Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
Fahreigenschaften, Verbrauch, Innenraum, Lifestyle |
| Kontra: |
Schaltung, Federung |
Hallo liebe Leser,
nach nunmehr fast 10 Jahren Erfahrung mit sämtlichen Modellen von Smart will ich heute einen Bericht über meinen Liebling, einen Smart Fortwo Cabrio Passion CDI aus dem Jahre 2003 verfassen.
Ich versuche meinen Bericht so gut es geht übersichtlich zu gliedern.
Erster Eindruck vom Smart in o. g. Variante:
Man läuft ans Fahrzeug ran und überlegt sich mit jedem Schritt des Näherkommens, wie man das wohl jetzt am Besten anstellst, sich in dieses kleine Plastikgeschöpf zu falten. Der vertikal stehende Türgriff macht einem sofort klar: Man steht hier nicht vor einem Auto von der Stange. Tür auf, erste Überraschung. In den Smart steigt man nicht ein, man gleitet in den Innenraum. Die Türen öffnen sehr weit, die Sitzposition ist hoch. Wow, sehr gute Sitze. Beim näheren Betrachten sieht man, es handelt sich um Vollschalensitze. Relativ hart, aber wie an den Körper gegossen. Einmal umschauen, zweimal umschauen. Unmöglich, dass dieses von außen so winzige Auto ein derart protzig großes Raumgefühl vermittelt. Also aussteigen, sich normal der 2,50 m Kürze vergewissern und wieder rein. Weiter. Das Armaturenbrett ist formschön geschwungen und in meiner Innenaussttung mit intensivem rotem Stoff bespannt, identisch der Sitze und der Türverkleidungen. Die Windschutzscheibe ist scheinbar endlos vom Fahrer entfernt und hinter dem Armaturenbrett ist eine große Fläche, in der Lautsprecher montiert sind. Ganz vorne unter der Scheibe zwei kleine "Knubbel", welche sich nach der ersten Nachfrage als Hochtöner des Soundsystems identifizieren lassen. Die eigenltiche Armaturentafel ist klein gehalten. Sie sitzt in der mitte des von oben gesehen S-förmigen Armaturenbrettes und ist leicht zum Fahrer geneigt. Leicht aufgesetzt wirkend zeigt auch sie die absichtlich freundlich verspielte Art des kompletten Innenraumes. Die zwei Rundinstrumente, die über der Armaturentafel auf dem Armaturenbrett montiert sind, entputten sich als Uhr und Drehzahlmesser. Irgendwie scheinen sie die Augen des kleinen Smart zu sein. Das Lederlenkrad fasst sich griffig an, liegt gut in der Hand, ist aber leider weder in der Höhe noch in der Tiefe verstellbar. Füße auf die Pedale - schon wieder der "hoppla"-Effekt. Die Pedalerie steht auf dem Boden, sie hängt nicht. Und es sind nur zwei. Automatik? Nein, sequetielles, automatisiertes 6-Gang Schaltgetriebe, so die Verkäuferin. Gesundheit! Später mehr dazu. Der Beifahrersitz ist leicht nach hinten versetzt. Logisch, bleibt mehr Platz in der Breite für die Passagiere. Schlau, schlau, die Entwickler. Sowieso entdeckt man laufend Lösungen für scheinbare Probleme, die derart einfach aber auch logisch gelöst sind, dass man immer wieder zum Schmunzeln kommt. Aussteigen, drumrum. Moment. Man steht vor einem Auto, welches nicht nur lediglich 3 Liter Diesel verbraucht. Es versprüht durch sein kindliches Auftreten Lifestyle, hat einen riesigen Innenraum, ist ein vollwertiges Cabrio bei dem man (heute eine Seltenheit) nicht unter der Windschutzscheibe platznehmen muss und es bietet sämtliche Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Sitzheizung und anderer kleinerer Gimmicks. Bis hierher einzigartig auf dem Weltmarkt. Und das alles auf 2,50m ? Ok, ok. Schlüssel bitte, schnell!
Die erste Fahrt:
Einstegen, Tür zu. Ups, klappriges Geräusch. Resultat der durchgefärbten Plastikverkleidungen rundum am Smart. Schlüssel rein, moment. Wo kommt der denn jetzt rein? Nein, nicht rechts unterm Lenkrad. Ich muss lachen, da bin ich wohl nicht der erste, der das denkt. Das sehr kratzempfindliche Plastik zeigt mir, schon mehrere Gescheiterte Versuche anderer Probefahrer. Das Zündschloss sitzt zwischen Fahrer und Beifahrersitz hinter dem Gangwählhebel. Ok, Schlüssel rein, umdrehen. Krass, der Smart aktiviert den Anlasser automatisch so lange, bis der Motor läuft. Tippstart heißt das. Schon wieder eine sehr durchdachte Eigenschaft. Und schon wieder muss ich lachen. Der Diesel schüttelt den ganzen kleinen Kerl einmal hin und her, ehe er laut nagelnd aus dem Land der Träume erwacht. Ähm, wie war das? "Bla bla bla der Motor wiegt nur 69 Kilogramm, ist ein technisches Meisterwerk, wiegt lediglich 69 kg und ist das kleinste Dieselaggregat der Welt und überzeugt durch sein niedgriges Geräuschniveau bla bla bla" NEIN. Er nagelt wie einst Omas 190 D von 1986. Ich erinnere mich, nur 3 Zylinder. Klar, läuft doch etwas rauher. Gang rein. Schon wieder ein rätsel. Nach hinten lande ich im Rüchwärtsgang. Bleibt nur noch nach links. Da ist sie, die 1 im Display. Knopf am Wählhebel gedrückt, steht da ein A. Automatik. Ist mir jetzt erstmal lieber, komm mir eh schon vor wie vom Mond, als würde ich das erste mal am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen. Nächste Überraschung, die Handbremse lässt sich exakt wie in jedem anderen Auto bedienen - wie langweilig. Tritt aufs Gaspedal. Drehzahl geht hoch, nix passiert. Hä? Nochmal, los. Man muss das Gaspedal gut zur Hälfte treten ehe sich der kleine nagelnd und zögernd in Bewegung setzt. Nach fünf Metern wars das erstmal mit Vortrieb. Das Fahrzeug nickt den Gegenverkehr freundlich grüßend nach vorne ein und lässt sich exakt 1,2 Sekunden (gefühlte 4 Sekunden) zeit um den nächsten Gang zu suchen und stellt sich wieder auf die Hinterbeine um weiter für Vortrieb - zu früh gefreut. Schon wieder schalten. So schaltet er bei normaler Fahrweise bei 15, 25, 35, 40, 50 und 75 km/h. Ui. Nur am Schalten. Ja, Sie haben richtig gerechnet, sind 6 Gänge. Klar, und diese auf 135 km/h verteilt erzeugt viele Schaltvorgänge. In den relativ seltenen Phasen dazwischen scheint man ein relativ starkes Drehmoment zu erkennen. Direkt nach dem Schalten quittiert der kleine den vermeintlich untertourigen Motorlauf mit lautem Dröhnen im Innenraum. Gewöhnungssache. Wems nicht zusagt, selber schalten. Einfach während der Fahrt den Wählhebel nach vorne bzw hinten tippen. Schöne Sache, zumal die Automatik speziell im Stadtverkehr und am Berg genau dann schaltet, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann. So kommt es vor, dass man langsam an eine Kreuzung rollt, kurz vorm Stillstand noch schnell rauswieseln will und der Smart sich in aller ruhe mehrere Sekunden nach dem richtigen Gang erkundigt und sich das anfahrende Fahrzeug gefährlich nähert. Resultat: Voll auf die Bremse. Oder: Man fährt in der Stadt einen etwas steileren Berg hinauf, muss kurz vom Gas wegen einer Kurve, Smart will zurückschalten, wird aufgrund der langen Schaltpause von 3 auf 2 so langsam, dass er direkt danach in den 1 muss um nach erneuter Schaltpause schon auf der Stelle zu stehen. Erneutes Anfahren. Wir haben gelernt: Beim Anfahren einer Kreuzung oder speziell einem Kreisverkehr Schalthebel in die Hand, manuell zurückschalten und Gang eingelegt lassen, um spontan rausbeschleunigen zu können. Am Berg von vornherein frühzeitig manuell in gewünschten Gang schalten um wahllose Schaltattacken der Automatik zu umgehen. Kein Problem, wenn mans weiß.
Bewusst sein muss man sich wohl oder übel auch der quasi nicht vorhandenen Federung. Gullideckel werden zu Feinden, ganz zu schweigen von Bahnübergängen. Gepaart mit einem äußerst kurzen Radstand ergibt das anfangs ein reines Gehoppel.
Je schneller man wird, desto leiser wirds im Smart. Vom Stoffverdeck, welches sich megalässig bei jeder Geschwindigkeit stufenlos in jede Stellung öffnen lässt, hört man nichts. Kein Unterschied zu einem festen Dach. Mit zunehmender Gescheindigkeit verschwindet auch das Dieselgeräusch. Erwischt: 120 km/h und bester Komfort. Von wegen nur ein Stadtauto. Auch das Gehoppel wird weniger. Je schneller, desto geschmeidiger federt der Kleine.
Sicherheit:
3 Sterne im NCAP Crashtest zeigen: Voll auf der Höhe der Zeit. Fahrer und Beifahrerairbag Serie, Seitenairbags bestellbar. Viel relevanter der Tridion. Tridion ist die Zelle, die die eigenltiche Karosse des Smart darstellt. Sie ist grundsätzlich schwarz oder silber und verleiht dem Smart somit auch seinen meist zweifarigen Auftritt. Der Tridion beschützt seine Insassen wie eine harte Nusschale und besteht aus hochfestem Stahl. Und das beste: Er verspricht nicht zu viel. In einigen Crashexperimenten zeigte sich, dass er sich noch nicht einmal mit Höchstgeschwindigkeit gegen eine Betonfront verfomt. Klar, überlegen würde das mit Sicherheit trotzdem keiner. Sehr sicher ist man dann, wenn man gegen ein anderes Fahrzeug oder gegen einen Gegenstand prallt, der sich verfomt und somit Energie absorbiert. Der Smart gibt sich hier egoistisch und nutzt frech die Knautschzone seiner Unfallgegner aus. Blöd dann halt, ist der Unfallgegner ein Smart oder ein deformierbarer Gegenstand. Dadurch werden die 795 kg Leergewicht zurückgeschleudert und somit wirken enorme Kräfte auf die Insassen.
Alles in Allem ist der Smart ein sicheres Fahrzeug was angesichts der Fahrzeuggröße wirklich beachtlich und beruhigend ist.
Fahrverhalten:
Wie gesagt, die Schaltung ist nicht der Hit. Sie schlatet oft dann, wenn man es nicht brauchen kann und nervt mit langen Schaltpausen. Mit etwas Zeit gewöhnt man sich jedoch gut daran und lernt schnell damit umzugehen. Vorne steht speziell der Diesel auf 135er "Reifen". Das ist nötig um die gewünschte 3L-Steuernorm zu erreichen und hat zur Folge, dass schnelle Lastwechsel und Kurvenhatz mit stärkem Untersteuern quittiert wird. Weiter verstärkt auf nasser Fahrbahn. Das Motorengeräusch ist durchaus laut. Allerdings ist dies nicht unangenehm. Das langsame monotone Nageln wirkt schön ruhig, nicht so aufgeregt wie die Turbopfeifengeräusche des Benziners. Typische Dieselstärken wie Drehmoment am Berg und beim Anfahren zeigt auch der kleinste Commonraildiesel der Welt im Smart. Die Beschleunigung ist mit 41 PS natürlich weit von Sportwagenambitionen entfernt, wirkt aber durchaus spritzig und ist völlig ausreichend. Schließlich fährt man ein derartiges Auto mit der Absicht zu sparen. Naturgemäß lässt sich dieser Winzling wieselflink durch den dichten Stadtverkehr manövrieren und das Fahren macht wirklich Spaß. Die Bremsen sind mercedestypisch mehr als vorbildlich und verzögern so schnell zum Stillstand, dass man Ansgst hat, dass der Nachfolger im Falle einer Vollbremsung auffährt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Seitenwindempfindlichkeit bei höheren Geschwindigkeiten. So muss man bei etwas Seitenwind auf der Autobahn nach dem Überholvorgang eines LKW schon das Lenkrad fest im Griff haben um nicht unfreiwillig einen spontanen Spurwechsel hinzulegen. Auf Schnee und Eis ist etwas mehr Vorsicht geboten. Der Heckantrieb wirkt sich nicht gerade positiv auf das Verhalten auf glatter Fahrbahn aus. Elektronische Helfer wie ASR oder ESP greifen hier so stark ein, dass man Mühe hat, z. B. an leichten Steigungen anzufahren.
Kofferraum / Zuladung:
Kleiner Kofferaum? Fehlanzeige! Klar, wenn die Gepächraumabdeckung drin ist, geht nicht viel rein, da diese den Kofferaum auch in der Tiefe einschränkt. Ist sie draußen hat man wirklich genug Platz um zu zweit in die Ferien zu fahren. Es empfiehlt sich aber, meherer Sporttaschen zu packen, als große Koffer, da man die kleineren Sporttaschen flexibler reinpacken kann. Sieben Käste Wasser sind übrigens kein Problem, 3 nebeneinander, 3 weitere obenauf, einer hinter dem Fahrersitz. Schonmal probiert sieben Wasserkästen in den Kofferaum eines herkömmlichen Kleinwagen (nicht Kleinswagen) zu packen, ohne die Rückbank umzulegen? Natürlich sollte man zu speziellen Fahrten zum Möbelhaus oder ähnlichem ein anderes Auto mitnehmen. Der Kofferraum reicht jedoch völlig für den täglichen Gebrauch, den Wochenendeinkauf und das Urlaubsgepäck für 2 Personen aus. Negativ ist beim Einladen allerdings die zweigeteilte Heckklappe, bei der die Heckscheibe nach oben klappt und anschließend das Heckteil nach unten. Hier muss man sämtliche Lasten über die liegende Heckklappe stemmen.
Das Verdeck:
Zu öffnen per Fernbedienung oder durch Taste im Innenraum lässt es sich stufenlos wie ein Faltschiebedach zurückfahren, anschließend nach unten auf die Heckklappe falten und zu guter letzt die Holme über den Seitentüren entfernen. Welche man übrigens in dem davor vorgesehenen Halterungsfach in der Heckklappe verstauen kann. Das Cabriogefühl ist einmalig. Wie früher im Käfer oder im Golf 1 sitzt man hier wirklich noch unter freiem Himmel und nicht unter einer sehr flachen Windschutzscheibe. Optional ist ein Windschott erhältlich, welches nahezu jegliche Windverwirbelungen im Innenraum verhindert und wirklich kinderleicht einzuhängen ist.
Ausstattung:
Passion ist die höchste Ausstattugnsvariante des Smart. Neben sowieso serienmäßigen Gimmicks wie ZV mit FB und eFh bietet diese Ausstattung eine Klimaanlage, die Cockpituhr und den Drehzahlmesser, attraktivere Farben und Muster im Innenraum, Alufelgen, el. Spiegel, das automatische Fahrprogramm, den Tridion in Selber uvm. Hier könnten sich andere Hersteller sogar in weitaus höheren Klassen eine dicke Scheibe abschneiden. Servolenkung ist im Übrigen angesichts dem Heckmotor und der schmalen Bereifung vorne völlig überflüssig, jedoch als Sonderausstattung zu haben.
Zuverlässigkeit:
Beim Diesel super. Der Motor läuft und läuft und läuft. Wichtig ist hierbei, den Motor immer sanft warm zu fahren und niemals heiß abzustellen. Selbstverständlich sollte man Wartungen rechtzeitig und möglichst auch nur in Fachwerkstätten zu absolvieren. Die Inspektionen finden alle 15000 km statt und sind mit 150 Euro günstig. Teure Zusatzarbeiten halten sich in Grenzen, da der Smart zb. über eine wartungsfreie Steuerkette anstatt eines Zahnriemens verfügt. So bleiben als Zusatzarbeiten eigenltich nur günstige Filter und die Bremsflüssigkeit.
Ärger machen gebrochene Federn, welche aufgrund eines Konstruktionsfehlers auf Kulanz ausgetauscht werden. Immer mal wieder auffällig wird die Verdeckelektrik bzw. - mechanik, da diese sehr kompliziert ist und äußerst zickig auf die leichteste Fehlbedienung reagiert. Häufige Motorschäden wie beim Benziner sind beim Diesel nicht bekannt.
Unterhaltskosten:
Da ist es wieder, das Lächeln. 133 Euro Steuern sind lächerlich gering für einen Diesel. Die Versicherungsbeiträge belaufen sich bei mir - mit 30% - auf schlanke 231 Euro im Jahr für Haftpflich mit Vollkasko 300,- SB. Dass tanken spaß machen kann, wird im smart CDI bewusst. Wer einigermaßen liebevoll mit dem Kleinen umgeht, wird mit einem Verbrauch unter vier Litern belohnt. Die angegebenen 3,3 sind ledinglich auf der Autobahn im Windschatten eines LKW´s zu realisieren. Vollgasfahrten bestraft der Kleine durchaus mti einem Verbrauch von fast 5 Litern.
Fazit:
Geniales Fahrzeug Konzept, was einen jeden Tag zum lächeln bringt. Mit seiner Optik, seinem Innenraum, bei der Parkplatzsuche, beim offenen Fahren - jedoch spätestens an der Tankstelle.
Das Fahrgefühl ist super, der Qualitätseindruck für ein Fahrzeug dieser Klasse wirklcih gut, alles ist sauber verarbeitet und nichts klappert.
Gewöhnt man sich an die Kleinen Macken des Smart - wie die Schaltung oder die Federung- wird man viel Freude mit ihm haben.
Ich würde dieses Fahrzeug uneingeschränkt weiterempfehlen.
Mit puren Daten möchte ich sie nicht langweilen, diese kann jeder auf der Homepage des Herstellers einsehen.
Vielen Dank fürs Lesen.
Fortwo.
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