Prachtvolle Bilderwelten
13.03.2000
Pro:
man muß beim Gruseln grinsen
Kontra:
Empfehlenswert:
Ja
 Bill
Über sich:
Mitglied seit:01.02.2000
Erfahrungsberichte:10
Vertrauende:23
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wer Jonny Depp mag, mag auch diesen Film, wer Tim Burton mag, mag diesen Film ebenfalls und wer sich auf die beiden Nonkonformisten als bewährtes Duo gefreut hat, wird diesen Film lieben. Constable Ichabod Crane (Jonny Depp) wird von seinem Vorgesetzten (Kurzauftritt von Chrisopher Lee) nach Sleepy Hollow geschickt, um die Morde dreier Menschen aufzuklären, denen die Köpfe abgeschlagen wurden. Crane, ein Feind konventioneller Untersuchungsmethoden, sieht sich im nahenden Millenium (1799) als moderner Aufklärer, und so reist er mit wundersamen Gerätschaften, die der Handhabung seiner analytischen Kriminalmethoden dienlich sein sollen, von New York nach Sleepy Hollow. Kaum dort angelangt, erfährt er von maßgeblichen Personen der kleinen Gemeinde, daß der Geist eines ehemaligen deutschen Söldners als kopfloser Reiter (dargestellt von Christopher Walken, Gegenspieler Jonny Depps in dem Film ?Gegen die Zeit") sein Unwesen treibe, und als Rache seiner eigenen Enthauptung, den Bewohnern von Sleepy Hollow die Köpfe abschlage. Aber Crane verwirft die abergläubischen Vermutungen und versucht, gemäß seinem modernen Kodex, plausible Gründe für die Morde herauszufinden. Doch es geschehen weitere Morde, und für Crane wird es zunehmend schwieriger den als Aberglauben hingestellten Thesen der Dorfbewohner Paroli zu bieten. Jonny Depp überzeugt in seiner Rolle als wahrhaft rationaler Mensch, der nicht umhin kann seine eignen Wirklichkeiten immer wieder anzuzweifeln; er spielt den Ichabod charmant und töpelhaft, mal selbstbewußt und auch mal ängstlich, menschlich eben. Die beginnende Romanze zwischen ihm und Katrina van Tassel (Christina Ricci), die mit der Darstellung eines mal toughen, mal zerbrechlichen Wesens nicht nur den Zuschauer beeindruckt, trägt nicht zur Wahrheitsfindung bei, macht sie im Gegenteil noch schwieriger. Tim Burton hat mit der Romanvorlage Washington Irvings, der mit ?Rip van Winkle" schon den Grundstein zu Max Frischs ?Stiller" legte, ein herrlich gotisches Szenario geschaffen, daß zwischen Horror, Fantasy und schauriger Romantik Filmgeschichte machen wird. Tim Burtons Bilderwelten enttäuschen nie und muten hier wie Pastell- oder Aquarellgemälde an, ein satter Augenschmauß nicht nur für Burton Fans. Erstaunlicherweise wurde fast der komplette Film im Studio gedreht. Köpfe rollen viele, fragwürdig bleibt damit, ob dieser Film ab 12 geeignet ist, ein paar von den zwölfjährigen, die neben mir in der Vorstellung saßen, mußte ich immer wieder sagen, wann sie die Hände von den Augen nehmen konnten. Doch auch sie waren schließlich überzeugt von diesem traumhaft gruseligen Ausritt aus dem Alltag.
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