So ein Struwwelpeter

Erfahrungsbericht über

So ein Struwwelpeter

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung So ein Struwwelpeter

 

Alle So ein Struwwelpeter Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Ein Struwwelpeter nicht nur für Ossis

5  07.05.2005

Pro:
keine brutalen Grausamkeiten, sondern witzig und ironisch; lehrreich und amüsant

Kontra:
evt .  der Preis, aber .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Lerngehalt

Aufmachung

Illustration / Fotos

mehr


Paukenfrosch

Über sich: imma läsen ;-)

Mitglied seit:19.11.2002

Erfahrungsberichte:1363

Vertrauende:238

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 158 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Suppenkasper, Zappelphilipp und Hans Guck-in-die-Luft - mit diesen Namen betitelt man ja oft Kinder mit entsprechenden Verhaltensauffälligkeiten. Doch ich glaube, nicht jeder weiß, daß diese Figuren aus dem Buch "Der Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann sind, welches 1844 erschien. Wer dieses Buch kennt, teilt eventuell meine Auffassung, daß die Geschichten doch recht brutal sind und ebenso traurig enden. Immerhin verhungert der Suppenkasper und dem Daumenlutscher werden die Daumen abgeschnitten.

Man gut, daß es zu diesem Buch eine sehr gute Alternative gibt. Ebenfalls mit Figuren, die Unarten haben und auf die das Buch mit seinen Geschichten erzieherisch einwirken soll, jedoch ist das jeweilige Ende der Geschichten nicht so brutal. Die Rede ist von dem Buch:

"So ein Struwwelpeter"

* * * * *

Allgemeines zum Buch
-------------------------------

Das Buch "So ein Struwwelpeter" erschien erstmalig 1970 vom Kinderbuch Verlag Berlin (DDR). Ich habe es als Kind so oft gelesen, daß es letztendlich zerfledderte. Man gut, daß dieses Buch - wie viele andere DDR-Kinderbücher auch - neu aufgelegt wurde.

So liegt nun vor mir ein Exemplar des Buches, welches 2003 vom Kinderbuch Verlag, der der Verlagsgruppe Beltz (www.beltz.de) zugehört, unter der ISBN-Nr 3-358-01340-5 erschien. Vom Format her ist das gebundene Buch ca. 21,5 cm x 28 cm groß und beinhaltet 38 Seiten. Bezahlt habe ich dafür 9,90 €.

Die Geschichten im Buch hat Hansgeorg Stengel verfaßt. Dieser Autor wurde 1922 in Greiz geboren und verstarb im Jahre 2003. Seiner Feder entsprangen noch andere Werke, jedoch ist mir keines so bekannt wie dieser Struwwelpeter.

Die Zeichnungen in diesem Buch sind von dem in der DDR sehr bekannten Karikaturisten Karl Schrader, der 1915 in Hildesheim geboren wurde, gezeichnet worden. Bekannt war er nicht nur bei den Erwachsenen, sondern auch bei Kindern durch seine Zeichnungen zu den Ottokar-Domma-Büchern.

Trotz langer Recherche im Internet konnte ich nicht viele Informationen zu beiden Personen sammeln, denen wir dieses schöne Buch verdanken. Noch nicht einmal, ob Karl Schrader noch lebt, oder nicht. Doch eines fand ich zu meiner großen Freude heraus: Es gibt seit 1993 auch das Buch "Super Struwwelpeter"
Bilder von So ein Struwwelpeter
So ein Struwwelpeter Bild 2413343 tb
Cover
von Hansgeorg Stengel, welches aber leider nicht von Schraders Zeichnungen geziert ist.

* * * * *

Inhalt des Buches
------------------------

"So ein Struwwelpeter" beinhaltet insgesamt folgende 13 Geschichten:

Die Geschichte vom bockigen Martin
Die Geschichte vom Tierquäler Matthias
Die Geschichte von der faulen Angelika
Die Geschichte von der eigensinnigen Ulrike
Die Geschichte vom fernsehverrückten Frank
Die Geschichte vom Kaputtmacher Siegfried
Die Geschichte vom verbrannten Spielzeug
Die Geschichte vom Mäkelfritzchen
Die Geschichte von der Daumenlutscherin Sibylle
Die Geschichte vom Faxenmacher Franz
Die Geschichte von der ungezogenen Luise
Die Geschichte vom Stromer Johannes
Die Geschichte von der alten Oma Enzenbach

Alle Geschichten sind eigentlich Gedichte, denn sie sind in einfacher Versform geschrieben. Wie man anhand der einzelnen Titel schon erkennen kann, geht es in jeder Geschichte um eine bestimmte Charaktereigenschaft, die eher unangenehm ist. Und hierin liegt auch der Sinn des Buches: es soll nämlich nicht nur Spaß bringen, sondern auch erzieherisch auf Kinder wirken.

So wird in jeder Geschichte ein Kind vorgestellt, das eine bestimmte Unart aufweist. Doch am Ende schlägt das Schicksal zurück und das Kind macht eine schlimme Erfahrung, aus der es für die Zukunft lernt. So war es im Hoffmann Buch "Der Struwwelpeter" und so ist es auch hier im Buch "So ein Struwwelpeter".

Gemeinsamkeiten zwischen beiden Büchern finden sich in einigen Themen wieder.

So gibt es auch hier ein Mädchen, das mit Vorliebe an ihren Daumen lutscht. Doch ihr werden nicht brutal die Finger abgeschnitten, so daß das Blut nur so spritzt, nein, hier entschließen sich die Daumen, auf Wanderschaft zu gehen. Nun bemerkt Sibylle, wozu sie ihre Daumen tagtäglich braucht. Selbst essen und trinken fallen schwer. Diese Geschichte reicht für daumenlutschende Kinder aus. Liest man ihnen die Geschichte vor und spricht mit ihnen darüber, so werden sie ihre Gedanken beschäftigen und eventuell schnellsten vom Laster befreien. Man muß ihnen nicht unbedingt mit grausamen Verstümmelungen drohen, so wie es im alten Struwwelpeter der Fall ist.

Auch zum Thema Essen finden sich im Buch Geschichten. Gab es von Hoffmann noch den Suppenkasper, der am Ende der Geschichte jämmerlich verhungerte, also starb, so geht es hier mit Angelika und dem Mäkelfritzen lustiger ab. Angelika, die gern futtert, ansonsten aber faul ist, platzt zwar am Ende mit lautem Knall, aber der Mäkelfritze, der nichts außer Stachelbeeren ißt, bekommt zum Schluß selbst eine stachlige Haut. Unrealistisch, aber doch auf lustige Art und Weise auf´s Thema bezogen.

Zuletzt noch eine thematische Gemeinsamkeit: Das Zündeln! Verbrannte das hoffmannsche Paulinchen, so kommen die Kinder in diesem Buch glimpflicher davon. Es verbrennt nach dem Kokeln mit Streichhölzern lediglich ihr Spielzeug. Schlimm genug, um aus der Geschichte zu lernen, aber eben ohne Personenschaden.

Ein neues Thema ist das Fernsehgucken. Das kannte Hoffmann ja noch nicht, doch in heutiger Zeit ist es leider ein Problem. Kinder sitzen viel zu oft und viel zu lange vor dem Fernseher. Doch die Geschichte vom fernsehverrückten Frank kann dem Abhilfe schaffen…

Der Sinn des Buches liegt also klar auf der Hand. Wie schon erwähnt, soll es erzieherisch auf Kinder wirken. Bestimmte Eigenschaften wird jeder an seinem eigenen Kind eventuell schon entdeckt haben, so könnte es Zeit für dieses Buch sein. Einfach die passende Geschichte vorlesen, darüber mit dem Kind sprechen und anschließend das Kind nachdenken lassen. Es wird seine Wirkung nicht verfehlen.

Der große Unterschied zum klassischen Struwwelpeter ist, daß es dem Buch an Grausamkeiten völlig fehlt. Ganz im Gegenteil, es ist eher ironisch und teilweise unrealistisch. Oder bekommt man wirklich eine stachlige Haut, wenn man nur Stachelbeeren ißt? Wohl kaum! Doch ich finde es viel schöner, wenn man Probleme nicht immer so ernst nimmt. Man kann einige Sachen ruhig mal ins Lächerliche ziehen, Spaß an der Geschichte haben und trotzdem daraus lernen. Es lernt sich sogar viel besser, wenn man dabei lacht, finde ich.

Der alte Struwwelpeter drohte nur und machte Angst. Das empfand ich als Kind schon so und der Meinung bin ich noch heute. Und da ich davon nichts halte, gibt es eben das Buch "So ein Struwwelpeter" in meinem Regal. Die Erziehungsmethoden haben sich eben geändert. Die Moralvorstellungen weniger, wie man doch an den vielen Gemeinsamkeiten beider Bücher bemerkt.

Erwähnenswert sind aber nicht nur die Geschichten, deren Inhalte und deren Aussagen. Das Buch wird erst so richtig toll durch die Bebilderung. Klar, daß zu solch satirischen und ironischen Texten, ein Karikaturist seine Feder zücken mußte. Vortrefflich, daß es sich hierbei um Karl Schrader handelt. Ich mag seine Bilder, denn sie sind ausdrucksstark, direkt und in diesem Buch auch selbstverständlich bunt. Karl Schrader kann besonders gut den Gesichtern Ausdruck und somit auch Aussage verleihen. Gefühle und Gedanken der gezeichneten Personen kann man sofort erkennen. Und trotzdem steckt soviel Humor darin, daß man sich teilweise kringelig lachen könnte. In diesem Buch bilden Text und Bild so sehr eine Einheit, daß man sich nichts anderes vorstellen mag.

* * * * *

Fazit
-------

Für mich hat dieses Buch mehrere Bedeutungen. Einmal weckt es natürlich viel Kindheitserinnerungen in mir, da ich mit diesem Buch groß geworden bin. Ich hatte sogar eine Schallplatte dazu. Weitere Werke von Stengel kenne ich zwar nicht, aber dafür haben mir Schraders Zeichnungen immer wieder auch in anderen Büchern viel Freude und Spaß bereitet. Somit ist dieses Buch auch etwas ostalgisch.

Doch der Inhalt des Buches ist auch heute noch modern, selbst wenn das Buch nun schon 35 Jahre auf dem Buckel hat. Kinder sind eben immer wieder Kinder und sie sind eben bockig, eigensinnig, faul oder sie kokeln gern, gucken zu viel Fernsehen usw. Somit gibt es immer wieder Grund, dieses Buch zur Hand zu nehmen.

Doch ich finde, es ist nicht nur ein Kinderbuch - welches übrigens ab 5 Jahren empfohlen wird. Auch Erwachsene werden Freude beim Lesen des Buches haben und natürlich auch am Betrachten der Bilder. Es ist ein amüsanter Zeitvertreib und obendrein ein lehrreicher…

Sicherlich sollte man die zu zahlenden 9,90 € nicht in DM umrechnen, sonst kommt man noch ins Zweifeln. Aber es ist ja kein Buch zum Lesen und Weglegen. Man greift immer wieder mal danach und somit macht es sich letztendlich auch bezahlt. Besonders, wenn es den Kindern den Bock ausgetrieben und von anderen Marotten befreit hat.

Da dieses Buch wohl eher den eingefleischten Ossis bekannt ist, möchte ich an dieser Stelle besonders den alten Bundesbürgern und auch den Österreichern empfehlen, sich dieses Buch zu kaufen oder wenigstens mal reinzuschauen. Ich bin mir total sicher: Es wird Euch gefallen!


( 5. Mai 2005 )

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dimmee

dimmee

06.11.2009 14:54

mit Liebe geschrieben

KruegerChristine

KruegerChristine

19.07.2009 15:47

Bastle im Moment selbst an einer "umfassenden" Zusammenstellung zum Thema "Struwwelpeter" im Allgemeinen! Schöner Bericht ... LG Günter

Demelza

Demelza

24.05.2005 11:12

Ei, wie fein - da gibt es doch tatsächlich eine eigensinnige Ulrike. Ob diese Namensvetterin von mir auch meine Eigenschaften hat? Klingt ganz danach, als ob das Buch was für unseren geplanten nachwuchs wäre... P.S.: Kennst Du das Bilderbuch "Die Struwwelliese"?

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 6036 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (6%):
  1. dimmee
  2. Demelza
  3. Wurzelzwerg22
und weiteren 7 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (94%):
  1. DasBercki
  2. KruegerChristine
  3. Babyschlumpf
und weiteren 146 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.