser Sieg ändert aber nichts an der Tatsache, dass schon die alten Germanen mit großem Lärm und brennenden Holzrädern versuchten, die bösen Mächte der Rauhnächte, in deren Mitte Silvester fällt, zu vertreiben. Auch wenn wir uns heute nicht mehr vor Wotan fürchten, ist die Silvesterknallerei auf diesen heidnischen Brauch zurückzuführen. Die alten Römer liebten es, ausgelassen zu feiern und veranstalteten zum Jahreswechsel Eß- und Trinkgelage. Das gefiel den Christen gar nicht, und um diesen heidnischen Brauch zu unterbinden, erklärte die Kirche den Neujahrstag zum Buß- und Fastentag. Doch der Versuch scheiterte, denn die Menschen ließen sich schon damals nicht davon abbringen, das neue Jahr fröhlich zu begrüßen. So ist es bis heute geblieben, wir essen, wir trinken, wir knallen und erwarten hoffnungsvoll das neue Jahr.Meine erste Silvesterfete feierte ich in einem Jugendheim, als ich 16 Jahre alt war. Tolle Leute, tolle Stimmung - und es gab Sauerkraut mit Rippchen. Das war nun wirklich nicht mein Lieblingsessen, aber mir wurde erklärt, dass dieses Gericht symbolisch für Reichtum steht. Vor dem Essen wünscht man sich für das nächste Jahr so viel Geld wie Fäden von dem Kraut im Topf sind. Ich lernte, dass Silvester kein Geflügel gegessen wird, weil dadurch das Glück im neuen Jahr davonfliegen könnte. Sehr froh machte mich, dass kein Schweinskopf serviert wurde. Das ist auch ein Traditionsessen, weil das Schwein als Glücksbringer gilt. Die Marzipanschweine, die später verteilt wurden, machten mich allerdings nicht glücklich. Marzipan schmeckt mir nämlich nicht. Es ist auf der ganzen Welt üblich, um Mitternacht mit einem Glas Sekt oder Champagner auf das neue Jahr anzustoßen. Das wusste sogar ich damals schon, aber hier gab es vorher einige Getränke, die ich noch nicht kannte. Glühwein, Silvesterpunsch und verschiedene Bowlen mit allerlei Obstsorten. Bowle fand ich besonders toll, dieses Gesöff schmeckte mir ausgesprochen lecker. Als sich um Mitternacht alle mit Sekt zuprosteten und dann mit ihren Knallern nach draußen rannten, kämpfte ich im Waschraum um mein Leben. Ich dachte jedenfalls, ich müsse sterben, denn so kotzübel war mir noch nie zuvor. Leider hatte ich keinen Amethyst dabei. Er soll nämlich vor Trunkenheit und dem Kater am Neujahrsmorgen schützen.Wenn alle Menschen das gleiche Verhältnis zu Silvesterknallern hätten wie ich, würde ein ganzer Industriezweig aussterben. Chinaböller, Tornado-Rakete, Dicke Berta und wie sie sonst noch heißen mögen - ich fasse diese Dinger nicht an. Es geht mir nicht darum, ob es sinnvoll ist, dass die Menschen viel Geld für diesen Spaß ausgeben, oder ob es sinnvoller ist, dieses Geld lieber für gute Zwecke zu spenden.. Das soll jeder für sich entscheiden. Mir geht es um die Gefahr! Die Feuerwehr und die Notaufnahmen der Krankenhäuser haben jedes Jahr in dieser Nacht reichlich zu tun. Man muss allerdings gar nicht selber an einer Zündschnur rumfummeln, um verletzt zu werden. Dafür sorgen schon die unvernünftigen Leute, die leider nie aussterben. Ich erinnere mich an eine Silvesternacht, in der ich in einem geschützten Hauseingang stand und mir das Spektakel aus sicherer Entfernung ansah. Ein netter Mitmensch fand es lustig, einen Böller ganz bewusst direkt in den Hausflur zu werfen. Meine Bluse hatte danach ein Lochmuster - ich war zum Glück unverletzt. Besonderes Mitgefühl empfinde ich Silvester für die Tiere. Meine beiden Katzen haben sich am 31. Dezember schon mittags, wenn die ersten Knaller Krach machen, im Kleiderschrank versteckt. Die meisten Tiere nehmen die Knallerei viel stärker als Menschen wahr, weil sie sensiblere Gehörgänge besitzen. Der Krach kann sie in panische Angst versetzen. Silvester wünschen sich alle Menschen Glück und verschenken gerne kleine Glücksbringer aus Schokolade oder Marzipan. Ein Kleeblatt verspricht Glück im Spiel und verhindert Schicksalsschläge. Das Hufeisen schützt Haus und Hof und der Schornsteinfeger befreit den Kamin von Ruß und Schmutz und schützt dadurch vor Bränden. Der rote Marienkäfer mit den schwarzen Punkten bringt Glück, seid er im Mittelalter der Gottesmutter geweiht wurde, und das Schwein sorgt für's leibliche Wohlbefinden im nächsten Jahr. Der Fliegenpilz als Glückssymbol verwundert mich immer, denn er ist ja giftig. Er kann aber auch berauschen - ob das glücklich macht?Wer nichts geschenkt bekommt, kann selbst für sein Glück sorgen. Wenn die Reste vom Silvesteressen bis zum Neujahrsmorgen auf dem Tisch stehen bleiben, bringt das neue Jahr Überfluss und Reichtum. Am Neujahrstag soll man nicht zu spät aufstehen, dann kann man das ganze Jahr gut schlafen und böse Träume haben keine Chance. Niemand möchte wirklich in die Zukunft schauen können, aber alle wollen gerne wissen, was im nächsten Jahr denn wohl so passiert. Deshalb werden auf Silvesterpartys oft Tarot-Karten gelegt. Ich habe mir auch solche Karten gekauft, aber es wird trotz der Erklärungen im beigefügten Handbuch noch sehr lange dauern, ehe ich verstehe, was die Karten mir sagen wollen. Beliebt ist es auch, Einzelheiten über die Zukunft durch ein Pendel zu erfahren. Dreht sich das Pendel nach einer gestellten Frage im Uhrzeigersinn, bedeutet das "ja". Dreht es sich gegen die Richtung, heißt die Antwort "nein". Wenn das Pendel nur unentschlossen hin und her schwingt, weiß es auch nicht Bescheid......Auf der Silvesterparty 2004 habe ich zum ersten Mal Blei gegossen. Das ist ein sehr beliebter Brauch, den die Menschen schon im Mittelalter praktiziert haben. Zuerst musste ich das Blei in einem Löffel über einer brennenden Kerze schmelzen. Dann schmeißt man es schnell in kaltes Wasser, in dem es sich wieder verhärtet und eine Form bildet. Diese Figur ist ein Orakel und deutet auf Ereignisse im neuen Jahr hin. Erscheint ein Herz, ist natürlich klar, dass man sich verlieben wird. Ein Ring oder Kranz deuten eine Hochzeit an. Zerbrochene Ringe sind nicht so toll, sie bereiten auf eine Trennung vor. Ein Kreuz bedeutet Tod.... So weit kann ich die Symbolik nachvollziehen. Durch schnelle Nachhilfe meiner mitfeiernden Freunde lernte ich, dass mir eine Schlange mitteilt, andere sind neidisch auf mich. Sterne bedeuten Glück und ein Ball lässt das Glück heranrollen. Aber mein Klumpen hatte keine Ähnlichkeit mit nichts! Ich hätte gerne ein Dreieck für finanzielle Verbesserung gegossen, oder eine Brille für hohes Alter und Weisheit - aber es blieb bei aller Fantasie leider nur ein undefinierbarer Klumpen...... Also muss ich weiterhin mein Schicksal mit neugieriger Spannung erwarten - und ich lass mich gerne überraschen!Dann sind da noch die guten Vorsätze, die Silvester Hochkonjunktur haben. "Prosit Neujahr, das alte ist gar, das neue fängt an, nun sind die guten Vorsätze dran." (Den "Dichter" dieses Spruches kenne ich leider nicht.) Im neuen Jahr werde ich alles anders, alles besser machen. Ich werde gesünder leben, unnötigen Stress vermeiden, nicht mehr rauchen, weniger essen, mehr Sport treiben. Immer nett zu meinen Mitmenschen sein - zu allen.........*lächelAch nee, aus dem Illusionsalter bin ich raus. Ich habe nur den Vorsatz, keine guten Vorsätze zu haben! Wird's besser, wird's schlimmer, fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich, Leben ist immer lebensgefährlich! (Erich Kästner) Ich wünsche allen viel Glück im Jahre 2006!!!GUTEN RUTSCH
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10.02.2006 16:15
Ist mir auch schon aufgefallen, an Silvester ist jeder fröhlich und nett. ig Tom
29.01.2006 12:23
Meine Vorsätze fürs neue Jahr werd ich wohl wieder nicht einhalten können, aber man kann ja wenigstens so tun als wenn man es versucht ..
28.01.2006 10:00
Ich kann Dir nur recht geben, Silvesterknaller muss man nicht selbst in die Hand nehmen, um verletzt zu werden! Ein sehr schöner Bericht, der mir gut gefallen hat, deshalb auch ein bh von mir, LG nicolesunny