Solaris (2002)

Solaris (2002)

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... Diese Grundvoraussetzung trifft sicherlich auch auf die Verfilmung des Science-Fiction-Klassikers Solaris aus der Feder von Stanislaw Lem zu, die Steven Soderbergh nun mit seinem, fast schon siamesisch mit ihm verbundenen, Hauptdarsteller George Clooney realisiert hat. Ich habe es vor ... Bericht lesen





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1-6 von 15 Erfahrungsberichten    
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Im Schwerkraftfeld der Langeweile
Erfahrungsbericht von Espionne über Solaris (2002)
07.03.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: die Atmosphäre / gelungenes Zusammenspiel von Bildern und Musik und äh, hm .  .  .  vielleicht George Clooney's blankes Hinterteil?
Kontra: ein Film, der leider in seinem guten Ansatz stecken bleibt / zähfließende Handlung / schleppende Dialoge / langatmig .  .  .

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Romanverfilmungen sind immer ein schmaler Grad. Einerseits wollen und sollen sie ein Stück weit eine Interpretation der Vorlage sein, andererseits soll die visuelle und inhaltliche Umsetzung auch immer den Erwartungen der Vorlage gerecht werden. Besonders schwer dürfte es aber werden, wenn sich ein Regisseur an die Verfilmung eines durchaus anspruchsvollen Romans macht.

Diese Grundvoraussetzung trifft sicherlich auch auf die Verfilmung des Science-Fiction-Klassikers Solaris aus der Feder von Stanislaw Lem zu, die Steven Soderbergh nun mit seinem, fast schon siamesisch mit ihm verbundenen, Hauptdarsteller George Clooney realisiert hat. Ich habe es vor dem Film leider nicht mehr geschafft das Buch zu lesen, so dass ich den Film leider nicht mit Blick auf die Adaption des Buches betrachten kann, doch soviel sei schon einmal verraten: Stanislaw Lem selbst äußert sich zu dem Film sehr skeptisch und sagte in Anlehnung an die ersten Kritiken, dass Solaris eigentlich keine Liebesgeschichte im Weltraum sein sollte...


[ WAS GESCHIEHT AUF DER PROMETHEUS? ]

Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Chris Kelvin (George Clooney) ist Psychologe und Trauma-Experte. Nach dem Selbstmord seiner Frau, an dem er sich nicht ganz unschuldig fühlt, stürzt er sich in die Arbeit, um sein eigenes Trauma irgendwie zu verarbeiten. Eines Tages erhält er einen Notruf seines alten Freundes Gibarian (Ulrich Tukur), der von der Raumstation Prometheus aus den Planeten Solaris am Rande der Galaxis erforscht. Kelvin fliegt zur Prometheus und findet eine traumatisierte Crew. Gibarian hat sich das Leben genommen und auch einige andere Crew-Mitglieder sind bereits tot.

Die beiden verbliebenen Besatzungsmitglieder Snow (Jeremy Davies) und Gordon (Viola Davis) berichten dem Neuankömmling von merkwürdigen Vorkommnissen. Und die bekommt auch Kelvin bald zu spüren, als ihn seine tote Frau Rheya (Natascha McElhone) besucht. Menschen, die den Crew-Mitgliedern einst lieb waren, scheinen unter dem Einfluss des Planeten Solaris wieder zum Leben zu erwachen. Kelvin schickt Rheya zunächst weg, weil er an eine Illusion glaubt, doch als sie das zweite Mal auftaucht, schafft er es nicht. Ist das die Chance auf einen Neuanfang? Oder wird er die gleichen Fehler wieder machen? Aber sind die Besucher wirklich real? Und wie kann die verbliebene Crew ihrem Trauma entkommen?


[ WELTRAUMAUSFLUG MIT STANLEY ]

Solaris ist sicherlich nicht der leichteste Stoff, den man auf die Leinwand bringen kann, dennoch (oder vielleicht auch deswegen) scheint dieses Buch eine gewisse Faszination auf manchen Filmemacher auszuüben. Soderbergh ist nicht der erste, der sich an der Umsetzung dieses Klassikers versucht. 1972 bannte Andrei Tarkovsky seine Interpretation des Romans auf Celluloid. Auch nicht unbedingt zu Lem’s Zufriedenheit. Soderbergh startete nun also mehr oder weniger ein Remake, das, mit James Cameron als Produzent, zunächst nach einem vielversprechenden Projekt aussah.

Nachdem ich den Film nun gesehen habe, weiß ich immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Einerseits waren meine Erwartungen nicht gerade niedrig, bekamen aber durch die doch teils sehr negativen Kritiken einen Dämpfer, so dass ich durchaus vorgewarnt war. Und so hat der Film bei mir dann auch einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Auf der einen Seite ist der Film durchaus schön anzusehen, auf der anderen Seite bleibt aber durch die teils mehr als langatmige, zäh voranschreitende Handlung eine gewisse Leere zurück.

Soderbergh selbst sieht seine Version von Solaris als eine Mischung aus "2001: A Space Odyssey" und "The Last Tango in Paris". Die Ähnlichkeiten zu 2001 sind dabei auch sehr deutlich zu erkennen. Die Ästhetik der Bilder, das Zusammenspiel von Bildern und Musik, das Wirken lassen von Eindrücken, all das hat schon irgendwie etwas von 2001, auch wenn es nicht da heranzureichen vermag.

Die Szenen sind wirklich den gesamten Film über sehr schön gemacht. Solaris wirkt bis tief in seine Einzelbilder. Dabei spielen nicht nur Perspektiven eine wichtige Rolle, sondern auch die Farben. Alle Szenen auf der Erde sind in ein warmes, gelbliches, sonnendurchflutetes Licht getaucht, obwohl es fast immer aus Strömen regnet. Vielleicht auch symbolisch für Kelvin's Seelenzustand. Alle Szenen an Bord der Raumstation wirken dagegen sehr kühl und bestechen durch den Kontrast von Licht und Dunkelheit. Es gibt viel sehr helles Licht, aber dadurch auch viel Schatten. Das Licht ist zu keiner Zeit warm, sondern stets kalt und fast schon steril. Auch das hat sicherlich einen gewissen Symbolcharakter.

Die Kameraführung strahlt den ganzen Film über eine ziemliche Ruhe aus. Sie wird nicht viel bewegt, es gibt viele Close-Ups der Darsteller. Wer ein Faible für rasante Kamerafahrten hat, den dürfte Solaris nicht zufrieden stellen. Dennoch ist gerade diese ruhige Kameraführung sicherlich für die starke Wirkung der Bilder mitverantwortlich. Szenen und Einzelbilder bekommen dadurch viel Raum sich zu entfalten und so auf den Betrachter einzuwirken, auch wenn Stanley Kubrick das mit 2001 besser konnte. Solaris ist sicherlich auch ein Film, der am besten auf der großen Kinoleinwand wirkt.

Einen wichtigen Beitrag zur Stimmigkeit der Bilder leistet auch die Musik von Cliff Martinez. Ich fand die Musik immer sehr passend zu den Bildern. Sie ist betont klassisch, mit einigen Klangspielereien, die den Bildern eine gewisse Tiefe verleihen. Was mir aber schon nach kurzer Zeit auffiel, ist dass weite Strecken des Film komplett ohne Hintergrundmusik auskommen und das ist schon etwas ungewohnt. Man hört das Atmen der Darsteller, das rhythmische Brummen der Maschinen der Raumstation und all das lässt die Atmosphäre an Bord noch beklemmender erscheinen.

Bilder und Musik sind aber leider auch schon das positivste, was dieser Film zu bieten hat. Zu erwähnen sind sicherlich auch noch Ausstattung und Kostüme, die durchaus überzeugend wirken und nicht so eine überzogene Art von Science-Fiction darstellen, wie man sich das genretypisch eher vorstellt. Insbesondere die Ausstattung der Raumstation wirkt durchaus realistisch. Der Film zeigt dadurch auch, dass er kein klischeehafter Sci-Fi-Film sein will, sondern sich mehr an den Wurzel des Genres bewegt, die auch Stanislaw Lem mit seinem Roman mitgeformt hat. Ich denke, dies zu vermitteln ist Soderbergh auch durchaus gelungen.


[ AUS DER SONNE, IN DAS SCHWARZE LOCH ]

Doch wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten und gerade der Schatten hinterlässt bei mir einen so starken Beigeschmack, dass er mich am Ende ziemlich an diesem Film zweifeln lässt. Da wäre zum einen der Verlauf der Handlung. Ausgangspunkt ist die Erde, bis Kelvin nach Gibarian's Notruf in Richtung Solaris aufbricht. Auf der Raumstation angekommen werden die dortigen Geschehnisse erzählt, immer wieder unterbrochen von Rückblenden in Kelvin's Vergangenheit auf der Erde und in seine Phantasie. Ich denke zumindest diese Zeit- und Raumsprünge tragen noch dazu bei, dass man nicht ganz wegdöst, denn im Grunde schleppt sich die Handlung nur sehr mühsam voran.

Ich gehöre sicherlich nicht zu den ungeduldigsten Kinogängern und weiß ruhige Film durchaus zu schätzen, was mir aber hier vorgesetzt wurde, ließ selbst mich hin und wieder zweifeln. Der Film hat im Grunde keine richtige Handlung, die einem klassischen Spannungsbogen folgt, sondern ist eigentlich mehr auf tiefere Psychologie aus. Ein Satz von George Clooney aus einem Interview sagt da sicherlich schon sehr viel aus: "Als ich das Skript las, habe ich vielleicht zwei Drittel des Stoffes begriffen. Aber nachdem ich Monate an dem Film gearbeitet habe, bin ich mir nicht mal dessen noch sicher."

Wenn selbst George Clooney also nicht einmal eine Ahnung davon hat, was uns dieser Film sagen will, wie soll es dann der Kinozuschauer in 99 Minuten rausfinden? Mir ist schon klar, dass sich der Film im Grunde um das Thema der zweiten Chance dreht und den verzweifelten Versuch begangene Fehler auszubügeln, mit dem Risiko, sie dabei noch einmal zu begehen. Die Reise zur Prometheus wird damit für Kelvin auch zu einer Reise in seine eigene Seele, doch so wie das ganze in Solaris angepackt wird, bleibt man als Zuschauer doch etwas unberührt.

Die eher spartanischen Dialoge geben oft einfach nicht genug her, um einen hohen psychologischen Anspruch zu rechtfertigen und bedeutungsschwangeres Schweigen kombiniert mit ellenlangen Close-Ups verleiht einem Film dann auch keine zusätzliche Tiefe mehr. Teilweise hätte man im Kino Popcorn runterfallen hören können, so still war nicht nur das Publikum (vielleicht schon eingeschlafen?), sondern auch der Film. Mag Soderbergh noch so lobenswerte Hintergedanken haben, sie bleiben in den Ansätzen stecken und verlieren sich dann im Laufe des Films einfach in einer unbeschreiblichen Langatmigkeit. Oder habe ich den Film einfach nicht verstanden? Aber wenn selbst George Clooney das nicht schafft, bin ich ja nicht in der schlechtesten Gesellschaft...


[ DARSTELLER: STERNSCHNUPPEN ODER EINFACH NUR SCHNUPPE? ]

Was die Darsteller angeht, sticht natürlich vor allem George Clooney als Kelvin hervor und man kann ihm sicherlich nicht vorwerfen, dass er seine Sache schlecht macht. Seine Mimik wirkt oft undurchdringlich, aber an manchen Stellen des Film bricht die Verzweifelung quasi aus ihm heraus und dann macht er seine Sache wirklich gut. Man sieht ihm an, dass er eine schwere Last auf seinen hübschen Schultern trägt. Dass Clooney hier und da mal seinen blanken Hintern in die Kamera hält, mag ja kurzzeitig meine Aufmerksamkeit erregen, aber den Film rettet er dadurch auch nicht... Und warum diese neue Synchronstimme? Die alte war doch gut. Natascha McElhone als Rheya gefiel mir im Großen und Ganzen auch ganz gut. Ich denke sie liefert, ähnlich wie Gibarian-Darsteller Ulrich Tukur eine ganz solide Leistung ab. Gerade die Solaris-Rheya strahlt eine gewisse Unschuld und Naivität aus, was der Rolle ganz gut tut.

Skeptischer sehe da schon die Nebenrollen. Da wäre zum einen Jeremy Davies als äußerst nerviger Computerfreak Snow, der mir von der ersten Szene an schon auf den Geist ging. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob er wirklich komisch sein sollte. Im Kino hörte man hier und da Gelächter (vielleicht aus Verzweiflung?), aber mir ging das irgendwie nicht über die Lippen. Snow kriegt auf jeden Fall keinen einzigen vollständigen Satz zustande, verläuft sich in einem abstrusen Gestotter und zeigt eine Gestik zum Schreien. In einem Film, in dem es ohnehin schon nicht viele Dialoge gibt, wiegt so etwas natürlich noch schwerer. Dann wäre da noch die Wissenschaftlerin Gordon, gespielt von Viola Davis. Sie ist sehr verschlossen und geradezu krampfhaft verbissen. Und sie ist letztendlich auch die einzige Figur im Film, die die Handlung mal ein Stück vorantreibt. Trotz ihrer mimisch minimalistischen Darstellung war sie für mich daher hier und da ein gewisser Lichtblick.


[ FAZIT ]

Puh, schwer verdaulich das ganze... Irgendwie hat mich Solaris mehr enttäuscht als erfreut, aber vielleicht ist dies auch die Sorte Film, die man nach dem ersten Gucken noch gar nicht mögen kann. Es gibt ja solche Filme, die einem erst mit der Zeit ans Herz wachsen. Ich weiß es einfach nicht genau. Ich weiß nur, dass Solaris bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat. Einerseits besticht der Film durch ein gelungenes Zusammenspiel schöner Bilder und passender Musik, aber andererseits war es das dann auch schon. Die Handlung schleppt sich mühselig über die 99 Minuten, die Erzählung schleicht in Zeitlupe voran und die Dialoge verlieren sich irgendwann in Langatmigkeit.

Solaris – ein netter, sicherlich gutgemeinter Ansatz, aber mehr leider nicht. Soderbergh lehnt sich an große Meister an (Stanislaw Lem und Stanley Kubrick), beweist damit in meinen Augen aber letztendlich nur, dass er selbst sich dort nicht ganz einreihen kann. Pauschal empfehlen würde ich den Film daher nicht. Wer immun gegen Langatmigkeit ist und die Geduld aufbringt, sich auf diesen schwerverdaulichen Film einzulassen, der kann den Versuch ja wagen, soll sich aber hinterher dann auch nicht beschweren. Science-Fiction-Fan braucht man dafür noch nicht einmal unbedingt zu sein, denn ob die Handlung im Weltraum stattfindet oder nicht, ist letztlich nicht von Belang. Massentauglich ist Solaris aber definitiv nicht.

Bewertung: 4 von 10 zähfließenden Punkten


Verwirrte Grüße,
Meike

P.S. George, vielleicht solltest du dir einfach mal von jemandem zeigen lassen, wie man Gurken in Scheiben schneidet. Das tat ja schon beim Zugucken weh...
   

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