"...auch wir sind Sternenstaub..."
6. Aug 2002
(18. Mar 2004)
Pro:
viele Informationen, verständlich geschrieben
Kontra:
manchmal trocken, Rahmenhandlung etwas verwirrend
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Aufmachung:
mehr
 marenmoon
Über sich:
well.
Mitglied seit:23.07.2001
Erfahrungsberichte:111
Vertrauende:58
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 115 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„Wer nicht von dreitausend Jahren Sich weiß Rechenschaft zu geben, Bleib im Dunkeln unerfahren, Mag von Tag zu Tage leben.“
Mit diesem Zitat von Johann Wolfgang Goethe beginnt das Buch „Sofies Welt“ und schon hier wird dem Leser klar, dass dieses Buch keine leichte Kost werden wird. „Roman über die Geschichte der Philosophie“ heißt es im Titel. Roman hört sich nach gut lesbar an, Philosophie erschien mir damals, als ich diese Buch gelesen habe, eher fremd. Ich war gerade in die 11. Stufe gekommen, hatte das erste Mal Philosophieunterricht gehabt und fuhr dann für einen dreimonatigen Austausch nach Frankreich. Dort, so hatte ich mir vorgenommen, wollte ich das Buch durchlesen, damit ich später im Unterricht nicht ganz dumm da stehe. Ich hätte das Buch für den Unterricht nicht lesen müssen, wie sich später herausstellte, aber für mich selbst war ich doch sehr froh, es dennoch durchgehalten zu haben.
„...schließlich und endlich musste doch irgendwann irgendetwas aus null und nichts entstanden sein...“ Das Buch beginnt tatsächlich wie ein „normaler“ Roman, eine Geschichte. Die 15jährige Sofie Amundsen kommt von der Schule nach hause und guckt in den Briefkasten. Dort findet sie einen an sie adressierten Umschlag, in dem sich ein kleiner Zettel befindet, auf dem steht: „Wer bist du?“ Da kein Absender angegeben ist, ist das Mädchen zunächst irritiert und beschließt, ein weiteres Mal in den Postkasten zu gucken. Dort findet sie einen Zettel, auf dem steht: „Woher kommt die Welt?“ Es schließen sich weitere Briefe an, die das Mädchen immer mehr darüber aufklären, was die Intention des mysteriösen Absenders ist: Er möchte ihr die Philosophie näher bringen, vielleicht erklären. Sie zur Teilnahme an einem Philosophiekurs bewegen. Nach einigem Nachdenken lenkt sie ein und erhält von nun an
regelmäßig Briefe von dem Mann, der sich nur zögerlich immer mehr zu erkennen gibt. Beispielsweise schickt er ihr ein Video, das ihn im an©marenmoon tiken Athen zeigt, welches sich jedoch nur einmal anschauen lässt und somit Sofie nicht in die Not bringt, ihrer Mutter zu erklären, wie ein heutiger Mensch tausende von Jahren zeitversetzt auf Video zu sehen sein kann. Dieses versteht sie im Übrigen selbst auch nicht, taucht jedoch immer mehr in die mysteriöse Welt ihres Lehrers ein und ist bald nicht mehr überrascht, wenn er sich wieder kleine Besonderheiten für sie einfallen lässt. In seinen Briefen beginnt er in einfacher, verständlicher Form, Sofie die Ursprünge der Philosophie und der philosophischen Fragestellungen zu erklären.
„Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das einzige, was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden.“ Diesen Leitspruch gibt er Sofie in einem seiner ersten Briefe mit. Von nun an erklärt er ihr, warum sich Menschen bestimmte Fragen stellen, wie diese von verschiedenen Philosophen in verschiedenen Epochen beantwortet wurden und warum. Hierbei geht er chronologisch vor, so dass das Mädchen besser verstehen kann, aufgrund welcher, z.B. geschichtlicher Ereignisse, sich Gedankengänge veränderten. Die Art und Weise, in der er sich Sofie mitteilt, verändert sich auch: Neben Briefen telefonieren beide auch miteinander und Sofie besucht den Mann zuhause. In die ganze Geschichte ist noch eine etwas verwirrende Nebenstory eingeflochten, die das Verständnis des Buches etwas erschwert, weshalb ich auf sie hier nicht näher eingehen möchte, nur soviel: Sofie findet in ihrem Postkasten an „Hilde“ adressierte Karten und entdeckt auch sonst viele Gemeinsamkeiten zwischen sich und der Gleichaltrigen, die sie zunächst jedoch gar nicht kennt. Gegen Ende der Geschichte vermischen sich Haupt- und Nebenstrang des Romans und es wird etwas schwierig, genau zu verstehen, warum was passiert. Dazu jedoch gleich noch mehr...
„...von nichts kann nichts kommen...“ o Meine Leseerfahrungen o
Das war so ungefähr meine Meinung über meine Philosophiekenntnisse, bevor ich dieses Buch gelesen habe. Ich wusste ziemlich wenig, fand die Vorstellung aber interessant, die chronologische Abfolge der Philosophie einmal kennen zu lernen. Dass „Sofies Welt“ nicht einfach sei, hatte ich vorher schon gehört, was mich jedoch nicht sonderlich abgeschreckt hat, denn wenn man etwas lernen will, dann muss man auch das in Kauf nehmen. Am Anfang des Buches fand ich es dann auch tatsächlich nicht s©marenmoon onderlich spannend, denn die Gedanken der antiken Philosophen sagten mir größtenteils nicht sonderlich zu. Trotzdem habe ich mich dann gezwungen, weiterzulesen und nicht einfach Teile des Buches zu überspringen. Dieses erwies sich auch als ziemlich hilfreich, da im Laufe des Buches immer mal wieder auf Gedanken der antiken Philosophen zurückgegriffen wird und natürlich auch die neuere Philosophie diese Gedanken immer noch als Grundlage benutzt. Wenn man das Buch das erste Mal liest, ist es als schon hilfreich, es ganz zu lesen – sowohl die Rahmenhandlung als auch die Briefe über die Philosophen. Später kann man es durchaus auch mal als Nachschlagewerk benutzen, da sich hinten auch ein Stichwortverzeichnis befindet. Das Problem dabei ist nur, dass die Informationen oft auch in Dialogen „verpackt“ sind und man somit manchmal etwas suchen muss, bis man das gefunden hat, was man sucht. Hierfür gibt es aber im Übrigen ja sowieso Lexika. o Meine Lesetipps o
“Sofies Welt” ist ein Buch, das ziemlich viel Wissen vermitteln will/solll/kann...wie auch immer. Vor dem Lesen sollte man sich auf jeden Fall überlegen, was man möchte: Wenn man das Buch nur einmal durchlesen möchte, um die Geschichte zu lesen und ein bisschen etwas über Philosophie zu erfahren, kann man das tun. Danach darf man jedoch auch nicht erwarten, dass man viel von dem behält, was dort steht. Die andere Variante ist die kompliziertere, arbeitsintensivere: Buch lesen, Notizen machen. Hierbei ist der Effekt natürlich deutlich größer und man hat am Ende deutlich mehr gelernt und nebenbei für sich selbst eine Übersicht über die Geschichte der Philosophie erstellt. Das muss aber natürlich jeder selbst wissen, denn es ist wirklich Arbeit und nicht das, was man normalerweise freiwillig macht ;-) o Kritik o
Absolut lesenswert. „Sofies Welt“ ist ein Buch, das versucht, eine Entwicklung in einfachen Worten verständlich zu machen, was auch gelingt. Das Buch ist auch für Jugendliche geeignet und kann so natürlich auch auszugsweise in Schulen eingesetzt werden. Das Problem ist nur, dass es manchmal recht trocken ist und vielleicht manchen Leuten die Lust am Lesen vergeht. Hier kann man sich nur zwingen, weiterzulesen oder eben aufgeben. Letzteres würde ich aber eher nicht empfehlen, denn man verpasst wirklich etwas. Kritik gibt es von mir aber an der Rahmenhandlung: Sie ist ziemlich verwirrend und macht das Buch so an manchen Stellen unnötig kompliziert. Besonders das Ende ist ziemlich unverständlich und schwer zu lesen. Da die Erklärungen zur Philosop©marenmoon hie teilweise in diese Geschichte mit eingebunden sind, ist es schwer, die Handlung beim Lesen einfach wegzulassen, was ich eigentlich recht schade finde, denn so hätte man einen Überblick über die Geschichte der Philosophie, der nicht unterbrochen wird. Trotzdem bleibt „Sofies Welt“ ein interessantes Buch, das nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch zum Nachvollziehen von Ideen, die andere einmal gehabt haben, da die geschichtlichen Hintergründe, vor denen diese entstanden sind, auch ein wenig mit beleuchtet werden. „...Ein Stück des Weges zurückzulegen ist nicht dasselbe, wie sich zu verlaufen...“
liebe grüße,
©marenmoon 6.8.02
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22.06.2006 09:08
@peregrinus: Du meist gewiss " Denker des Abendlandes. Eine Geschichte der Philosophie"...
22.06.2006 09:02
„Dass „Sofies Welt“ nicht einfach sei, hatte ich vorher schon gehört […]“ Wer erzählt denn so etwas? Mit einer solchen Meinung sagt man mehr über die eigene Bildung als über diesen Roman. Gaarder hat das Buch extra für Jugendliche geschrieben, um sie an die Philosophiegeschichte heranzuführen, ergo musste er jede Theorie stark vereinfachen. Wenn die Leute, von denen du jene Einschätzung gehört hast, Erwachsene sein sollten, dann haben sie einiges nachzuholen – wenn du verstehst, was ich meine…
11.07.2005 19:31
Ich hatte den Eindruck, einen solchen Bericht von dir schon mal gelesen zu haben. Aber lt. Bewertung war es nicht so. Das gibt mir jetzt die Chance, ein verdientes sh abzusetzen. Beste Grüße! Lily