Wenn ein Märchen zum Fantasy-Spektakel mutiert
31.05.2012
Pro:
bildgewaltiges Schlachten - Epos
Kontra:
vom ursprünglichen Märchen bleibt nicht mehr viel über
 Dr.Ed
Über sich:
Auch dieses jahr fallen Ostern und Weihnachten wieder auf einen Tag: Der nächste Ciao-Stammi in HH f...
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Hallo Zielgruppe! Die Märchen der Gebrüder Grimm werden ja immer wieder gerne mal als Vorlage für einen Film genommen. Dabei kommen auch durchaus einige eigenwillige Interpretationen heraus, die mit den ursprünglichen Märchen außer dem Titel nicht mehr viel gemeinsam haben. Jetzt kommt eine weitere Adaption in unsere Kinos, die obendrein mit einer ziemlich namhaften Besetzung aufwarten kann. Ob und inwieweit das neue Leinwand-Epos noch etwas mit der Vorlage gemeinsam hat, dazu mehr in diesem Bericht. ### INHALT ###
~~~ Heute die „MissVega und Dr.Ed lassen sich keine Märchen erzählen“ - Mittelversion ~~~ Die ebenso eitle wie grausame Königin Ravenna hält ihre Stieftochter Schneewittchen in einem Verlies ihrer Burg gefangen, nachdem sie ihren Vater noch in der Hochzeitsnacht grausam getötet hat. Das einst blühende Land verfällt alsbald in Finsternis. Ravenna weiß, dass ihre Stieftochter Schneewittchen dazu bestimmt ist, sie eines Tages als Herrscherin abzulösen. Es gibt nur eine Möglichkeit, dies zu verhindern: Sie muss Schneewittchens Herz essen und so Unsterblichkeit erlangen. Allerdings gelingt es Schneewittchen aus ihrem Verlies zu entkommen und in den dunklen Finsterwald zu fliehen, wo der Einflussbereich der Königin nicht hinreicht. So beauftragt Ravenna den Jäger und Trunkenbold, Schneewittchen zurück zu bringen. Er findet sie zwar recht zügig, aber er merkt auch sehr bald, dass er von der Königin nicht die versprochene Belohnung zu erwarten hat.
Stattdessen schließen der Jäger und Schneewittchen ein Bündnis, um sich gemeinsam dem Zugriff durch die böse Königin zu entziehen. Zugleich macht sich ihre Sandkastenliebe Prinz William daran, sie aus den Fängen der Königin zu befreien, nachdem er gehört hat, dass sie wider Erwarten noch am Leben ist. Dazu verdingt er sich inkognito als Bogenschütze im Dienste der Armee der Königin. Dort ist er mit einem Suchtrupp unterwegs, der dem Kommando von Finn steht, dem Bruder Ravennas. Alsbald findet der Suchtrupp Schneewittchen bei den 7 Zwergen im Zauberwald. William und den Zwergen gelingt es, den Suchtrupp zu töten. Schnell wird ihnen klar, dass nur Schneewittchen die nötige Macht hat, um das darbende Land aus der finsteren Herrschaft der Königin zu befreien. Unglücklicherweise gelingt es der Königin durch eine List, Schneewittchen in einen vergifteten Apfel beißen zu lassen... ### MEINE MEINUNG ###
Ihr merkt es wahrscheinlich schon an der Inhaltsangabe, dass der Film mit dem ursprünglichen Märchen der Gebrüder Grimm nur relativ wenig gemeinsam hat. Einige Grundmotive aus dem Märchen sind zwar erhalten geblieben, aber die Interpretation ist letztlich eine völlig andere, deutlich finsterere. Genaugenommen ist das ganze ein relativ düsteres Fantasy-Spektakel und fast schon Schlachten-Epos, das mehr mit seinen vielen Kämpfen eher an die „Der Herr der Ringe“-Trilogie erinnert und mit der heilen Märchenwelt, wie wir sie aus Grimms Märchen sonst so kennen und wie sie in den „Shrek“-Filmen parodiert wurde, optisch und inhaltlich wenig gemeinsam hat. Überhaupt fällt auf, dass „Snow White & the Huntsman“ neben „Der Herr der Ringe“ sich auch noch bei anderen filmischen Vorlagen bedient. Da taucht z.B. in einer Szene im Zauberwald ein 140-Ender-Hirsch auf, den Fans des Anime-Genres so ähnlich schon aus „Prinzessin Mononoke“ kennen. Allerdings wirkt diese Sequenz – im Vergleich zur sonstigen Tonalität des Films – ein wenig zu kitschig bzw. überzuckert und somit entsprechend etwas deplatziert. Die Liste mit weiteren Film-Anleihen ließe sich noch um einige Beispiele verlängern, würde aber an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Darüber hinaus fällt auf, dass dieser Film nahezu völlig humorfrei ist und sich dadurch ernster als nötig nimmt.
Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass die sich entwickelnde Dreiecksgeschichte zwischen Schneewittchen, Prinz William und dem Huntsman in diesem Film relativ wenig Raum bekommt. Das in ihr liegende Potential für Reibungspunkte wird nicht annähernd ausgeschöpft und funktioniert nur sehr bedingt, so dass die Figur des Prinzen für die Geschichte kaum etwas bringt. Wenn da nicht der obligatorische Kuss durch einen Prinzen wäre, würde niemand die Figur des William ernsthaft vermissen. Überhaupt bleiben viele Figuren seltsam flach und eindimensional. Die Königin und ihr Bruder sind abgrundtief böse, Prinz William und the Huntsman sind tapfere und edle Kämpfer und Schneewittchen die einzig wahre gute. Da wäre sicher noch die eine oder andere Facette aus den Figuren herauszuholen gewesen. Darstellerisch vermag Charlize Theron durchaus zu überzeugen, auch wenn sie manchmal am Rande des Overacting agiert. Dagegen wirkt Kristen Stewart deutlich blasser. Auch wenn sie ihre Rolle durchaus glaubhaft verkörpern kann, wirkt es bei ihr deutlich angestrengter. Chris Hemsworth als Huntsman liefert eine solide Leistung ab und wirkt auch passend besetzt. Sam Claflin als Prinz William wird nicht ernsthaft gefordert und bleibt auch sonst unauffällig. Sam Spruell kann als böser Bruder ebenfalls überzeugen. Dagegen wirken solche schauspielerischen Schwergewichte wie Bob Hoskins, Eddie Marsan, Nick Frost, Ian McShane, Ray Winstone oder Toby Jones in ihren Nebenrollen als Zwerge fast verschenkt, weil sie kaum etwas von ihrem Können zeigen dürfen.
Das Tempo des Films variiert zwischen hohem Tempo bei den Action-Sequenzen und gemächlicherem Tempo bei den Dialog-Szenen. Gefühlt gab es zum Glück nur wenige Längen. Auf visueller Ebene ist der Film auf jeden Fall gelungen: Die Ausstattung ist wirklich opulent und die special-effects machen durchaus was her, auch wenn er mit „Der Herr der Ringe“ in dieser Hinsicht nicht ganz mithalten kann. Die Bilder sind überwiegend kalt und düster, während die Sequenz im Zauberwald quietschbunt geraten ist und damit optisch wie inhaltlich aus dem Rahmen fällt. Insgesamt sind die Bilder jedoch in sich stimmig. Die Gruseleffekte werden zwar sehr dosiert, aber dafür auch sehr effektiv eingesetzt und sorgen an den entsprechenden Stellen für echtes Gänsehaut-Gefühl. ### FAZIT ###
Wer hier einen klassischen Märchen- bzw. Familienfilm erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht sein, denn der Film zielt eindeutig auf ein Fantasy-Publikum. Die Märchen-Vorlage der Gebrüder Grimm ist nur noch in seinen Grundmotiven erkennbar. Optisch macht der Film einiges her, ohne allerdings die Klasse der „Der Herr der Ringe-Trilogie auch nur annähernd zu erreichen. Dagegen fällt die Geschichte inhaltlich ein wenig ab, weil sie ihr Potential und das der Figuren nicht mal ansatzweise ausschöpft, obwohl der Interpretationsansatz sicher interessant ist. Meine Empfehlung fällt daher eher zwiespältig aus, weil ich mir nicht sicher bin, welche Erwartungen welcher Zielgruppe er tatsächlich erfüllt, denn vieles bleibt hier zwar in Ansätzen stecken, aber wirklich enttäuscht war ich auch nicht. Insofern kann ich hier nur 3 von 5 Schneewittchen-Särgen vergeben. ### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2012, 127 Minuten, FSK 16 Regie: Rupert Sanders Buch: Evan Daugherty, John Lee Hancock, Hossein Amini Kamera: Greig Fraser Musik: James Newton Howard
~ Schneewittchen – Kristen Stewart ~ Ravenna – Charlize Theron ~ Jäger – Chris Hemsworth ~ Prinz William – Sam Claflin ~ Finn – Sam Spruell ~ Beith – Ian McShane ~ Muir – Bob Hoskins ~ Duir – Eddie Marsan ~ Gort – Ray Winstone ~ Nion – Nick Frost ~ Coll – Toby Jones ~ Quert – Johnny Harris ~ Gus – Brian Gleeson ~ Duke Hammond – Vincent Regan ~ Schneewittchens Mutter – Liberty Ross ~ King Magnus – Noah Huntley ~ Greta – Lily Cole ~ Anna – Rachael Stirling u.v.a.
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31.07.2012 17:03
Geiler Cast. Mich hat schon immer gewundert, welche Ausgeburten der Filmindustrie zum Thema Schneewittchen eingefallen sind. Unvergessen die Goldstaubschniefende Domina im "Sonne"-Video von Rammstein. Fehlt eigentlich nur noch die Gangbang-Version ... LG der brennecke
24.06.2012 15:49
ich finde die Neuinterpretationen der Märchen spannend - vor allem wenn man mit weniger gegenüber der Vorlage dran geht.
14.06.2012 21:19
Nö, Fantasy ist nicht mein Fall...