Slowenien, Allgemeines

Bilder der Ciao Community

Slowenien, Allgemeines

> Detaillierte Produktbeschreibung

91% positiv

38 Erfahrungsberichte der Community

Es gibt leider keine Angebote

Erfahrungsbericht über "Slowenien, Allgemeines"

veröffentlicht 01.06.2013 | Die-Fischerin-vom-Bodensee
Mitglied seit : 18.06.2011
Erfahrungsberichte : 29
Vertrauende : 6
Über sich :
Das Leben ist ein Irrenhaus!
Ausgezeichnet
Pro sehr abwechslungsreich, grandiose Natur, nicht touristisch überlaufen
Kontra inzwischen deutsches Preisniveau
besonders hilfreich
Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

"Kleines Land ganz groß"

Im Triglav Nationalpark

Im Triglav Nationalpark

Slowenien – was verbindet man mit Slowenien? Vor einigen Jahren wären die Antworten eventuell Ex-Jugoslawien oder europäischer Musterschüler gewesen, heute ist es vermutlich Euro-Rettungskandidat. Alles trifft zwar irgendwie zu, wird dem Land aber bei weitem nicht gerecht, denn Slowenien ist so viel mehr. Im Norden das oftmals vergessene Alpenland, im Süden die mediterranen Gebiete mit Adriaküste und im Zentrum die barocke und dennoch jugendliche Universitätsstadt Ljubljana. Slowenien ist ein faszinierendes Land, das ich euch im Folgenden etwas näher bringen möchte.
.

Landeskunde

Führt man eine Umfrage nach Alpenländern durch, dann erhält man vermutlich ein Ergebnis, das die Schweiz und Österreich vor dem Triumvirat aus Frankreich, Italien und Deutschland führt. Wenn man Glück hat, erwischt man auch noch ein paar Steuerflüchtlinge, die ihr Geld im Liechtensteiner Fürstentum deponiert haben, doch die nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens entstandene Republik Slowenien haben die Wenigsten auf dem Schirm. Das kleine Land, das sich im Süden der Karawanken an Österreich schmiegt, ist gerade mal halb so groß wie die Schweiz und hat zudem nur ein Viertel der Einwohnerzahl. Entsprechend ist die Bevölkerungsdichte und – zum Glück – auch der Massentourismus nicht gerade gigantisch.
.
Zahlen und Fakten

Republik Slowenien

Einwohnerzahl: 2.000.000

Fläche: 20.273 km²

Landessprache: Slowenisch

Unabhängigkeitstag: 25. Juni 1991

Nachbarländer: Italien, Österreich, Ungarn, Kroatien

Währung: Euro
.
Ein Blick auf die Landkarte

Wie bereits geschrieben, hat Slowenien Anteile an den Alpen. Der Nordosten des Landes befindet sich mitten in den Julischen Alpen und beherbergt in seinem Zentrum den Triglav-Nationalpark, der um den namensgebenden höchsten Berg Sloweniens gegründet wurde.
Bewegt man sich gen Süden, so kommt man in die Adriaregion des Landes. Verglichen mit seinen Nachbarn ist die Küste fast schon zu vernachlässigen, nicht mal die 50km-Marke wird erreicht und auch badetechnisch betrachtet, hat der südliche Nachbar Kroatien deutlich mehr zu bieten. Nichtsdestotrotz ist die Küstenregion recht sehenswert – egal ob ober- oder unterirdisch. Doch dazu später mehr.
Zu guter Letzt geht das Staatsgebiet in Richtung ungarischer Grenze langsam in Flachland über.
.

Urlaubsträume


Das Tor zu den Julischen Alpen

Von Deutschland aus fährt man am besten durch Österreich gen Slowenien. Bei unserem ersten Slowenienurlaub, sowie unserem letztjährigen Abstecher während des Kärntenurlaubs sind mein Freund und ich auf der Autobahn durch den Karawankentunnel gen Slowenien gefahren. Das geht schnell und unkompliziert, ist jedoch teuer und man sieht, abgesehen von der Tunnelarchitektur eher wenig. Kostenlos und zudem viel reizvoller, aber deutlich zeitaufwändiger, ist die Route über den Wurzenpass, den wir für den Rückweg nahmen. Der Pass ist eher weniger stark befahren, die Passstraße jedoch ganz ordentlich. Beachten sollte man aber die Leistungsfähigkeit des eigenen Wagens, mit bis zu 18% Steigung handelt es sich nämlich auch um den steilsten der Alpen.

Egal welchen Weg man nimmt, jedem der eine Tour durch Slowenien machen möchte, empfehle ich das Auto mitzunehmen. Zwar sahen wir auch einige Tramper, aber mit der eigenen Karre ist man dann doch flexibler. Auto fahren an sich ist in Slowenien problemlos möglich. Die Straßen sind inzwischen in einem guten Zustand – das war bei meinem ersten Besuch noch nicht der Fall – und die beiden Hauptdiagonalachsen sind mit niegelnagelneuen Autobahnen bestens ausgebaut.

Hier muss ich nun aber auf einen Kostenpunkt zu sprechen kommen, bei der eine ordentliche Planung etwas Geld sparen kann. Bei meinem ersten Trip gen Slowenien, bei der ich mit einer Mitstudentin eine Art Städtetour gemacht hatte, gab es noch das italienische System mit immer wieder vorhandenen Mautstationen. Seit 2009 hat man sich ein Vorbild am nördlichen Nachbarn genommen und ebenfalls Pickerl eingeführt. Wie in Österreich können Vignetten für unterschiedliche Zeitdauern erworben werden. Die sind zwar etwas kürzer gültig und doppelt so teuer, aber im Prinzip das gleiche. Die Siebentagesvignette ist für 15€ zu haben, der Urlaub sollte also so geplant sein, dass man keinen achten Autobahntag benötigt, was auch problemlos möglich sein sollte, denn für unser erstes Ziel kann man sich die Autobahn getrost sparen – um genau zu sein, es gibt nicht mal eine in der näheren Umgebung.
.
Triglav-Nationalpark

Fährt man vom Wurzelpass gen Tal, so kommt man bei Kranjska Gora heraus, dem slowenischen Wintersportort schlechthin und zudem einem der geeignetsten Orte, um als Zentrum für die eigenen Ausflüge in den Nationalpark zu dienen.

Zunächst einmal sind von Kranjska Gora aus, die Hauptziele der Region zu erreichen. Egal ob Martuljek-Wasserfälle, Vršic-Pass oder der Namensgebende Triglav. Alle Parkplätze sind locker innerhalb einer Stunde zu erreichen. Zum anderen ist Kranjska Gora mit 1500 Einwohnern in der Kernstadt so etwas wie die Metropole der Region. Es gibt also einen großen Supermarkt, genügend Restaurants und so etwas wie ein Nachtleben.
.

Rund um den Triglav

Durch das Tal der Wurzener Save erreicht man den kleinen Ort Mojstrana, von hier aus führt ein Fahrweg mitten ins Herz des Nationalparks. Zunächst noch asphaltiert, wird aus dem kleinen Sträßchen schnell ein geschotterter Fahrweg mit vereinzelten Ausweichstellen. Und genau hier zeigt sich schon der Unterschied zu touristisch überlaufenen Bergregionen der Schweiz oder Österreichs. Vorbei an Wasserfällen geht es mehrere Kilometer weit das Tal hinauf, hin zu einem recht großen Parkplatz. Dort heißt es dann ab in die Wanderklamotten, die Stiefel angezogen und losmarschiert.

Eigentlich sollte man bei jeder Bergtour eine Wanderkarte dabeihaben, hier gilt dies umso mehr. Wir hatten uns in Österreich noch mit Kartenmaterial eingedeckt und uns eine aus unserer Sicht machbare Tour herausgesucht. Die Wege waren auf allen Karten mehr oder weniger in die Kategorien „gut ausgebaute Wanderwege“, „Wanderwege“, „Steige“ und „Klettersteige“ eingeteilt. Da Klettersteige andere Ausrüstung voraussetzen, fielen diese flach, doch der Rest sollte machbar sein – dachten wir jedenfalls. Nach einigem hin und her Irren war der Weg gefunden und wir marschierten los. Obwohl der Parkplatz recht ordentlich gefüllt war, verliefen sich die Leute und wir sahen nur vereinzelt einige Leute herumspazieren. Frohgemut schritten wir voran, bis wir an einer Kreuzung unseren Fehler bemerkten. Der „Wanderweg“ auf dem wir dachten zu laufen, zweigte nämlich jetzt erst rechts ab. Und das was die Slowenen hier als Wanderweg bezeichneten, war ein sich steil den Berg hinaufwindenden Pfad, der sich zwischen Steinen und Wurzeln hindurch seinen Weg nach oben bahnte. In diesem Moment war uns eines klar, die geplante Tour würden wir an diesem Tag nicht schaffen. Da wandern im bewaldeten Tal aber auch nicht das war, was wir uns vorgestellt hatten, begannen wir den Aufstieg trotzdem, wir konnten ja später noch abkürzen.

Und bei diesem Aufstieg merkte man nun einen weiteren Unterschied zu den Alpenanrainern. Während man andernorts eine Seilbahn auf den Gipfel nehmen könnte – oder auch wie von mir bevorzugt nach dem Aufstieg zu Fuß eine Bahn gen Tal – so sucht man hier so etwas glücklicherweise vergebens. Das ist dann zwar körperlich anstrengender, allerdings begegneten wir dafür auf dem weiteren Bergtrip nur noch drei Personen. Ein solch ungestörtes Naturerlebnis hat man sonst einfach ziemlich selten.

Alles in allem braucht man für eine passable Tour in diesem Gebiet eine sehr gute Kondition, akzeptable Ausrüstung und, sofern man richtig etwas sehen will, viel Zeit. Es gibt einige unbewirtschaftete Hütten, in denen man die Nacht verbringen könnte, was bei größeren Touren sicherlich sinnvoll ist. Doch auch ohne Kletterausrüstung und Nahrung für eine mehrtägige Wanderung kann man das Panorama des Triglav und einiger umliegender Gipfel bestaunen. Neben Bergtälern, Steinmeeren und wilden Bergbächen sind nämlich auch ein paar Pässe erreichbar.
.

Martuljek-Wasserfälle

Wer sich die Autofahrt auf dem steinigen Weg zum Triglav sparen will, der kann sich auch andere Ziele in der Umgebung heraussuchen. Ein lohnenswertes Ziel sind beispielsweise die beiden Martuljek-Wasserfälle. Von Kranjska Gora aus geht es mit dem Auto zehn Minuten bis Gozd Martuljek, wo man das Auto abstellt und direkt loslaufen kann. Im Gegensatz zu unserer Wanderung tags zuvor, waren wir dieses Mal nicht auf großartige Umplanungen während der Tour angewiesen. Der Wanderweg ist gut ausgeschildert und, wie bereits gewohnt, verdammt steil. Durch den kühlen Wald stiegen wir mit etlichen weiteren Ausflüglern zum unteren Martuljekfall, den wir nach einer Dreiviertelstunde erreichten. Dieser führte leider wegen der damaligen lange andauernden Trockenheit ziemlich wenig Wasser, bot aber dennoch einen schönen Anblick. Wer jetzt noch nicht genug hat, der kann weiter in Richtung oberer Wasserfall laufen. Der Aufstieg pendelt zwischen steilen Anstiegen und angenehmem Waldspaziergang, bis man plötzlich auf einem Felsvorsprung steht, an dessen Grund bereits wieder der Gebirgsbach zu sehen ist. Klettert man die kurze Strecke nach unten, steht man direkt vor dem oberen Martuljekfall. Wir nutzten die schöne Sicht und schlugen auf einem der vielen umherliegenden Felsen unser Mittagslager auf.

Wir standen nun zwar unter dem Wasserfall, doch dieser floss über zwei Kaskaden ins Tal – und zur ersten ging ein mit Stahlseil versehener Kletterabschnitt hinauf. Mein Freund war natürlich mit einigen italienischen Mitwanderern sofort dort oben, ich begnügte mich vorerst mit der Gesellschaft der zugehörigen Mädels. Den Weg nach oben an der senkrechten Felswand über dem Tosbecken traute ich mir zwar zu, allerdings hatte ich wenig Lust, dort oben von der Bergrettung abgeholt zu werden. Irgendwann wurden uns die Rufe von oben aber zu blöd und wir stiegen ebenfalls hinauf. Von dort oben hatte man dann auch eine deutlich bessere Sicht als von unten – und der Abstieg erwies sich als deutlich einfacher als befürchtet.
.

Alpenmuseum

Falls es mal schlechtes Wetter sein sollte – das hatten wir leider auch einen Tag lang – bietet sich das Slowenische Alpenmuseum in Mojstrana an. Hier findet der interessierte Besucher alles über die Julischen Alpen, das Bergsteigen und natürlich den Wappenberg Sloweniens, den majestätischen Triglav.
.

Vršic-Pass

Wer nicht so gut zu Fuß ist, der kann dennoch die Bergwelt genießen. Wer keine Probleme mit dem Wandern hat, sollte sich aber ebenfalls den VršiÄ-Pass zum Ziel nehmen. Von Kranjska Gora aus fuhren wir an unserem zweiten Abend auf der Passstraße bei strahlendem Wetter hinauf zum höchsten slowenischen Pass. Über 50 teilweise gepflasterte Steilkehren schraubt man sich auf 1611m. Auf dem Weg passiert man freilaufende Schafe, grandiose Aussichtspunkte und die russische Kapelle. Letztere ist zum Gedenken an die beim Bau umgekommenen russischen Kriegsgefangenen errichtet worden.

Oben angekommen genossen wir das Panorama und schlenderten ein wenig durch das verzweigte Wegenetz, das letzten Endes ebenfalls als Ausgangspunkt für längere Bergtouren genützt werden könnte.
.

Bled

Auch wenn es nur am Rande des Nationalparks liegt, wer auch nur in der Nähe des Ortes ist, sollte ihm unbedingt einen Besuch abstatten. Nicht des Stadtbildes wegen, das ist ehrlich gesagt ziemlich mau, aber wer möchte sich schon das Fotomotiv Sloweniens schlechthin entgehen lassen. Etwa 40 Kilometer in Richtung Ljubljana liegt der Bleder See mit seiner auf einer Insel gelegenen Marienkirche, einem der Hauptheiratslokalitäten des Landes (da würde ich auch jederzeit meinem Freund das Jawort geben:), überragt von der auf einem Felsen thronenden Bleder Burg. Bei schlechtem Wetter kann man der Burg natürlich auch einen Besuch abstatten – wir hatten schlechtes Wetter – doch der Reiz des idyllischen Panoramas geht verloren. Und eben aus diesem Grund zwang ich meinen Freund, zwei Tage später, dann wieder bei strahlend blauem Himmel, den Weg nach Ljubljana zu unterbrechen und einen erneuten Stop an dieser Perle einzulegen.

Gerade in den frühen Morgenstunden, als der Touristenstrom in dieser leicht hotelverseuchten Gemeinde (Bled kommt einem aber größer als 8.000 Einwohner stark vor) noch nicht losgebrochen war, bot sich uns die perfekte Gelegenheit, den See in circa einer Stunde zu umrunden. Der Fußweg ist eben und meistens sehr schön gelegen. Vorbei an herrschaftlicheren Häusern, dem slowenischen Ruderzentrum und einigen wenigen als Altstadt zu bezeichnenden Gebäuden kann man die frische Morgenluft und den Blick auf See und Burg genießen, sowie den Booten zuschauen, die erste Touristen zur Kircheninsel übersetzen.

Ebenfalls vom See aus geht der Fußweg zur Burg hinauf. Dieser ist gut begehbar, hat allerdings notgedrungen einige Stufen. Die andere Alternative ist die Anfahrt mit dem Auto, dafür muss jedoch ein ziemlicher Umweg in Kauf genommen werden. Von dort oben hat man dann einen weiten Blick über das Land und den Nationalpark, die Möglichkeit ein kleines Museum zu besichtigen und eigentlich die Pflicht die Bleder Schnitte, eine regionale Tortenspezialität, im Burghof zu genießen.
.

Städtetour

Sowohl bei meinem ersten Slowenienkurzbesuch mit der Kommilitonin als auch beim Urlaub mit meinem Freund, führte mich die nächste Etappe in Richtung Hauptstadt. Ljubljana ist über die Autobahn gut zu erreichen, jedoch sollte man sich auch das auf halbem Weg gelegene Kranj anschauen. Die mit 53.000 Einwohnern drittgrößte Stadt des Landes ist zwar kleiner als meine Heimatstadt Friedrichshafen, hat aber dennoch eine nette Innenstadt .
.

Ljubljana

Das wirkliche Zentrum des Landes liegt aber natürlich in seiner Hauptstadt Ljubljana. Mit knapp 300.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt kann man, zumindest für slowenische Verhältnisse, mit Fug und Recht als Metropole bezeichnen.

An den Ufern der Ljubljanica entstand eine lebendige Mischung aus barocken Gebäuden und mittelalterlichem Erbe. Wie fast jede Universitätsstadt ist auch Laibach kulturell pulsierend, so dass man sowohl in kleinen Cafés das Stadtleben genießen kann, als auch sich mit den vielen kulturellen Angeboten von Musikkneipen bis hin zum Ballett vergnügen kann.

Ebenso wie in Bled wird dann auch Ljubljana von einer Burg überragt, die allerdings deutlich moderner als die Bleder daherkommt. Neben einer kleinen Standseilbahn finden sich vor allem in den Gewölben unter der Burg moderne Stahlkonstruktionen, die ein geräumiges Hallensystem bilden.

Doch trotz dieser Neuerungen ist und bleibt Ljubljana eine faszinierende, bunte Stadt, die für mich zu den schönsten Hauptstädten überhaupt zählt.
.

Gen Osten

In Ljubljana trennen sich die Wege meines ersten Besuches und dem letzten Urlaub. Mit meiner Studienkollegin machte ich mich seinerzeit auf den Weg in Richtung kroatische Grenze. Novo Mesto, Brežice, alles kleine Städtchen zwischen 20.000 und 40.000 Einwohnern, die recht nette, aber auch recht kleine Stadtkerne haben.

In Brežice standen wir dann vor der Frage, ob wir durch die slowenische Pampa gen Maribor fahren, oder die kroatische Autobahn mit einen Abstecher in die Balkanmetropole Zagreb verbinden – wir entschlossen uns selbstredend für letzteres. Da es hier um Slowenien geht und nicht um Kroatien, nur ein paar kurze Anmerkungen. Erstens ist die Einreise nach Kroatien problemlos, der Perso reicht. Zweitens lohnt sich Zagreb auf jeden Fall. Drittens sollte man kroatische Währung dabei haben, mit unseren Euro kamen wir nämlich nirgendwohin. Und viertens, gegebenenfalls solltet ihr bis zum EU-Beitritt warten, die Ausreise war zwar kein Problem, die Wiedereinreise nach Slowenien aber schon – naja, auch Zöllner brauchen eine Daseinsberechtigung.

Verglichen mit Zagreb ist die zweitgrößte slowenische Stadt Maribor natürlich winzig, aber für slowenische Verhältnisse ist die Universitätsstadt ziemlich groß (über 100.000 Einwohner). An die Hauptstadt kommt Maribor zwar nicht ran, ein Ausflug lohnt aber dennoch.
.

Hinab in die Unterwelt

Mit meinem Freund machte ich mich dieses Mal allerdings nicht in Richtung Osten, sondern in Richtung Südwesten gen Adriaküste auf. Von Ljubljana aus kommend, passiert man etwa auf halber Strecke einen Ort, bei dem man ausfahren sollte: Postojna. Der Ort an sich ist dabei nicht das spektakuläre, doch die sich dort befindlichen Höhlen können sich wahrlich sehen lassen und sind nicht umsonst Sloweniens meistbesuchte Touristenattraktion.
.

Postojnska jama

Der Tourismus nimmt auch in Slowenien zu, doch bei unserer Reise kam es nur ein einziges Mal vor, dass wir wirklich Infrastruktur für Massentourismus sahen, und das war eben hier. Wir waren recht spät dran und kamen daher erst gegen Spätnachmittag bei den Höhlen an. Ein riesiger Parkplatz war zwar leer, machte jedoch überdeutlich, was hier zu Hochzeiten abgeht. Nach einem fünf bis zehnminütigen Fußweg durch den umliegenden Park kamen wir zum eigentlichen Touristenkern. Mehrere Kassenhäuschen, jede Menge Souvenirstände und unzählige Buden, in denen irgendwelcher Nippes verkauft wurde.

An den Kassen muss man sich dann zunächst entscheiden, was man alles sehen möchte. Neben der eigentlichen Höhle kann man noch eine Art Miniaturzoo mit Höhlentieren und das wenige Kilometer entfernt befindliche Felsenschloss Predjama sowie die dortigen Grotten besichtigen. Da wir alles rein zeitlich nicht mehr geschafft hätten, ließen wir die zweiten Grotten eben aus.

Wer nur den deutschen Namen „Adelsberger Grotte“ kennt, wird eindeutig in die Irre geführt. Ich kenne von der Schwäbischen Alb ja so manche Höhle, doch diese Grotte sprengte alle meine bisherigen Erfahrungen. Zunächst fährt man mit einem elektrisch betriebenen Zug einige Kilometer an Tropfsteinen vorbei ins Höhleninnere. Und auch wenn es draußen verdammt warm ist, sollte man spätestens jetzt eine Jacke anziehen. Sollte man die nicht zur Hand haben, hat man an einem der vielen Souvenirläden die Chance, sich noch wärmer einzukleiden.

In der Höhle gibt es dann sprachlich getrennte Führungen, die den Besuchern in einer Stunde einen kleinen Einblick in das über 20km lange Höhlensystem geben. Auch wenn es teilweise andernorts schönere Tropfsteine gibt, alleine die Dimensionen lohnen den Besuch. Brücken in schwindelerregenden Höhen, nicht enden wollende Hallen und Spalten, einfach nur gigantisch.
.

Höhlenburg Predjama

Mit dem Auto fährt man etwa eine Viertelstunde durch das ländliche Slowenien, ehe man das Dorf Predjama erreicht. Bereits vom Parkplatz aus sieht man die Höhlenburg in der Felswand thronen. Die Höhlenburg wurde im Mittelalter in eine Höhle mitten in die senkrechte Felswand hineingebaut. In der Burg sind viele Räume zugänglich und beherbergen etliche Informationen über den Bau und das Leben auf der Burg.
.

Höhlen von Škocjan

Während bei den Höhlen von Postojna der touristische Overkill stattfindet, ist dieser bei den zum Welterbe gehörenden Höhlen von Škocjan überhaupt nicht anzutreffen. Die gesamten Anlagen sind recht klein gehalten und befinden sich eher unscheinbar in einer mediterranen Heidelandschaft.

Auch hier hat man wieder die Wahl, was man denn nun besichtigen möchte. Mein Freund und ich entschieden uns für die klassische Tour und berappten jeweils die 15 fälligen Euro. Die Führungen finden zu festen Zeitpunkten statt, so dass wir uns noch etwas die Zeit vertrieben und uns dann mit unserem Führer auf den Weg zum Höhleneingang machten. Durch die etwas ausgetrocknete Mittelmeerlandschaft spazierten wir etwa einen Kilometer bis zum Tor in die Unterwelt.

Nachdem wir dieses durchschritten hatten, wanderten wir durch diverse mehr oder weniger schöne Hallen - im Vergleich zur Adelsberger Grotte geht Škocjan hier unter. Und als wir uns gerade fragten, was an dieser Grotte denn nun so besonders sein soll, hörten wir in der Ferne die Reka, deren Wassermassen für die Entstehung verantwortlich zeichnen. Der Durchgang wird schmaler, man tritt durch eine kleine Öffnung und ist vollkommen geplättet. Vor uns breitete sich die rauschende Höhle aus, ein gigantischer Canyon, den der Fluss im Laufe der Jahrtausende in den Kalkstein gefressen hat. Wenn man durch den Durchgang geschritten ist, befindet man sich etwa zwei Drittel der Höhe, die über hundert Meter beträgt. Nach vorne erstreckt sich die über 50 Meter breite Halle über mehrere hundert Meter – und das alles komplett unterirdisch. Beeindruckend, faszinierend, grandios, das Gefühl in dieser Halle zu stehen kann ich mit Worten nicht beschreiben. Auf der einen Seite riesig, auf der anderen machte es mir wieder bewusst, wie klein der Mensch eigentlich ist. Ich hätte gerne Bilder davon eingestellt, aber erstens darf man in der Höhle nicht fotographieren und zweitens würden die Ausmaße auf einem Bild ohnehin nicht zur Geltung kommen. Von daher bleibt euch nur eines übrig: Fahrt selbst hin!

Am Ende der knapp zweistündigen Führung begaben wir uns mit einer kleinen Seilbahn wieder zum Parkplatz und machten im dortigen Restaurant noch Mittagspause (schmeckte gut, war aber etwas überteuert) und schauten uns anschließend noch einige den Höhlen gewidmete Ausstellungen im Dorf Škocjan an, das sich auf einer schmalen Felsbrücke zwischen zwei Dolinen erhebt.
.

Sonne, Strand und Meer

Wer Zeit hat – und die hat man im Urlaub ja für gewöhnlich, der sollte keinesfalls die Autobahn in Richtung Koper nehmen, sondern die Landstraße. Auf einer gut ausgebauten Straße führen wir gemütlich durch die hügelige Landschaft, genossen die vorherbstliche Stimmung und berauschten uns an der mediterranen Atmosphäre – und für die Autofahrer im kilometerlangen Autobahnstau hatten wir auch noch ein paar Gedanken übrig.

So gelangten wir also nach Koper, der einzigen slowenischen Stadt mit großem Seehafen. Hat man den Industriegürtel überwunden, befindet man sich im leicht venezianisch anmutenden Stadtkern, der durch eine schöne Fußgängerzone besticht und an manchen Stellen einen weiten Rundblick über Hafen und Adria zulässt. Mit anderen Worten, Koper ist einen Halt wert, nur baden kann man hier nicht sonderlich gut, dafür empfehle ich die kroatische oder italienische Küstenregionen – sowohl Istrien, als auch Triest sind schließlich um die Ecke.
.

Dies und Das


Essen und Trinken

Auch wenn man es vielleicht vermutet, das slowenische Preisniveau ist nicht im Keller. Für ein ordentliches Essen zahlt man in etwa so viel wie bei uns auch. Während die Küche im Nordosten eher rustikal ist und die Nähe zu Österreich deutlich erkennbar ist, sollte man sich in Adrianähe den Meeresfrüchten zuwenden. Gerade um Koper gibt es wunderbare Muscheln, Fischplatten und Calamari.
.

Die sprachliche Barriere

Amtssprache Sloweniens ist wie bereits erwähnt Slowenisch. Als Deutsche hatten wir allerdings keine Probleme, mich im Land zu verständigen. In der österreichischen Grenzregion sprechen vor allem die Älteren fließend Deutsch. Die Jugend radebricht eher etwas, kann jedoch im Normalfall Englisch.

Sprachlich auffallend war für uns auch der Unterschied zwischen österreichischer und italienisch/kroatischer Grenzregion. Während die Jugend im Norden anscheinend kein Deutsch mehr lernt, waren Italienischkenntnisse im Süden weit verbreitet. Dieser Eindruck wurde auch durch die Verkehrsschilder verstärkt, die im Norden einsprachig slowenisch waren, im Süden dagegen dreisprachig.
.

Land und Leute

Die überwiegende Zahl der Slowenen, die wir getroffen haben, war hilfsbereit und auch sonst äußerst zuvorkommend. Einblicke in die traditionellere Kultur bot ein kleines Amateurfestival in Kranjska Gora, bei dem mehrere (zugegebenermaßen überforderte) Chöre unterstützt von einem (diesmal ziemlich unterforderten) Jugendorchester an zwei Abenden Volkslieder zum Besten gaben.
.

Abschiedsschmerz

Nach dem Aufenthalt in Koper verließen wir Slowenien und fuhren via Triest ins nächste Sorgenland Italien, schließlich wollte ich mit meinem Schatz noch unbedingt ins nahegelegene Venedig:) Zurück ließen wir ein wunderschönes, vielseitiges Land, das als Alternative zu den überlaufenen Nachbarn noch so etwas wie ein Geheimtipp ist. Dass sich auch in Slowenien die Uhren weiterdrehen sieht man allerdings schon, es bleibt also leider fraglich, wie lange man noch die Ruhe und Abgeschiedenheit genießen kann.

Schönes Alpenpanorama, mediterranes Flair, pittoreske Dörfer und pulsierende Hauptstadt, raue Karstlandschaft und flacheres Hügelland, Slowenien bietet auf kleinstem Raum Abwechslung pur. Egal ob Aktivurlauber, Wanderfreund oder Familienurlaub, jeder findet hier genügend Anregungen für seinen Traumurlaub.

Slowenien – was verbindet man mit Slowenien? Vor einigen Jahren wären die Antworten eventuell Ex-Jugoslawien oder europäischer Musterschüler gewesen, heute ist es vermutlich Euro-Rettungskandidat, morgen ist es vielleicht schon die Erinnerung an einen unvergesslichen Aufenthalt in einem faszinierenden Land.

Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 4181 mal gelesen und wie folgt bewertet:
87% :
> Wie bewertet man einen Erfahrungsbericht?
besonders hilfreich

Ihre Bewertung zu diesem Erfahrungsbericht

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • pinkbubbles veröffentlicht 17.02.2015
    phänomenal
  • Lasiroth veröffentlicht 01.03.2014
    Ein toller Bericht, der so richtig Lust auf das kleine Land macht. Ljubljana werden wir auf jeden Fall mal besuchen, und wenn sie für dich eine der schönsten Hauptstadte überhaupt ist, dann bin ich umsomehr gespannt. Das Höhlensystem klingt wirklich sehenswert und die Höhlenburg sieht sowieso richtig richtig klasse aus. Der Massentourismus könnte mittlerweile durch deinen Bericht wohl das Land befallen haben. Wir werden ihn auf jeden Fall als Anhaltspunkt nehmen, wenn es uns nach Slowenien verschlägt. Da wir gerade dabei sind, kann ich dir noch die Slowenische Female Fronted Folk Band Aperion empfehlen. ;-)
  • MSBBonn veröffentlicht 23.01.2014
    Slowenien ist so ein Land, bei dem ich weiß, daß es das gibt, aber ich habe keinerlei Informationen darüber. "Früher Jugoslawien" ist das Einzige. Dein Bericht hat aber Lust daruf gemacht, es mal anzusehen. Das würde sich für eine Tour mit dem Wohnmobil eignen. LG Martin
  • Haben Sie Fragen? Loggen Sie sich auf Ihr Ciao-Konto ein, um dem Autor einen Kommentar zu hinterlassen. Sich anmelden

Produktdaten : Slowenien, Allgemeines

Produktbeschreibung des Herstellers

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 28/11/1999